Gold: Fondsmanager erwarten weitere Rekorde
Trotz deutlicher Kursverluste setzen institutionelle Investoren auf eine Erholung des Goldpreises. Zentralbankkäufe, Staatsverschuldung und Geldpolitik stehen im Mittelpunkt.
Der Goldmarkt befindet sich im Oktober 2026 in einer ungewöhnlichen Situation. Nach dem historischen Rekordhoch im Januar hat das Edelmetall erheblich an Wert verloren. Dennoch rechnen mehrere international tätige Fondsmanager mit neuen Höchstständen innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre. Ihre Erwartungen stützen sich vor allem auf die steigende Staatsverschuldung, die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken und mögliche Veränderungen der amerikanischen Geldpolitik.
Am 19. Oktober notierte Gold zeitweise bei rund 4.164 US-Dollar je Feinunze. Gegenüber dem Rekordhoch von etwa 5.595 US-Dollar vom 28. Januar 2026 entspricht dies einem Rückgang von rund 26 Prozent. Für einige professionelle Investoren ist diese Korrektur allerdings kein Zeichen für das Ende des langfristigen Aufwärtstrends.
Fondsmanager rechnen mit neuen Höchstständen
Charlotte Yonge, Fondsmanagerin bei Troy Asset Management, erwartet innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate einen neuen Goldpreisrekord. Beim Precious Metals Symposium der Financial Times verwies sie auf die zunehmend angespannte Lage der öffentlichen Haushalte, insbesondere in den Vereinigten Staaten.
Die hohe US-Staatsverschuldung könnte nach ihrer Einschätzung dazu führen, dass Zentralbanken bei einer künftigen Rezession erneut eine expansive Geldpolitik verfolgen. Gold besitzt in diesem Zusammenhang einen besonderen Vorteil: Das Angebot lässt sich nicht durch geldpolitische Entscheidungen beliebig ausweiten.
Auch Paul Carne von Aon Investments hält neue Rekordstände innerhalb der kommenden zwei Jahre für möglich. Damit rechnen beide Marktteilnehmer mit einer deutlichen Erholung gegenüber dem aktuellen Preisniveau.
Diese Einschätzungen sind allerdings Prognosen und keine Gewissheit. Insbesondere die Entwicklung der amerikanischen Kapitalmarktzinsen könnte darüber entscheiden, wie schnell eine nachhaltige Erholung einsetzt.
Zentralbanken bleiben eine wichtige Stütze

Ein wesentlicher Grund für die langfristig optimistischen Erwartungen ist die Goldnachfrage staatlicher Währungsreserven. Nach vorläufigen Marktdaten kauften Zentralbanken im September 2026 weltweit rund 63 Tonnen Gold. Damit erreichte die monatliche Nachfrage einen besonders hohen Wert.
Viele Schwellenländer verfolgen seit Jahren das Ziel, ihre Währungsreserven breiter aufzustellen und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Gold spielt dabei eine wichtige Rolle, weil es anders als Staatsanleihen keine Forderung gegenüber einem fremden Schuldner darstellt.
Auch die chinesische Zentralbank setzt ihre langfristige Diversifizierung fort. Entscheidend für den Goldmarkt ist dabei weniger ein einzelner Monat als die Frage, ob die internationalen Notenbanken ihre Käufe über mehrere Jahre auf hohem Niveau fortsetzen.
Der World Gold Council untersucht regelmäßig die Nachfrageentwicklung und die Rolle der Zentralbanken am internationalen Goldmarkt.
Hohe US-Zinsen bremsen den Goldpreis
Derzeit steht der Goldpreis allerdings unter dem Einfluss steigender amerikanischer Anleiherenditen. Höhere Zinsen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Wertpapiere und können gleichzeitig den US-Dollar stärken. Beides wirkt häufig belastend auf Gold, das selbst keine laufenden Zinsen oder Dividenden erwirtschaftet.
Besonders wichtig sind die sogenannten Realzinsen, also die nominalen Kapitalmarktzinsen abzüglich der Inflationserwartungen. Steigen diese deutlich, erhöhen sich die Opportunitätskosten einer Goldanlage.
Die amerikanische Notenbank Federal Reserve steht deshalb besonders im Fokus. Ihre nächste Zinsentscheidung ist für den 28. Oktober vorgesehen. Darüber hinaus dürften die anstehenden amerikanischen Inflationsdaten wichtige Hinweise auf die weitere Geldpolitik liefern.
