Schaeffler streicht 3.460 Jobs in Europa
Vier deutsche Standorte vor dem Aus, Tausende Arbeitsplätze bedroht: Der Autozulieferer verschärft seinen Sparkurs.
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Herzogenaurach, 3. November 2026. Der nächste schwere Schlag für die deutsche Automobilindustrie: Der Zulieferkonzern Schaeffler kündigt den Abbau von weiteren 3.460 Arbeitsplätzen in Europa an. Allein in Deutschland sollen rund 2.660 Stellen wegfallen. Insgesamt sind 16 europäische Standorte betroffen, fünf davon sollen perspektivisch geschlossen werden. Vier der geplanten Schließungen betreffen Deutschland. Für Tausende Beschäftigte und ihre Familien beginnt damit eine neue Phase der Unsicherheit.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt. Erst vor wenigen Wochen hatte Schaeffler über die beschleunigte Umsetzung eines früheren Sparprogramms berichtet. Nun folgt bereits die nächste Restrukturierung. Der Konzern begründet die Entscheidung mit der anhaltenden Krise der europäischen Automobilindustrie, einer schwächeren Nachfrage nach Verbrennertechnik und dem langsamer als erwarteten Hochlauf der Elektromobilität.
Die Maßnahmen sollen überwiegend in den Jahren 2027 und 2028 umgesetzt werden. Noch handelt es sich um angekündigte Planungen, deren konkrete Umsetzung mit den Arbeitnehmervertretungen abgestimmt werden muss.
Diese deutschen Schaeffler-Standorte sind betroffen

Besonders einschneidend sind die angekündigten Standortschließungen. Nach der offiziellen Mitteilung des Unternehmens stehen folgende deutsche Standorte vor dem Aus:
- Dortmund (Nordrhein-Westfalen): Das Werk mit derzeit rund 430 Beschäftigten soll geschlossen werden. Hier entstehen Produkte für Verbrennungsmotoren.
- Morbach (Rheinland-Pfalz): Auch dieser Produktionsstandort mit etwa 160 Mitarbeitern soll aufgegeben werden. Das Werk gehört ebenfalls zum Geschäft mit Antriebskomponenten.
- Berlin: Die Aktivitäten am Standort mit rund 270 Beschäftigten sollen eingestellt werden.
- Schwalbach (Hessen): Der Standort soll aufgegeben werden. Ein Großteil der etwa 385 Beschäftigten soll nach Frankfurt wechseln. Rund 190 Stellen sind im Zusammenhang mit der Maßnahme vom Abbau betroffen.
Weitere Einschnitte sind an mehreren deutschen Standorten vorgesehen. In Höchstadt soll der Werkzeugbau eingestellt werden. Im Sondermaschinenbau plant das Unternehmen Anpassungen in Erlangen und Schweinfurt.
Auch Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg gehören zu den ausdrücklich genannten Standorten, an denen Kapazitäten oder Organisationsstrukturen angepasst werden sollen. Höchstadt ist ebenfalls von weiteren Veränderungen betroffen.
Wie viele Stellen an jedem einzelnen Standort tatsächlich wegfallen werden, hat Schaeffler noch nicht vollständig veröffentlicht. Einzelheiten sollen in lokalen Mitarbeiterversammlungen erläutert werden.
Auch Frankreich, Belgien und die Slowakei betroffen
Die Restrukturierung beschränkt sich nicht auf Deutschland. Rund 800 der geplanten Stellenstreichungen entfallen auf andere europäische Länder.
In Frankreich sollen die Produktions- und Entwicklungskapazitäten in Haguenau und Toulouse angepasst werden. In der Slowakei betrifft dies die Standorte Skalica und Kysuce.
Der belgische Produktionsstandort Herstal mit etwa 15 Beschäftigten soll vollständig geschlossen werden.
Damit verteilen sich die angekündigten Maßnahmen auf 16 europäische Standorte. Nicht überall bedeutet dies eine vollständige Schließung. Teilweise geht es um Personalreduzierungen, die Zusammenlegung von Aufgaben oder die Anpassung bestehender Produktionskapazitäten.
Warum Schaeffler erneut Tausende Stellen streicht
Hinter dem neuen Sparprogramm steht ein grundlegendes Problem der europäischen Automobilindustrie: Die bisherigen Geschäftsmodelle geraten gleichzeitig von mehreren Seiten unter Druck.
