Warum manche Münzen ein Loch haben
Runde und quadratische Öffnungen in Münzen haben eine lange Geschichte. Sie dienten der Herstellung, dem Transport und heute auch der besseren Unterscheidung von Geldstücken.
Eine Münze mit einem Loch in der Mitte wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Schließlich bestehen die meisten heute gebräuchlichen Geldstücke aus geschlossenen Metallscheiben. Doch in Japan gehören gelochte Münzen bis heute zum täglichen Zahlungsverkehr, und auch in Dänemark sind sie weiterhin Bestandteil des regulären Münzgeldes.
Die Idee dahinter ist wesentlich älter als die modernen Prägemaschinen. Bereits im alten China wurden Münzen mit einer quadratischen Öffnung hergestellt. Damals erfüllte das Loch ganz andere Aufgaben als bei heutigen Umlaufmünzen. Es vereinfachte die Bearbeitung und ermöglichte es, zahlreiche Geldstücke auf Schnüre aufzufädeln.
Warum sich diese besondere Münzform über viele Jahrhunderte erhalten hat, lässt sich anhand ihrer Geschichte und der unterschiedlichen Herstellungsverfahren erklären.
Chinesische Lochmünzen als frühes Zahlungsmittel

Zu den bekanntesten historischen Münzen mit einer Öffnung gehören die chinesischen Käsch-Münzen, international häufig als Cash Coins bezeichnet. Ihre klassische Form besteht aus einer runden Metallscheibe mit einem quadratischen Loch im Zentrum.
Diese Münzform war in China über einen außerordentlich langen Zeitraum verbreitet und beeinflusste auch das Geldwesen benachbarter Regionen in Ostasien.
Im Unterschied zu vielen europäischen Münzen wurden traditionelle chinesische Käsch-Münzen überwiegend gegossen. Das flüssige Metall wurde in vorbereitete Formen gefüllt, anschließend abgekühlt und aus der Gussform gelöst.
Viele dieser Münzen bestanden aus Kupferlegierungen wie Bronze oder Messing. Je nach Epoche und Herstellungsort kamen unterschiedliche Zusammensetzungen vor. Die bekannte Form mit dem quadratischen Mittelloch blieb jedoch über lange Zeit charakteristisch.
Das Nationalmuseum Chinas dokumentiert die Entwicklung der chinesischen Zahlungsmittel und beschreibt runde Münzen mit quadratischen Öffnungen als eine über rund zwei Jahrtausende verwendete Geldform.
Nationalmuseum China – Geschichte der chinesischen Münzen
Warum war das Loch früher quadratisch?
Die quadratische Öffnung hatte einen praktischen Vorteil bei der Herstellung gegossener Münzen. Nach dem Gießen mussten häufig noch überschüssiges Metall und unregelmäßige Ränder entfernt werden.
Dazu konnten mehrere Münzen auf einen Stab mit quadratischem Querschnitt gesteckt werden. Die eckige Form verhinderte, dass sich die Münzen beim Bearbeiten frei um den Stab drehten.
Dadurch ließen sich die äußeren Ränder mehrerer Geldstücke effizienter glätten und nachbearbeiten.
Ein rundes Loch hätte diese Aufgabe weniger gut erfüllt, weil sich die Münzen auf einem runden Stab leichter mitdrehen könnten.
Die quadratische Öffnung ist damit ein anschauliches Beispiel dafür, wie die Form einer Münze unmittelbar mit dem damaligen Herstellungsverfahren zusammenhängen konnte.
Münzen wurden auf Schnüre aufgefädelt
Neben der Herstellung spielte das Loch auch im Zahlungsverkehr eine wichtige Rolle. Zahlreiche Käsch-Münzen konnten auf eine Schnur gezogen und zu größeren Einheiten zusammengefasst werden.
Das vereinfachte den Transport und das Aufbewahren größerer Mengen von Münzgeld. Anstatt zahlreiche einzelne Geldstücke lose mitzuführen, konnten Händler und andere Nutzer gebündelte Münzstränge verwenden.
Solche Münzbündel besaßen auch eine Bedeutung bei der Abrechnung größerer Geldbeträge. Dabei ist allerdings zu beachten, dass die Anzahl der Münzen in einem Bündel je nach Region, Zeit und örtlicher Praxis unterschiedlich sein konnte.
Eine bestimmte Schnur entsprach deshalb nicht zwangsläufig überall derselben Anzahl von Münzen.
Auch außerhalb des gewöhnlichen Zahlungsverkehrs wurden Lochmünzen verwendet. In verschiedenen ostasiatischen Traditionen fanden sie beispielsweise Verwendung als Glücksbringer oder in dekorativen Gegenständen.
