Börse & Märkte: DAX nimmt Rekordhoch ins Visier

Nach den US-Zwischenwahlen steigen die Aktienmärkte, der Ölpreis fällt deutlich und Gold gewinnt an Stärke. Technologieaktien bleiben unter Druck.

Von Rina Teitscheid

Inhaltsverzeichnis

Die internationalen Finanzmärkte stehen am Donnerstag, 5. November 2026, im Zeichen einer bemerkenswerten Neuordnung. Nach dem Wahlerfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen setzen Anleger auf veränderte politische Rahmenbedingungen in Washington und eine mögliche Entspannung am Ölmarkt. Während der Deutsche Aktienindex DAX seinem bisherigen Rekordhoch näherkommt, profitieren Gold und Anleihen von sinkenden US-Renditen. Gleichzeitig geraten Technologieunternehmen unter Druck.

Die auffälligste Entwicklung ist der kräftige Rückgang der Rohölpreise. Die Aussicht auf eine mögliche Entspannung im Konflikt mit dem Iran lässt die Erwartungen an die künftige Energieversorgung und Inflation sinken. Ob daraus eine dauerhafte Erholung der Aktienmärkte entsteht, hängt allerdings von weiteren politischen Entscheidungen und Konjunkturdaten ab.

 

DAX startet mit Rückenwind in den Donnerstag

 

Börsenhandel an der Frankfurter Wertpapierbörse mit Blick auf den Handelsbereich

Der DAX beendete den Mittwoch bei 26.437,67 Punkten und verbuchte damit einen Tagesgewinn von 2,22 Prozent. Im Tagesverlauf erreichte das Börsenbarometer 26.541,64 Punkte und näherte sich seinem bisherigen Rekordstand von 26.618,70 Punkten.

Am Donnerstagmorgen richtet sich der Blick erneut auf diese Bestmarke. Die positive Stimmung an den internationalen Aktienmärkten liefert Unterstützung. Allerdings entwickeln sich die einzelnen Branchen unterschiedlich. Während Banken und ausgewählte Industrieunternehmen von den veränderten Erwartungen profitieren, stehen Technologie- und Rüstungswerte teilweise unter Verkaufsdruck.

Für den weiteren Handelsverlauf ist entscheidend, ob der DAX seine Gewinne halten und die bisherige Rekordzone nachhaltig überwinden kann. Ein kurzfristiger Anstieg über eine Bestmarke allein wäre noch kein Beleg für einen dauerhaft stabilen Aufwärtstrend.

 

Wall Street reagiert auf den politischen Machtwechsel

 

Die US-Aktienmärkte reagierten am Mittwoch mit deutlichen Kursgewinnen auf den Ausgang der Zwischenwahlen. Nach Reuters-Angaben stieg der Dow Jones um rund drei Prozent, während der S&P 500 etwa 1,6 Prozent und die technologielastige Nasdaq rund 1,4 Prozent zulegten.

Die Demokraten haben nach den Wahlergebnissen die Kontrolle über beide Kammern des US-Kongresses gewonnen. Für die Regierung von Präsident Donald Trump bedeutet dies veränderte Mehrheitsverhältnisse und größere parlamentarische Hürden bei künftigen politischen Vorhaben.

Die Finanzmärkte bewerten diese Entwicklung zunächst als Verringerung politischer Unsicherheit. Zugleich rechnen Marktteilnehmer damit, dass größere wirtschaftspolitische Änderungen künftig schwieriger durchzusetzen sein könnten.

Die positive Reaktion betrifft allerdings nicht sämtliche Branchen. Unternehmen aus den Bereichen Rechenzentren und künstliche Intelligenz stehen angesichts möglicher regulatorischer Veränderungen unter Druck. Besonders an asiatischen Technologiebörsen waren am Donnerstag deutliche Verluste zu beobachten.

 

Ölpreis bricht ein und verändert die Inflationserwartungen

 

Der Ölmarkt liefert derzeit einen wesentlichen Impuls für die internationalen Börsen. Die Nordseesorte Brent verlor am Mittwoch rund acht Prozent. Im frühen Donnerstagshandel wurde ein Preis von etwa 94 US-Dollar je Barrel gemeldet. Damit summiert sich der Rückgang seit Wochenbeginn zeitweise auf ungefähr 20 Prozent.

Hinter dieser Bewegung stehen Erwartungen, dass der politische Druck auf Washington nach den Zwischenwahlen die Bemühungen um eine Entspannung im Iran-Konflikt verstärken könnte. Eine tatsächliche Beendigung des Konflikts ist damit jedoch nicht bestätigt.

Sinkende Energiepreise können die Inflation abschwächen, Produktionskosten verringern und die Kaufkraft der Verbraucher entlasten. Besonders energieintensive Unternehmen könnten davon profitieren. Für Ölproduzenten und Energiekonzerne bedeutet der Preisrückgang dagegen geringere Erlösaussichten.

Entscheidend bleibt, ob sich die Entspannung am Rohölmarkt bestätigt. Eine erneute Verschärfung geopolitischer Konflikte könnte die Preisentwicklung schnell umkehren.

 

Gold steigt wieder über 4.100 US-Dollar

 

Auch der Goldmarkt reagiert deutlich auf die veränderten Bedingungen. Am Donnerstagmorgen erreichte der Goldpreis nach Reuters-Angaben zeitweise rund 4.135 US-Dollar je Feinunze. Das entsprach einem Anstieg von etwa 1,9 Prozent und dem höchsten Niveau seit rund zwei Wochen.