Die Nachfrage nach Komponenten für klassische Verbrennungsmotoren entwickelt sich schwächer. Gleichzeitig wächst das Geschäft mit Elektrofahrzeugen nicht schnell genug, um frei werdende Kapazitäten vollständig auszulasten. Hinzu kommen ein intensiver internationaler Wettbewerb und hohe Kosten am Produktionsstandort Deutschland.
Schaeffler nennt außerdem zu komplexe Organisationsstrukturen, zu viele Führungsebenen und vergleichsweise hohe Personalkosten als Gründe für die geplanten Einschnitte.
Besonders bemerkenswert ist die Verteilung des Stellenabbaus:
- Rund 50 Prozent betreffen die Produktion.
- Rund 30 Prozent entfallen auf Forschung und Entwicklung.
- Rund 20 Prozent betreffen weitere Unternehmensfunktionen.
Dass auch Forschung und Entwicklung erheblich betroffen sind, zeigt die Dimension des Umbaus. Schaeffler reduziert nicht nur bestehende Fertigungskapazitäten, sondern überprüft auch seine künftigen Entwicklungsstrukturen.
300 Millionen Euro jährliche Ergebnisverbesserung geplant
Mit dem neuen Programm will Schaeffler ab dem Jahr 2030 jährliche Ergebnisverbesserungen von rund 300 Millionen Euro erreichen. Dafür kalkuliert das Unternehmen zunächst mit einem einmaligen Restrukturierungsaufwand von etwa 480 Millionen Euro.
Die wirtschaftliche Rechnung dahinter ist langfristig angelegt: Kurzfristig belasten die Maßnahmen das Unternehmensergebnis, während die dauerhafte Senkung der Kosten die Wettbewerbsfähigkeit verbessern soll.
Allerdings hängt der Erfolg davon ab, ob Schaeffler seine verbleibenden Produktions- und Entwicklungskapazitäten künftig besser auslasten kann. Einsparungen allein lösen das grundlegende Problem einer schwachen Nachfrage nicht.
Nach Angaben des Konzerns gehörten zum 30. September 2026 insgesamt 31.957 Beschäftigte zur deutschen Stammbelegschaft. Der neue Stellenabbau entspricht damit ungefähr neun Prozent dieser Beschäftigtenbasis.
Werden frühere Restrukturierungsmaßnahmen und bereits vereinbarte Altersteilzeitregelungen einbezogen, steigt der entsprechende Anteil laut Schaeffler auf rund 18 Prozent.
Schon 2024 hatte Schaeffler einen großen Stellenabbau angekündigt
Der neue Einschnitt folgt auf eine umfangreiche Restrukturierung, die bereits im November 2024 angekündigt worden war. Damals plante Schaeffler den Abbau von rund 4.700 Stellen in Europa.
Im Oktober 2026 meldete der Konzern Fortschritte bei der Umsetzung der bisherigen Maßnahmen. Zudem wurden rund 1.800 Altersteilzeitverträge vereinbart.
Über diese Entwicklung berichtete Edelmetalle aktuell bereits im Beitrag Schaeffler: Mitarbeiter wollen freiwillig gehen.
Der entscheidende Unterschied: Die am 3. November angekündigten 3.460 Stellenstreichungen gehören zu einem zusätzlichen Programm. Sie dürfen deshalb nicht einfach mit den bereits umgesetzten Maßnahmen gleichgesetzt werden.
Für die Belegschaft bedeutet dies, dass der Anpassungsdruck trotz der bisherigen Einschnitte nicht nachgelassen hat.
Hohe Personalkosten und der internationale Wettbewerb
Im internationalen Wettbewerb steht insbesondere Deutschland unter Kostendruck. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld erklärte gegenüber Reuters, die Personalkosten in Deutschland seien ungefähr zweieinhalbmal so hoch wie in anderen europäischen Ländern.
Dieser Vergleich verdeutlicht den Kostendruck, erklärt die Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts allerdings nicht vollständig. Entscheidend sind ebenso Produktivität, Automatisierung, Qualität, Energiepreise, Infrastruktur und die Nähe zu Kunden und Entwicklungszentren.
Die geplanten Einschnitte treffen damit auf eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft industrieller Wertschöpfung in Deutschland. Unternehmen müssen einerseits Kosten reduzieren und andererseits in neue Technologien investieren, um ihre internationale Marktposition zu behaupten.