Japan verwendet noch heute Münzen mit Löchern
Während die traditionellen chinesischen Käsch-Münzen längst nicht mehr zum regulären Zahlungsverkehr gehören, gibt es in Japan weiterhin moderne Münzen mit einer Öffnung.
Besonders bekannt sind die 5-Yen- und 50-Yen-Münzen. Beide besitzen ein kreisrundes Loch in der Mitte, unterscheiden sich jedoch deutlich in Material und Gestaltung.
Die 5-Yen-Münze besteht aus einer Kupfer-Zink-Legierung und besitzt einen Durchmesser von 22 Millimetern. Ihr Gewicht beträgt 3,75 Gramm. Die 50-Yen-Münze besteht dagegen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung. Sie hat einen Durchmesser von 21 Millimetern und wiegt 4 Gramm.
Die japanische Zentralbank erklärt, dass die Öffnungen insbesondere dabei helfen, Münzen unterschiedlicher Nennwerte leichter voneinander zu unterscheiden. Daneben werden auch die Fälschungserschwerung und die Einsparung von Metall als Gründe genannt.
Bank of Japan – Warum japanische Münzen Löcher besitzen
Die japanischen Lochmünzen waren nicht immer gelocht
Interessanterweise besaßen frühere Ausführungen dieser japanischen Münzen zunächst keine Öffnung.
Die erste 5-Yen-Münze der Nachkriegszeit wurde 1948 ausgegeben. Sie bestand aus Messing und zeigte unter anderem das japanische Parlamentsgebäude. Bereits 1949 wurde der Münztyp verändert und erhielt das bis heute charakteristische Mittelloch.
Ein wichtiger Grund war die bessere Unterscheidbarkeit von der damaligen 1-Yen-Münze, die ebenfalls aus einer gelblichen Kupferlegierung bestand.
Eine vergleichbare Entwicklung gab es bei der 50-Yen-Münze. Ihre 1955 eingeführte Ausführung besaß zunächst ebenfalls kein Loch.
1959 wurde das Design geändert und mit einer Öffnung versehen. Hintergrund waren Schwierigkeiten, die damaligen 50-Yen- und 100-Yen-Münzen zuverlässig auseinanderzuhalten.
Die heutigen 50-Yen-Münzen aus Kupfer-Nickel wurden 1967 eingeführt. Sie besitzen neben dem Mittelloch auch einen geriffelten Rand.
Diese Entwicklung zeigt, dass das Loch bei modernen japanischen Münzen nicht lediglich ein übernommenes historisches Gestaltungselement ist. Es erfüllt eine konkrete Funktion im Alltag.
Warum auch dänische Kronen ein Loch besitzen
Ein weiteres bekanntes Beispiel findet sich in Europa. Dänemark verwendet Lochmünzen bei den Nennwerten 1, 2 und 5 Kronen.
Alle drei Münzen bestehen aus einer Kupfer-Nickel-Legierung und besitzen eine runde Öffnung im Zentrum. Sie unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Durchmesser, Gewicht und Randgestaltung.
Die 1-Kronen-Münze misst 20,25 Millimeter und wiegt 3,6 Gramm. Die 2-Kronen-Münze besitzt einen Durchmesser von 24,5 Millimetern bei 5,9 Gramm Gewicht. Die 5-Kronen-Münze ist mit 28,5 Millimetern Durchmesser und 9,2 Gramm die größte der drei gelochten Münzen.
Auch nach der Einführung neu gestalteter dänischer Umlaufmünzen mit dem Monogramm von König Frederik X wurde das Mittelloch beibehalten.
Die dänische Zentralbank begründet die Unterschiede der Münzformen unter anderem damit, dass einzelne Nennwerte leichter erkannt werden können. Besonders für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen sind klar unterscheidbare Münzgrößen, Randstrukturen und Öffnungen hilfreich.
Danmarks Nationalbank – Dänische Umlaufmünzen und ihre Merkmale
Spart das Loch tatsächlich Metall?
Eine Münze mit einer Öffnung benötigt bei ansonsten identischen Abmessungen weniger Metall als eine geschlossene Münzscheibe.
Wie groß die Einsparung ausfällt, hängt vom Durchmesser des Lochs, der Materialdicke und der verwendeten Legierung ab.
Bei einer Münze mit einem Außendurchmesser von 24 Millimetern und einem Mittelloch von 5 Millimetern Durchmesser würde die Öffnung rechnerisch rund 4,3 Prozent der Kreisfläche entfernen.
Bei gleichbleibender Dicke und gleichmäßigem Material bedeutet das auch eine theoretische Materialersparnis von rund 4,3 Prozent gegenüber einer geschlossenen Scheibe gleicher Außenabmessungen.
Bei sehr großen Produktionsmengen kann eine solche Einsparung durchaus relevant sein.
