Drei China-Änderungen bei LBMA Good Delivery
Eine neue Goldraffinerie, zwei Suspendierungen und unterschiedliche Gründe: Der August 2026 zeigt, wie aktiv die LBMA ihre Standards überwacht.
Bei der London Bullion Market Association hat es im August 2026 innerhalb weniger Wochen drei bemerkenswerte Veränderungen gegeben, die chinesische Edelmetallraffinerien betreffen. Shenzhen Zhonghenglong Industrial wurde neu in die Gold Good Delivery List aufgenommen. Shandong Gold Smelting wurde dagegen vorläufig sowohl für Gold als auch für Silber suspendiert. Wenig später folgte die Suspendierung von Hunan Shuikoushan Nonferrous Metals Group im Zusammenhang mit dem Responsible-Silver-Bericht des Unternehmens.
Die drei Fälle sollten jedoch nicht in einen Topf geworfen werden. Bei Shenzhen Zhonghenglong handelt es sich um eine erfolgreich abgeschlossene Neuaufnahme nach technischen und wirtschaftlichen Prüfungen. Bei Shandong läuft ein Incident Review Process, dessen Ergebnis ausdrücklich noch offen ist. Im Fall von Hunan Shuikoushan nennt die LBMA eine modifizierte Prüfungsbeurteilung im Responsible-Silver-Reporting als Grund für die Suspendierung.
Gerade für Käufer von Edelmetallbarren ist diese Unterscheidung wichtig. Der Begriff „LBMA-zertifiziert“ wird im Privatmarkt häufig sehr weit verwendet. Tatsächlich betrifft Good Delivery zunächst einen klar definierten Standard für den professionellen Londoner Großhandel. Veränderungen auf der Liste können trotzdem weit über London hinaus Bedeutung haben, weil Raffinerien, Banken, Großhändler und industrielle Abnehmer diese Akkreditierung international als Qualitäts- und Compliance-Referenz verwenden.
Shenzhen Zhonghenglong ist seit August neu dabei
Am 17. August 2026 nahm die LBMA die Goldraffinerie von Shenzhen Zhonghenglong Industrial Co. Ltd. in die Gold Good Delivery List auf. Nach Angaben der LBMA hatte das Unternehmen die Anforderungen an Eigentumsverhältnisse, Unternehmenshistorie, Produktionsfähigkeit und finanzielle Solidität erfüllt. Zusätzlich durchlief die Raffinerie die technischen Prüfverfahren der LBMA.

Dabei geht es nicht nur darum, einen Barren auf seinen Feingehalt zu untersuchen. Die eingereichten Goldbarren werden von unabhängigen Referenzlaboren geprüft und analysiert. Gleichzeitig muss der Bewerber nachweisen, dass seine eigene Probenahme und Analyse die geforderten Standards erfüllt.
Die LBMA nennt Shenzhen Zhonghenglong als ein 1997 gegründetes Unternehmen, dessen Geschäft unter anderem die Rückgewinnung, Reinigung und Raffination von Edelmetallen sowie die Herstellung von Gold-, Silber-, Platin- und Palladiumprodukten umfasst. Bereits 2007 wurde das Unternehmen nach LBMA-Angaben als erste private Raffinerie von der Shanghai Gold Exchange für Good-Delivery-Gold zugelassen.
Als Rohstoffquellen nennt die LBMA insbesondere Material aus der chinesischen Schmuckindustrie, von Goldhändlern, aus der Verarbeitung chinesischer Bergbauprodukte sowie aus der Rückgewinnung von Goldprodukten.
Die Aufnahme und das Prüfverfahren beschreibt die LBMA in ihrer Mitteilung zu Shenzhen Zhonghenglong.
Auf der aktuellen Good Delivery List ist als registriertes Barrenkennzeichen unter anderem ein runder Markenstempel mit einem Vogelmotiv und der Bezeichnung „YUEPENG GOLD“ dokumentiert. Für den professionellen Markt ist eine solche eindeutige Registrierung wichtig, weil nicht nur das Unternehmen, sondern auch die zugelassenen Barrenkennzeichnungen und Spezifikationen nachvollziehbar sein müssen.
Nur vier Tage später wurde Hunan Shuikoushan suspendiert
Am 20. August veröffentlichte die LBMA eine zweite Nachricht aus China. Hunan Shuikoushan Nonferrous Metals Group Co. Ltd., kurz SKS, wurde mit Wirkung zum 21. August 2026 von der Good Delivery List suspendiert.
Der konkret genannte Anlass ist eine „modified assurance opinion“ des Prüfers SLR Consulting Ltd. zum Responsible-Silver-Compliance-Bericht für das Geschäftsjahr 2025. Vereinfacht formuliert bedeutet dies, dass der externe Prüfer keinen uneingeschränkt normalen Bestätigungsvermerk zum betreffenden Responsible-Sourcing-Bericht erteilt hat.