Gerade für die deutsche Automobilzulieferindustrie ist diese Doppelbelastung erheblich. Viele Unternehmen haben über Jahrzehnte hochspezialisierte Fertigungs- und Entwicklungskapazitäten für Verbrennungsmotoren aufgebaut. Deren wirtschaftliche Zukunft hängt zunehmend davon ab, wie schnell neue Produkte und Geschäftsfelder entstehen.
Können Robotik und neue Industriezweige Arbeitsplätze ersetzen?
Schaeffler will seine Transformation zur sogenannten Motion Technology Company fortsetzen. Dabei setzt der Konzern auf Technologien, die über den klassischen Automobilbau hinausgehen.
Zu den möglichen Wachstumsfeldern gehören Anwendungen für humanoide Robotik sowie die Verteidigungsindustrie. Hier kann Schaeffler Erfahrungen mit Lagern, Antriebstechnik, Präzisionskomponenten und industriellen Bewegungssystemen nutzen.
Ob diese Bereiche die wegfallenden Arbeitsplätze vollständig kompensieren können, ist derzeit nicht belegt. Neue Geschäftsfelder benötigen Entwicklungszeit, Investitionen und ausreichend Nachfrage. Außerdem entstehen neue Stellen nicht zwangsläufig an denselben Standorten, an denen bisherige Arbeitsplätze verloren gehen.
Für die betroffenen Beschäftigten ist deshalb weniger entscheidend, ob der Konzern langfristig neue Märkte erschließt, sondern ob kurzfristig konkrete Beschäftigungsperspektiven entstehen.
Was der Stellenabbau für Beschäftigte und Regionen bedeutet
Eine Werksschließung betrifft wirtschaftlich nicht nur die unmittelbar Beschäftigten. Auch regionale Zulieferer, Handwerksbetriebe, Dienstleister und Einzelhändler können unter dem Wegfall industrieller Arbeitsplätze leiden.
Besonders schwierig ist die Situation in Regionen, in denen größere Arbeitgeber eine zentrale Rolle für den lokalen Arbeitsmarkt spielen. Dort kann der Verlust spezialisierter Industriearbeitsplätze langfristige Folgen haben.
Schaeffler kündigt an, die Maßnahmen im Dialog mit den Arbeitnehmervertretungen möglichst sozialverträglich umzusetzen. Ein zusätzlicher Solidaritätsbeitrag soll helfen, die Personalkosten zu reduzieren.
Geplant ist unter anderem ein zeitlich begrenzter freiwilliger Gehaltsverzicht, der beim Vorstand beginnen und weitere Hierarchieebenen einbeziehen soll. Die Einzelheiten sind noch nicht abschließend vereinbart.
Ob dadurch zusätzliche Stellen erhalten werden können, hängt von den weiteren Verhandlungen und der tatsächlichen Umsetzung ab.
Ein Warnsignal für den Industriestandort Deutschland
Die neue Schaeffler-Ankündigung steht beispielhaft für den Strukturwandel der deutschen Automobilzulieferindustrie. Während traditionelle Geschäftsfelder schrumpfen, müssen neue Technologien erst ausreichend Umsatz und Beschäftigung schaffen.
Die Herausforderung reicht über einzelne Unternehmen hinaus. Industriestandorte benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, qualifizierte Fachkräfte, wettbewerbsfähige Kosten und die Möglichkeit, neue Produkte wirtschaftlich zu entwickeln und herzustellen.
Für Schaeffler beginnt nun die schwierige Phase der Umsetzung. Die angekündigten Einsparungen sind wirtschaftliche Zielgrößen, keine bereits realisierten Erfolge. Ebenso sind die geplanten Standortschließungen und Personalmaßnahmen noch nicht mit vollständig vollzogenen Entlassungen gleichzusetzen.
Fest steht: Mit weiteren 3.460 geplanten Stellenstreichungen verschärft sich die Beschäftigungskrise in der europäischen Automobilzulieferindustrie. Besonders Deutschland trägt mit rund 2.660 betroffenen Stellen einen großen Teil des neuen Einschnitts. Ob die Transformation langfristig neue industrielle Arbeitsplätze schafft, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen und Stand: 3. November 2026. Grundlage sind die offizielle Schaeffler-Unternehmensmitteilung vom 3. November 2026 sowie die aktuelle Berichterstattung von Reuters. Die Angaben zu Stellenabbau und Schließungen beschreiben angekündigte Unternehmensplanungen.
Offizielle Quelle: Schaeffler – Ergebnisverbesserungsprogramm vom 3. November 2026.
03.11.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Schaeffler-streicht-3460-Jobs---diese-16-Standorte-sind-betroffen-03112026t