Wann schmelzen Gold, Silber, Platin und Palladium?
Gold schmilzt bei rund 1.064 Grad, Silber bereits bei 962 Grad. Die Unterschiede und Besonderheiten von Legierungen im Überblick.
Inhaltsverzeichnis
Ein Goldbarren wirkt massiv und beinahe unverwüstlich. Doch bei ausreichend hoher Temperatur verwandelt sich das feste Edelmetall in eine glühende Flüssigkeit. Reines Gold schmilzt bei etwa 1.064 Grad Celsius, Silber bereits bei rund 962 Grad. Deutlich höhere Temperaturen sind für Platin und Palladium erforderlich. Diese Unterschiede spielen bei der Herstellung von Schmuck, Münzen und Barren ebenso eine Rolle wie beim Recycling von Edelmetallen. Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen reinem Metall und einer Legierung: Eine 585er-Goldkette schmilzt nicht zwangsläufig bei derselben Temperatur wie ein Barren aus nahezu reinem Gold.
Schmelzpunkte der vier wichtigsten Edelmetalle im Vergleich
Jedes reine Metall besitzt unter festgelegten Bedingungen einen charakteristischen Schmelzpunkt. Dabei geht der Werkstoff vom festen in den flüssigen Zustand über. Bei üblichen Umgebungsdrücken ergeben sich für Gold, Silber, Platin und Palladium folgende Werte:
Die Angaben gelten für die reinen Elemente und sind keine pauschalen Schmelztemperaturen für sämtliche Schmuck- und Münzlegierungen. Die physikalischen Daten lassen sich im Periodensystem der Royal Society of Chemistry sowie in der Elementdatenbank PubChem nachvollziehen.
Warum Goldschmuck anders schmilzt als Feingold

Wer ein Schmuckstück mit der Prägung 585 besitzt, hält keine Legierung aus reinem Gold in der Hand. Von 1.000 Gewichtsteilen bestehen 585 aus Gold. Die übrigen 415 Teile können beispielsweise Kupfer, Silber oder andere Legierungsbestandteile sein.
Diese Beimischungen verändern nicht nur die Farbe und Härte, sondern auch das Schmelzverhalten. Während ein reines Metall bei einem definierten Schmelzpunkt seinen Aggregatzustand ändert, besitzen viele Legierungen einen Schmelzbereich.
Das bedeutet: Bei einer bestimmten Temperatur beginnt die Legierung zu schmelzen. Erst bei einer höheren Temperatur ist das gesamte Material vollständig flüssig. Die jeweiligen Grenzen werden als Solidus- und Liquidustemperatur bezeichnet.
Wie groß dieser Temperaturbereich ausfällt, hängt von der konkreten Zusammensetzung ab. Deshalb lässt sich der Schmelzpunkt einer 585er- oder 750er-Goldlegierung nicht allein aus dem aufgestempelten Feingehalt zuverlässig bestimmen.
Auch eine einfache Berechnung nach dem Goldanteil wäre falsch. Eine Legierung mit 58,5 Prozent Gold schmilzt nicht bei 58,5 Prozent der Schmelztemperatur von Feingold.
Warum Platin deutlich höhere Temperaturen benötigt
Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen Gold und Platin. Beide Edelmetalle besitzen eine hohe Dichte und sind gegenüber vielen chemischen Einflüssen beständig. Ihre Schmelzpunkte liegen jedoch mehr als 700 Grad Celsius auseinander.
Während reines Gold bei gut 1.064 Grad schmilzt, muss Platin auf ungefähr 1.768 Grad erhitzt werden. Diese hohen Temperaturen stellen besondere Anforderungen an die industrielle Verarbeitung.
Schmelztiegel, Werkstoffe und Anlagen müssen für entsprechende thermische Belastungen ausgelegt sein. Zudem ist bei hohen Temperaturen die Kontrolle von Atmosphäre und Verunreinigungen wichtig, damit das Material die gewünschte Qualität behält.
