Als Platin zur Fälschung von Goldmünzen diente

Vergoldetes Platin täuschte im 18. und 19. Jahrhundert echtes Münzgold vor. Historische Beispiele aus Spanien und Frankreich zeigen, warum manche Fälschungen heute begehrte Sammlerstücke sind.

Von Rina Teitscheid

Inhaltsverzeichnis

Eine Goldmünze, die fast genauso schwer ist wie das Original, eine überzeugende goldgelbe Oberfläche besitzt und sogar das richtige Münzbild zeigt – tatsächlich aber überwiegend aus Platin besteht. Was zunächst ungewöhnlich klingt, war im 18. und 19. Jahrhundert eine raffinierte Form der Münzfälschung. Besonders in Spanien und Frankreich wurden Goldmünzen nachgeahmt, bei denen das damals wesentlich billigere Platin als Ersatz für Gold diente.

Das Überraschende daran: Platin ist heute selbst ein wertvolles Edelmetall. Damals waren die wirtschaftlichen Verhältnisse jedoch ganz anders. Platin galt lange als schwer zu verarbeitendes Nebenprodukt der Goldgewinnung und war erheblich weniger wert als Gold. Genau dieser Preisunterschied eröffnete die Möglichkeit, scheinbar hochwertige Goldmünzen mit deutlich geringerem Materialwert herzustellen.

Einige dieser historischen Fälschungen haben die Jahrhunderte überstanden. Sie werden heute von Numismatikern untersucht, in Fachliteratur dokumentiert und gelegentlich zu beachtlichen Preisen versteigert. Damit sind ausgerechnet Münzen, die einst zur Täuschung hergestellt wurden, zu eigenständigen Zeugnissen der Geldgeschichte geworden.

 

Warum ausgerechnet Platin für Goldfälschungen verwendet wurde

 

Historische Goldmünzen und ein vergoldetes Platinstück bei der numismatischen Echtheitsprüfung

Um zu verstehen, weshalb Platin für Münzfälschungen besonders interessant war, muss man seine physikalischen Eigenschaften betrachten. Gold besitzt eine Dichte von ungefähr 19,32 Gramm je Kubikzentimeter. Bei Platin sind es etwa 21,45 Gramm je Kubikzentimeter. Reines Platin ist damit sogar rund elf Prozent dichter als reines Gold.

Für die damaligen Fälscher war diese hohe Dichte ein entscheidender Vorteil. Die meisten preiswerten Ersatzmetalle sind erheblich leichter als Gold. Eine Münze aus Kupfer hätte bei gleichen Abmessungen beispielsweise nur einen Bruchteil des Gewichts einer vergleichbaren Goldmünze erreicht. Solche Unterschiede konnten bereits beim einfachen Wiegen auffallen.

Platin dagegen ermöglichte es, das Gewicht und die Abmessungen einer historischen Goldmünze vergleichsweise überzeugend nachzuahmen. Durch geeignete Metalllegierungen ließen sich die Eigenschaften zusätzlich verändern.

Da Platin eine silbrig-weiße Farbe besitzt, musste die Oberfläche bei solchen Nachahmungen goldfarben erscheinen. Historische Exemplare mit einer dünnen Goldschicht sind tatsächlich dokumentiert.

Besonders attraktiv war diese Methode, solange Platin erheblich weniger kostete als Gold. Für das späte 18. und frühe 19. Jahrhundert nennen numismatische Quellen teilweise Preisverhältnisse, bei denen Platin lediglich etwa ein Fünftel des Goldpreises erreichte. Die Unterschiede schwankten allerdings nach Zeit und Handelsplatz.

Wie sich die beiden Edelmetalle hinsichtlich Gewicht, Volumen und Dichte unterscheiden, erläutert auch unser Beitrag Warum ist Platin schwerer als Gold?.

 

Spanien und die gefälschten Escudo-Goldmünzen

 

Die Geschichte der Platinfälschungen ist eng mit Spanien und seinen ehemaligen Kolonialgebieten in Südamerika verbunden. Dort wurde Platin bereits während der Kolonialzeit in goldführenden Lagerstätten gefunden.

Für die damaligen Goldgewinner war das Metall zunächst problematisch. Es ließ sich mit den verfügbaren Verfahren nur schwer verarbeiten und von Gold trennen. Seine große Dichte erschwerte zusätzlich die Unterscheidung durch einfache mechanische Prüfungen.

Spanische Behörden erkannten deshalb schon im 18. Jahrhundert die Gefahr, dass Platin zur Verfälschung von Gold und Goldmünzen verwendet werden könnte. Historische Darstellungen berichten von Handelsbeschränkungen und Maßnahmen zur Kontrolle des Platinbestandes.

