Goldmark und Reichsgoldmünzen im Vergleich
Von den Goldmünzen des Kaiserreichs bis zur Goldmark von 2001: Goldgehalt, Sammlerwert und die entscheidenden Unterschiede bei der Bewertung
Eine Goldmark ist nicht automatisch eine Reichsgoldmünze. Obwohl beide Bezeichnungen häufig miteinander vermischt werden, können dahinter völlig unterschiedliche Münzen stehen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen den historischen Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs und der 1-DM-Goldmünze, die im Jahr 2001 zum Abschied von der Deutschen Mark ausgegeben wurde.
Für Sammler und Besitzer solcher Münzen ist diese Unterscheidung entscheidend. Während bei häufigen Reichsgoldmünzen vor allem der enthaltene Goldwert den Preis bestimmt, können seltene Jahrgänge, bestimmte Herrscherporträts oder außergewöhnlich gute Erhaltungen erhebliche Sammleraufschläge erzielen. Die moderne Goldmark von 2001 wiederum besitzt einen deutlich höheren Feingoldgehalt pro Münze.
Was bedeutet Goldmark eigentlich?
Der Begriff Goldmark bezeichnete ursprünglich die goldgedeckte Rechnungseinheit des Deutschen Kaiserreichs. Nach der Reichsgründung 1871 wurde die Mark zur einheitlichen deutschen Währung. Grundlage war eine Goldwährung, bei der der gesetzlich festgelegte Goldgehalt die Währungseinheit bestimmte.
Eine einzelne Goldmünze mit dem Nennwert von einer Mark wurde im Kaiserreich jedoch nicht geprägt. Stattdessen existierten Goldmünzen zu 5, 10 und 20 Mark. Besonders verbreitet waren die 10- und 20-Mark-Stücke.
Die Bezeichnung Goldmark wird heute außerdem für die offizielle 1-DM-Goldmünze von 2001 verwendet. Diese entstand mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende der kaiserzeitlichen Goldprägungen und gehört zu einem völlig anderen Währungssystem.
Reichsgoldmünzen von 1871 bis 1915
Die Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs wurden aus einer Legierung mit 900 Teilen Gold und 100 Teilen Kupfer hergestellt. Das entspricht einem Goldgehalt von 90 Prozent beziehungsweise 21,6 Karat. Der Kupferanteil verlieh den Münzen eine höhere Widerstandsfähigkeit und häufig einen leicht rötlichen Farbton.
Die wichtigsten Stückelungen waren:
- 5 Mark Gold: rund 1,991 Gramm Gesamtgewicht und 1,792 Gramm Feingold. Diese vergleichsweise seltene Stückelung wurde nur 1877 und 1878 geprägt.
- 10 Mark Gold: rund 3,982 Gramm Gesamtgewicht und 3,584 Gramm Feingold. Die Münze wurde auch als Krone bezeichnet.
- 20 Mark Gold: rund 7,965 Gramm Gesamtgewicht und 7,168 Gramm Feingold. Diese Stückelung war als Doppelkrone bekannt.
Die Münzen zeigen häufig Herrscherporträts der damaligen deutschen Bundesstaaten. Dazu gehören die preußischen Könige und deutschen Kaiser, aber auch Könige von Bayern, Sachsen und Württemberg sowie verschiedene Großherzöge und Herzöge.
Auf der Gegenseite befindet sich in der Regel der Reichsadler mit dem jeweiligen Nennwert und dem Prägejahr. Gerade die unterschiedlichen Herrscher und Prägestätten machen Reichsgoldmünzen zu einem umfangreichen numismatischen Sammelgebiet.
Die Goldmark von 2001 ist eine andere Münze

Am 26. Juli 2001 gab die Deutsche Bundesbank eine besondere Goldmünze mit dem Nennwert von einer Deutschen Mark heraus. Anlass war das bevorstehende Ende der D-Mark als Bargeld und die Einführung des Euro-Bargelds zum 1. Januar 2002.
