Saudi-Arabien investiert Milliarden in Rohstoffe

Kupfer, Lithium und Seltene Erden sollen die Wirtschaft unabhängiger vom Öl machen. Doch hohe Kosten und Wasserknappheit bremsen den Ausbau.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Saudi-Arabien will sich neben seiner Rolle als bedeutender Ölexporteur zu einem internationalen Standort für Bergbau und Rohstoffverarbeitung entwickeln. Milliardeninvestitionen sollen neue Minen, Industrieanlagen und Lieferketten ermöglichen. Besonders im Fokus stehen Kupfer, Lithium und Seltene Erden, die für Elektrofahrzeuge, Stromnetze, Batterien und moderne Technologien benötigt werden.

Die Regierung in Riad verfolgt damit ein langfristiges wirtschaftspolitisches Ziel: Der Rohstoffsektor soll zusätzliche Einnahmen schaffen, industrielle Arbeitsplätze ermöglichen und die Abhängigkeit des Landes vom Ölgeschäft verringern. Allerdings ist ein erheblicher Teil der vermuteten Bodenschätze noch nicht ausreichend erkundet. Auch die Versorgung mit Wasser, der hohe Energiebedarf und die Finanzierung neuer Verarbeitungsanlagen stellen erhebliche Herausforderungen dar.

 

Investitionen von rund 21 Milliarden Euro angestrebt

 

Auf dem Future Minerals Forum im Januar 2026 erläuterte der saudische Investitionsminister Khalid Al-Falih die Ausbaupläne. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SPA sieht die nationale Investitionsstrategie für den Bergbausektor ein Volumen von annähernd 92 Milliarden Saudi-Riyal für den Zeitraum 2025 bis 2030 vor. Das entspricht umgerechnet rund 21 Milliarden Euro, abhängig vom Wechselkurs.

Die Regierung will insbesondere ausländische Investoren gewinnen und internationale Partnerschaften für Exploration, Förderung und industrielle Verarbeitung aufbauen. Das Vorhaben ist Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklungsstrategie Vision 2030.

Die genannten 92 Milliarden Riyal sind eine strategische Zielgröße und dürfen nicht mit bereits verbindlich finanzierten Einzelprojekten gleichgesetzt werden. Auch andere veröffentlichte Investitionskennzahlen beziehen sich teilweise auf unterschiedliche Zeiträume und Bereiche der Rohstoffwirtschaft.

Die offiziellen Zielsetzungen dokumentiert die Saudi Press Agency zum Future Minerals Forum 2026.

 

Bodenschätze im geschätzten Wert von 2,5 Billionen Dollar

 

Saudi-Arabien beziffert den geschätzten Wert seiner mineralischen Ressourcen auf mehr als 2,5 Billionen US-Dollar. Zu den potenziellen Vorkommen zählen Gold, Kupfer, Phosphate und verschiedene strategische Industriemetalle.

Ein Schwerpunkt der Exploration liegt im Arabischen Schild, einer geologischen Region im Westen des Landes. Große Teile dieses Gebiets sind bislang nur begrenzt untersucht. Neue geologische Erhebungen und Bohrprogramme sollen klären, welche Lagerstätten sich wirtschaftlich erschließen lassen.

Der geschätzte Rohstoffwert ist allerdings kein nachgewiesener Marktwert förderbarer Reserven. Ob ein Vorkommen tatsächlich profitabel abgebaut werden kann, hängt unter anderem von Metallgehalt, Lagerstättentiefe, Förderkosten, Infrastruktur und langfristiger Nachfrage ab.

Die saudische Regierung beschreibt den Ausbau von Bergbau und Verarbeitung im Rahmen ihrer Entwicklungsstrategie Vision 2030 als wichtigen Bestandteil der wirtschaftlichen Diversifizierung.

 

Kupfer, Lithium und Seltene Erden im Mittelpunkt

 

Kupfererz und mineralisches Gestein als Symbol für Saudi-Arabiens geplante Rohstoffinvestitionen

Besonders interessant sind Rohstoffe, deren Nachfrage durch Elektrifizierung, Digitalisierung und den Ausbau moderner Industrieanlagen beeinflusst wird.

Kupfer wird für Stromleitungen, Transformatoren, Elektromotoren und industrielle Anlagen benötigt. Saudi-Arabien könnte sowohl durch eigene Förderung als auch durch den Aufbau von Schmelz- und Raffineriekapazitäten eine größere Rolle in der internationalen Kupferwirtschaft übernehmen.

Lithium ist ein wichtiger Bestandteil vieler wiederaufladbarer Batterien. Für Saudi-Arabien kommt neben der Suche nach eigenen Ressourcen auch die Verarbeitung importierter Rohstoffe infrage. Entscheidend wird sein, ob entsprechende Verfahren wirtschaftlich und im industriellen Maßstab betrieben werden können.

Seltene Erden sind insbesondere für leistungsfähige Permanentmagnete relevant, die unter anderem in Elektromotoren und Windkraftanlagen eingesetzt werden. Ihre Gewinnung und Trennung erfordert komplexe chemische Verfahren. Der Aufbau einer konkurrenzfähigen Verarbeitung ist deshalb wesentlich anspruchsvoller als die bloße Erschließung einer Lagerstätte.

Welche Bedeutung die steigende Nachfrage nach Kupfer für die internationale Industrie besitzt, erläutert auch unser Beitrag Kupfer für KI – der Rohstoff hinter Rechenzentren.

