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Reiches Gasreserve wird Milliarden kosten

Neue Gasumlage ab 2027 geplant: Unternehmen und Privathaushalte sollen für Deutschlands Krisenvorsorge zahlen. Was der Gesetzentwurf vorsieht.

Von Tobias Dalacker

Deutschland soll eine nationale Gasreserve erhalten, um die Energieversorgung bei schweren Krisen abzusichern. Doch die geplante Vorsorge hat ihren Preis. Ein Gesetzentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) sieht vor, die Kosten über eine neue Umlage auf Gaskunden zu verteilen. Damit könnten sowohl Unternehmen als auch private Haushalte ab Oktober 2027 zusätzlich belastet werden.

Nach dem Referentenentwurf vom 12. Oktober 2026 werden die Kosten der Reserve für die ersten zehn Jahre auf insgesamt bis zu 3,08 Milliarden Euro geschätzt. Jährlich entspricht dies einem Finanzierungsbedarf von etwa 247 bis 308 Millionen Euro. Die endgültige gesetzliche Regelung steht allerdings noch aus.

 

Wie teuer wird die Gasreserve für Verbraucher?

 

Erdgasspeicheranlage mit großen Speicherbehältern und Rohrleitungen als Symbol für die geplante nationale Gasreserve

Für private Haushalte nennt der Gesetzentwurf zusätzliche jährliche Kosten zwischen 3,77 und 7,20 Euro. Die tatsächliche Belastung richtet sich insbesondere nach dem Gasverbrauch und der später festgelegten Umlage.

Bei einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden werden Mehrkosten von etwa 5,80 bis 7,20 Euro jährlich erwartet. Das entspricht einer Umlage von ungefähr 0,03 bis 0,04 Cent pro Kilowattstunde.

Die Beträge erscheinen für einzelne Haushalte vergleichsweise gering. Allerdings handelt es sich um eine zusätzliche Kostenposition bei der Gasversorgung. Die endgültige Höhe kann sich bis zur Einführung noch verändern.

 

Industrie soll einen großen Teil der Kosten tragen

 

Für Unternehmen könnte die neue Finanzierung besonders relevant werden. Nach den bisherigen Berechnungen sollen rund 60 Prozent der Kosten auf Industriekunden entfallen. Die übrigen 40 Prozent würden Haushalte und weitere Gewerbekunden tragen.

Vor allem energieintensive Betriebe könnten dadurch zusätzliche Betriebskosten erhalten. Dazu zählen beispielsweise Unternehmen aus der Chemieindustrie, der Glasproduktion, der Metallverarbeitung und anderen Industriezweigen mit hohem Erdgasbedarf.

Wie stark einzelne Unternehmen tatsächlich belastet werden, hängt von ihrem Verbrauch, den geltenden Umlageregeln und möglichen Ausnahmen ab. Eine verbindliche Kostenberechnung für einzelne Branchen ist derzeit noch nicht möglich.

 

24 Milliarden Kilowattstunden für den Krisenfall

 

Die geplante nationale Reserve soll 24 Milliarden Kilowattstunden Erdgas umfassen. Das entspricht 24 Terawattstunden und ungefähr zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität.

Diese Menge soll ausreichen, um den Ausfall der größten deutschen Gasimport-Infrastruktur für einen Zeitraum von etwa 30 Tagen auszugleichen. Als mögliche Krisenszenarien gelten Sabotage, größere technische Störungen oder der Ausfall wichtiger Versorgungsleitungen.

Die strategische Reserve soll nicht für gewöhnliche Preisschwankungen am Gasmarkt eingesetzt werden. Nach dem Entwurf wäre eine Freigabe erst bei einer ausgerufenen Notfallstufe vorgesehen. Über ihren Einsatz würde dann die Bundesnetzagentur entscheiden.

 

Neue Umlage trotz früherer Entlastungen

 

Politisch ist die Finanzierung umstritten. Die Bundesregierung hatte die bisherige Gasspeicherumlage abgeschafft, um Unternehmen und Verbraucher bei den Energiekosten zu entlasten. Mit der geplanten nationalen Gasreserve könnte nun eine neue Umlage eingeführt werden.

Wirtschaftsministerin Reiche hatte zwischenzeitlich auch eine Finanzierung über den Bundeshaushalt oder eine Kombination verschiedener Finanzierungswege ins Gespräch gebracht. Der aktuelle Referentenentwurf setzt jedoch auf eine Umlage für Gaskunden.

Die erste Umlageperiode soll nach den bisherigen Planungen am 1. Oktober 2027 beginnen. Zuvor müssen die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Für die deutsche Wirtschaft bleibt damit eine grundsätzliche Frage bestehen: Wie lässt sich die Versorgungssicherheit erhöhen, ohne die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen zusätzlich zu beeinträchtigen?

Die geplante Reserve könnte Deutschland widerstandsfähiger gegenüber schweren Störungen der Gasversorgung machen. Gleichzeitig entstehen neue Kosten, deren endgültige Verteilung erst mit der gesetzlichen Ausgestaltung feststehen wird.

Grundlage der Angaben sind der im Oktober 2026 bekannt gewordene Referentenentwurf sowie Berichte von Deutschlandfunk und Reuters.

 

16.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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