Die Münze besteht aus 999,9er Feingold, wiegt 12 Gramm und besitzt einen Durchmesser von 23,5 Millimetern. Ihre Gestaltung orientiert sich an der bekannten 1-DM-Umlaufmünze mit Bundesadler und Eichenlaub.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Umschrift „DEUTSCHE BUNDESBANK“ auf der Adlerseite. Bei den gewöhnlichen 1-DM-Umlaufmünzen lautet sie dagegen „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“.
Insgesamt wurden eine Million Goldmark-Münzen geprägt. Die fünf deutschen Prägestätten Berlin (A), München (D), Stuttgart (F), Karlsruhe (G) und Hamburg (J) produzierten jeweils 200.000 Exemplare.
Der ursprüngliche Ausgabepreis betrug 250 DM. Heute richtet sich ihr Handelswert überwiegend nach dem Goldpreis und einem möglichen Sammleraufschlag. Die historischen Angaben zu Ausgabe und Auflage bestätigt die Deutsche Bundesbank in ihrer Pressenotiz vom 15. Juni 2001.
Welche Goldmünze besitzt den höheren Materialwert?
Entscheidend ist zunächst das tatsächliche Feingoldgewicht. Eine Goldmark von 2001 enthält mit rund 12 Gramm Feingold deutlich mehr Gold als eine historische 20-Mark-Münze mit rund 7,168 Gramm.
Damit besitzt die Goldmark von 2001 ungefähr 67 Prozent mehr Feingold als ein einzelnes 20-Mark-Stück des Kaiserreichs. Gegenüber einer 10-Mark-Reichsgoldmünze beträgt ihr Goldgehalt sogar mehr als das Dreifache.
Der rechnerische Materialwert ergibt sich aus dem Feingoldgewicht multipliziert mit dem jeweils aktuellen Goldpreis je Gramm. Bei Reichsgoldmünzen darf dabei nicht das gesamte Münzgewicht als reines Gold angesetzt werden, da zehn Prozent der Legierung aus Kupfer bestehen.
Allerdings ist der Materialwert nicht mit dem tatsächlichen Handelswert gleichzusetzen. Händler berücksichtigen An- und Verkaufsspannen, Prüfkosten, Nachfrage und gegebenenfalls einen numismatischen Mehrwert.
Welche Reichsgoldmünzen sind besonders wertvoll?
Nicht jede alte Goldmünze ist automatisch selten. Zahlreiche 20-Mark-Stücke mit dem Porträt Kaiser Wilhelms II. wurden in hohen Stückzahlen hergestellt und sind noch heute vergleichsweise häufig erhältlich. Bei üblichen Erhaltungen orientiert sich ihr Marktwert daher vielfach am Goldwert zuzüglich eines begrenzten Aufschlags.
Anders kann die Bewertung bei Münzen kleinerer deutscher Bundesstaaten ausfallen. Bestimmte Ausgaben aus Mecklenburg, Sachsen-Coburg und Gotha, Reuß oder anderen kleineren Herrschaftsgebieten sind deutlich seltener als verbreitete preußische Prägungen.
Auch Goldmünzen mit dem Porträt Friedrichs III., der 1888 nur 99 Tage deutscher Kaiser war, besitzen eine besondere historische Bedeutung. Allerdings sind nicht sämtliche Ausgaben dieses Herrschers gleichermaßen selten.
Entscheidend für einen möglichen Sammlerwert sind die Kombination aus Herrscher, Nominal, Jahrgang, Münzzeichen, Auflage, tatsächlicher Seltenheit und Erhaltung. Zwei Münzen mit identischem Goldgewicht können deshalb sehr unterschiedliche Preise erzielen.
Warum die Erhaltung den Preis stark beeinflussen kann
Historische Goldmünzen waren ursprünglich Zahlungsmittel. Viele Exemplare wurden über Jahre hinweg verwendet und zeigen entsprechend Abrieb, Randbeschädigungen oder Kratzer.
Bei häufigen Stücken mit deutlichen Gebrauchsspuren steht meist der Goldwert im Vordergrund. Bei seltenen Ausgaben können bereits kleinere Unterschiede in der Erhaltung erhebliche Auswirkungen auf den Sammlerpreis haben.
