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Deutschland Kompakt – 15. Oktober 2026

Politik und Wirtschaft heute: Berlin, die 16 Bundesländer und Folgen aktueller Entscheidungen für Unternehmen und Verbraucher.

 

Der politische Donnerstag in Deutschland stand im Zeichen konkreter Entscheidungen im Bundestag, anhaltend hoher Energie- und Standortkosten und einer sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Lage in den Ländern. Das Parlament beschloss eine umfassende Reform der Notfallversorgung und schuf die rechtlichen Grundlagen für die europäische digitale Identitäts-Wallet. Gleichzeitig bleibt die Energieversorgung ein zentrales Thema: Die deutschen Gasspeicher sind deutlich schwächer gefüllt als in früheren Jahren, nach Einschätzung der Bundesnetzagentur besteht derzeit jedoch keine akute Gefährdung der Versorgung. Für die Industrie besonders relevant sind zudem die deutsch-französischen Gespräche über eine Anpassung der europäischen CO2-Vorgaben für Neuwagen. In den Ländern reichen die heutigen Themen von Koalitionsverhandlungen und Windkraft über Flughafensanierung und Regionalbahnen bis zu neuen Industrieinvestitionen.

 

Deutschland in 60 Sekunden – fünf wichtige Nachrichten

 

1. Bundestag beschließt Reform der Notfallversorgung. CDU/CSU, SPD und Grüne stimmten für eine Neuordnung der Akut- und Notfallversorgung. Künftig sollen unter anderem die Rufnummer 116117, standardisierte Ersteinschätzungen und integrierte Akut- und Notfallzentren eine stärkere Steuerungsfunktion übernehmen.

2. Digitale Identität bekommt gesetzliche Grundlage. Der Bundestag verabschiedete das Digitale Identitätengesetz und machte damit den Weg für die europäische EUDI-Wallet in Deutschland frei. Bürger sollen sich damit künftig gegenüber Behörden und Unternehmen digital ausweisen können.

3. Bundesnetzagentur sieht trotz niedriger Gasspeicher keine akute Versorgungskrise. Die Speicherstände liegen deutlich unter früheren Vergleichswerten. Die Behörde beobachtet die Entwicklung nach eigenen Angaben sehr genau, sieht gegenwärtig aber keine unmittelbare Gefährdung der Versorgungssicherheit.

4. Berlin und Paris nähern sich bei europäischen Auto-Vorgaben an. Deutschland und Frankreich arbeiten an einem Kompromiss für die CO2-Anforderungen an Neuwagen ab 2035. Im Gespräch ist nach Reuters-Informationen ein verbindliches Reduktionsziel von 90 Prozent gegenüber 2021, ohne den bisherigen zusätzlichen Mechanismus zur rechnerischen Erreichung von 100 Prozent.

5. Neuer Arbeitsminister übernimmt große Reformbaustellen. Alexander Schweitzer ist seit Mittwoch Bundesminister für Arbeit und Soziales und Nachfolger der zurückgetretenen Bärbel Bas. Damit liegen zentrale Themen wie Arbeitsmarkt, Sozialversicherungen und die weitere Modernisierung des Sozialstaats nun bei dem früheren Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz.

 

Bundespolitik – aktuelle Entwicklungen

 

Deutschland Kompakt – politische und wirtschaftliche Nachrichten aus Berlin und den 16 Bundesländern

Der Bundestag arbeitete am Donnerstag ein umfangreiches Programm ab. Neben Gesundheitspolitik und digitaler Verwaltung standen Zuwanderung, Ausbildungsförderung, Familienpolitik, hybride Bedrohungen und Energieversorgung auf der Tagesordnung. Die Beschlüsse zeigen, wie stark derzeit Fragen staatlicher Leistungsfähigkeit mit wirtschaftlichen Themen verknüpft sind: effizientere Gesundheitsstrukturen sollen Kosten und Personal entlasten, digitale Identitäten Verwaltungsprozesse vereinfachen und energiepolitische Debatten die Versorgungssicherheit stärker absichern.