Die spätere Münzgeschichte bestätigt, dass diese Befürchtungen nicht unbegründet waren.

Ein dokumentiertes Beispiel ist eine Nachahmung eines spanischen 4-Escudos-Goldstücks mit der Jahreszahl 1786 und dem Münzbild König Karls III. Ein numismatischer Auktionskatalog beschreibt ein entsprechendes Exemplar ausdrücklich als zeitgenössische Nachahmung aus vergoldetem Platin. Das Stück wird mit einem Gewicht von 13,20 Gramm und einem Durchmesser von 29 Millimetern angegeben.

Auch von Goldmünzen aus der Regierungszeit Karls IV. und Isabellas II. sind historische Platin-Nachahmungen bekannt.

Gerade bei diesen Münzen ist die Unterscheidung zwischen einem echten Goldstück, einer zeitgenössischen Fälschung und einer späteren Sammleranfertigung besonders wichtig. Nicht jedes ungewöhnliche historische Exemplar lässt sich allein anhand seines Münzbildes eindeutig einordnen.

 

Goldmünzen mit Platinzusatz – nicht immer eine gewöhnliche Fälschung

 

Ein besonders interessanter Aspekt der Geschichte betrifft Goldmünzen, die tatsächlich Gold enthalten, deren Zusammensetzung aber erheblich von den vorgesehenen Feingehalten abweicht.

Der Numismatiker Willy Fuchs beschäftigte sich ausführlich mit diesem Thema. In seiner 1974 in der Schweizerischen Numismatischen Rundschau veröffentlichten Untersuchung „Platinmünzen und -Medaillen“ dokumentierte er zahlreiche historische Platinprägungen und ihre unterschiedlichen Entstehungsgeschichten.

Er berichtete unter anderem von der Untersuchung eines 8-Escudos-Stücks mit der Jahreszahl 1788 aus der Münzstätte Bogotá. Nach der von ihm veranlassten Materialprüfung enthielt die betreffende Münze eine Gold-Platin-Legierung mit einem Platinanteil von rund 39 Prozent.

Das ist bemerkenswert, weil für die entsprechenden Goldnominale ein wesentlich höherer Goldfeingehalt vorgesehen war.

Fuchs vertrat die Auffassung, dass bestimmte platinreiche Goldprägungen möglicherweise mit Wissen staatlicher Stellen entstanden seien. Solche Stücke wären nach dieser Interpretation nicht ohne Weiteres mit privaten Münzfälschungen gleichzusetzen.

Eine wichtige Einschränkung bleibt: Die historische Untersuchung belegt nicht, dass sämtliche spanischen Escudos dieser Zeit einen hohen Platinanteil besaßen oder dass die staatliche Beteiligung in jedem Einzelfall zweifelsfrei nachgewiesen ist. Sie dokumentiert jedoch, dass entsprechende Materialabweichungen untersucht und in der numismatischen Fachliteratur diskutiert wurden.

Die Originaluntersuchung ist über die ETH-Bibliothek Zürich zugänglich: Willy Fuchs – Platinmünzen und -Medaillen, 1974.

 

Auch französische Goldmünzen wurden mit Platin nachgeahmt

 

Die Verwendung von Platin für Goldmünzenfälschungen blieb nicht auf Spanien beschränkt. Auch französische Goldnominale des 19. Jahrhunderts gehören zu den historisch dokumentierten Beispielen.

Fuchs beschreibt unter anderem Untersuchungen an französischen 20-Francs-Stücken mit den Jahreszahlen 1867 und 1876, jeweils mit dem Münzzeichen A für Paris.

Bei zwei untersuchten Exemplaren waren in den Vertiefungen der Münzumschriften noch geringe Goldspuren vorhanden, obwohl die Stücke ansonsten die silbrige Farbe des Platins zeigten. Daraus schloss der Autor, dass diese Exemplare ursprünglich vergoldet gewesen waren.

Solche Beobachtungen sind numismatisch besonders aufschlussreich. Sie liefern Hinweise darauf, dass die Goldschicht im Laufe der Zeit abgetragen wurde und das darunterliegende Material sichtbar geworden ist.

Historische Recherchen deuten darauf hin, dass entsprechende Nachahmungen auch während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorkamen. Mit dem späteren Anstieg des Platinpreises verlor die Verwendung großer Platinmengen für Goldfälschungen jedoch zunehmend ihre wirtschaftliche Attraktivität.

