Mangan – ein Schlüsselrohstoff der Industrie

Warum das Metall für die Stahlproduktion unverzichtbar ist, welche Rolle es in Batterien spielt und weshalb seine Versorgung strategisch wichtig bleibt.

Von Tobias Dalacker

Mangan gehört zu den industriell wichtigsten Metallen, steht jedoch deutlich seltener im Mittelpunkt der Rohstoffdebatte als Kupfer, Lithium oder Nickel. Dabei steckt es in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens: in Stahlkonstruktionen, Fahrzeugen, Maschinen, Aluminiumlegierungen und Batterien. Besonders die Stahlindustrie ist auf Mangan angewiesen, weil das Metall sowohl bei der Herstellung als auch für die Eigenschaften des fertigen Werkstoffs eine entscheidende Rolle spielt.

Mit dem Ausbau der Elektromobilität und moderner Energiespeicher gewinnt Mangan eine zusätzliche Bedeutung. Allerdings unterscheiden sich die Anforderungen der Stahlindustrie erheblich von denen der Batteriehersteller. Nicht jedes Manganerz eignet sich unmittelbar für die Herstellung hochreiner Batteriematerialien.

 

Was ist Mangan und welche Eigenschaften besitzt es?

 

Mangan ist ein chemisches Element mit dem Symbol Mn und der Ordnungszahl 25. Das silbrig-graue Übergangsmetall ist in reiner Form hart und spröde. Industriell wird es deshalb überwiegend nicht als eigenständiger Konstruktionswerkstoff verwendet, sondern als Bestandteil von Legierungen oder chemischen Verbindungen.

In der Natur kommt Mangan vor allem gebunden in Mineralen vor. Zu den bekannten Manganmineralen gehört Pyrolusit, das überwiegend aus Mangandioxid besteht. Die wirtschaftliche Nutzung beginnt mit dem Abbau manganhaltiger Erze, deren Aufbereitung und anschließender metallurgischer oder chemischer Verarbeitung.

Besonders wichtig sind Ferromangan und Silicomangan. Diese Legierungen werden bei der Stahlherstellung eingesetzt, um unerwünschte Begleitstoffe zu binden und bestimmte Werkstoffeigenschaften gezielt einzustellen.

 

Warum die Stahlindustrie ohne Mangan kaum auskommt

 

Manganerz als wichtiger Rohstoff für die Stahlindustrie und moderne Batterietechnologien

Die mit Abstand größte industrielle Verwendung von Mangan liegt in der Eisen- und Stahlproduktion. Nach Angaben des International Manganese Institute entfallen weltweit rund 97 Prozent des Manganverbrauchs auf diesen Bereich.

Mangan erfüllt dabei mehrere Aufgaben. Es wirkt als Desoxidationsmittel, bindet Schwefel und kann die Festigkeit, Härte sowie Verschleißbeständigkeit von Stahl verbessern. Besonders wichtig ist die Bildung von Mangansulfid, weil dadurch die schädlichen Auswirkungen von Schwefel während der Warmverarbeitung vermindert werden können.

Auch hochfeste Stähle für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und den Schienenverkehr enthalten gezielt eingestellte Mangananteile. Die genaue Zusammensetzung hängt davon ab, ob beispielsweise hohe Festigkeit, gute Verformbarkeit oder Widerstandsfähigkeit gegen mechanischen Verschleiß benötigt wird.

Damit ist Mangan eng mit der Entwicklung der weltweiten Stahlproduktion verbunden. Schwankungen bei Bauinvestitionen, Infrastrukturprojekten und der industriellen Fertigung wirken sich unmittelbar auf die Nachfrage nach manganhaltigen Legierungen aus.

 

Mangan in Batterien – ein wachsender Absatzmarkt

 

Neben seiner traditionellen Verwendung in der Metallindustrie spielt Mangan auch in der Batterietechnik eine Rolle. Mangandioxid wird seit Langem in klassischen Zink-Kohle- und Alkali-Mangan-Batterien verwendet.

Für moderne Lithium-Ionen-Batterien sind insbesondere hochreine Manganverbindungen interessant. In bestimmten Kathodenmaterialien, beispielsweise Nickel-Mangan-Kobalt-Oxiden (NMC), übernimmt Mangan eine wichtige Funktion innerhalb der Materialstruktur.

Auch manganhaltige Lithium-Eisen-Phosphat-Systeme, häufig als LMFP bezeichnet, werden entwickelt und industriell weiterverfolgt. Durch die Einbindung von Mangan lässt sich gegenüber herkömmlichem Lithium-Eisen-Phosphat unter geeigneten Bedingungen eine höhere Zellspannung erreichen.

Die Herstellung solcher Batteriematerialien stellt allerdings besondere Anforderungen an die Reinheit. Hochreines Mangansulfat muss aufwendig produziert werden, da unerwünschte Verunreinigungen die elektrochemischen Eigenschaften beeinträchtigen können.

