Europa sichert sich Seltene Erden aus Brasilien

Solvay vereinbart langfristige Rohstofflieferungen bis 2034. Der Vertrag soll Europas Abhängigkeit von China verringern.

Von Rina Teitscheid

Europa treibt die Sicherung kritischer Rohstoffe voran. Der belgische Chemiekonzern Solvay hat am Mittwoch, dem 4. November 2026, einen langfristigen Liefervertrag mit dem australischen Bergbauunternehmen Viridis Mining and Minerals unterzeichnet. Künftig sollen Seltene Erden aus dem brasilianischen Bergbauprojekt Colossus zur Weiterverarbeitung nach Frankreich geliefert werden. Die ersten Lieferungen sind für 2028 vorgesehen.

Der Vertrag läuft zunächst bis 2034 und ist ein weiterer Schritt beim Aufbau internationaler Lieferketten außerhalb Chinas.

 

Solvay sichert rund 70 Prozent der geplanten Produktion

 

Seltene-Erden-Erzproben neben industriellen Magneten auf einer Werkbank

Die Vereinbarung umfasst insbesondere Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium. Diese Metalle werden für leistungsfähige Permanentmagnete benötigt, die unter anderem in Elektroautos, Windkraftanlagen und elektronischen Geräten eingesetzt werden.

Die vereinbarten Mindestliefermengen entsprechen nach Unternehmensangaben etwa 70 Prozent der geplanten Produktionskapazität des Colossus-Projekts für diese vier Elemente. Für die verbleibende Produktion besitzt Solvay ein vorrangiges Angebotsrecht.

Die Rohstoffe sollen im französischen La Rochelle getrennt und zu hochreinen Oxiden verarbeitet werden. Dort betreibt Solvay eine der bedeutenden europäischen Anlagen zur Verarbeitung Seltener Erden.

Ein zusätzliches Technologieabkommen wird geprüft. Es könnte ermöglichen, bereits in Brasilien höherwertige Zwischenprodukte herzustellen. Einzelheiten nennt die offizielle Mitteilung von Solvay.

 

Europas Industrie sucht Alternativen zu China

 

China besitzt weiterhin eine dominierende Stellung bei der Verarbeitung Seltener Erden. Europäische Unternehmen versuchen deshalb, ihre Lieferketten breiter aufzustellen und sich langfristig Zugang zu strategisch wichtigen Materialien zu sichern.

Brasilien gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. Auch andere Unternehmen investieren in brasilianische Rohstoffprojekte, wie der Beitrag Brasiliens Seltene Erden rücken in den Weltmarkt zeigt.

Allerdings ist Colossus noch kein kommerziell produzierendes Bergwerk. Der geplante Lieferbeginn 2028 hängt unter anderem von der Finanzierung und erfolgreichen Umsetzung des Projekts ab.

Für Europas Industrie ist der Vertrag dennoch ein wichtiger Fortschritt: Aus einer bisherigen Absichtserklärung ist eine verbindliche Liefervereinbarung geworden. Ob daraus eine dauerhaft zuverlässige Rohstoffquelle entsteht, wird sich erst mit dem Produktionsstart zeigen.

 

04.11.2026 - Rina Teitscheid -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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