 

Wasserknappheit und hohe Kosten als Hindernisse

 

Die wirtschaftlichen Chancen sind erheblich, doch Saudi-Arabiens klimatische Bedingungen erschweren viele Bergbauprojekte. Besonders problematisch ist die begrenzte Verfügbarkeit von Süßwasser.

Bei der Aufbereitung mineralischer Rohstoffe wird Wasser beispielsweise für die Trennung von Gestein und Wertmineralen, für Kühlprozesse und teilweise für chemische Behandlungsschritte benötigt. In trockenen Regionen müssen Unternehmen deshalb verstärkt auf Wasserrecycling, geschlossene Kreisläufe oder alternative Versorgungssysteme setzen.

Eine zusätzliche Möglichkeit ist die Nutzung entsalzten Meerwassers. Dafür sind jedoch energieintensive Anlagen und häufig lange Transportleitungen erforderlich. Gerade bei Bergbauprojekten im Landesinneren können diese Kosten erheblich ausfallen.

Hinzu kommen Investitionen in Stromversorgung, Verkehrswege, Lagerstättenerschließung und industrielle Verarbeitung. Bei Seltenen Erden entstehen weitere Herausforderungen durch chemische Rückstände und die notwendige Behandlung von Abfällen.

Für die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte wird deshalb nicht allein die Größe einer Lagerstätte entscheidend sein, sondern auch die Frage, ob Rohstoffe dauerhaft zu international wettbewerbsfähigen Kosten produziert werden können.

 

Neue Industriearbeitsplätze jenseits des Ölgeschäfts

 

Saudi-Arabien möchte einen möglichst großen Teil der Wertschöpfung im eigenen Land halten. Statt lediglich unverarbeitete Erze zu exportieren, sollen künftig mehr industrielle Verarbeitungsschritte vor Ort stattfinden.

Dazu gehören die Aufbereitung von Mineralien, die Herstellung raffinierter Metalle und perspektivisch die Belieferung nachgelagerter Industrien. Solche Produktionsketten könnten zusätzliche Arbeitsplätze für Ingenieure, Techniker, Chemiker und Fachkräfte in der industriellen Fertigung schaffen.

Allerdings benötigt der Aufbau dieser Branchen qualifiziertes Personal, technisches Know-how und langfristig verlässliche Abnehmer. Internationale Kooperationen dürften daher eine wichtige Rolle spielen.

Die Regierung verbindet den Ausbau des Bergbaus mit dem Anspruch, neben Energie und Petrochemie eine weitere tragende Industriesäule zu entwickeln. Ob daraus tatsächlich eine dauerhaft wettbewerbsfähige Rohstoffwirtschaft entsteht, wird sich erst mit der Umsetzung konkreter Projekte zeigen.

 

Saudi-Arabien könnte internationale Lieferketten verändern

 

Der weltweite Wettbewerb um strategische Rohstoffe wird zunehmend auch durch die Frage bestimmt, wo Metalle verarbeitet und zu industriellen Vorprodukten weiterverarbeitet werden können. Gerade bei Seltenen Erden konzentrieren sich wichtige Verarbeitungskapazitäten bislang auf wenige Länder, insbesondere China.

Saudi-Arabien könnte versuchen, sich als zusätzlicher Standort zwischen asiatischen, europäischen und afrikanischen Rohstoffmärkten zu etablieren. Seine bestehende Industrieinfrastruktur, verfügbares Investitionskapital und die Erfahrung mit großen Energieprojekten könnten dabei helfen.

Für europäische Unternehmen wären zusätzliche Bezugsquellen grundsätzlich interessant. Neue Lieferbeziehungen könnten die Abhängigkeit von einzelnen Verarbeitungsstandorten reduzieren. Dafür müssten saudische Anbieter allerdings wettbewerbsfähige Preise, zuverlässige Liefermengen und nachvollziehbare Umweltstandards gewährleisten.

Ein kurzfristiger grundlegender Wandel des Weltmarktes ist daraus nicht abzuleiten. Zwischen der Erkundung einer Lagerstätte und dem wirtschaftlichen Betrieb einer Mine oder Raffinerie liegen häufig viele Jahre.

 

Entscheidend wird die tatsächliche Umsetzung

 

Saudi-Arabiens Rohstoffstrategie ist ein weiterer Versuch, die wirtschaftliche Grundlage des Landes über die Ölindustrie hinaus zu verbreitern. Die geplanten Milliardeninvestitionen zeigen, welche Bedeutung die Regierung dem Bergbau und der Metallverarbeitung beimisst.

Für den internationalen Rohstoffmarkt sind vor allem drei Entwicklungen relevant: der Nachweis wirtschaftlich förderbarer Lagerstätten, die Finanzierung neuer Verarbeitungsanlagen und der Abschluss langfristiger Lieferverträge.

Die Voraussetzungen für einen industriellen Ausbau sind teilweise vorhanden. Gleichzeitig bleiben Wasserknappheit, technische Anforderungen und hohe Anfangsinvestitionen erhebliche Risiken. Ob Saudi-Arabien zu einem wichtigen Anbieter von Kupfer, Lithium und Seltenen Erden wird, hängt daher weniger von den angekündigten Investitionssummen als von der erfolgreichen Realisierung einzelner Projekte ab.

 

05.11.2026 - Tobias Dalacker -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Saudi-Arabien-plant-Milliardeninvestitionen-in-Rohstoffe-05112026t