Warum ist Platin schwerer als Gold?
Platin ist dichter als Gold – doch bei gleichem Gewicht überrascht der Größenunterschied. Was hinter den physikalischen Eigenschaften der beiden Edelmetalle steckt.
Platin und Gold gehören zu den besonders dichten Edelmetallen. Wer einen Platinbarren und einen Goldbarren mit identischen Abmessungen in die Hand nimmt, bemerkt einen Unterschied: Der Platinbarren ist schwerer. Der Grund liegt in der höheren Dichte von Platin. Während Gold eine Dichte von rund 19,32 Gramm pro Kubikzentimeter besitzt, erreicht Platin etwa 21,45 Gramm pro Kubikzentimeter.
Damit ist Platin bei gleichem Volumen ungefähr elf Prozent schwerer als Gold. Dieser Unterschied ist nicht nur für Physiker interessant, sondern spielt auch bei Schmuck, Münzen, Barren und der Prüfung von Edelmetallen eine wichtige Rolle.
Warum besitzt Platin eine höhere Dichte?
Die Dichte eines Metalls beschreibt, wie viel Masse sich in einem bestimmten Volumen befindet. Sie wird durch die Masse der Atome und ihre räumliche Anordnung im Kristallgitter bestimmt.
Ein Goldatom besitzt 79 Protonen im Atomkern, ein Platinatom dagegen 78. Trotzdem ist Platin dichter. Das liegt daran, dass sich die Atome der beiden Metalle hinsichtlich ihrer Masse und ihres Platzbedarfs unterscheiden.
Gold besitzt eine Atommasse von etwa 196,97 atomaren Masseneinheiten, Platin von ungefähr 195,08. Obwohl ein einzelnes Goldatom somit etwas schwerer ist, beansprucht es im Kristallgitter mehr Raum. Die Atome des Platins sind enger angeordnet, wodurch in einem Kubikzentimeter mehr Masse enthalten ist.
Beide Metalle besitzen eine kubisch flächenzentrierte Kristallstruktur. Entscheidend für den Dichteunterschied sind daher insbesondere die unterschiedlichen Gitterabstände und atomaren Eigenschaften.
Wie groß ist der Gewichtsunterschied tatsächlich?

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht den Unterschied. Ein Würfel aus reinem Gold mit einer Kantenlänge von einem Zentimeter wiegt ungefähr 19,32 Gramm. Ein gleich großer Würfel aus reinem Platin bringt dagegen rund 21,45 Gramm auf die Waage.
Der Platinwürfel ist damit etwa 2,13 Gramm schwerer, obwohl beide Würfel äußerlich exakt dieselben Abmessungen besitzen.
Bei einem Volumen von zehn Kubikzentimetern würde der Unterschied bereits 21,3 Gramm betragen. Je größer das Volumen, desto deutlicher wird der absolute Gewichtsunterschied.
Allerdings gilt auch die umgekehrte Betrachtung: Ein Goldbarren und ein Platinbarren mit jeweils 100 Gramm Gewicht sind selbstverständlich gleich schwer. Der Platinbarren benötigt wegen seiner höheren Dichte jedoch weniger Platz.
Bei gleicher Masse besitzt Platin rund zehn Prozent weniger Volumen als Gold.
Warum wirken Platinmünzen häufig kleiner?
Bei Anlagemünzen wird das Gewicht häufig in Feinunzen angegeben. Eine Feinunze entspricht exakt 31,1034768 Gramm. Eine Platinmünze mit einer Feinunze Edelmetall enthält somit dieselbe Edelmetallmasse wie eine Goldmünze mit einer Feinunze.
Da Platin dichter ist, benötigt es für dieses Gewicht jedoch weniger Volumen. Deshalb können Platinmünzen bei gleichem Feingewicht kleiner oder dünner ausfallen als vergleichbare Goldmünzen.
Die tatsächlichen Abmessungen hängen allerdings auch von der Gestaltung, dem Durchmesser, der Dicke, dem Feingehalt und den technischen Vorgaben der jeweiligen Prägestätte ab.
Eine Platinmünze muss daher nicht zwangsläufig einen kleineren Durchmesser besitzen. Bei gleichem Durchmesser kann sie stattdessen dünner ausfallen.
Bekannte Anlagemünzen aus Platin sind beispielsweise der Canadian Platinum Maple Leaf und der American Platinum Eagle der United States Mint.
Ist Platin auch härter als Gold?
Die höhere Dichte bedeutet nicht automatisch, dass ein Metall auch härter ist. Dichte und Härte beschreiben unterschiedliche Materialeigenschaften.
Reines Gold ist vergleichsweise weich und lässt sich gut verformen. Auch reines Platin ist duktil, also plastisch verformbar, besitzt aber andere mechanische Eigenschaften. Je nach Reinheit, Verarbeitung und Gefügezustand kann Platin eine höhere Härte als Feingold aufweisen.
