Servicetelefon

0 70 33 / 39 12 90
info@muenzkauf.de

Öffnungszeiten und Abholung
nach Terminvereinbarung

Die Goldschmiedekunst

Ein kleiner historischer Exkurs.

 

Unter der Goldschmiedekunst versteht man die künstlerische Verarbeitung der Edelmetalle Gold und Silber sowie deren Legierungen zu Geräten, Gefäßen, Schmuckgegenständen und Plastiken. Aber auch die Fassung edler Steine und Perlen und die Montierung von Edelsteingefäßen und Gläsern.

Diverse GolderzeugnisseWegen der geringen Härte wurde Gold meist mit anderen Metallen legiert. Arbeiten aus Silberlegierungen erhielten eine Feuervergoldung. Schon im Mittelalter gab es Bestimmungen über den Feingehalt der Legierungen. Seit dem 15. Jahrhundert musste dieser von den Goldschmieden mit dem Meisterzeichen garantiert sein. Dem Feingehalt wurde – nach städtischer Prüfung – das Beschauzeichen hinzugefügt.

Den Goldschmieden, deren Stand als einer der vornehmsten des Handwerks und der Künste galt, vertraute man häufig auch die Anfertigung der Siegel und der Münzstücke an.

Die wichtigsten Techniken für die Formgebung waren und sind heute noch – Treiben, Schmieden, Gießen, für die Verzierung der Oberfläche Ziselieren, Punzieren, Gravieren, Tauschieren, Ätzen, Niello, Granulation, Filigran und verschiedene Emailtechniken, ferner fanden Schmucksteine, Perlen u. a. Verwendung.

Der Beruf des Goldschmieds ist stark von handwerklicher Arbeit geprägt. Er hat seine Wurzeln in der Frühzeit menschlicher Entwicklung. Schon vor mehr als fünftausend Jahren wurden in Ägypten und in China aus Gold und Silber erste Schmuckstücke hergestellt, die überwiegend kultischen Charakter hatten. In Europa stammen die frühesten Zeugnisse (5. Jahrtausend v. Chr.) aus einem Gräberfeld im Gebiet des Warnasees (Bulgarien).

Kulturen der Bronzezeit verarbeiteten Schmuck, Kultgegenstände, Prunkwaffen und Geräte aus Gold auf die gleiche Art wie Bronze, wobei vor allem mykenische Einflüsse aufgenommen wurden (16. Jahrhundert v. Chr.).
Die Goldschmiedekunst der Germanen wurde vor allem durch die römische Tradition und den Tierstil der Skythen beeinflusst. Sie verband geometrische und figürliche Ornamente mit reichen, farbigen Einlagen.

In der abendländischen Goldschmiedekunst des frühen Mittelalters überlagerten sich germanische Formvorstellungen und antike Überlieferungen aus Byzanz und befruchteten sich gegenseitig. Ein bedeutendes Zeugnis karolingischer Goldschmiedekunst ist der Goldaltar (»Paliotto«) des Wolvinius von Sant'Ambrogio in Mailand (um 840). Aus ottonischer Zeit sind kostbare Reliquiare, Tragaltäre, Bucheinbände, liturgische Gegenstände und Schmuckstücke sowie einige Kultbilder erhalten.

Zentren der sakralen Goldschmiedekunst des Mittelalters waren Trier, Regensburg, die Reichenau, Essen und Hildesheim, später die Gebiete an Maas und Niederrhein sowie Köln und Aachen. Aus ihren meist klösterlichen Werkstätten gingen große Meister hervor: der wohl mit Theophilus Presbyter, Verfasser der bedeutendsten Schrift zum mittelalterlichen Kunsthandwerk (de diversis artibus, 1. Viertel 12. Jahrhundert), identische Roger von Helmarshausen, Eilbertus Coloniensis, Godefroid de Huy, Reiner von Huy, Nikolaus von Verdun und Hugo von Oignies.

In der Renaissance erhielt die Goldschmiedekunst neue Impulse durch Aufträge von Fürsten, Städten und Zünften. Sie erlebte in Italien im engen Anschluss an die Bildhauerei seit dem 15. Jahrhundert eine Blütezeit. Auch die deutsche Goldschmiedekunst, die zum Teil italienisches Formengut aufnahm und weiterentwickelte, war von hohem Rang, sowohl hinsichtlich repräsentativer Schöpfungen, als auch in der Vielfalt des Gebrauchsgeräts. Vorlagen entwarfen seit der Spätgotik auch bedeutende Maler und Bildhauer (M. Pacher, V. Stoß, T. Riemenschneider, A. Dürer, H. Holbein der Jüngere, H. Krumpper).

Starken Auftrieb erhielt die Goldschmiedekunst zur Zeit des Jugendstils. Es entstand ein Gefühl für die Möglichkeiten des Materials, dessen formgerechte Verarbeitung vor allem für Gebrauchsgeschirr angestrebt wurde. Auch bei der Herstellung von Schmuck und der Fassung luxuriöser Gegenstände wurden neue Wege beschritten. Die führenden Vertreter waren in Deutschland J. Olbrich, H. Christiansen, E. Riegel, K. Groß und P. Behrens. In Frankreich R. Lalique und C. Fabergé, in Belgien H. van de Velde, in Dänemark G. Jensen, in Großbritannien die Firma Liberty & Co. und in den USA die Firma Tiffany & Co.

Rainer Maria Rilke widmete dem Beruf des Goldschmieds sogar ein Gedicht:

Der Goldschmied

Warte! Langsam! Droh ich jedem Ring
Und vertröste jedes Kettenglied:
Später, draußen, kommt das, was geschieht.
Dinge, sag ich, Dinge, Dinge, Dinge!
Wenn ich schmiede; vor dem Schmied
hat noch keines irgendwas zu sein
oder ein Geschick auf sich zu laden.
Hier sind alle gleich, von Gottes Gnaden:
Ich, das Gold, das Feuer und der Stein.

Ruhig, ruhig, ruf nicht so, Rubin!
Diese Perle leidet, und es fluten
Wassertiefen im Aquamarin.
Dieser Umgang mit Euch Ausgeruhten
ist ein Schrecken: Alle wacht Ihr auf!
Wollt Ihr Bläue blitzen? Wollt Ihr bluten?
Ungeheuer funkelt mir der Hauf.

Und das Gold, es scheint mit mir verständigt;
in der Flamme habe ich es gebändigt,
aber reizen muß ichs um den Stein.
Und auf einmal, um den Stein zu fassen,
schlägt das Raubding mit metallnem Hassen
seine Krallen in mich selber ein.

 

 

 

06.06.2022 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

Ihre Bewertung

Bitte geben Sie die Anzahl der Münzen in das Feld ein.
>

 

Bewertungen und Kommentare

 

 

 

0 Leser haben diesen Artikel von blog.muenzkauf.de auf einer Skala von 1 bis 5 mit durchschnittlich 0 Punkten bewertet.