Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden

Union und SPD stehen offenbar vor einer Einigung auf die CSU-Politikerin. Deutschland könnte erstmals eine Frau als Staatsoberhaupt bekommen.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Deutschland steht möglicherweise vor einer historischen Entscheidung: Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) soll nach übereinstimmenden Medienberichten neue Bundespräsidentin werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich demnach entschieden, die 61-jährige Politikerin für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier zu unterstützen. Auch aus der SPD kommt Zustimmung. Damit zeichnet sich eine parteiübergreifende Verständigung über die Besetzung des höchsten deutschen Staatsamtes ab.

Am Freitag, dem 6. November 2026, berichteten unter anderem das ZDF, die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt über die bevorstehende Nominierung. Eine offizielle Bestätigung durch Merz lag zunächst nicht vor. Die CDU-Führung will sich am kommenden Montag mit der Personalie befassen.

Sollte Aigner am 30. Januar 2027 von der Bundesversammlung gewählt werden, wäre sie die erste Frau an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland. Bislang wurde das Amt ausschließlich von Männern ausgeübt.

 

Friedrich Merz stellt sich offenbar hinter Ilse Aigner

 

Die Entscheidung über die Steinmeier-Nachfolge hatte innerhalb der Union über Wochen für Diskussionen gesorgt. Während CSU-Chef Markus Söder frühzeitig für Ilse Aigner warb, hielt sich Bundeskanzler Friedrich Merz zunächst bedeckt. In Teilen der CDU bestand der Wunsch, eine Kandidatin aus den eigenen Reihen vorzuschlagen.

Als mögliche Alternativen wurden unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesbildungsministerin Karin Prien und die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer genannt.

Inzwischen deutet vieles auf eine Verständigung zugunsten Aigners hin. Nach Informationen des ZDF gehen führende CDU-Politiker davon aus, dass sie die gemeinsame Kandidatin werden soll. Das Handelsblatt berichtete ebenfalls, dass sich die CDU auf eine entsprechende Nominierung zubewege.

Die offizielle Entscheidung könnte nach den Beratungen der CDU-Gremien am Montag, dem 9. November, bekannt gegeben werden.

Quelle: ZDFheute – Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden.

 

Breite Unterstützung aus CDU, CSU, SPD und Grünen

 

Ilse Aigner als mögliche erste Bundespräsidentin Deutschlands – politische Entscheidung über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier

Bemerkenswert an der Entwicklung ist die Unterstützung, die Ilse Aigner inzwischen über die Parteigrenzen hinweg erhält. Neben CSU-Chef Markus Söder haben sich zahlreiche CDU-Politiker positiv über eine mögliche Kandidatur geäußert.

Unionsfraktionschef Thorsten Frei bezeichnete Aigner als eine hervorragende Personalie. Auch mehrere CDU-Ministerpräsidenten, darunter Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen, unterstützen ihre Kandidatur.

Aus der SPD äußerte sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke zustimmend. Er hob insbesondere Aigners politische Erfahrung und ihre Fähigkeit hervor, mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen ins Gespräch zu kommen.

Auch aus den Reihen der Grünen gibt es positive Signale. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir würdigte Aigners Bodenständigkeit und ihre Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen.

Allerdings bedeutet die Unterstützung einzelner Spitzenpolitiker noch keine verbindliche Zusage sämtlicher Delegierter der Bundesversammlung. Die Wahl bleibt ein eigenständiger verfassungsrechtlicher Vorgang.

 

Wer ist Ilse Aigner?

 

Ilse Aigner wurde am 7. Dezember 1964 im Landkreis Rosenheim geboren. Nach ihrem Realschulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Radio- und Fernsehtechnikerin. Ihre politische Laufbahn führte sie über die bayerische Landespolitik bis in die Bundesregierung.

1994 zog sie erstmals in den Bayerischen Landtag ein. Vier Jahre später wechselte sie in den Deutschen Bundestag, dem sie bis 2013 angehörte.

Von 2008 bis 2013 war Aigner Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Anschließend übernahm sie verschiedene Ministerämter in Bayern, darunter Verantwortung für Wirtschaft und Energie.

Seit November 2018 ist sie Präsidentin des Bayerischen Landtags. In dieser Funktion leitet sie die parlamentarischen Sitzungen und vertritt das Landesparlament nach außen.

Ihre politische Biografie umfasst damit Tätigkeiten in der Landespolitik, im Bundestag und in der Bundesregierung. Diese Erfahrungen stehen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion über ihre mögliche Kandidatur.

 

Warum die Entscheidung historisch wäre

 

Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1949 wurde das Amt des Bundespräsidenten ausschließlich von Männern bekleidet. Mit Ilse Aigner könnte erstmals eine Frau in Schloss Bellevue einziehen.

Die Diskussion über eine Bundespräsidentin ist allerdings nicht neu. Bereits bei früheren Bundespräsidentenwahlen standen Frauen zur Wahl, darunter Gesine Schwan, die 2004 und 2009 gegen Horst Köhler antrat.