Der Batteriemarkt ist deshalb nicht einfach mit dem klassischen Markt für Manganerz gleichzusetzen. Während die Stahlindustrie große Mengen metallurgischer Rohstoffe benötigt, kommt es bei Batterieanwendungen besonders auf chemische Reinheit, Verarbeitungstechnologie und verlässliche Lieferketten an.

 

Wo wird Mangan abgebaut?

 

Die weltweite Manganförderung konzentriert sich auf mehrere rohstoffreiche Staaten. Zu den bedeutenden Förderländern zählen Südafrika, Gabun, Ghana und Australien. Auch Brasilien und weitere Länder verfügen über relevante Vorkommen.

Nach den Mineral Commodity Summaries 2026 des United States Geological Survey gehörten Südafrika, Gabun, Ghana und Australien bei der geschätzten Manganerzförderung 2025 zu den führenden Ländern, gemessen am enthaltenen Mangan.

Die geographische Verteilung der Lagerstätten unterscheidet sich jedoch von der industriellen Verarbeitung. China besitzt insbesondere bei der Herstellung verschiedener Manganlegierungen und elektrolytischer Manganprodukte eine bedeutende Stellung.

Für industrielle Abnehmer ergibt sich daraus eine mehrstufige Lieferkette: Erzförderung, Transport, Verhüttung, Raffination und Weiterverarbeitung können in unterschiedlichen Ländern stattfinden.

Weitere Informationen zur weltweiten Förderung und Versorgung bietet der United States Geological Survey.

 

Welche Risiken bestehen für die Manganversorgung?

 

Die Versorgung mit Mangan hängt nicht ausschließlich von der Größe bekannter Lagerstätten ab. Entscheidend sind auch die Förderbedingungen, Transportwege, Energiepreise und verfügbaren Verarbeitungskapazitäten.

Unterbrechungen im Bergbau können beispielsweise durch extreme Wetterereignisse, technische Probleme oder infrastrukturelle Engpässe entstehen. Bei der Weiterverarbeitung spielen insbesondere die Kosten für Energie und industrielle Anlagen eine Rolle.

Für Europa ist außerdem die Frage relevant, ob ausreichend Verarbeitungskapazitäten für spezialisierte Manganprodukte zur Verfügung stehen. Der Zugang zu Manganerz allein garantiert noch keine eigenständige Versorgung mit hochreinen Vorprodukten für Batterien.

Eine breitere Lieferantenbasis, Recycling und der Aufbau zusätzlicher Verarbeitungskapazitäten können helfen, einzelne Abhängigkeiten zu verringern. Vollständig vermeiden lassen sich internationale Lieferverflechtungen bei diesem Rohstoff jedoch kaum.

 

Wie entwickelt sich die wirtschaftliche Bedeutung von Mangan?

 

Die künftige Nachfrage wird weiterhin überwiegend durch die Stahlindustrie bestimmt. Infrastruktur, Fahrzeugproduktion und Maschinenbau bleiben deshalb zentrale Einflussgrößen für den Manganmarkt.

Gleichzeitig eröffnet die Batterietechnik zusätzliche Absatzmöglichkeiten. Wie stark dieser Markt wächst, hängt unter anderem davon ab, welche Kathodenchemien sich bei Elektrofahrzeugen und stationären Energiespeichern durchsetzen.

Ein steigender Batteriebedarf bedeutet allerdings nicht automatisch steigende Preise für sämtliche Manganprodukte. Zwischen Erz, Ferromangan, elektrolytischem Manganmetall und hochreinem Mangansulfat bestehen erhebliche Unterschiede hinsichtlich Herstellungskosten, Nachfrage und Marktstruktur.

Für die langfristige Rohstoffversorgung wird daher entscheidend sein, ob die Förderung und die Weiterverarbeitung mit dem Bedarf der jeweiligen Industrien Schritt halten können.

Fachliche Informationen zu den unterschiedlichen Anwendungen veröffentlicht das International Manganese Institute.

Häufige Fragen zu Mangan

Ist Mangan ein seltenes Metall?

Nein. Mangan ist in der Erdkruste vergleichsweise weit verbreitet. Wirtschaftlich nutzbare Lagerstätten mit ausreichend hohen Mangangehalten sind jedoch regional konzentriert.

Kann Mangan Lithium in Batterien ersetzen?

In den heute verbreiteten manganhaltigen Lithium-Ionen-Batterien ersetzt Mangan das Lithium nicht. Es ist Bestandteil bestimmter Kathodenmaterialien und kann deren Eigenschaften beeinflussen.

Was unterscheidet Batteriemangan von gewöhnlichem Manganerz?

Batteriehersteller benötigen bestimmte hochreine Manganverbindungen, beispielsweise Mangansulfat. Gewöhnliches Manganerz muss dafür zunächst aufbereitet und chemisch gereinigt werden.

Kann Mangan recycelt werden?

Ja. Mangan wird unter anderem über das Recycling manganhaltiger Stähle im Metallkreislauf gehalten. Auch die Rückgewinnung aus Batteriematerialien ist technisch möglich, hängt wirtschaftlich aber vom jeweiligen Recyclingverfahren ab.

 

20.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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