UniCredit rückt bei Commerzbank an die Macht
EZB erlaubt deutliche Aufstockung der Beteiligung – Commerzbank-Aktie legt zu, Übernahme könnte noch 2026 erfolgen
Die Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit rückt entscheidend näher. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) hat am 15. Oktober 2026 genehmigt, dass UniCredit ihre Beteiligung an dem Frankfurter DAX-Konzern über die bisherige Grenze von 30 Prozent hinaus erhöhen darf. Eine Obergrenze für weitere Aktienkäufe gibt es nicht mehr. Damit fällt eine der wichtigsten regulatorischen Hürden für den geplanten Machtwechsel.
Die Nachricht sorgte am Freitagmorgen für steigende Aktienkurse. Die Commerzbank-Aktie gewann kurz nach Handelsbeginn gut ein Prozent auf 38,09 Euro. Auch die UniCredit-Aktie legte um rund ein Prozent zu. Anleger reagieren damit auf die zunehmende Wahrscheinlichkeit, dass die italienische Bank künftig die Kontrolle über das deutsche Geldhaus übernimmt.
UniCredit steuert auf 50 Prozent der Stimmrechte zu

UniCredit hatte bereits im Mai ein Übernahmeangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien vorgelegt und sich über direkte Beteiligungen, Finanzinstrumente und das Tauschangebot Zugriff auf knapp die Hälfte des Frankfurter Instituts gesichert.
Mit der neuen EZB-Genehmigung darf UniCredit die Schwelle von 30 Prozent überschreiten und weitere Aktien übernehmen. Nach Abschluss der noch ausstehenden Verfahren rechnet die Bank damit, gegen Jahresende über rund 50 Prozent der Stimmrechte zu verfügen und damit die Kontrolle über die Commerzbank ausüben zu können.
Die Genehmigung bedeutet allerdings noch nicht, dass die Übernahme vollständig abgeschlossen ist. Weitere regulatorische Verfahren, darunter wettbewerbsrechtliche Prüfungen, stehen noch aus.
Bundesregierung kämpft um Arbeitsplätze und Standort
Die Bundesregierung verfolgt die Entwicklung mit erheblichem Interesse. Der deutsche Staat hält weiterhin gut 13 Prozent der Commerzbank-Aktien und gehört damit zu den bedeutenden Anteilseignern.
Berlin setzt sich insbesondere dafür ein, dass die Commerzbank ihren Hauptsitz in Frankfurt behält, Arbeitsplätze geschützt werden und die Finanzierung mittelständischer Unternehmen gesichert bleibt.
UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt dagegen das Ziel, durch eine stärkere Integration Kosten zu reduzieren und die Profitabilität zu erhöhen. Dazu könnten organisatorische Veränderungen und Stellenstreichungen gehören. Welche Auswirkungen eine Übernahme tatsächlich auf die Beschäftigten hätte, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Was bedeutet die Entscheidung für die Commerzbank-Aktie?
Für Aktionäre verändert die EZB-Entscheidung die Ausgangslage. Die regulatorische Unsicherheit nimmt ab, während ein tatsächlicher Kontrollwechsel wahrscheinlicher wird.
Der Aktienkurs dürfte künftig besonders von drei Faktoren beeinflusst werden: dem Abschluss der noch ausstehenden Genehmigungsverfahren, möglichen weiteren Übernahmeangeboten und den wirtschaftlichen Perspektiven eines gemeinsamen Bankenkonzerns.
Ein zusätzlicher Übernahmepreis mit Aufschlag ist allerdings keineswegs garantiert. Ebenso könnten Integrationskosten, politische Auseinandersetzungen oder unerwartete Verzögerungen die Bewertung belasten.
Für die UniCredit-Aktie steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, ob sich die erwarteten Kosteneinsparungen und zusätzlichen Erträge tatsächlich realisieren lassen.
Eine der größten europäischen Bankenübernahmen
Der geplante Zusammenschluss zählt zu den bedeutendsten grenzüberschreitenden Bankentransaktionen Europas seit der internationalen Finanzkrise. UniCredit ist mit der HypoVereinsbank bereits seit vielen Jahren auf dem deutschen Markt vertreten.
Eine Kombination mit der Commerzbank würde die Position der italienischen Bank im deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft erheblich ausbauen. Gleichzeitig stellt die Integration zweier großer Bankorganisationen hohe Anforderungen an Management, IT-Systeme, Risikosteuerung und Unternehmenskultur.
Die EZB sieht grenzüberschreitende Bankenfusionen grundsätzlich als Möglichkeit, den europäischen Bankenmarkt stärker zu integrieren. Ob der Zusammenschluss auch wirtschaftlich die erwarteten Vorteile bringt, wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen.
Entscheidende Wochen für die Aktionäre
Mit der Genehmigung der EZB ist UniCredit ihrem Ziel deutlich näher gekommen. Entscheidend bleibt nun, wann die übrigen Behörden zustimmen und welche Vereinbarungen zwischen den beteiligten Banken und der Bundesregierung getroffen werden.
Für die Commerzbank-Aktie dürfte die Übernahme damit eines der bestimmenden Themen der kommenden Monate bleiben. Der angestrebte Kontrollwechsel bis Ende 2026 ist möglich, aber noch nicht endgültig gesichert.
Weitere Informationen bieten die offizielle Mitteilung von UniCredit sowie die Berichterstattung der Tagesschau.
16.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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