20-Mark-Goldmünzen des Kaiserreichs – Wert und Echtheit
Welche Reichsgoldmünzen sind wertvoll? Technische Daten, Goldwert, seltene Jahrgänge, Prägestätten und Fälschungsmerkmale im Überblick.
Inhaltsverzeichnis
Die 20-Mark-Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs zählen zu den bekanntesten historischen Goldmünzen Deutschlands. Zwischen 1872 und dem Ersten Weltkrieg entstanden zahlreiche Ausgaben mit den Porträts deutscher Kaiser, Könige und Großherzöge sowie den Wappen einzelner Bundesstaaten. Heute besitzen diese Münzen sowohl einen erheblichen Materialwert als auch eine numismatische Bedeutung.
Wer den Wert einer 20-Mark-Goldmünze bestimmen möchte, muss allerdings genauer hinsehen. Während häufige Prägungen überwiegend nach ihrem Goldgehalt gehandelt werden, können seltene Jahrgänge, besondere Münzzeichen und außergewöhnlich gut erhaltene Exemplare deutlich höhere Sammlerpreise erzielen. Hinzu kommt die Frage der Echtheit, denn nicht jede Münze mit korrektem Gewicht und Goldgehalt ist zwangsläufig eine Originalprägung aus dem Kaiserreich.
Die Geschichte der 20-Mark-Goldmünzen
Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 wurde das zuvor uneinheitliche Münzwesen grundlegend reformiert. Die neue Markwährung beruhte auf dem Goldstandard und ersetzte schrittweise die unterschiedlichen Währungen der deutschen Einzelstaaten.
Das Gesetz vom 4. Dezember 1871 regelte die Ausprägung der Reichsgoldmünzen. Mit dem Münzgesetz vom 9. Juli 1873 wurde die neue Währungsordnung weiter vereinheitlicht. Die 20-Mark-Goldmünze entwickelte sich zur wichtigsten größeren Goldnominale des Kaiserreichs.
Eine Besonderheit war die föderale Struktur des Deutschen Reichs. Die einzelnen Bundesstaaten konnten eigene Münzbilder verwenden. Deshalb existieren 20-Mark-Goldmünzen mit den Porträts der preußischen Kaiser ebenso wie Ausgaben aus Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und weiteren deutschen Staaten.
Die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck verwendeten anstelle eines Herrscherporträts ihre Stadtwappen. Diese Vielfalt macht Reichsgoldmünzen bis heute zu einem interessanten Sammelgebiet.
Technische Daten der 20-Mark-Goldmünze
Die regulären 20-Mark-Goldmünzen wurden nach einheitlichen gesetzlichen Vorgaben geprägt. Sie bestehen aus einer Legierung mit 90 Prozent Gold und 10 Prozent Kupfer. Der Kupferanteil erhöht die mechanische Widerstandsfähigkeit und beeinflusst die charakteristische Goldfarbe.
Die wichtigsten Eigenschaften im Überblick:
Das Gesamtgewicht darf nicht mit dem Feingoldgewicht verwechselt werden. Für die Berechnung des reinen Materialwerts sind die rund 7,1685 Gramm Feingold maßgeblich.
20 Mark Gold Kaiserreich Wert – wie viel ist die Münze wert?

Der Wert einer 20-Mark-Goldmünze ergibt sich aus dem enthaltenen Gold und einem möglichen numismatischen Aufschlag. Bei häufigen Prägungen dominiert normalerweise der Materialwert. Bei seltenen Münzen kann dagegen der Sammlerwert wesentlich höher liegen.
Der rechnerische Goldwert lässt sich mit einer einfachen Formel bestimmen:
Goldwert = aktueller Goldpreis je Gramm Feingold × 7,1685
Bei einem beispielhaften Goldpreis von 120 Euro je Gramm ergibt sich ein Materialwert von rund 860,22 Euro. Bei 130 Euro je Gramm steigt dieser auf rund 931,91 Euro.
Diese Beträge sind Rechenbeispiele und keine aktuellen Marktpreise. Tatsächliche Ankaufs- und Verkaufspreise können aufgrund von Handelsspannen, Nachfrage, Erhaltungszustand und Sammlerwert abweichen.
Wer den Wert einer historischen Goldmünze einschätzen möchte, sollte deshalb nicht nur den aktuellen Goldpreis berücksichtigen, sondern auch tatsächlich erzielte Auktionsergebnisse vergleichbarer Münzen prüfen.
Welche 20-Mark-Goldmünzen sind besonders wertvoll?
Die Wertunterschiede zwischen einzelnen Ausgaben können erheblich sein. Besonders wichtig sind Herrscher, Jahrgang, Prägestätte, ursprüngliche Auflage und Erhaltungszustand.
Wilhelm I. – Preußen
Die Goldmünzen Wilhelms I. gehören zu den frühen Reichsgoldprägungen. Viele Jahrgänge sind vergleichsweise häufig und werden überwiegend nach ihrem Goldwert gehandelt. Einzelne Varianten können dennoch Sammleraufschläge erzielen.
