Trump unter Druck – Hegseth kämpft um sein Amt

Nach der Wahlniederlage der Republikaner wächst die Sorge vor Untersuchungen. Trumps Verteidigungsminister wehrt sich gegen Rücktrittsforderungen.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Die politische Lage in Washington hat sich nach den US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 grundlegend verändert. Die Demokraten haben die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses gewonnen und kündigen an, Entscheidungen der Trump-Regierung genauer zu untersuchen. Im Umfeld des Präsidenten wächst die Nervosität. Besonders unter Druck steht Verteidigungsminister Pete Hegseth, dessen Rolle im Iran-Krieg und dessen Führung des Pentagons zunehmend umstritten sind.

Wie angespannt die Stimmung bereits vor der Wahl war, zeigt ein Bericht der New York Times über eine vertrauliche Videokonferenz führender Trump-Berater. Dort wurde offenbar sogar darüber gescherzt, nach einer Niederlage politisches Asyl in Israel zu beantragen. Was zunächst wie schwarzer Humor klingt, verweist auf die Sorge vor einem politischen Machtwechsel im Kongress und möglichen Untersuchungen.

 

Vielleicht bekommen wir Asyl in Israel

 

Sechs Tage vor der Wahl sollen sich mehr als zwei Dutzend führende Wahlkampfstrategen und Berater Donald Trumps zu einer privaten Videokonferenz zusammengeschaltet haben. Nach einem Bericht der New York Times, über den unter anderem die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, diskutierten die Teilnehmer unterschiedliche Szenarien für den Wahlausgang.

Die Stimmung soll ausgesprochen pessimistisch gewesen sein. Neben möglichen Wahlniederlagen kamen auch Gefängnisessen, Begnadigungen und die Vorstellung einer Flucht ins Ausland zur Sprache.

James Blair, ein führender Wahlkampfstratege Trumps, soll dabei scherzhaft auf den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu verwiesen haben. Dieser werde sie beschützen. Trumps Meinungsforscher Tony Fabrizio antwortete dem Bericht zufolge, möglicherweise könne man in Israel Asyl erhalten.

Die Bemerkungen waren nach Darstellung der Quellen sarkastisch gemeint. Es gibt keinen belastbaren Hinweis darauf, dass die Beteiligten tatsächlich eine Flucht planten oder Asyl beantragen wollten.

Der Vorgang zeigt allerdings, dass führende Republikaner schon vor dem Wahltag mit erheblichen politischen Verlusten rechneten. Interne Analysen hatten offenbar erkennen lassen, dass insbesondere der Iran-Krieg, steigende Lebenshaltungskosten und die Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik die Wahlchancen der Partei belasteten.

 

Demokraten können die Regierung stärker kontrollieren

 

Politische Krise in Washington nach den US-Zwischenwahlen 2026 mit Blick auf das Kapitol und die bevorstehenden Untersuchungen gegen die Trump-Regierung

Mit der neuen Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erhalten die Demokraten erheblich größere Möglichkeiten, die Regierung zu kontrollieren. Ausschüsse können Anhörungen ansetzen, Dokumente anfordern und Regierungsvertreter unter Eid befragen.

Besonders die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik dürfte in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehören die Entscheidungen zum Krieg gegen Iran, die Entlassung hochrangiger Militärs, der Umgang mit der Ukraine und amerikanische Militäreinsätze gegen mutmaßliche Drogenschmuggler in lateinamerikanischen Gewässern.

Politische Untersuchungen sind allerdings nicht automatisch strafrechtliche Ermittlungen. Der Kongress kann Missstände untersuchen und gegebenenfalls Erkenntnisse an zuständige Behörden weitergeben. Über eine strafrechtliche Verfolgung entscheiden jedoch die dafür zuständigen Justizbehörden und Gerichte.

Auch eine Wahlniederlage bedeutet nicht, dass bisherige Regierungsentscheidungen rechtswidrig waren. Ob konkrete Gesetzesverstöße vorliegen, muss anhand von Beweisen und geltendem Recht geprüft werden.