Wichtig ist dabei, was die LBMA nicht mitgeteilt hat. In der Veröffentlichung findet sich keine Aussage, dass ein SKS-Silberbarren bei einer Feingehaltsanalyse durchgefallen sei oder dass die Raffinerie technisch nicht in der Lage wäre, Silber mit dem angegebenen Feingehalt herzustellen. Der veröffentlichte Grund liegt im Bereich Responsible Sourcing und Compliance-Reporting.
Die LBMA erklärt, dass sie mit der suspendierten Raffinerie und weiteren Beteiligten weiter zusammenarbeiten werde, damit die offenen Punkte gemäß den Good Delivery Rules geprüft werden.
Die Originalmeldung ist bei der LBMA zur Suspendierung von Hunan Shuikoushan veröffentlicht.
Shandong Gold befindet sich in einem anderen Verfahren
Noch vor diesen beiden Veränderungen hatte die LBMA am 4. August einen Incident Review Process gegen Shandong Gold Smelting Co. Ltd. eingeleitet. Hintergrund war die Aufnahme des Unternehmens in die amerikanische UFLPA Entity List im Rahmen des Uyghur Forced Labor Prevention Act.
Als vorläufige Maßnahme suspendierte die LBMA Shandong Gold Smelting mit Wirkung vom 5. August sowohl von der Gold- als auch von der Silver Good Delivery List. Die Formulierung der LBMA ist hierbei wesentlich: Die Suspendierung erfolgt während der Untersuchung und ausdrücklich ohne Vorwegnahme des Ergebnisses.
Shandong Gold Smelting teilte gegenüber der LBMA mit, dass das Unternehmen seine Aufnahme in die amerikanische Liste zurückweise und eine unabhängige Prüfung durch die LBMA begrüße.
Damit ist eine Suspendierung nicht mit einer bereits abgeschlossenen Feststellung eines Verstoßes gleichzusetzen. Der Incident Review Process dient gerade dazu, einen Sachverhalt zu untersuchen, Beteiligte einzubeziehen und anschließend über weitere Maßnahmen zu entscheiden.
Die Einzelheiten und die Stellungnahme des Unternehmens dokumentiert die LBMA im Verfahren zu Shandong Gold Smelting.
Was eine Suspendierung bei Good Delivery tatsächlich bedeutet
Die praktischen Folgen sind klarer, wenn zwischen einer Raffinerie und ihren bereits existierenden Barren unterschieden wird. Nach den aktuellen Good Delivery Rules kann eine Raffinerie suspendiert werden, wenn Anforderungen der LBMA nicht erfüllt sind oder ein Sachverhalt zunächst geklärt werden muss.
Während einer Suspendierung gilt neue Produktion der betroffenen Raffinerie nicht als LBMA Good Delivery. Dieser Punkt ist für den professionellen Londoner Markt entscheidend: Ein neu hergestellter Barren kann während dieser Phase nicht einfach so behandelt werden wie die reguläre Produktion eines aktuell uneingeschränkt gelisteten Refiners.
Daraus folgt aber nicht, dass sämtliches Metall, das ein Unternehmen irgendwann zuvor produziert hat, plötzlich chemisch minderwertig oder wertlos wäre. Bei der Marktakzeptanz historischer Barren spielen Produktionsdatum, Art der Maßnahme und die jeweils geltenden LBMA-Regeln eine Rolle.
Gerade bei Maßnahmen, die Responsible Sourcing oder wirtschaftliche Sanktionen betreffen, gelten teilweise strengere Bestimmungen als bei einer rein technischen oder administrativen Veränderung des Listenstatus. Eine pauschale Aussage wie „alle älteren Barren bleiben immer Good Delivery“ wäre deshalb ebenso ungenau wie die Behauptung, durch eine Suspendierung seien automatisch sämtliche jemals produzierten Barren betroffen.
Good Delivery meint nicht den üblichen 100-Gramm-Barren
Für Privatanleger ist ein weiterer Punkt wichtig: Ein London Good Delivery Gold Bar ist nicht der klassische 20-Gramm-, 100-Gramm- oder 1-Kilogramm-Anlagebarren aus dem Edelmetallhandel.
Die aktuelle LBMA-Spezifikation verlangt bei Gold einen Feingoldinhalt zwischen 350 und 430 Feinunzen. Das entspricht ungefähr 10,9 bis 13,4 Kilogramm Feingold. Der Mindestfeingehalt liegt bei 995,0/1000.
Bei Silber liegt die aktuelle Standardgröße bei 1.000 Feinunzen mit einer Toleranz von zehn Prozent. Ein solcher Barren wiegt damit ungefähr 32 Kilogramm. Der Mindestfeingehalt beträgt 999,0/1000.