Friedrich III. – Preußen
Friedrich III. regierte 1888 nur 99 Tage. Seine Goldmünzen stammen aus dem sogenannten Dreikaiserjahr, in dem Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. aufeinanderfolgten. Die historische Besonderheit macht diese Ausgaben interessant, bedeutet aber nicht automatisch eine außergewöhnliche Seltenheit.
Wilhelm II. – Preußen
20-Mark-Goldmünzen Wilhelms II. zählen zu den bekanntesten Reichsgoldstücken. Verschiedene Porträttypen und zahlreiche Jahrgänge sind überliefert. Häufige Exemplare besitzen in erster Linie einen vom Goldpreis abhängigen Wert.
Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden
Die Goldprägungen dieser Bundesstaaten zeigen unterschiedliche Herrscherporträts. Einige Ausgaben sind gut verfügbar, andere deutlich seltener. Für die genaue Bewertung ist die Identifizierung des Münztyps entscheidend.
Kleinere Bundesstaaten
Ausgaben kleinerer deutscher Herzogtümer und Großherzogtümer können aufgrund niedriger Prägezahlen besonders gesucht sein. Dabei sollte jedoch zwischen geringer Auflage und tatsächlicher Seltenheit im heutigen Sammlermarkt unterschieden werden.
Jahrgang und Münzzeichen richtig bestimmen
Die Jahreszahl allein reicht für eine genaue Bewertung nicht aus. Ebenso wichtig ist das Münzzeichen, das die Prägestätte bezeichnet.
Zu den bekannten Münzzeichen gehören A für Berlin, D für München, E für Dresden beziehungsweise später Muldenhütten, F für Stuttgart, G für Karlsruhe und J für Hamburg.
Eine bestimmte Kombination aus Jahrgang und Münzzeichen kann deutlich seltener sein als eine äußerlich nahezu identische Ausgabe. Deshalb sollten historische Goldmünzen immer anhand eines geeigneten numismatischen Fachkatalogs bestimmt werden.
Der Jaeger-Katalog der deutschen Münzen seit 1871 gehört zu den etablierten Referenzwerken für die genaue Zuordnung deutscher Reichsmünzen.
Der Erhaltungszustand beeinflusst den Sammlerwert
Goldmünzen des Kaiserreichs wurden ursprünglich als Zahlungsmittel geprägt. Viele Exemplare weisen deshalb Umlaufspuren auf. Andere wurden frühzeitig zurückgelegt und haben ihre ursprünglichen Prägeoberflächen weitgehend bewahrt.
Zu den wichtigsten Erhaltungsgraden gehören:
- Sehr schön (ss): Deutliche Umlaufspuren, aber wesentliche Münzdetails sind gut erkennbar.
- Vorzüglich (vz): Geringe Umlaufspuren und weitgehend erhaltene Prägedetails.
- Stempelglanz (Stgl): Keine erkennbaren Umlaufspuren und weitgehend ursprüngliche Münzoberflächen.
Zusätzlich beeinflussen Kratzer, Randfehler, Druckstellen und Reinigungsspuren den Wert. Gerade bei seltenen Münzen kann ein kleiner Unterschied in der Erhaltung zu erheblichen Preisabweichungen führen.
Historische Goldmünzen sollten deshalb nicht poliert oder chemisch gereinigt werden. Eine solche Behandlung kann die originale Oberfläche dauerhaft verändern und den numismatischen Wert mindern.
Wie erkennt man echte 20-Mark-Goldmünzen?
Reichsgoldmünzen werden seit vielen Jahrzehnten gefälscht und nachgeprägt. Eine Echtheitsprüfung sollte deshalb mehrere voneinander unabhängige Merkmale berücksichtigen.
Gewicht: Das Sollgewicht beträgt rund 7,965 Gramm. Deutliche Abweichungen können auf eine Fälschung, Beschädigung oder Veränderung hinweisen. Ein korrektes Gewicht allein beweist jedoch keine Echtheit.
Durchmesser: Mit etwa 22,5 Millimetern besitzen reguläre 20-Mark-Goldmünzen ein festgelegtes Format. Auffällige Abweichungen sollten näher untersucht werden.
Randinschrift: Die Schrift „GOTT MIT UNS“ mit ihren Verzierungen ist ein wichtiges Prüfmerkmal. Schriftform, Ausführung und Anordnung sollten mit gesicherten Originalen verglichen werden.
Münzbild: Porträt, Reichsadler, Umschriften und Münzzeichen müssen zur jeweiligen Ausgabe passen. Ungewöhnliche Details können auf eine Nachprägung oder Fälschung hinweisen.
Materialanalyse: Professionelle Prüfgeräte können Hinweise auf die Metallzusammensetzung liefern. Eine Röntgenfluoreszenzanalyse erfasst allerdings vor allem oberflächennahe Bereiche und ersetzt keine vollständige numismatische Echtheitsprüfung.