Die politische Bedeutung ist dennoch erheblich: Eine Regierung, die bisher auf republikanische Mehrheiten bauen konnte, muss künftig mit einer wesentlich kritischeren parlamentarischen Kontrolle rechnen.

 

Pete Hegseth gerät zunehmend unter Druck

 

Besonders deutlich werden die Folgen des Wahlausgangs bei Verteidigungsminister Pete Hegseth. Der frühere Fernsehmoderator und heutige Pentagon-Chef gehört zu den entschiedenen Befürwortern der militärischen Linie der Trump-Regierung gegenüber Iran.

Nach Recherchen von Reuters und CBS News wird inzwischen innerhalb des republikanischen Lagers über seine politische Zukunft diskutiert. Trump soll Berater gefragt haben, ob Hegseth weiterhin im Amt bleiben sollte.

Der Präsident selbst stellte sich öffentlich hinter seinen Minister und lobte dessen Arbeit. Gleichzeitig berichten Medien unter Berufung auf Regierungsinsider, dass eine personelle Veränderung weiterhin möglich sei.

Zu den Kritikpunkten gehören Hegseths Verhältnis zum Kongress, seine Entscheidungen über die militärische Führung und die Frage, auf welcher rechtlichen Grundlage bestimmte Kriegshandlungen gegen Iran durchgeführt wurden.

Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie will ein Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth erneut vorantreiben. Auch demokratische Abgeordnete kündigen Untersuchungen an.

Ein solches Verfahren wäre zunächst eine politische und verfassungsrechtliche Auseinandersetzung. Eine Amtsenthebung setzt entsprechende Beschlüsse des Kongresses voraus und ist keineswegs bereits entschieden.

 

Hegseth reagiert mit einer Kampfansage

 

Der Verteidigungsminister zeigt bislang keine Bereitschaft, freiwillig zurückzutreten. In einer am 5. November bekannt gewordenen Videobotschaft verteidigte er seine Amtsführung und den amerikanischen Militäreinsatz gegen Iran.

Hegseth bezeichnete die militärische Kampagne als mutige und historische Anstrengung, um Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern. Seine Kritiker würden die Regierung aus politischen Gründen angreifen, erklärte er sinngemäß.

Damit setzt der Minister auf eine offene Konfrontation mit seinen politischen Gegnern. Ob diese Strategie seine Position innerhalb der Regierung stärkt, bleibt abzuwarten.

Hinzu kommt der Streit über die Finanzierung des Militärs. Hegseth wirbt für einen Verteidigungshaushalt von rund 1,5 Billionen US-Dollar. Dafür benötigt die Regierung jedoch die Unterstützung des Kongresses. Gerade dort sind die Beziehungen des Ministers zu zahlreichen Abgeordneten angespannt.

Auch unter Republikanern gibt es Zweifel, ob Hegseth die erforderlichen politischen Mehrheiten organisieren kann.

 

Ein politischer Ausweg statt einer Entlassung?

 

In Washington wird inzwischen über verschiedene Möglichkeiten für Hegseths weitere Karriere spekuliert. Diskutiert wurde unter anderem ein Wechsel in den US-Senat. Hintergrund ist die politische Neuordnung im Bundesstaat Tennessee nach der dortigen Gouverneurswahl.

Eine solche Lösung könnte es ermöglichen, Hegseth aus dem Pentagon zu verabschieden, ohne die Entscheidung ausdrücklich als Entlassung wegen politischer Fehler darzustellen.

Bislang handelt es sich jedoch um Überlegungen und Medienberichte. Eine entsprechende Personalentscheidung wurde nicht bestätigt.

Auch mögliche Nachfolger werden genannt. CBS News berichtete, dass der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, in Gesprächen als mögliche Alternative auftauchte.

Ob Trump tatsächlich einen Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums vorbereitet, ist offen.