Die dokumentierten Stücke zeigen zugleich, weshalb die technische Qualität einer Fälschung allein noch nichts über ihre Herkunft aussagt. Einige historische Nachahmungen weisen eine bemerkenswert präzise Gestaltung auf. Ob sie unter Verwendung offizieller Prägestempel, mit Beteiligung einzelner Münzstättenmitarbeiter oder durch andere Werkstätten entstanden, lässt sich nicht für alle Exemplare zuverlässig feststellen.

 

Warum solche Fälschungen heute Sammlerwert besitzen können

 

In der Numismatik gibt es einen wesentlichen Unterschied zwischen einer modernen Fälschung, die einem heutigen Sammler als Original angeboten wird, und einer zeitgenössischen Fälschung, die bereits während des tatsächlichen Umlaufs der nachgeahmten Münze entstand.

Eine zeitgenössische Fälschung kann heute selbst ein historisches Objekt sein. Sie dokumentiert die damaligen technischen Möglichkeiten, wirtschaftlichen Verhältnisse und Methoden der Geldfälschung.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede alte Falschmünze automatisch wertvoll ist.

Bei der Bewertung spielen mehrere Faktoren eine Rolle: die nachweisbare Entstehungszeit, das imitierte Münznominal, das verwendete Material, der Erhaltungszustand, die Seltenheit und die Dokumentation in numismatischen Fachkatalogen.

Besonders gut erhaltene und eindeutig bestimmte Platinfälschungen können für spezialisierte Sammler ausgesprochen interessant sein. Einzelne historisch bedeutsame Stücke haben in der Vergangenheit sogar Preise erreicht, die mit denen echter Goldmünzen vergleichbar waren oder darüber lagen.

Für gewöhnliche moderne Nachahmungen lässt sich daraus kein entsprechender Sammlerwert ableiten. Ebenso ist eine alte Münze mit ungewöhnlicher Legierung nicht automatisch eine begehrte historische Fälschung.

Entscheidend bleibt die belastbare numismatische Einordnung des jeweiligen Exemplars.

 

Wie erkennt man eine historische Goldmünze aus vergoldetem Platin?

 

Gerade die hohe Dichte des Platins macht deutlich, weshalb eine einzelne Echtheitsprüfung nicht ausreicht.

Das Gewicht einer Münze ist ein wichtiges Prüfkriterium. Es muss jedoch immer zusammen mit Durchmesser, Dicke, Münztyp und historisch vorgeschriebener Legierung betrachtet werden. Ein hoher Materialanteil von Platin oder eine Kombination verschiedener Metalle kann die Aussagekraft einer einfachen Gewichtsprüfung erheblich einschränken.

Auch ein gewöhnlicher Magnettest bietet keine ausreichende Sicherheit. Weder Gold noch Platin zeigt unter üblichen Bedingungen eine starke magnetische Anziehung, wie sie beispielsweise bei Eisen auftritt.

Wichtige Hinweise können dagegen bei einer sorgfältigen Untersuchung der Oberfläche sichtbar werden. Bei manchen historischen Platinfälschungen ist die ursprüngliche Vergoldung teilweise abgerieben. Insbesondere an stärker beanspruchten Stellen oder beschädigten Bereichen kann ein andersfarbiges Grundmaterial hervortreten.

Allerdings ist eine silbrige Oberfläche allein kein Beweis für Platin. Ebenso kann eine gleichmäßig goldfarbene Oberfläche eine Fälschung nicht ausschließen.

Für eine professionelle Untersuchung kommen insbesondere folgende Verfahren infrage:

  • Numismatische Vergleichsprüfung: Kontrolle von Münzbild, Umschrift, Randgestaltung, Prägedetails, Gewicht und Abmessungen anhand gesicherter Referenzexemplare.
  • Röntgenfluoreszenzanalyse: Untersuchung der Elementzusammensetzung an der Münzoberfläche und im oberflächennahen Materialbereich. Eine ausreichend starke Vergoldung kann darunterliegende Metalle verdecken.
  • Dichtebestimmung: Prüfung des Verhältnisses von Masse und Volumen. Die Ergebnisse müssen mit der tatsächlich vorgesehenen historischen Legierung verglichen werden.
  • Ergänzende Materialuntersuchungen: Bei begründetem Verdacht können geeignete zerstörungsfreie Verfahren helfen, Abweichungen zwischen Oberfläche und Münzinnerem festzustellen.

Für historische Sammlermünzen sollten diese Untersuchungen möglichst zerstörungsfrei erfolgen. Kratzproben, Säuretests oder andere beschädigende Eingriffe können die Oberfläche beeinträchtigen und den numismatischen Wert erheblich reduzieren.

Welche Prüfmethoden sich grundsätzlich zur Echtheitsbestimmung eignen und wo ihre Grenzen liegen, erläutert unser Fachbeitrag Gold auf Echtheit prüfen – welche Methoden funktionieren?.