Bei Schmuckstücken wird die Härte zusätzlich durch Legierungsbestandteile beeinflusst. Eine Goldlegierung mit 750 Tausendteilen Gold kann beispielsweise härter sein als ein Schmuckstück aus nahezu reinem Platin.
Auch das Verschleißverhalten unterscheidet sich. Platin kann bei mechanischer Beanspruchung Material verdrängen, während bei Goldlegierungen je nach Beanspruchung und Zusammensetzung andere Abrieb- und Verformungsprozesse auftreten.
Deshalb lassen sich die Eigenschaften von Schmuckstücken nicht allein anhand der Edelmetallart beurteilen.
Kann man echtes Platin am Gewicht erkennen?
Die hohe Dichte ist ein wichtiges Merkmal bei der Echtheitsprüfung von Platin. Ein massiver Gegenstand aus reinem Platin muss bei bekannten Abmessungen eine entsprechend hohe Masse besitzen.
Weicht das gemessene Gewicht deutlich vom theoretischen Wert ab, kann dies auf eine andere Legierung, einen Hohlraum oder ein anderes Material hinweisen.
Allerdings reicht eine einfache Gewichtsprüfung nicht aus, um Platin zweifelsfrei zu identifizieren. Auch andere Metalle können hohe Dichten besitzen. Osmium und Iridium sind beispielsweise noch dichter als Platin.
Professionelle Edelmetallprüfungen kombinieren daher unterschiedliche Verfahren. Dazu gehören die Bestimmung der Dichte, die Röntgenfluoreszenzanalyse und gegebenenfalls weitere materialanalytische Untersuchungen.
Bei Münzen und Barren können außerdem Durchmesser, Dicke, Masse und produktspezifische Sicherheitsmerkmale überprüft werden.
Warum ist Platin trotz höherer Dichte nicht immer teurer?
Ein verbreiteter Irrtum besteht darin, das Gewicht oder die Dichte eines Edelmetalls mit seinem Marktwert gleichzusetzen. Tatsächlich bestimmt die Dichte nicht unmittelbar den Preis.
Der Preis von Platin wird wesentlich durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage beeinflusst. Platin wird unter anderem in Fahrzeugkatalysatoren, chemischen Prozessen, industriellen Anwendungen und Schmuck eingesetzt.
Gold besitzt dagegen eine besonders ausgeprägte Bedeutung als Wertaufbewahrungsmittel, Reserveanlage und Bestandteil von Schmuck sowie Anlageprodukten.
Auch die Förderbedingungen unterscheiden sich. Die weltweite Platinförderung konzentriert sich stark auf wenige Regionen, insbesondere Südafrika. Gold wird dagegen in zahlreichen Ländern gewonnen.
Deshalb können sich die Preise beider Edelmetalle unabhängig voneinander entwickeln. Eine höhere Dichte macht Platin weder automatisch wertvoller noch seltener als Gold.
Für die Bewertung eines Gegenstandes sind vielmehr sein tatsächlicher Edelmetallgehalt, das Feingewicht, die aktuellen Marktpreise und gegebenenfalls ein zusätzlicher Sammlerwert entscheidend.
Welche Bedeutung hat die Dichte beim Edelmetallkauf?
Für Käufer von Münzen und Barren ist die Dichte vor allem bei der Beurteilung von Abmessungen und Echtheit interessant. Ein Platinbarren mit 100 Gramm Gewicht besitzt weniger Volumen als ein entsprechender Goldbarren. Daraus lässt sich jedoch kein unmittelbarer Preisvorteil ableiten.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Gesamtgewicht und Feingewicht. Bei Edelmetalllegierungen können diese Werte voneinander abweichen.
Ein Gegenstand aus Platin 950 enthält beispielsweise 95 Prozent Platin nach Masse. Die verbleibenden fünf Prozent bestehen aus anderen Legierungsbestandteilen, die wiederum die Dichte des gesamten Gegenstandes beeinflussen.
Wer den Materialwert von Gold- oder Platingegenständen ermitteln möchte, sollte daher stets den Feingehalt berücksichtigen. Informationen zu Edelmetallen, Münzen und Barren bietet auch Münzkauf.
Was bedeutet der Dichteunterschied im Alltag?
Platin ist bei gleichem Volumen rund elf Prozent schwerer als Gold. Bei gleichem Gewicht ist es dagegen kompakter. Dieser Unterschied erklärt, weshalb gleich schwere Platin- und Goldprodukte unterschiedliche Abmessungen besitzen können.
Für Sammler und Edelmetallbesitzer ist die Dichte ein nützlicher physikalischer Anhaltspunkt. Sie hilft dabei
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