 

Der Iran-Krieg wird zur innenpolitischen Belastung

 

Der Hintergrund der Auseinandersetzung reicht über die Personalie Hegseth hinaus. Der Krieg gegen Iran hat die amerikanische Innenpolitik erheblich verändert.

Die zeitweise Blockade der Straße von Hormus, steigende Energiepreise und die wirtschaftlichen Folgen der militärischen Auseinandersetzung belasteten Verbraucher und Unternehmen. In den Vereinigten Staaten wurde die Frage, ob die Regierung den Krieg fortsetzen sollte, zu einem wichtigen Wahlkampfthema.

Vizepräsident JD Vance machte den Krieg nach der Wahlniederlage ausdrücklich für das schlechte Abschneiden der Republikaner verantwortlich. Trump räumte ebenfalls ein, dass der Konflikt die Wahl beeinflusst habe, verteidigte seine Entscheidung zum militärischen Vorgehen jedoch weiterhin.

Damit zeigt sich ein Konflikt innerhalb des republikanischen Lagers: Während ein Teil der Partei an der bisherigen außenpolitischen Linie festhalten möchte, sehen andere Politiker darin eine wesentliche Ursache für den Verlust der Kongressmehrheiten.

Auch wirtschaftlich bleibt die Entwicklung relevant. Militärische Eskalationen im Nahen Osten können die Ölversorgung beeinträchtigen und über höhere Energiepreise neue Inflationsrisiken auslösen. Für internationale Finanzmärkte und Edelmetalle ist insbesondere entscheidend, wie sich geopolitische Unsicherheit, Inflationserwartungen und die amerikanische Geldpolitik gegenseitig beeinflussen.

Wie sich der Iran-Konflikt auf die amerikanische Politik auswirkt, war bereits vor der Wahl ein zentrales Thema. Einen früheren Überblick bietet unser Beitrag Trump unter Druck: Iran und die Wahl in Texas.

 

Was die angekündigten Untersuchungen bedeuten

 

Die kommenden Monate könnten von zahlreichen parlamentarischen Anhörungen und politischen Auseinandersetzungen geprägt sein. Die Demokraten werden versuchen, Entscheidungen der Regierung aufzuklären und politische Verantwortung festzustellen.

Für Trump bedeutet dies eine veränderte Machtbalance. Zwar bleibt er Präsident und verfügt weiterhin über erhebliche exekutive Befugnisse. Gesetzgebung, Haushaltsentscheidungen und parlamentarische Kontrolle werden durch die neuen Mehrheitsverhältnisse jedoch schwieriger.

Für Hegseth könnte die Situation besonders unangenehm werden. Als Verteidigungsminister steht er unmittelbar für militärische Entscheidungen, die inzwischen auch innerhalb der Republikanischen Partei kontrovers diskutiert werden.

Ob daraus ein Amtsenthebungsverfahren, eine freiwillige Ablösung oder lediglich eine längere Phase politischer Untersuchungen entsteht, lässt sich derzeit nicht zuverlässig sagen.

Fest steht: Die Wahlniederlage hat das Verhältnis zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress verändert. Aus politischen Streitfragen können nun formelle Untersuchungen mit erheblichen Konsequenzen für einzelne Regierungsmitglieder werden.

Die scherzhafte Bemerkung über Asyl in Israel ist deshalb vor allem ein bemerkenswertes Stimmungsbild aus Trumps Umfeld. Sie ist kein Beweis für bevorstehende Strafverfahren, zeigt aber, wie ernst führende Berater die politischen Folgen der Wahl offenbar bereits vor dem Urnengang nahmen.

 

Quellen: Reuters – Hegseth verteidigt seine Amtsführung sowie Anadolu – Bericht über die vertrauliche Beratung von Trumps Strategen.

 

06.11.2026 - Tobias Dalacker -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Trump-unter-Druck--Ermittlungen-drohen--Hegseth-kaempft-um-sein-Amt-06112026t