BMW, Mercedes und VW unter Veränderungsdruck
BMW verkleinert seine Führungsstruktur, Mercedes setzt auf Absatzwachstum außerhalb Chinas und Volkswagen plant einen weltweiten Gehaltsstopp bis 2030.
Die drei großen deutschen Automobilhersteller verfolgen unterschiedliche Strategien, um auf steigenden Kostendruck und veränderte Absatzmärkte zu reagieren. Während BMW vor allem seine Managementstrukturen verschlankt, setzt Mercedes-Benz auf eine Modelloffensive und Wachstum in den USA. Volkswagen geht bei seinen Sparmaßnahmen noch weiter und will nach Angaben des Konzernbetriebsrats weltweit Gehaltserhöhungen bis 2030 aussetzen.
Die Entwicklungen zeigen, wie stark sich die deutsche Automobilindustrie im Herbst 2026 verändert. Besonders die schwächere Nachfrage in China, hohe Entwicklungskosten und der internationale Wettbewerb zwingen die Unternehmen, ihre bisherigen Geschäftsmodelle und Kostenstrukturen zu überprüfen.
BMW verkleinert sein Münchner Machtzentrum
Bei BMW steht die Führungsorganisation im Mittelpunkt des Konzernumbaus. Bis Mitte 2027 soll die Zahl der Bereiche und zugeordneten Managementfunktionen um rund 20 Prozent sinken. Die Neuordnung beginnt auf Bereichsleiterebene und soll sich auch auf darunterliegende Führungsebenen auswirken.
BMW-Chef Milan Nedeljković sieht insbesondere in den gewachsenen Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen am Standort München erheblichen Handlungsbedarf. Abteilungen sollen zusammengelegt, Zuständigkeiten gebündelt und Entscheidungswege verkürzt werden.
Parallel dazu plant der Konzern einen weltweiten Abbau von rund 8.000 Arbeitsplätzen. Betroffen sind insbesondere Verwaltungs- und Entwicklungsbereiche. Die deutsche Fahrzeugproduktion ist nach bisherigen Unternehmensangaben von diesem Programm ausgenommen.
BMW muss gleichzeitig erhebliche Mittel in neue Fahrzeugarchitekturen, Software und elektrische Antriebe investieren. Mit der Verschlankung der Organisation will das Unternehmen seine laufenden Kosten reduzieren und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern.
Auch die Strategie für China verändert sich. Entwicklung, Einkauf und Produktion sollen stärker regional organisiert werden. Damit reagiert BMW auf die zunehmende Eigenständigkeit des chinesischen Automobilmarktes und den Wettbewerb mit dortigen Herstellern.
Mercedes erwartet Wachstum außerhalb Chinas

Mercedes-Benz setzt stärker auf neue Modelle und internationale Absatzchancen. Vertriebschef Mathias Geisen sieht insbesondere in den Vereinigten Staaten erhebliches Wachstumspotenzial. Mittelfristig strebt der Hersteller dort einen Absatz von 400.000 Fahrzeugen an.
Die aktuellen Verkaufszahlen zeigen allerdings ein unterschiedliches Bild. Im dritten Quartal 2026 verkaufte die Mercedes-Benz Group weltweit 491.700 Pkw und Transporter. Das entsprach einem Rückgang um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Außerhalb Chinas stieg der Konzernabsatz dagegen um zwei Prozent. Im Pkw-Geschäft betrug das Wachstum außerhalb Chinas ein Prozent. Besonders Europa und Nordamerika entwickelten sich positiv.
Ein wichtiger Wachstumstreiber sind die neuen Elektrofahrzeuge. Mercedes-Benz Cars verkaufte im dritten Quartal weltweit 68.400 vollelektrische Pkw und erreichte damit einen neuen Quartalsrekord. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg um 61 Prozent.
Der chinesische Markt bleibt hingegen problematisch. Dort sank der Pkw-Absatz im dritten Quartal um 31 Prozent. Die Zuwächse in anderen Regionen konnten diesen Rückgang auf Konzernebene bislang nicht vollständig ausgleichen.
Die Aussicht auf neue Absatzrekorde bezieht sich deshalb vor allem auf einzelne Märkte und Fahrzeugsegmente außerhalb Chinas. Ein weltweiter Absatzrekord für den Gesamtkonzern ist aus den bisherigen Zahlen nicht abzuleiten.