Allerdings verursacht auch die Herstellung des Lochs zusätzlichen Aufwand. Deshalb ergibt sich aus der geringeren Metallmenge nicht automatisch eine entsprechend hohe Einsparung bei den gesamten Produktionskosten.
Die ausgestanzten Metallteile können zudem gesammelt und in den Produktionsprozess zurückgeführt werden.
Wie entsteht das Loch bei einer modernen Münze?
Anders als traditionelle chinesische Käsch-Münzen werden moderne Umlaufmünzen normalerweise nicht gegossen, sondern mit Prägemaschinen hergestellt.
Bei der Herstellung gelochter Münzen muss die Öffnung bereits im Rohling beziehungsweise im dafür vorgesehenen Fertigungsschritt angelegt werden. Anschließend wird der Rohling für die Prägung vorbereitet.
Während des Prägevorgangs übertragen die Prägestempel unter hohem Druck das Münzmotiv auf beide Seiten. Die Werkzeuge und die Aufnahme des Rohlings müssen dabei auf die ringförmige Münzgeometrie abgestimmt sein.
Besonders wichtig ist die genaue Position der Öffnung. Sie soll gleichmäßig innerhalb des vorgesehenen Münzbildes liegen.
Die Herstellung erfordert somit eine präzise Abstimmung zwischen Rohling, Öffnung, Randgestaltung und Prägestempel.
Für den Nutzer erscheint das Loch als einfache geometrische Besonderheit. Für die Prägestätte ist es dagegen ein zusätzliches Merkmal, das bei der Fertigung berücksichtigt werden muss.
Können Münzen mit einem Loch gefälscht werden?
Ein Mittelloch kann das Nachahmen einer Münze erschweren, weil neben Gewicht, Legierung, Durchmesser und Relief auch die genaue Geometrie der Öffnung stimmen muss.
Besonders der saubere Übergang zwischen Münzoberfläche und Lochrand kann zusätzliche Anforderungen an die Herstellung einer Fälschung stellen.
Allerdings ist ein Loch für sich genommen kein zuverlässiger Echtheitsnachweis. Auch gefälschte Münzen können mit einer korrekt angeordneten Öffnung hergestellt werden.
Bei einer Echtheitsprüfung müssen deshalb sämtliche bekannten technischen Merkmale berücksichtigt werden.
Dazu gehören Gewicht, Durchmesser, Materialeigenschaften, Reliefgestaltung und der Zustand der Münzränder. Das Mittelloch ist lediglich ein weiteres Merkmal innerhalb dieser Gesamtbeurteilung.
Wann ist ein Loch eine Beschädigung?
Gerade bei älteren Münzen können Öffnungen auch nachträglich entstanden sein. Historische Geldstücke wurden beispielsweise durchbohrt, um sie an Ketten zu tragen oder als Schmuck zu verwenden.
Solche nachträglich angebrachten Löcher sind von den ursprünglich vorgesehenen Öffnungen regulärer Lochmünzen zu unterscheiden.
Bei einer echten Lochmünze gehört die Öffnung zur vorgesehenen Gestaltung und Herstellung. Bei einem nachträglich durchbohrten Stück handelt es sich dagegen um eine Veränderung des ursprünglichen Zustands.
Für den Sammlerwert kann dieser Unterschied erheblich sein.
Eine historische Münze mit nachträglicher Durchbohrung wird häufig niedriger bewertet als ein vergleichbares unbeschädigtes Exemplar. Bei besonders seltenen Münzen können dennoch erhebliche Sammlerwerte bestehen.
Die Beurteilung hängt vom Münztyp, dem Erhaltungszustand und der Nachfrage ab. Auch die historische Verwendung als Schmuck kann bei bestimmten Objekten von Interesse sein.
Warum das Münzloch bis heute überlebt hat
Die Funktion des Münzlochs hat sich im Laufe der Geschichte deutlich verändert.
Bei traditionellen chinesischen Käsch-Münzen erleichterte die quadratische Öffnung unter anderem die Herstellung und das Auffädeln größerer Münzmengen. Bei modernen japanischen und dänischen Umlaufmünzen stehen dagegen die Erkennbarkeit und die Unterscheidung verschiedener Nennwerte im Vordergrund.
Damit verbindet ein kleines Detail zwei sehr unterschiedliche Epochen der Geldgeschichte: das handwerkliche Gießen historischer Metallmünzen und die industrielle Herstellung moderner Zahlungsmittel.
Ein Loch in der Mitte ist deshalb keineswegs automatisch ein Hinweis auf eine beschädigte oder unvollständige Münze. Bei zahlreichen Ausgaben gehört es zu den charakteristischen Eigenschaften des Geldstücks – und manchmal sogar zu seinen wichtigsten Erkennungsmerkmalen.
18.10.2026 - Rina Teitscheid - info@muenzkauf.de
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