Auch 2026 spielte die Frage der weiblichen Repräsentation eine zentrale Rolle. Insbesondere die SPD hatte sich dafür ausgesprochen, dass auf Frank-Walter Steinmeier eine Frau folgen sollte.

Eine Wahl Aigners hätte deshalb über die Personalentscheidung hinaus symbolische Bedeutung für die politische Repräsentation von Frauen in Deutschland. Welche politischen Akzente sie als Bundespräsidentin setzen würde, lässt sich aus der bisherigen Debatte allerdings noch nicht verbindlich ableiten.

 

Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar 2027

 

Die Wahl des neuen Staatsoberhauptes ist für den 30. Januar 2027 vorgesehen. Zuständig ist die Bundesversammlung, die ausschließlich zu diesem Zweck zusammentritt.

Sie besteht aus insgesamt 1.260 Mitgliedern. Dazu gehören die 630 Abgeordneten des Deutschen Bundestages sowie 630 weitere Mitglieder, die von den Parlamenten der 16 Bundesländer gewählt werden.

In den ersten beiden Wahlgängen benötigt eine Kandidatin oder ein Kandidat die absolute Mehrheit der Mitglieder der Bundesversammlung. Bei 1.260 Mitgliedern sind dafür mindestens 631 Stimmen erforderlich. Sollte ein dritter Wahlgang notwendig werden, genügt die relative Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

CDU, CSU und SPD verfügen gemeinsam über eine breite parlamentarische Basis. Dennoch ist die Wahl nicht automatisch entschieden, da die Mitglieder der Bundesversammlung ihre Stimmen eigenständig abgeben.

Frank-Walter Steinmeiers zweite Amtszeit endet am 18. März 2027. Nach zwei Amtszeiten ist eine erneute unmittelbar anschließende Wahl gemäß Artikel 54 des Grundgesetzes ausgeschlossen.

 

Welche Aufgaben hätte Ilse Aigner als Bundespräsidentin?

 

Das Bundespräsidentenamt unterscheidet sich grundlegend vom Amt des Bundeskanzlers. Während die Bundesregierung die politischen Entscheidungen im Tagesgeschäft verantwortet, übernimmt das Staatsoberhaupt vor allem repräsentative, integrative und verfassungsrechtliche Aufgaben.

Zu den Aufgaben gehören die völkerrechtliche Vertretung Deutschlands, die Ernennung und Entlassung von Bundesministern nach den verfassungsrechtlichen Vorgaben sowie die Ausfertigung und Verkündung von Bundesgesetzen.

Darüber hinaus hat das Staatsoberhaupt eine besondere öffentliche Rolle. Reden, Staatsbesuche und gesellschaftspolitische Stellungnahmen können Debatten prägen, ohne dass damit eine unmittelbare Regierungsverantwortung verbunden ist.

Gerade in gesellschaftlich angespannten Zeiten wird deshalb häufig diskutiert, welche Bedeutung das Bundespräsidentenamt für den demokratischen Zusammenhalt besitzt.

Die rechtlichen Grundlagen regelt das Grundgesetz in Artikel 54.

 

Eine Personalentscheidung mit Bedeutung für die Koalition

 

Die mögliche Nominierung Aigners ist auch für das Verhältnis zwischen CDU und CSU von Bedeutung. CSU-Chef Markus Söder hatte seine Parteikollegin frühzeitig ins Gespräch gebracht. Innerhalb der CDU wurde dagegen zunächst darüber diskutiert, ob die größere Unionspartei selbst eine Kandidatin stellen sollte.

Eine gemeinsame Nominierung würde diesen Konflikt zumindest in der Personalfrage beenden. Zugleich könnte eine Verständigung mit der SPD zeigen, dass sich die Regierungsparteien bei der Besetzung eines wichtigen Verfassungsamtes einigen können.

Eine solche Einigung wäre jedoch nicht gleichbedeutend mit einer grundsätzlichen Annäherung in anderen politischen Streitfragen. Das Bundespräsidentenamt ist ausdrücklich nicht Teil der Bundesregierung.

Auch die Zustimmung einzelner Grünen-Politiker lässt noch keine Aussage über das spätere Abstimmungsverhalten aller grünen Delegierten zu.

 

Wie geht es jetzt weiter?

 

Die nächsten Tage dürften entscheidend für die offizielle Nominierung werden. Nach den übereinstimmenden Medienberichten vom 6. November zeichnet sich eine Verständigung auf Ilse Aigner ab. Eine formelle Bekanntgabe durch die beteiligten Parteiführungen steht zunächst noch aus.

Danach würde die Vorbereitung auf die Bundesversammlung am 30. Januar 2027 in den Mittelpunkt rücken. Bis zur Wahl können weitere Kandidaturen bekannt werden.

Mit Ilse Aigner könnte Deutschland erstmals eine Bundespräsidentin erhalten. Ob die angekündigte politische Unterstützung tatsächlich in eine erfolgreiche Wahl mündet, entscheidet jedoch ausschließlich die Bundesversammlung.

 

06.11.2026 - Tobias Dalacker -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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