Volkswagen plant Gehaltsstopp bis 2030
Besonders weitreichend sind die jüngsten Sparpläne bei Volkswagen. Nach Informationen des Konzernbetriebsrats hat der Vorstand die Personalverantwortlichen angewiesen, weltweit Gehaltserhöhungen bis 2030 auszusetzen.
Die Vorgaben betreffen nach Angaben der Arbeitnehmervertretung grundsätzlich die rund 660.000 Beschäftigten des Konzerns. Wie die Maßnahmen in den einzelnen Ländern, Gesellschaften und Tarifbereichen umgesetzt werden können, hängt jedoch von den jeweiligen rechtlichen und tarifvertraglichen Rahmenbedingungen ab.
Die Pläne wurden zunächst durch einen Bericht der Süddeutschen Zeitung bekannt. Der Konzernbetriebsrat bestätigte die grundsätzliche Vorgabe am 19. Oktober. Volkswagen selbst wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren.
Zusätzlich sollen variable Vergütungsbestandteile, Sonderzahlungen und weitere Personalaufwendungen überprüft werden. Der Gehaltsstopp ist damit Bestandteil einer umfassenderen Strategie zur Senkung der Konzernkosten.
Für die Beschäftigten hätte eine mehrjährige Nullrunde erhebliche Auswirkungen. Bei weiter steigenden Verbraucherpreisen würde die Kaufkraft trotz unveränderter nominaler Gehälter zurückgehen. Die tatsächliche Belastung hängt von der künftigen Inflation und der konkreten Umsetzung ab.
Die Arbeitnehmervertretung lehnt die Pläne entschieden ab und erwartet erheblichen Widerstand. Besonders konfliktträchtig dürfte sein, dass die Vorgaben auch in Ländern mit eigenständigen Tarifverhandlungen gelten sollen.
Hinzu kommt der bereits angekündigte umfangreiche Stellenabbau. Volkswagen hat neben früher vereinbarten Personalreduzierungen den Abbau weiterer 50.000 Arbeitsplätze beschlossen. Damit steigt der Druck auf Belegschaften und Standorte zusätzlich.
Drei Strategien und ein gemeinsames Problem
BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen setzen unterschiedliche Schwerpunkte. BMW versucht, seine Organisation effizienter zu gestalten. Mercedes will mit neuen Fahrzeugen und einer stärkeren Präsenz außerhalb Chinas wachsen. Volkswagen konzentriert sich auf tiefgreifende Einsparungen bei Personal- und Strukturkosten.
Gemeinsam ist den Herstellern die Herausforderung, hohe Investitionen in Elektromobilität, Digitalisierung und neue Fahrzeugtechnologien zu finanzieren, während der Wettbewerb in wichtigen Absatzmärkten zunimmt.
Für Deutschland geht es dabei nicht ausschließlich um Arbeitsplätze bei den großen Automobilkonzernen. Auch Zulieferer, Maschinenbauer, Entwicklungsdienstleister und zahlreiche mittelständische Betriebe sind von den Entscheidungen abhängig.
Wenn Hersteller Verwaltungsbereiche zusammenlegen, Entwicklungsaufträge verändern oder ihre Produktion stärker regionalisieren, kann sich dies auf ganze industrielle Wertschöpfungsketten auswirken.
Die kommenden Jahre werden deshalb zeigen, ob die Sparprogramme ausreichen, um die deutschen Automobilhersteller wieder dauerhaft wettbewerbsfähiger zu machen. Entscheidend ist nicht allein die Höhe der Einsparungen, sondern auch, ob neue Modelle erfolgreich sind und die Unternehmen ihre technologische Entwicklung finanzieren können.
Der Umbau der deutschen Automobilindustrie ist damit längst keine vorübergehende Reaktion auf schwache Verkaufszahlen mehr. Er betrifft zunehmend die grundlegende Organisation, die internationale Arbeitsteilung und die Beschäftigungsbedingungen der Unternehmen.
Quellen: Automobilwoche – BMW und der Umbau des Münchner Managements; Mercedes-Benz – Absatzentwicklung im dritten Quartal 2026; Tagesschau – VW und die geplanten Gehaltsnullrunden.
19.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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