Besonders kritisch sind nachträglich polierte oder gereinigte Münzen. Eine glänzende Oberfläche bedeutet keineswegs, dass eine Münze gut erhalten ist. Unsachgemäße Reinigung kann ursprüngliche Oberflächenstrukturen zerstören und den numismatischen Wert dauerhaft reduzieren.
Deshalb sollten historische Reichsgoldmünzen grundsätzlich nicht eigenständig gereinigt oder poliert werden.
Fälschungen und vergoldete Nachahmungen erkennen
Sowohl bei Reichsgoldmünzen als auch bei der Goldmark von 2001 kommen Nachahmungen und Fälschungen vor. Besonders bei der modernen Goldmark werden gelegentlich gewöhnliche, nachträglich vergoldete 1-DM-Münzen angeboten.
Eine echte Goldmark von 2001 wiegt 12 Gramm und trägt die Umschrift „DEUTSCHE BUNDESBANK“. Eine vergoldete Umlaufmünze besitzt dagegen ein anderes Gewicht und normalerweise die Umschrift „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“.
Bei Reichsgoldmünzen sind Gewicht, Durchmesser, Randgestaltung, Prägebild und Legierung zu kontrollieren. Ein 20-Mark-Stück besitzt beispielsweise ein Sollgewicht von rund 7,965 Gramm. Deutliche Abweichungen können ein Warnsignal darstellen, wobei auch Abnutzung und Beschädigungen berücksichtigt werden müssen.
Eine zuverlässige Echtheitsprüfung sollte sich niemals nur auf Farbe oder einen einfachen Magnettest stützen. Professionelle Prüfverfahren können unter anderem die Dichte, die Metallzusammensetzung und die charakteristischen Merkmale der Prägung berücksichtigen.
Goldwert oder Sammlerwert – was zählt beim Verkauf?
Bei einer Goldmark von 2001 ist der hohe Feingoldgehalt von 12 Gramm eine wesentliche Grundlage der Bewertung. Originalverpackung, Zertifikat, Erhaltung und Münzzeichen können zusätzlich eine Rolle spielen. Ein besonders hoher Sammleraufschlag ist jedoch nicht bei jedem Exemplar zu erwarten.
Bei historischen Reichsgoldmünzen ist eine differenzierte Betrachtung erforderlich. Häufige 10- und 20-Mark-Stücke werden vielfach nahe ihrem Edelmetallwert gehandelt. Seltene Prägungen oder außergewöhnliche Erhaltungen können dagegen einen deutlich höheren numismatischen Wert besitzen.
Wer mehrere Reichsgoldmünzen geerbt hat, sollte diese deshalb nicht ausschließlich nach Gewicht sortieren. Zunächst empfiehlt sich die genaue Bestimmung der einzelnen Stücke. Insbesondere seltene Jahrgänge und Münzzeichen verdienen eine gesonderte Prüfung.
Die historischen Gewichts- und Feingehaltsangaben lassen sich auch anhand einer Übersicht deutscher Reichsgoldmünzen nachvollziehen.
Ein gemeinsamer Name, aber zwei verschiedene Geschichten
Die Reichsgoldmünzen des Kaiserreichs waren Bestandteil eines goldgebundenen Währungssystems und wurden als reguläres Zahlungsmittel geprägt. Die Goldmark von 2001 entstand dagegen als einmalige Erinnerungsmünze zum Ende der Deutschen Mark.
Beide Münzgruppen besitzen einen klar bestimmbaren Goldwert. Bei Reichsgoldmünzen kommt jedoch eine besonders große Vielfalt historischer und numismatischer Merkmale hinzu. Deshalb kann eine kleine 10-Mark-Münze trotz ihres geringeren Goldgehalts erheblich wertvoller sein als eine moderne Goldmark mit 12 Gramm Feingold.
Für eine sachgerechte Bewertung ist folglich nicht allein entscheidend, wie viel Gold eine Münze enthält, sondern auch, welche Münze tatsächlich vorliegt.
19.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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