Bei seltenen und hochpreisigen Exemplaren empfiehlt sich eine fachkundige Untersuchung, bei der Materialeigenschaften und charakteristische Prägemerkmale gemeinsam bewertet werden.
Hausmann-Fälschungen als besonderes Risiko
Unter Sammlern deutscher Reichsgoldmünzen sind die sogenannten Hausmann-Fälschungen bekannt. Der Begriff bezeichnet Nachprägungen, die mit dem Umfeld von Otto Hausmann in Verbindung gebracht werden.
Das Besondere an solchen Stücken ist, dass sie teilweise aus einer dem Original entsprechenden Goldlegierung bestehen. Auch Gewicht und Abmessungen können weitgehend übereinstimmen.
Ein einfacher Goldtest reicht deshalb nicht aus, um eine historische Originalprägung sicher von einer späteren Nachahmung zu unterscheiden. Entscheidend sind unter anderem Stempelmerkmale, Oberflächenstruktur und die präzise Ausführung einzelner Münzdetails.
Eine echte Goldlegierung bedeutet somit nicht automatisch, dass auch die numismatische Echtheit einer Kaiserreich-Goldmünze gegeben ist.
Goldwert und Sammlerwert unterscheiden
Für die praktische Bewertung einer 20-Mark-Goldmünze sollten zunächst die genaue Ausgabe und der Goldgehalt bestimmt werden. Danach folgt die Beurteilung des Erhaltungszustands und der Seltenheit.
Bei häufigen Exemplaren liegt der Marktwert oftmals vergleichsweise nahe am enthaltenen Goldwert. Bei seltenen Prägungen können dagegen historische Bedeutung, geringe Verfügbarkeit und Sammlernachfrage einen erheblichen Preisaufschlag rechtfertigen.
Besonders bei geerbten Münzen ist es sinnvoll, beide Seiten und den Rand zu fotografieren, das Gewicht festzustellen und Jahrgang sowie Münzzeichen zu dokumentieren. Damit lässt sich eine erste fachliche Einschätzung wesentlich erleichtern.
Auch die richtige Aufbewahrung spielt eine Rolle. Historische Münzen sollten vor Kratzern, Feuchtigkeit und unnötiger mechanischer Beanspruchung geschützt werden.
Fazit – eine historische Goldmünze mit zwei Wertkomponenten
Die 20-Mark-Goldmünzen des Deutschen Kaiserreichs verbinden einen klar bestimmbaren Edelmetallgehalt mit einer großen numismatischen Vielfalt. Jede reguläre Ausgabe enthält rund 7,1685 Gramm Feingold und besitzt damit einen unmittelbar vom Goldpreis abhängigen Materialwert.
Ob darüber hinaus ein Sammleraufschlag gerechtfertigt ist, hängt von Herrscher, Jahrgang, Prägestätte, Seltenheit und Erhaltungszustand ab. Besonders seltene Ausgaben sollten deshalb nicht ausschließlich nach ihrem Goldgewicht bewertet werden.
Die Echtheit bleibt dabei eine grundlegende Voraussetzung. Gerade weil hochwertige Nachprägungen aus echtem Gold bestehen können, bietet erst die Kombination aus Materialprüfung und numismatischer Begutachtung eine belastbare Grundlage für die Wertermittlung.
Häufige Fragen zu 20-Mark-Goldmünzen des Kaiserreichs
Wie viel Gold enthält eine 20-Mark-Münze aus dem Kaiserreich?
Eine reguläre 20-Mark-Goldmünze wiegt rund 7,965 Gramm und besteht aus 900er-Gold. Sie enthält damit ungefähr 7,1685 Gramm reines Gold.
Sind alle 20-Mark-Goldmünzen aus dem Kaiserreich selten?
Nein. Viele preußische Ausgaben wurden in großen Stückzahlen geprägt und werden hauptsächlich nach ihrem Goldwert gehandelt. Seltene Jahrgänge, Prägestätten und Herrscher können dagegen erhebliche Sammleraufschläge erzielen.
Kann eine gefälschte 20-Mark-Goldmünze trotzdem aus echtem Gold bestehen?
Ja. Es existieren Nachprägungen und Fälschungen aus Gold, deren Gewicht und Feingehalt den historischen Originalen entsprechen können. Deshalb sind Materialtests allein kein sicherer Echtheitsnachweis.
Sollte man eine alte 20-Mark-Goldmünze vor dem Verkauf reinigen?
Nein. Polieren oder chemisches Reinigen kann die originale Münzoberfläche beschädigen und den Sammlerwert reduzieren. Historische Goldmünzen sollten möglichst unverändert fachkundig begutachtet werden.
06.11.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage
Bewertungen und Kommentare
Quelle: https://blog.muenzkauf.de/20-Mark-Gold-Kaiserreich-Wert---Goldgehalt--Seltenheit-und-Echtheit-06112026t