Eurowings erwägt Kurzarbeit im Winter
Fast 250 Millionen Euro zusätzliche Treibstoffkosten belasten die Lufthansa-Tochter. Flugverbindungen werden gestrichen, das Winterprogramm gekürzt und weitere Sparmaßnahmen vorbereitet.
Die stark gestiegenen Kerosinpreise setzen die deutsche Luftfahrtbranche zunehmend unter Druck. Die Lufthansa-Tochter Eurowings prüft deshalb, ob im kommenden Winter Kurzarbeit für Beschäftigte im deutschen Flugbetrieb eingeführt werden kann. Das Unternehmen bestätigte am 16. Oktober 2026 entsprechende Überlegungen und führt bereits Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit.
Hintergrund sind erhebliche Mehrkosten für Flugtreibstoff infolge des Krieges im Nahen Osten. Nach Angaben der Geschäftsführung muss Eurowings im laufenden Jahr mit fast 250 Millionen Euro höheren Kerosinausgaben rechnen als ursprünglich geplant. Besonders während der nachfrageschwächeren Wintermonate droht sich dadurch die wirtschaftliche Belastung zu verschärfen.
Winterflugplan wird um fünf Prozent reduziert

Als unmittelbare Reaktion reduziert Eurowings sein geplantes Winterflugangebot um rund fünf Prozent. Betroffen sind unter anderem die erst kürzlich aufgenommenen beziehungsweise angekündigten Verbindungen von Köln/Bonn und Stuttgart nach Dubai. Die Flüge zwischen Berlin und Dubai sollen dagegen weiterhin angeboten werden.
Weitere Einsparungen sollen vor allem durch die Verringerung einzelner Flugfrequenzen erreicht werden. Damit möchte die Fluggesellschaft vermeiden, zusätzliche komplette Strecken aufgeben zu müssen.
Wie viele Mitarbeiter möglicherweise von Kurzarbeit betroffen wären, ist bislang nicht bekannt. Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht getroffen.
Auch Verwaltung und Betrieb müssen sparen
Neben dem reduzierten Flugangebot plant Eurowings weitere Kostensenkungen. Bis Ende 2028 soll die Verwaltung mit rund 100 Vollzeitstellen weniger auskommen. Außerdem überprüft die Fluggesellschaft Verträge mit externen Dienstleistern und hat ihre interne Weihnachtsfeier abgesagt.
Die Gewerkschaft ver.di fordert eine Beteiligung an der möglichen Ausgestaltung der Kurzarbeit. Sollte diese eingeführt werden, setzt sich die Arbeitnehmervertretung für eine Aufstockung der staatlichen Leistungen ein.
Hohe Energiepreise belasten die Luftfahrt
Die Entwicklung bei Eurowings verdeutlicht, wie stark internationale Energiepreise die Wirtschaftlichkeit von Fluggesellschaften beeinflussen. Besonders problematisch ist derzeit nicht allein der Rohölpreis, sondern auch der deutlich gestiegene Preisaufschlag für die Verarbeitung zu Flugtreibstoff.
Selbst gut ausgelastete Flugzeuge können unter diesen Bedingungen wirtschaftlich unter Druck geraten. Auf längeren Flugstrecken fällt der zusätzliche Treibstoffaufwand besonders stark ins Gewicht.
Eurowings hält dennoch an der Modernisierung seiner Flotte fest. Treibstoffsparende Flugzeuge sollen langfristig helfen, die Betriebskosten zu reduzieren.
Für Passagiere könnten die Maßnahmen eine geringere Auswahl an Flugverbindungen und veränderte Abflugzeiten bedeuten. Ob die hohen Treibstoffkosten auch zu weiteren Ticketpreiserhöhungen führen, hängt unter anderem von der Nachfrage und der Entwicklung der Energiepreise ab.
Die kommenden Wintermonate werden damit zu einer wichtigen wirtschaftlichen Bewährungsprobe für die Lufthansa-Tochter. Entscheidend bleibt, ob sich die Kerosinpreise stabilisieren und die geplanten Einsparungen ausreichen, um die zusätzlichen Belastungen aufzufangen.
Quellen: Tagesschau, aeroTELEGRAPH, Handelsblatt.
17.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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