Auch die wirtschaftliche Grundstimmung bleibt widersprüchlich. Einerseits wurde die Wachstumsprognose der Bundesregierung für 2026 auf 1,3 Prozent angehoben. Andererseits hatte das Bundeswirtschaftsministerium erst am Mittwoch darauf hingewiesen, dass die Konjunktur im dritten Quartal voraussichtlich wieder an Tempo verloren hat. Hohe Energiepreise, Finanzierungskosten und wirtschaftspolitische Unsicherheit wirken besonders auf die Industrie.

 

Notfallversorgung wird grundlegend neu organisiert

 

Mit breiter Mehrheit hat der Bundestag die Reform der Notfallversorgung beschlossen. Ziel ist eine bessere Steuerung von Patienten zwischen ärztlichem Bereitschaftsdienst, Rettungsdienst und Krankenhaus. Viele Notaufnahmen behandeln bislang auch Fälle, die medizinisch nicht zwingend eine Krankenhausversorgung erfordern. Gleichzeitig sind Rettungsdienste und Kliniken vielerorts personell und finanziell stark belastet.

Vorgesehen sind integrierte Akut- und Notfallzentren, standardisierte Verfahren zur Ersteinschätzung und eine stärkere Nutzung der Rufnummer 116117. Für Länder und Kommunen ist die Reform besonders relevant, weil Rettungsdienste, Leitstellen und Krankenhausstrukturen regional organisiert werden. Entsprechend werden die Auswirkungen je nach bestehender Versorgungsstruktur unterschiedlich ausfallen.

Wirtschaftlich betrifft das Thema nicht nur die Krankenhäuser. Rettungsdienste, Krankenkassen, Kommunen, Medizintechnikunternehmen und IT-Anbieter müssen Prozesse und technische Systeme anpassen. Ob daraus langfristig tatsächlich Kosteneinsparungen entstehen, hängt wesentlich davon ab, wie konsequent die Patientensteuerung funktioniert.

 

Digitale Identität soll Behördengänge vereinfachen

 

Mit dem Digitale Identitätengesetz schafft Deutschland die Rechtsgrundlage für die europäische digitale Identitäts-Wallet. Sie soll Bürgern ermöglichen, Identitätsnachweise elektronisch vorzulegen und beispielsweise Verwaltungs- oder Unternehmensdienstleistungen vollständig digital abzuwickeln.

Für Unternehmen kann eine funktionierende digitale Identität vor allem dort relevant werden, wo bislang Medienbrüche, Papiernachweise oder aufwendige Identifizierungsverfahren notwendig sind. Entscheidend wird jedoch sein, wie viele Behörden und private Anbieter die Infrastruktur tatsächlich integrieren und wie zuverlässig Datenschutz, IT-Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit umgesetzt werden.

 

Energie bleibt ein Risiko für Industrie und Verbraucher

 

Die Bundesnetzagentur bestätigte am Donnerstag, dass Deutschlands Gasspeicher deutlich niedriger gefüllt sind als in früheren Jahren. Eine unmittelbare Gefährdung der Versorgung sieht die Behörde derzeit dennoch nicht. Der Markt werde eng beobachtet. Neben den Speicherständen spielen Importkapazitäten, LNG-Lieferungen, Verbrauch und die Preisentwicklung auf den internationalen Energiemärkten eine entscheidende Rolle.

Für energieintensive Unternehmen ist nicht nur die physische Versorgung von Bedeutung. Bereits hohe oder stark schwankende Gas- und Strompreise können Produktion, Investitionen und Standortentscheidungen beeinflussen. Entsprechend zieht sich das Thema Energiekosten durch zahlreiche aktuelle Konjunkturumfragen der Industrie- und Handelskammern in den Ländern.

 

Autopolitik: Deutschland und Frankreich suchen Kompromiss

 

Deutschland und Frankreich nähern sich nach Reuters-Informationen bei der europäischen Regulierung der CO2-Emissionen neuer Pkw an. Kern des diskutierten Vorschlags ist eine Reduktion um 90 Prozent gegenüber dem Ausgangswert von 2021. Ein bislang diskutierter zusätzlicher Mechanismus, mit dem über alternative Kraftstoffe und weitere Maßnahmen rechnerisch 100 Prozent erreicht werden sollten, könnte entfallen.

Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen. Weitere EU-Staaten und das Europäische Parlament müssen in den europäischen Gesetzgebungsprozess einbezogen werden. Für Deutschland ist die Frage wegen der hohen Bedeutung der Automobilindustrie besonders relevant. Hersteller und Zulieferer brauchen langfristige regulatorische Planungssicherheit für Fahrzeugplattformen, Batterietechnik, Verbrennungsmotoren und Produktionsstandorte.

 

Die 16 Bundesländer im Nachrichtenüberblick

 

Baden-Württemberg – Wirtschaftssorgen prägen ersten Stimmungstest

Der am Donnerstag veröffentlichte BW-Trend sieht die Grünen von Ministerpräsident Cem Özdemir bei 30 Prozent. CDU und AfD liegen demnach jeweils bei 23 Prozent. Gleichzeitig zeigen die Befragungen erhebliche Sorgen über die wirtschaftliche Entwicklung und die Arbeitsplatzsicherheit im stark von Automobilindustrie und Maschinenbau geprägten Land. Die Landesregierung steht nach gut 150 Tagen besonders beim Bürokratieabbau, bei der Standortpolitik und bei ihren Bildungsplänen unter Beobachtung.

Bayern – Unternehmen sehen vorsichtige Stabilisierung

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag meldet eine leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Stimmung. Der Konjunkturindex stieg im Herbst um vier Punkte auf 105, bleibt damit aber unter dem langjährigen Durchschnitt von 111. Belastend wirken nach Angaben der Unternehmen insbesondere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, Energie- und Rohstoffpreise sowie Arbeitskosten. Von einem kräftigen Aufschwung kann damit noch nicht gesprochen werden.

Berlin – Sondierungen für neue Landesregierung gehen weiter

Linke, Grüne und SPD haben ihre zeitweise unterbrochenen Sondierungsgespräche am Donnerstag fortgesetzt. Zuvor hatten Differenzen über eine gemeinsame Vereinbarung zum Umgang mit Antisemitismus die Gespräche belastet. Die Parteien verständigten sich darauf, die gemeinsame Erklärung im Fall einer Koalitionsbildung in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. Für Berlin bleiben zudem Haushalt und Investitionsspielräume zentrale Themen der Regierungsbildung.

Brandenburg – Landtag prüft Weg für unterirdische CO2-Speicherung

Der Brandenburger Landtag hat einem Antrag von SPD und CDU zugestimmt, die Voraussetzungen für unterirdische CO2-Speicherung genauer zu prüfen. Bis zum zweiten Quartal 2027 soll ein entsprechendes Landesgesetz vorbereitet werden. Die Technik könnte insbesondere für Industriezweige interessant sein, deren CO2-Emissionen nur schwer vollständig vermieden werden können. Gleichzeitig bestehen erhebliche Umwelt- und Sicherheitsbedenken, weshalb mögliche Standorte und der Grundwasserschutz eine zentrale Rolle spielen werden.

Bremen – Sanierung des Flughafens rückt in den Mittelpunkt

Der angeschlagene Bremer Flughafen bekommt mit Rainer Schwarz einen erfahrenen Sanierungsmanager. Der Airport kämpft mit einem Millionendefizit und Veränderungen im Flugangebot. Die Gewerkschaft Verdi hatte bereits vor einem Personalabbau zulasten der rund 500 Beschäftigten gewarnt. Für Bremen ist der Flughafen zugleich ein Standortfaktor für Unternehmen und Geschäftsreisende, weshalb die wirtschaftliche Stabilisierung über den Airport hinaus Bedeutung hat.

Hamburg – Streit um Energiepolitik und Standortkosten

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion hat am Donnerstag ein eigenes Energiekonzept vorgestellt. Gefordert werden unter anderem mehr Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden, ein schnellerer Netzausbau, Speicher und eine stärkere Nutzung norddeutscher Windenergie. Es handelt sich um einen Oppositionsvorschlag und nicht um einen Beschluss des Senats. Die Debatte zeigt jedoch, welchen Stellenwert Strompreise und Netzkapazitäten inzwischen für die Hamburger Wirtschaft haben.

