20 Franken Vreneli – der Schweizer Goldklassiker
6,452 Gramm, 900er Gold und ein Motiv mit Geschichte: Das 20-Franken-Vreneli gehört zu den bekanntesten europäischen Goldmünzen
Das 20-Franken-Vreneli gehört zu den bekanntesten historischen Goldmünzen Europas. Zwischen 1897 und 1949 wurden insgesamt mehr als 58 Millionen Exemplare geprägt. Die Münze verbindet einen vergleichsweise hohen Wiedererkennungswert mit einem standardisierten Goldgehalt und ist bis heute regelmäßig im Edelmetallhandel anzutreffen.
Charakteristisch ist die junge Helvetia vor einer Bergkulisse. Gerade dieses Motiv machte die Münze berühmt – obwohl die Bezeichnung „Vreneli“ bei ihrer Einführung noch gar nicht verwendet wurde. Swissmint zufolge setzte sich der Name erst deutlich später durch und tauchte 1943 erstmals gedruckt auf.
Die technischen Daten des 20-Franken-Vreneli

Das klassische 20-Franken-Vreneli wiegt 6,452 Gramm und besteht aus einer Goldlegierung mit einem Feingehalt von 900 Tausendteilen. Daraus ergibt sich ein Feingoldgewicht von rund 5,807 Gramm. Der Durchmesser beträgt 21 Millimeter, die Dicke etwa 1,25 Millimeter.
Diese technischen Daten sind kein Zufall. Die Schweizer 20-Franken-Goldstücke orientierten sich am Münzstandard der Lateinischen Münzunion. Verschiedene europäische Goldmünzen dieser Zeit besitzen deshalb nahezu identische Gewichte und Feingehalte.
Swissmint nennt für das 20-Franken-Vreneli eine Gesamtauflage von exakt 58.634.296 Exemplaren über die Prägeperiode von 1897 bis 1949. Die technischen Angaben und die Geschichte der Münze sind ausführlich in der Veröffentlichung „Das Goldvreneli“ von Swissmint dokumentiert. Eine weitere Übersicht zu Geschichte, Daten und Jahrgängen bietet Gold-Muenzen.org zum Gold-Vreneli.
Helvetia vor den Schweizer Bergen
Die Vorderseite zeigt eine nach links blickende Frauenbüste. Ihr Haar ist zu einem geflochtenen Zopf gebunden, das Kleid ist mit Edelweiß geschmückt. Im Hintergrund erscheint eine stilisierte Berglandschaft. Oberhalb des Kopfes steht „HELVETIA“. Am unteren Rand befindet sich die Signatur des Künstlers F. LANDRY.
Entworfen wurde das Motiv vom Neuenburger Medailleur Fritz Ulysse Landry. Die Entwicklung der Münze verlief allerdings keineswegs reibungslos. Bereits während des Gestaltungswettbewerbs wurde kontrovers darüber diskutiert, ob die dargestellte Helvetia nicht zu jung wirke.
Landrys ursprünglicher Entwurf wurde mehrfach verändert. Unter anderem sollte die Frauenfigur reifer erscheinen und die Bergkulisse weniger dominant ausfallen. Selbst eine Stirnlocke sorgte bei frühen Probeprägungen für Kritik und wurde für die reguläre Ausgabe entfernt.
Gerade diese damals ungewöhnlich jugendliche Darstellung dürfte rückblickend dazu beigetragen haben, dass aus der offiziellen Helvetia im Volksmund das „Vreneli“ wurde.
Die Rückseite mit Schweizer Wappen
Auf der Rückseite befindet sich das Schweizer Wappen in einem Schild auf einem Eichenzweig. Links und rechts stehen die Wertangaben „20“ und „FR.“. Darunter befindet sich die Jahreszahl, daneben bei den regulären Vreneli das Münzzeichen „B“.
Die frühen regulären Ausgaben besitzen am Rand insgesamt 22 Sterne, angeordnet in drei Gruppen. Bei späteren Nachkriegsprägungen änderte sich die Randgestaltung teilweise deutlich.
Warum trägt ein Vreneli die Jahreszahl 1935 L?
Eine der auffälligsten Varianten des 20-Franken-Vreneli trägt die Jahreszahl „1935“ mit einem vorangestellten „L“. Diese Münzen wurden jedoch nicht sämtlich im Jahr 1935 geprägt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand in der Schweiz eine hohe Nachfrage nach Goldmünzen. Deshalb wurden zwischen 1945 und 1947 mehr als 20 Millionen 20-Franken-Vreneli hergestellt. Für einen großen Teil dieser Nachkriegsproduktion verwendete man weiterhin die Jahreszahl 1935.
Das vorangestellte „L“ diente zur Unterscheidung von den tatsächlich 1935 geprägten Münzen. Nach Angaben von Swissmint steht der Buchstabe für „Lingot“, französisch für Barren. Damit sollte zugleich der Charakter dieser Stücke als Handelsware hervorgehoben werden. Die Hintergründe erläutert Swissmint auch in den offiziellen Fragen und Antworten zum Goldvreneli.