Ein unerwartet restriktiver Kurs der Fed könnte den Goldpreis zunächst erneut belasten. Sollten die Inflationserwartungen dagegen nachlassen und die Kapitalmarktzinsen sinken, würde dies die Voraussetzungen für eine Erholung verbessern.
DZ Bank sieht Gold mittelfristig bei 5.000 Dollar
Auch deutsche Finanzinstitute sehen längerfristig Aufwärtspotenzial. In einer am 16. Oktober veröffentlichten Analyse erwartet die DZ Bank zunächst eine Stabilisierung des Goldpreises und prognostiziert für Ende 2026 ein Niveau von rund 4.300 US-Dollar je Feinunze.
Im ersten Halbjahr 2027 könnte Gold nach Einschätzung der Analysten wieder in Richtung 4.600 US-Dollar steigen. Auf Sicht von zwölf Monaten hält die Bank sogar einen Anstieg auf etwa 5.000 US-Dollar für möglich.
Als wesentliche Gründe nennt die DZ Bank die Nachfrage der Zentralbanken, eine mögliche Abschwächung des US-Dollars und die Diskussion über die hohe amerikanische Staatsverschuldung.
Allerdings würde selbst ein Goldpreis von 5.000 Dollar noch unter dem bisherigen Rekordhoch vom Januar 2026 liegen. Die Prognose beschreibt somit zunächst eine kräftige Erholung, nicht zwangsläufig einen neuen historischen Höchststand.
Die vollständige Einschätzung findet sich im Goldmarkt-Prognoseupdate der DZ Bank vom 16. Oktober 2026.
Auch große Vermögensverwalter bleiben optimistisch
Die DWS verweist in ihrem Marktausblick für Oktober ebenfalls auf die gegensätzlichen Kräfte am Goldmarkt. Kurzfristig könnten hohe Anleiherenditen den Preis erneut in Richtung der Marke von 4.000 US-Dollar drücken. Längerfristig erwartet das Unternehmen jedoch deutliches Aufwärtspotenzial.
Damit zeichnet sich unter verschiedenen professionellen Marktteilnehmern ein ähnliches Bild ab: Die kurzfristigen Risiken werden vor allem durch die amerikanische Zinspolitik bestimmt, während strukturelle Faktoren wie Zentralbankkäufe und Staatsverschuldung für eine längerfristige Erholung sprechen.
Eine einheitliche Erwartung aller Fondsmanager lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Auch innerhalb der institutionellen Investmentbranche bestehen unterschiedliche Einschätzungen zur Geschwindigkeit und zum Ausmaß einer möglichen Goldpreiserholung.
Was bedeutet das für den Goldmarkt?
Die entscheidende Frage ist, ob die derzeitige Schwächephase eine längere Konsolidierung oder lediglich eine Unterbrechung des übergeordneten Aufwärtstrends darstellt.
Für neue historische Rekorde müsste Gold zunächst einen erheblichen Teil seiner bisherigen Verluste aufholen. Eine wichtige Voraussetzung wäre, dass die Nachfrage der Zentralbanken hoch bleibt und gleichzeitig der Druck durch steigende Realzinsen nachlässt.
Auch geopolitische Entwicklungen, die internationale Verschuldung und die Wechselkursbewegungen des US-Dollars dürften den Markt weiterhin beeinflussen. Für Anleger im Euroraum kommt hinzu, dass ein steigender Goldpreis in Dollar nicht automatisch einen gleich hohen Wertzuwachs in Euro bedeutet.
Die Erwartungen von Charlotte Yonge und Paul Carne zeigen, dass professionelle Investoren trotz der erheblichen Korrektur weiterhin mit neuen Rekorden rechnen. Ob diese bereits 2027 oder erst später erreicht werden, hängt wesentlich von der weiteren Entwicklung der Geldpolitik und der internationalen Goldnachfrage ab.
Fest steht: Die Diskussion über neue Goldpreisrekorde ist trotz des deutlichen Rückgangs seit Januar 2026 keineswegs beendet. Zwischen kurzfristigem Zinsdruck und langfristiger Nachfrage nach einem international anerkannten Reservewert bleibt Gold eines der aufmerksam beobachteten Anlagegüter an den Finanzmärkten.
19.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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