Hessen – Investor für traditionsreiches Hotel gefunden

Eine neue landespolitische Grundsatzentscheidung mit größerer wirtschaftlicher Reichweite war am Donnerstag nicht ausreichend bestätigt. Wirtschaftlich relevant ist unter anderem die Entwicklung beim Hotel Gravenbruch in Neu-Isenburg: Nach Informationen der Hessenschau gibt es einen Käufer für das traditionsreiche Haus. Wegen bestehender EU-Sanktionsregelungen sind allerdings noch rechtliche Hürden zu überwinden. Im hessischen Einzelhandel wirkt zudem die vom Bundeskartellamt genehmigte Übernahme von 38 Tegut-Standorten durch Rewe nach.

Mecklenburg-Vorpommern – Koalitionsverhandlungen bestimmen die Agenda

SPD, Linke und Grüne verhandeln seit Montag über die Bildung einer neuen Landesregierung. Der neue Landtag kommt am 20. Oktober zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Wirtschaftsvertreter drängen die künftige Regierung insbesondere auf schnellere Genehmigungen, weniger doppelte Datenerfassungen und eine konsequentere Digitalisierung der Verwaltung. Damit werden Bürokratieabbau und Infrastruktur zu wichtigen wirtschaftspolitischen Prüfsteinen der Koalitionsverhandlungen.

Niedersachsen – zwei Milliarden Euro für neue Regionalzüge

Niedersachsen will 103 neue elektrische Regionalzüge beschaffen. Den Auftrag im Umfang von rund zwei Milliarden Euro erhält Siemens. Die Fahrzeuge sollen das Regionalverkehrsangebot modernisieren. Die Investition ist sowohl verkehrspolitisch als auch wirtschaftlich bedeutsam: Ein leistungsfähiger Nahverkehr verbessert Pendlerverbindungen und kann die Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen und Wirtschaftsstandorten stärken.

Nordrhein-Westfalen – Landtag streitet über schwache Konjunktur

Die wirtschaftliche Entwicklung Nordrhein-Westfalens war am Donnerstag Thema einer Aktuellen Stunde im Landtag. Das reale Bruttoinlandsprodukt des Landes war im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben von IT.NRW lediglich um 0,3 Prozent gewachsen. Das RWI rechnet für das Gesamtjahr mit etwa 0,5 Prozent Wachstum und damit deutlich weniger als für Deutschland insgesamt erwartet wird. Industriearbeitsplätze, Insolvenzen, Energiepreise und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts dürften damit bis zur Landtagswahl wichtige Themen bleiben.

Rheinland-Pfalz – Wirtschaftsstimmung verbessert sich nur langsam

Die IHK Rheinhessen meldet für den Herbst eine leichte Aufhellung. Der Konjunkturklimaindex stieg um acht Punkte auf 89, liegt damit aber weiterhin unter der Marke von 100. Besonders die Industrie verbesserte sich, während der Handel schwach bleibt. Hohe Energie- und Rohstoffpreise werden von den befragten Unternehmen weiterhin als eines der größten Geschäftsrisiken genannt.

Saarland – zusätzliche Millionen für Digitalisierung und KI

Das saarländische Wirtschaftsministerium hat ein zusätzliches Förderprogramm mit einem Volumen von 7,9 Millionen Euro aufgelegt. Unterstützt werden sollen kleine und große Unternehmen bei Projekten rund um Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Nach Angaben des Landes stehen für die Innovationsförderung insgesamt 72 Millionen Euro bereit. Damit versucht das Saarland, den laufenden industriellen Strukturwandel stärker mit neuen Technologien zu verbinden.

Sachsen – Windkraft-Erlass löst Debatte über Investitionssicherheit aus

Die sächsische Landesregierung will laufende und neue Windkraftverfahren darauf überprüfen lassen, ob sie künftigen Regionalplanungen entgegenstehen. Juristen warnen, dass Verzögerungen bereits beantragter Projekte Schadensersatzforderungen auslösen könnten. Hintergrund sind die bundesweiten Flächenziele für Windenergie. Sachsen muss bis Ende 2027 insgesamt 1,3 Prozent seiner Landesfläche entsprechend ausweisen. Für Projektentwickler ist damit vor allem die rechtliche Planungssicherheit entscheidend.