Diese großen Barren dienen der physischen Abwicklung professioneller Loco-London-Geschäfte. Sie werden zwischen zugelassenen Marktteilnehmern und Tresoren bewegt und bilden eine wichtige Grundlage des internationalen Großhandels.
Der Name eines Good-Delivery-Refiners erscheint aber häufig auch auf deutlich kleineren Barren. Deshalb hat die Akkreditierung indirekt große Bedeutung für den Privatmarkt. Eine Raffinerie, die den anspruchsvollen Londoner Zulassungsprozess bestanden hat und diesen Status laufend aufrechterhält, besitzt im internationalen Handel einen entsprechend hohen Bekanntheits- und Akzeptanzgrad.
LBMA-Status und Feingehalt sind zwei verschiedene Fragen
Gerade bei Meldungen über Suspendierungen ist die Trennung zwischen Metallqualität und Compliance besonders wichtig. Ein Barren kann den aufgestempelten Feingehalt chemisch vollständig erfüllen und trotzdem nicht als London Good Delivery akzeptiert werden, wenn der Hersteller die organisatorischen, regulatorischen oder Responsible-Sourcing-Anforderungen nicht erfüllt.
Umgekehrt reicht ein Herstellerstempel mit der Angabe „999,9“ nicht aus, um einen Barren zu einem Good-Delivery-Barren zu machen. Er muss von einer zugelassenen Raffinerie stammen und innerhalb der von der LBMA genehmigten Spezifikationen hergestellt worden sein.
Die Good Delivery List ist daher mehr als eine Liste von Unternehmen, die Gold oder Silber ausreichend rein raffinieren können. Inzwischen umfasst das System technische Anforderungen, wirtschaftliche Mindeststandards, laufende Überwachung, Proactive Monitoring und umfangreiche Vorgaben zur verantwortungsvollen Beschaffung.
Responsible Sourcing kann über den Listenstatus entscheiden
Der Fall Hunan Shuikoushan zeigt besonders deutlich, wie stark sich die Rolle der LBMA in den vergangenen Jahren erweitert hat. Historisch stand die technische Verlässlichkeit eines Raffineriebarrens im Mittelpunkt: Gewicht, Feingehalt, Abmessungen, Kennzeichnung und analytische Kompetenz.
Heute müssen Good-Delivery-Raffinerien zusätzlich das Responsible Sourcing Programme erfüllen. Dazu gehören dokumentierte Kontrollsysteme für die Lieferkette, externe Prüfungen und öffentliche Berichterstattung.
Das ist im internationalen Edelmetallhandel von erheblicher Bedeutung, weil Gold und Silber aus sehr unterschiedlichen Quellen stammen können. Neben neu gefördertem Metall werden große Mengen aus Schmuck, industriellen Materialien, Altgold, Münzen und anderen Sekundärquellen zurückgewonnen.
Eine moderne Raffinerie muss daher nicht nur nachweisen können, was am Ende aus dem Schmelzofen kommt. Sie muss auch über Verfahren verfügen, mit denen Herkunft, Geschäftspartner und Risiken innerhalb der Lieferkette geprüft werden.
Eine Neuaufnahme dauert erheblich länger als eine Suspendierung
Die drei August-Meldungen zeigen außerdem eine interessante Asymmetrie des Systems. Eine neue Raffinerie kann nicht innerhalb weniger Tage in die Good Delivery List aufgenommen werden. Dem gehen umfangreiche Unterlagen, Due-Diligence-Prüfungen, technische Tests und unabhängige Analysen voraus.
Wenn bei einem bereits zugelassenen Unternehmen dagegen ein schwerwiegender Sachverhalt auftritt, kann eine Suspendierung kurzfristig wirksam werden. Das ist notwendig, weil die Glaubwürdigkeit der Liste davon abhängt, dass nicht erst Monate nach Bekanntwerden eines möglichen Problems reagiert wird.
Eine solche schnelle Suspendierung sagt deshalb für sich genommen noch wenig über das spätere Endergebnis aus. Sie ist zunächst eine Schutzmaßnahme für den Markt, während die zugrunde liegende Angelegenheit geklärt wird.
Was geschieht nach einer Suspendierung?
Eine Suspendierung muss nicht dauerhaft sein. Werden die beanstandeten Punkte zufriedenstellend geklärt, kann ein Refiner seinen regulären Good-Delivery-Status zurückerhalten.
Bleibt eine Suspendierung dagegen über einen längeren Zeitraum ungelöst, sehen die aktuellen Regeln weitere Schritte vor. Nach zwölf Monaten ohne zufriedenstellende Lösung kann die Raffinerie auf die Former List übertragen werden. Auch wiederholte Suspendierungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums können zu einer solchen Übertragung führen.
