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BASF und Evonik: Aktien im Übernahmefieber

Beide Chemieaktien legen zu. BASF könnte das Angebot für Evonik erhöhen – Anleger spekulieren auf eine höhere Übernahmeprämie.

Von Tobias Dalacker

Der Übernahmepoker zwischen BASF und Evonik sorgt am deutschen Aktienmarkt für neue Bewegung. Am Mittwoch, dem 14. Oktober 2026, steigen die Aktien beider Chemiekonzerne. Hintergrund sind Berichte, wonach BASF grundsätzlich bereit sein soll, das bisherige Angebot für Evonik aufzustocken. Damit rückt eine der größten möglichen Übernahmen der deutschen Chemieindustrie erneut in den Mittelpunkt der Börse.

Die Evonik-Aktie profitiert besonders von der Aussicht auf einen höheren Kaufpreis. Doch auch die BASF-Aktie verzeichnet Kursgewinne. Anleger bewerten damit offenbar nicht nur die möglichen finanziellen Belastungen einer Übernahme, sondern auch deren strategische Chancen.

 

BASF und Evonik: So entwickeln sich die Aktien

 

Am 14. Oktober notiert die BASF-Aktie gegen 12:50 Uhr bei rund 52,58 Euro. Das entspricht einem Kursgewinn von etwa 2,48 Prozent. Die Evonik-Aktie steigt zum selben Berichtszeitpunkt um rund 1,77 Prozent auf 21,80 Euro. Die Kurse können sich im weiteren Handelsverlauf verändern.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung von Evonik. Noch vor Bekanntwerden der Übernahmepläne hatte die Aktie am 24. September bei 18,07 Euro geschlossen. Gegenüber diesem Niveau entspricht der Kurs von 21,80 Euro einem Anstieg von rund 20,6 Prozent.

Die Übernahmefantasie hat damit bereits einen erheblichen Teil des ursprünglich diskutierten Kaufpreises vorweggenommen. Gleichzeitig bleibt offen, ob die Spekulationen tatsächlich in einem verbindlichen Angebot münden.

 

Warum die Evonik-Aktie auf ein höheres Angebot setzt

 

Industrieanlagen der deutschen Chemieindustrie als Symbol für den Übernahmekampf zwischen BASF und Evonik

BASF soll zunächst 22,15 Euro je Evonik-Aktie angeboten haben. Das entspräche einem Eigenkapitalwert von rund 10,3 Milliarden Euro. Unter Einbeziehung der Schulden würde sich der Unternehmenswert auf mehr als 14 Milliarden Euro belaufen. Die erste Offerte wurde nach übereinstimmenden Medienberichten als zu niedrig zurückgewiesen.

Bei einem Börsenkurs von 21,80 Euro liegt die Aktie nur noch etwa 1,6 Prozent unter dem bislang genannten Angebotspreis. Diese geringe Differenz zeigt, dass Anleger bereits eine erhebliche Wahrscheinlichkeit für weitere Übernahmeverhandlungen einpreisen könnten.

Ein höheres Angebot würde den rechnerischen Wert der Evonik-Aktien entsprechend verändern. Ein Preis von beispielsweise 24 Euro entspräche gegenüber dem genannten Börsenkurs einem Aufschlag von rund 10,1 Prozent. Bei 25 Euro wären es rund 14,7 Prozent. Diese Beträge sind Rechenbeispiele und keine bestätigten neuen Angebote.

 

BASF-Aktie: Wachstumsperspektive oder finanzielles Risiko?

 

Für BASF-Aktionäre ist die Bewertung komplizierter. Während Aktionäre eines Übernahmeziels häufig von einer Kaufprämie profitieren können, muss der Käufer den Zusammenschluss finanzieren und wirtschaftlich erfolgreich umsetzen.

BASF könnte durch die Übernahme seine Position in der Spezialchemie ausbauen und bestehende Produktions- und Forschungsstrukturen besser miteinander verbinden. Auch gemeinsame Einkaufsprozesse und effizientere Produktionsketten könnten wirtschaftliche Vorteile schaffen.

Dem stehen erhebliche Risiken gegenüber. Eine milliardenschwere Übernahme könnte die Verschuldung erhöhen und den finanziellen Spielraum des Ludwigshafener Konzerns einschränken. Zusätzlich wären mögliche Integrationskosten und kartellrechtliche Auflagen zu berücksichtigen.

Dass die BASF-Aktie am Mittwoch ebenfalls steigt, deutet auf eine freundliche kurzfristige Marktreaktion hin. Daraus lässt sich allerdings noch keine langfristig positive Bewertung des möglichen Zusammenschlusses ableiten.

 

RAG-Stiftung als entscheidender Großaktionär

 

Eine Schlüsselrolle spielt die RAG-Stiftung. Sie hält rund 43 Prozent der Evonik-Aktien und ist damit der größte Anteilseigner des Spezialchemiekonzerns. Ohne ihre Unterstützung dürfte eine erfolgreiche Übernahme erheblich schwieriger werden.

Die Stiftung finanziert mit ihren Kapitalerträgen langfristige Verpflichtungen aus dem früheren deutschen Steinkohlebergbau. Deshalb sind für sie neben einem attraktiven Verkaufspreis auch die langfristige Sicherheit und Verfügbarkeit der Mittel von Bedeutung.

Politischer Widerstand kommt aus Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung befürchtet negative Auswirkungen auf industrielle Standorte und Beschäftigung. BASF soll nach Medienberichten bereit sein, bestehende Beschäftigungs- und Standortvereinbarungen einzuhalten.

 

Welche Szenarien für die Aktien denkbar sind

 

Für die weitere Kursentwicklung sind drei Entwicklungen besonders relevant. Erstens könnte BASF ein höheres verbindliches Angebot vorlegen. In diesem Fall würde der neue Kaufpreis einen wichtigen Orientierungspunkt für die Bewertung der Evonik-Aktie darstellen.

Zweitens könnten die Verhandlungen über längere Zeit ohne Ergebnis bleiben. Dann wäre mit einer stärkeren Abhängigkeit der Kurse von neuen Medienberichten und Unternehmensmitteilungen zu rechnen.

Drittens könnte BASF die Übernahmepläne aufgeben. In diesem Fall bestünde für Evonik das Risiko, dass ein Teil der bereits eingepreisten Übernahmeprämie wieder verloren geht.

Für BASF wäre ein Abbruch dagegen nicht zwangsläufig negativ. Anleger könnten den Verzicht auf eine kostspielige Akquisition positiv bewerten. Umgekehrt könnten enttäuschte Wachstumserwartungen den Aktienkurs belasten.

 

Fazit: Der Übernahmepoker bestimmt die Kurse

 

Der Kursanstieg der Evonik-Aktie zeigt, wie stark die Übernahmefantasie inzwischen die Börsenbewertung beeinflusst. Mit einem Kurs nahe dem bislang genannten Angebotspreis rechnen Marktteilnehmer offenbar mit einer Fortsetzung des Übernahmepokers.

Bei BASF stehen dagegen die strategischen Chancen und die Finanzierung im Mittelpunkt. Entscheidend wird sein, ob mögliche Synergien einen höheren Kaufpreis rechtfertigen können.

Solange kein verbindliches Angebot vorliegt, bleibt die weitere Kursentwicklung beider Aktien mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Die nächsten Unternehmensmitteilungen könnten deshalb neue und deutliche Kursbewegungen auslösen.

Die Angaben dienen ausschließlich der journalistischen Information und stellen keine Anlageberatung dar.

 

14.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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