Berlin und Paris wollen Verbrenner-Aus aufweichen
Deutschland und Frankreich verständigen sich offenbar auf eine weitreichende Lockerung der EU-Vorgaben für 2035. Für Europas Automobilindustrie könnte das erhebliche Folgen haben.
Brüssel, 15. Oktober 2026 – Bewegung beim europäischen Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich nach Informationen aus Diplomatenkreisen auf eine weitere Lockerung der geplanten CO₂-Vorgaben für Neuwagen verständigt. Damit zeichnet sich ein bedeutender Kurswechsel in der europäischen Automobilpolitik ab. Eine endgültige gesetzliche Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen.
Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verfolgen demnach eine gemeinsame Linie, die den Automobilherstellern auch nach 2035 größere Spielräume für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor eröffnen soll. Die Verständigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Europas Autoindustrie unter erheblichem Wettbewerbs- und Kostendruck steht.
CO₂-Ziel könnte auf 80 Prozent sinken

Nach bisher geltendem EU-Recht müssen die durchschnittlichen CO₂-Emissionen neuer Pkw ab 2035 gegenüber dem Referenzjahr 2021 um 100 Prozent sinken. Diese Vorgabe kommt faktisch einem Aus für neue Fahrzeuge mit klassischen Verbrennungsmotoren gleich.
Die EU-Kommission hatte bereits im Dezember 2025 vorgeschlagen, das Reduktionsziel auf 90 Prozent abzusenken. Deutschland und Frankreich streben Berichten zufolge nun eine weitere Lockerung auf 80 Prozent an. Damit könnten künftig deutlich mehr Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor sowie Hybridantrieben zugelassen werden, sofern die endgültigen Flottengrenzwerte eingehalten werden.
Wie die konkreten Anrechnungsregeln für klimafreundliche Kraftstoffe und emissionsärmere Materialien ausgestaltet werden, bleibt Gegenstand der Verhandlungen.
Gegengeschäft soll Europas Autoindustrie stärken
Die deutsch-französische Annäherung umfasst offenbar mehr als die Zukunft des Verbrennungsmotors. Im Gegenzug für französische Zugeständnisse bei den CO₂-Vorgaben soll Deutschland strengere europäische Produktionsanforderungen unterstützen.
Solche sogenannten „Made in Europe“-Regeln könnten beispielsweise bei staatlichen Förderprogrammen und öffentlichen Ausschreibungen eine größere Rolle spielen. Frankreich will damit die europäische Automobilproduktion gegenüber internationaler Konkurrenz stärken.
Für Hersteller wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, Renault und Stellantis könnte eine Lockerung der Emissionsvorgaben zusätzliche Flexibilität bei der Entwicklung und Produktion verschiedener Antriebstechnologien schaffen. Gleichzeitig bleiben Investitionen in Elektrofahrzeuge, Batterien und Ladeinfrastruktur notwendig.
Entscheidung in Brüssel steht noch aus
Die Verständigung zwischen Berlin und Paris bedeutet noch keine rechtskräftige Änderung der europäischen Vorgaben. Dafür sind weitere Entscheidungen auf EU-Ebene erforderlich. Insbesondere das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten müssen sich auf die endgültigen gesetzlichen Regelungen verständigen.
Der am 15. Oktober begonnene EU-Gipfel in Brüssel bietet einen wichtigen politischen Rahmen für die weiteren Gespräche.
Während Vertreter der Automobilwirtschaft größere Technologieoffenheit und Planungssicherheit fordern, warnen Kritiker einer Lockerung vor möglichen Rückschritten beim Klimaschutz und unsicheren Investitionsbedingungen für die Elektromobilität.
Die entscheidende Frage lautet nun, wie weit die EU ihre CO₂-Vorgaben tatsächlich absenkt und welche Bedingungen für neue Verbrennerfahrzeuge nach 2035 gelten werden. Eine politische Annäherung der beiden größten EU-Mitgliedstaaten könnte die Verhandlungen maßgeblich beeinflussen. Das endgültige Ergebnis bleibt jedoch offen.
Quellen: Tagesspiegel – Deutsch-französische Verständigung, Bundesregierung – Europäischer Rat Oktober 2026, Electrive – Details zu den geplanten CO₂-Regeln.
15.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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