Sachsen-Anhalt – Landtag beschließt außenpolitisch umstrittenen Antrag

Mit den Stimmen von AfD und BSW hat der Landtag einen Antrag verabschiedet, der unter anderem ein Ende von Waffenlieferungen und nicht humanitären Finanzhilfen an die Ukraine sowie eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland fordert. Außen- und Sanktionspolitik werden jedoch auf Bundes- und EU-Ebene entschieden, weshalb der Landtagsbeschluss keine unmittelbare Änderung dieser Politik bewirkt. Parallel bleibt die Regierungsbildung nach der Landtagswahl offen und sorgt auch in der regionalen Wirtschaft für Unsicherheit über die künftige politische Linie.

Schleswig-Holstein – Wirtschaft wartet weiter auf nachhaltige Erholung

Eine aktuelle IHK-Umfrage zeigt für Schleswig-Holstein weiterhin eine angespannte Geschäftslage. Schwache Nachfrage, hohe Kosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen belasten viele Unternehmen. Ein kleiner Lichtblick ist die Investitionsbereitschaft: Der Anteil der Firmen mit steigenden Investitionsabsichten erhöhte sich von 18 auf 20 Prozent. Eine breite konjunkturelle Trendwende lässt sich daraus nach Einschätzung der Kammern noch nicht ableiten.

Thüringen – Analytik Jena investiert in neue Standorte

Analytik Jena hat am Donnerstag neue Gebäude in Jena und Ilmenau eröffnet. Die Investition stärkt einen technologieorientierten Industriezweig im Land. Gleichzeitig bleibt das allgemeine Konjunkturbild schwierig: Die IHK Erfurt meldet für Nord-, Mittel- und Westthüringen einen Konjunkturklimaindex von 82 Punkten. Hohe Energie- und Arbeitskosten sowie zurückhaltende Investitions- und Beschäftigungspläne belasten zahlreiche Betriebe.

 

Wirtschaft in den Bundesländern – was Unternehmen beschäftigt

 

Die Länderberichte zeigen mehrere gemeinsame Belastungsfaktoren. Energie- und Rohstoffpreise stehen in Bayern, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Schleswig-Holstein weit oben auf der Liste der Unternehmensrisiken. Hinzu kommen Arbeitskosten, Bürokratie und eine schwache Inlandsnachfrage. Besonders stark wirken diese Faktoren in klassischen Industrieregionen.

Die Automobilwirtschaft bleibt für Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen und das Saarland von besonderer Bedeutung. Deshalb hat der mögliche europäische Kompromiss über die CO2-Regeln ab 2035 direkte regionalwirtschaftliche Relevanz. Eine veränderte Regulierung beeinflusst Investitionsentscheidungen, Modellplanungen, Batteriefertigung und Zulieferketten.

Gleichzeitig gibt es neue Investitionssignale. Niedersachsen beschafft neue Regionalzüge, Thüringen meldet Investitionen von Analytik Jena und das Saarland erhöht seine Innovationsförderung. Bremen arbeitet an der Stabilisierung seines Flughafens. In Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hängt dagegen vieles von den noch laufenden Regierungsbildungen ab.

Ein wiederkehrendes Thema ist die Infrastruktur. Energie- und Datennetze, Bahnverbindungen, Flughäfen und kommunale Infrastruktur bestimmen zunehmend, wie attraktiv ein Standort für neue Investitionen ist. Für Unternehmen sind deshalb nicht allein Förderprogramme entscheidend, sondern vor allem verlässliche Energiepreise, schnelle Genehmigungen, verfügbare Fachkräfte und funktionierende Verkehrswege.