Später wurde diese Vordatierung aufgegeben. Die Nachkriegsprägungen mit den Jahreszahlen 1947 und 1949 tragen stattdessen eine andere Randinschrift mit dem lateinischen Hinweis „AD LEGEM ANNI MCMXXXI“, sinngemäß „nach dem Gesetz des Jahres 1931“.
Vreneli und Helvetia sind nicht dasselbe
Im Handel werden ältere Schweizer Goldmünzen gelegentlich pauschal als Helvetia oder Vreneli bezeichnet. Numismatisch sollte jedoch unterschieden werden.
Die Schweizer 20-Franken-Goldmünzen der Jahre 1883 bis 1896 zeigen den sogenannten Libertaskopf und werden von Swissmint ausdrücklich nicht als Vreneli bezeichnet. Das eigentliche 20-Franken-Vreneli beginnt erst mit dem Jahrgang 1897 und dem Entwurf von Fritz Ulysse Landry.
Das ist insbesondere bei der Bestimmung älterer Schweizer Goldmünzen wichtig: Gewicht und Goldgehalt können übereinstimmen, obwohl es sich um unterschiedliche Münztypen handelt.
Wie viel Gold steckt in einem Vreneli?
Mit einem Raugewicht von 6,452 Gramm und einem Feingehalt von 900/1000 enthält ein 20-Franken-Vreneli rechnerisch rund 5,807 Gramm Feingold. Umgerechnet entspricht dies etwa 0,1867 Feinunzen Gold.
Die restlichen zehn Prozent der Legierung bestehen aus anderen Metallen, die der Münze eine größere Härte verleihen. Dadurch ist das Vreneli widerstandsfähiger als eine Münze aus nahezu reinem Feingold.
Die oftmals leicht rötliche oder warme Goldfarbe historischer Stücke ergibt sich aus der verwendeten Legierung und kann je nach Exemplar und Erhaltungszustand unterschiedlich wirken.
Nicht jedes Vreneli ist nur seinen Goldwert wert
Bei häufig vorkommenden Jahrgängen orientiert sich der Handelswert eines 20-Franken-Vreneli häufig stark am enthaltenen Gold. Dennoch sollte man historische Goldmünzen nicht ausschließlich anhand ihres Gewichts bewerten.
Jahrgang, Prägevariante und Erhaltung können zusätzlich eine Rolle spielen. Besonders bei auffälligen oder seltener angebotenen Jahrgängen ist daher eine genaue Bestimmung sinnvoll, bevor eine Münze lediglich nach ihrem Materialwert eingeordnet wird.
Auch vermeintliche Besonderheiten sollten genau geprüft werden. Abnutzung, Kratzer oder Beschädigungen durch Schmuckfassungen sind keine Fehlprägungen und erhöhen den Sammlerwert in der Regel nicht. Bei älteren Münzen sind zudem gereinigte oder polierte Oberflächen anzutreffen, die für Sammler weniger attraktiv sein können.
10 und 100 Franken tragen ebenfalls den Namen Vreneli
Das 20-Franken-Stück ist zwar das klassische Vreneli, blieb aber nicht die einzige Goldmünze mit diesem Motiv. Zwischen 1911 und 1922 wurden außerdem 10-Franken-Vreneli geprägt. Insgesamt entstanden davon rund 2,65 Millionen Exemplare.
Eine wesentlich seltenere Ausgabe ist das 100-Franken-Vreneli von 1925. Davon wurden lediglich 5.000 Stück hergestellt. Seine Vorderseite greift ebenfalls Landrys Helvetia-Motiv auf.
Swissmint bezeichnet entsprechend die 20-Franken-Stücke von 1897 bis 1949, die 10-Franken-Stücke von 1911 bis 1922 und das 100-Franken-Stück von 1925 als Vreneli.
Ein Stück Schweizer Münzgeschichte
Das 20-Franken-Vreneli verbindet mehrere Eigenschaften, die seine anhaltende Bekanntheit erklären. Es besitzt einen klar definierten Goldgehalt, wurde über Jahrzehnte in großen Stückzahlen geprägt und trägt eines der bekanntesten Schweizer Münzmotive.
Gleichzeitig erzählt die Münze ein Stück europäischer Währungs- und Schweizer Zeitgeschichte: von den Standards der Lateinischen Münzunion über die Diskussion um die Darstellung der Helvetia bis zu den großen Nachkriegsprägungen des Jahrgangs 1935 L.
Gerade deshalb ist das Vreneli mehr als nur 5,807 Gramm Feingold. Bei der Bewertung eines konkreten Exemplars gehören Motiv, Jahrgang, Variante und Erhaltungszustand ebenso zur Betrachtung wie der aktuelle Goldwert.
27.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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