Die Former List ist wiederum nicht einfach eine Liste „schlechter Hersteller“. Dort befinden sich auch frühere Raffinerien, deren Produktion beendet wurde, Unternehmen nach Eigentümerwechseln oder historische Hersteller, deren Barren aus früheren Produktionsperioden weiterhin eine klare Marktgeschichte besitzen.
Deshalb muss bei jedem Eintrag immer der konkrete Grund für den jeweiligen Status betrachtet werden.
China bleibt für die Raffination von Edelmetallen bedeutend
Dass im August gleich drei chinesische Raffinerien Gegenstand von LBMA-Mitteilungen waren, bedeutet nicht, dass die LBMA chinesische Raffinerien generell infrage stellt. Die Neuaufnahme von Shenzhen Zhonghenglong zeigt gerade das Gegenteil: Unternehmen aus China können das vollständige Prüfverfahren erfolgreich durchlaufen und neu in die Goldliste aufgenommen werden.
Die drei Fälle zeigen vielmehr, dass der Status einzelner Raffinerien fortlaufend überprüft wird. Dabei können technische Kompetenz, Responsible Sourcing, regulatorische Entwicklungen und externe Sanktions- beziehungsweise Compliance-Fragen jeweils eine Rolle spielen.
China ist einer der größten Goldmärkte der Welt und verfügt über eine umfangreiche Raffinerie- und Schmuckindustrie. Für den internationalen Edelmetallhandel ist es daher von erheblicher Bedeutung, welche chinesischen Hersteller Zugang zu global anerkannten Handelsstandards besitzen.
Für private Barrenbesitzer ist Differenzierung entscheidend
Besitzer kleiner Gold- oder Silberbarren sollten auf Meldungen über Good-Delivery-Änderungen weder gleichgültig noch überhastet reagieren. Der Status einer Raffinerie ist ein relevanter Bestandteil der internationalen Marktakzeptanz, aber nicht identisch mit dem Materialwert eines bereits vorhandenen Barrens.
Bei einem konkreten Stück zählen Hersteller, Produktionszeitraum, Gewicht, Feingehalt, Echtheit und gegebenenfalls Seriennummer beziehungsweise Verpackung. Bei historischen oder älteren Barren kommt zusätzlich der damalige Status des Herstellers hinzu.
Besonders problematisch ist deshalb die vereinfachte Formulierung, eine bestimmte Marke sei „nicht mehr LBMA“ und vorhandene Barren seien deswegen automatisch nicht mehr handelbar. Eine Suspendierung betrifft zunächst den regulatorischen Good-Delivery-Status und insbesondere neue Produktion. Welche Folgen sich für einen konkreten älteren Barren ergeben, muss im Einzelfall anhand des Produktionszeitpunkts und des offiziellen LBMA-Status beurteilt werden.
Der August zeigt, wofür die Good Delivery List gedacht ist
Innerhalb von gut zwei Wochen hat die LBMA im August 2026 drei sehr unterschiedliche Entscheidungen zu chinesischen Raffinerien veröffentlicht. Shandong Gold Smelting wurde während eines laufenden Incident Review Process für Gold und Silber suspendiert. Shenzhen Zhonghenglong erhielt nach erfolgreicher Prüfung erstmals Gold-Good-Delivery-Status. Hunan Shuikoushan wurde anschließend wegen einer modifizierten Assurance Opinion im Responsible-Silver-Reporting suspendiert.
Gerade die Unterschiedlichkeit der Fälle ist aufschlussreich. Good Delivery ist kein einmal verliehenes Qualitätssiegel, das anschließend unbegrenzt bestehen bleibt. Die zugelassenen Raffinerien müssen Anforderungen fortlaufend erfüllen und Veränderungen können Konsequenzen für ihren Status haben.
Für den Edelmetallmarkt ist diese laufende Kontrolle wesentlich. Die großen Londoner Handelsbarren wechseln häufig den Eigentümer, ohne den Tresor physisch zu verlassen. Vertrauen in Hersteller, Gewicht, Feingehalt und Lieferkette ist deshalb eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass solche Barren ohne erneute Analyse bei jeder Transaktion akzeptiert werden können.
Für den privaten Anleger bleibt Good Delivery dagegen vor allem ein wichtiges Hintergrundmerkmal für Herstellerqualität und internationale Akzeptanz. Die aktuellen Veränderungen zeigen zugleich, warum bei konkreten Barren immer genauer hingeschaut werden sollte: Nicht jeder Listenwechsel hat denselben Grund und nicht jede Suspendierung sagt etwas über die chemische Qualität eines bereits produzierten Barrens aus.
04.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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