 

Euro, Gold und Silber – mögliche Folgen der Entscheidungen

 

Für den Euro ist entscheidend, ob sich die wirtschaftliche Erholung in Deutschland und der Eurozone verstetigt und wie sich Inflation und Energiepreise entwickeln. Eine bessere deutsche Konjunktur kann grundsätzlich die wirtschaftliche Basis der Gemeinschaftswährung stärken. Stark steigende Energiepreise würden dagegen die Inflation erhöhen und gleichzeitig Unternehmen und Verbraucher belasten. Das erschwert die geldpolitische Abwägung der Europäischen Zentralbank.

Gold reagiert international vor allem auf Realzinsen, den US-Dollar, Inflationserwartungen und geopolitische Risiken. Deutsche Einzelentscheidungen wirken daher meist nur indirekt. Politische Unsicherheit, hohe Energiepreise oder zunehmende internationale Konflikte können die Nachfrage nach als defensiv wahrgenommenen Vermögenswerten beeinflussen. Daraus lässt sich jedoch keine verlässliche kurzfristige Preisrichtung ableiten.

Silber ist neben seiner monetären Rolle stärker von industrieller Nachfrage abhängig. Entwicklungen in Elektronik, Solarindustrie und anderen technologischen Anwendungen können deshalb ebenso wichtig sein wie Zins- und Währungseffekte. Eine bessere Industriekonjunktur kann die physische Nachfrage stützen, während eine schwache Weltkonjunktur belastend wirken kann.

Bei Platin und Palladium bleibt die europäische Automobilpolitik ein wesentlicher Faktor. Beide Metalle werden in Abgasreinigungssystemen eingesetzt. Änderungen beim Tempo der Elektrifizierung oder bei den regulatorischen Vorgaben für Verbrenner und Hybridfahrzeuge können deshalb mittelbar die industrielle Nachfrage beeinflussen. Welche Wirkung tatsächlich entsteht, hängt allerdings von Fahrzeugmix, Technologie und globaler Produktion ab.

 

Ausblick – diese Entscheidungen werden wichtig

 

Auf Bundesebene richtet sich der Blick nun auf die praktische Umsetzung der Notfallreform und der digitalen Identität. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, welche konkreten Schritte die Bundesregierung bei Strompreisen, Gasversorgung und Industriepolitik folgen lässt. Bundeskanzler Friedrich Merz verhandelt auf europäischer Ebene über Energiepreise, Wettbewerbsfähigkeit, Handelspolitik und den langfristigen EU-Haushalt.

Für die Automobilbranche wird entscheidend, ob der deutsch-französische Vorschlag zu den europäischen CO2-Regeln Unterstützung bei weiteren Mitgliedstaaten und im Europäischen Parlament erhält. Eine abschließende europäische Entscheidung steht noch aus.

In Berlin werden Linke, Grüne und SPD ihre Sondierungen fortsetzen. Mecklenburg-Vorpommern steht mit der konstituierenden Sitzung des neuen Landtags am 20. Oktober unter größerem Zeitdruck bei der Regierungsbildung. In Sachsen-Anhalt bleibt dagegen offen, welche Mehrheit letztlich einen Ministerpräsidenten trägt. Auch die konjunkturellen Herbstumfragen aus den Ländern werden zeigen, ob die vorsichtige Stabilisierung einzelner Branchen tatsächlich in eine breitere wirtschaftliche Erholung übergeht.

 

Quellen und Nachrichtenstand

 

Für diese Ausgabe wurden unter anderem Veröffentlichungen des Deutschen Bundestages, der Bundesregierung, Reuters sowie aktuelle Landesberichterstattung von SWR, rbb, Radio Bremen, NDR, Hessenschau, WDR, SR und MDR geprüft. Auswahl der zentralen Trustquellen: Deutscher Bundestag – Reform der Notfallversorgung, Reuters – Gasversorgung und deutsche Speicherstände sowie Reuters – deutsch-französische Gespräche zu Auto-Emissionen.

Nachrichtenstand: 15.10.2026, 23:07 Uhr, Europe/Berlin. Entwicklungen nach diesem Zeitpunkt sind in dieser Ausgabe nicht berücksichtigt.

 

15.10.2026 - Rina Teitscheid - info@muenzkauf.de

 

 

 






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