Bereits am Mittwoch hatte Gold ungefähr 3,4 Prozent gewonnen. Die Erholung wird insbesondere durch den schwächeren US-Dollar und rückläufige Renditen amerikanischer Staatsanleihen unterstützt.

Da Gold selbst keine laufenden Zinsen abwirft, können sinkende Anleiherenditen seine relative Attraktivität erhöhen. Gleichzeitig erleichtert ein schwächerer Dollar den Erwerb des international in US-Dollar gehandelten Edelmetalls für Käufer aus anderen Währungsräumen.

Auch Silber, Platin und Palladium verzeichneten am Donnerstagmorgen Kursgewinne. Für Anleger im Euroraum bleibt allerdings die Wechselkursentwicklung wichtig: Ein steigender Goldpreis in US-Dollar muss nicht zu einem gleich hohen prozentualen Anstieg des Goldpreises in Euro führen.

 

Technologieaktien in Asien besonders schwach

 

Während die US-Börsen am Mittwoch überwiegend zulegten, zeigte sich am Donnerstag in Asien ein anderes Bild. Südkoreas Leitindex KOSPI verlor zeitweise nahezu sechs Prozent, während der taiwanische Aktienmarkt um mehr als drei Prozent nachgab.

Im Mittelpunkt standen Halbleiterhersteller und Unternehmen mit Bezug zum Ausbau künstlicher Intelligenz. Anleger hinterfragen zunehmend, welche Folgen strengere Vorgaben für Rechenzentren und die Finanzierung großer KI-Infrastrukturprojekte haben könnten.

Die Entwicklung zeigt, dass die jüngste Börsenerholung keine gleichmäßige Bewegung aller Märkte ist. Vielmehr findet eine Neubewertung einzelner Branchen statt, bei der politische Risiken, Energiepreise und Finanzierungskosten eine wichtige Rolle spielen.

 

Unternehmenszahlen rücken wieder in den Vordergrund

 

Neben der internationalen Politik bestimmen zahlreiche Quartalsberichte das Handelsgeschehen. In Deutschland stehen insbesondere Rheinmetall und Deutsche Telekom im Mittelpunkt.

Rheinmetall meldete ein starkes Quartal, senkte jedoch seine Prognose. Damit zeigt sich, dass selbst Unternehmen mit grundsätzlich hoher Nachfrage nicht automatisch die Erwartungen der Börse erfüllen.

Die Deutsche Telekom berichtete dagegen über eine positive Geschäftsentwicklung und hob ihre Prognose an. Dennoch bleibt für Anleger entscheidend, wie sich Investitionen, Wettbewerb und die Entwicklung des US-Geschäfts auf die künftige Ertragskraft auswirken.

International richtet sich das Interesse unter anderem auf Qualcomm, Toyota und weitere Technologieunternehmen. Gerade nach den starken Bewegungen der vergangenen Handelstage können Abweichungen von den Gewinnerwartungen erhebliche Kursreaktionen auslösen.

 

Notenbanken und Konjunkturdaten bleiben entscheidend

 

Die geldpolitischen Erwartungen verändern sich parallel zu den Energiepreisen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank im frühen Donnerstagshandel in Richtung 4,85 Prozent. Damit erreichte sie ein Niveau, das seit rund zwei Monaten nicht mehr beobachtet worden war.

Für die amerikanische Notenbank Federal Reserve entsteht eine schwierige Ausgangslage. Einerseits könnte ein anhaltender Rückgang der Ölpreise den Inflationsdruck reduzieren. Andererseits bleibt die Entwicklung der Verbraucherpreise und des Arbeitsmarktes entscheidend für weitere Zinsentscheidungen.

Am Freitag steht der amerikanische Arbeitsmarktbericht im Mittelpunkt. Neue Beschäftigungszahlen und die Entwicklung der Löhne könnten die Erwartungen an die nächste Fed-Sitzung verändern.

Auch in Europa bleiben die Notenbanken ein wichtiger Einflussfaktor. Die Bank of England entscheidet am Donnerstag über ihren Leitzins. Daneben werden deutsche Industrieaufträge und europäische Erzeugerpreise veröffentlicht beziehungsweise ausgewertet.

Für die weitere Orientierung bieten die offiziellen Veröffentlichungen der Federal Reserve sowie die geldpolitischen Informationen der Europäischen Zentralbank eine wichtige Grundlage.

 

Ausblick: Die Erholung muss sich erst bestätigen

 

Der Donnerstag beginnt mit einer insgesamt freundlichen Ausgangslage für den deutschen Aktienmarkt. Die starken Gewinne an der Wall Street, sinkende Ölpreise und die Erholung bei Gold prägen das Marktbild. Gleichzeitig zeigen die Verluste asiatischer Technologieaktien, wie unterschiedlich Anleger die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen bewerten.

Für den weiteren Verlauf stehen drei Fragen im Mittelpunkt: Kann der DAX sein bisheriges Rekordhoch überwinden? Stabilisiert sich der Ölpreis nach seinem außergewöhnlich starken Rückgang? Und wie verändern neue Konjunkturdaten die Zinserwartungen?

Die jüngsten Kursbewegungen sprechen für eine deutliche Veränderung der Marktstimmung. Ob daraus eine länger anhaltende Aufwärtsbewegung entsteht, lässt sich am Donnerstagmorgen noch nicht beurteilen. Dafür müssen Unternehmensgewinne, Konjunkturentwicklung und politische Rahmenbedingungen die optimistischeren Erwartungen bestätigen.

 

05.11.2026 - Rina Teitscheid -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Boerse-Maerkte-am-5-November-2026-DAX-Wall-Street-Gold-und-Oel-05112026