 

Ein ungewöhnliches Kapitel der Edelmetallgeschichte

 

Dass Platin einst zur Fälschung von Goldmünzen verwendet wurde, verdeutlicht, wie stark sich der wirtschaftliche Wert eines Edelmetalls im Laufe der Geschichte verändern kann.

Im 18. Jahrhundert war Platin ein vergleichsweise wenig geschätztes Metall, das bei der Goldgewinnung Schwierigkeiten verursachte. Später wurde es für die Industrie, Chemie und Schmuckherstellung zunehmend bedeutend und entwickelte sich zu einem eigenständigen Edelmetallmarkt.

Auch die Münzgeschichte verlief nicht einheitlich. Während vergoldetes Platin in manchen Fällen zur Täuschung verwendet wurde, gab das Russische Kaiserreich von 1828 bis 1845 sogar reguläre Umlaufmünzen aus Platin zu 3, 6 und 12 Rubel heraus. Diese staatlichen Platinrubel sind keine Goldmünzenfälschungen, sondern eigenständige historische Münzausgaben.

Gerade deshalb muss bei der Beurteilung historischer Platinprägungen zwischen legalen Münzen, zeitgenössischen Nachahmungen, ungewöhnlichen Goldlegierungen und modernen Fälschungen unterschieden werden.

Fazit: Mit Platin gefälschte historische Goldmünzen sind keine bloße Legende. Die numismatische Fachliteratur und dokumentierte Sammlerstücke belegen, dass Goldmünzen insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert unter Verwendung von Platin nachgeahmt wurden. Ihre hohe Dichte und die damals erheblich niedrigeren Materialkosten machten das Edelmetall für solche Täuschungen interessant. Heute besitzen einzelne dieser historischen Stücke selbst einen numismatischen Wert. Ihr Beispiel zeigt, warum bei alten Goldmünzen nicht allein Farbe, Gewicht oder Prägebild über Echtheit und Wert entscheiden.

Redaktioneller Hinweis: Die historischen Beispiele beruhen auf numismatischer Fachliteratur und dokumentierten Auktionsbeschreibungen. Angaben über mögliche Beteiligungen staatlicher Münzstätten sind als historische Einschätzungen zu verstehen und nicht in allen Einzelfällen abschließend belegt. Der Artikel dient der historischen und numismatischen Information.

 

03.11.2026 - Rina Teitscheid -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






Weitere Artikel

Platin – das Edelmetall und seine Herstellung
23.10.2026

Platin – das Edelmetall und seine Herstellung

Wie Platin entsteht, aus Erzen gewonnen und zu hochreinem Edelmetall verarbeitet wird – wissenschaftliche Grundlagen, industrielle Verfahren und weltweite Bedeutung

1 oz Platin Wonders of Australia – The Outback 2026
19.10.2026

1 oz Platin Wonders of Australia – The Outback 2026

Die Perth Mint würdigt Australiens einzigartige Tierwelt mit einer neuen Platin-Anlagemünze. Die erste Ausgabe der Serie ist auf 5.000 Exemplare begrenzt.

Warum ist Platin schwerer als Gold?
15.10.2026

Warum ist Platin schwerer als Gold?

Platin ist dichter als Gold – doch bei gleichem Gewicht überrascht der Größenunterschied. Was hinter den physikalischen Eigenschaften der beiden Edelmetalle steckt.

Gold auf Echtheit prüfen: Welche Methoden funktionieren?
19.09.2026

Gold auf Echtheit prüfen: Welche Methoden funktionieren?

Waage, Maße, Dichte, Magnet, RFA und Ultraschall haben unterschiedliche Stärken – wirklich sicher wird die Prüfung erst durch die Kombination.

Platin und Palladium im heutigen Börsenhandel
18.09.2026

Platin und Palladium im heutigen Börsenhandel

Beide Platinmetalle legen am 17. September zu – fallender Dollar, sinkende Renditen und die Fed prägen den Handel

Edelmetalle heute: Gold schwächer, Platin fester
07.09.2026

Edelmetalle heute: Gold schwächer, Platin fester

Am US-Feiertag bleiben die Umsätze dünn. Gold gibt nach, Silber hält sich, Platin und Palladium legen leicht zu.




Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage

 

Bewertungen und Kommentare

 

 

 

0 Leser haben diesen Artikel von blog.muenzkauf.de auf einer Skala von 1 bis 5 mit durchschnittlich 0 Punkten bewertet.

 

 

Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Mit-Platin-gefaelschte-Goldmuenzen-ein-Kapitel-der-Muenzgeschichte-03112026