Auch Palladium benötigt mit etwa 1.555 Grad deutlich mehr Wärme als Gold oder Silber. In der industriellen Verarbeitung gehören daher geeignete Schmelzanlagen und präzise Temperaturkontrolle zu den entscheidenden technischen Voraussetzungen.
Ein höherer Schmelzpunkt bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein Metall in jeder Hinsicht härter oder widerstandsfähiger ist. Härte, Festigkeit, Verschleißverhalten und Schmelztemperatur sind unterschiedliche Materialeigenschaften.
Warum Münzrohlinge erhitzt werden, ohne zu schmelzen
Bei der Münzherstellung wird Metall nicht nur geschmolzen und gegossen. Die späteren Münzrohlinge werden häufig auch einer Wärmebehandlung unterzogen, während das Metall fest bleibt.
Beim sogenannten Glühen können sich durch vorherige Verformung entstandene Materialspannungen abbauen und die Eigenschaften des Werkstoffs verändern. Das erleichtert die anschließende Bearbeitung und trägt dazu bei, dass die Prägemotive sauber ausgeformt werden können.
Das Metall muss dafür gerade nicht seinen Schmelzpunkt erreichen. Würde der Rohling vollständig schmelzen, verlöre er seine feste Form und wäre nicht mehr unmittelbar als Prägerohling verwendbar.
Eine ausführlichere Erklärung dieses Herstellungsverfahrens bietet unser Beitrag Warum Münzrohlinge vor dem Prägen erhitzt werden.
Was beim Einschmelzen von Goldmünzen verloren geht
Aus rein materialtechnischer Sicht bleibt Gold auch nach dem Einschmelzen Gold. Der Schmelzvorgang beseitigt jedoch nicht automatisch Fremdmetalle, die zuvor Bestandteil einer Legierung waren. Dafür sind zusätzliche Raffinations- beziehungsweise Scheideverfahren erforderlich.
Bei historischen Gold- und Silbermünzen kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Das Einschmelzen zerstört die ursprüngliche Prägung.
Damit gehen möglicherweise wichtige Informationen über Jahrgang, Prägestätte, Erhaltungszustand und historische Herkunft verloren. Eine seltene Sammlermünze kann einen erheblichen Wert besitzen, der über ihren reinen Edelmetallgehalt hinausgeht.
Dieser zusätzliche Wert lässt sich durch das Einschmelzen in der Regel nicht erhalten. Bei gewöhnlichem Altgold oder stark beschädigten Gegenständen kann eine industrielle Wiederverwertung dagegen sinnvoll sein.
Private Schmelzversuche sind keine empfehlenswerte Methode zur Echtheitsprüfung. Neben der Gefahr schwerer Verbrennungen können heiße Metallspritzer und je nach Zusammensetzung gesundheitsschädliche Emissionen entstehen. Professionelle Betriebe verfügen über dafür geeignete Einrichtungen und Sicherheitsverfahren.
Häufige Fragen zum Schmelzpunkt von Edelmetallen
Bei welcher Temperatur schmilzt reines Gold?
Reines Gold schmilzt unter üblichen Umgebungsbedingungen bei ungefähr 1.064,18 Grad Celsius. Bei Goldlegierungen kann das Schmelzverhalten davon abweichen.
Welches Edelmetall schmilzt zuerst: Gold oder Silber?
Silber hat mit 961,78 Grad Celsius einen niedrigeren Schmelzpunkt als Gold mit 1.064,18 Grad Celsius. Bei gleicher Temperaturbelastung erreicht reines Silber deshalb früher seinen Schmelzpunkt.
Hat 585er Gold denselben Schmelzpunkt wie Feingold?
Nein. 585er Gold ist eine Legierung mit 58,5 Prozent Goldanteil. Abhängig von den übrigen Metallen besitzt die Legierung einen anderen Schmelzbereich als reines Gold.
Wird Gold durch einfaches Einschmelzen reiner?
Nein. Beim Schmelzen wird das Metall zunächst nur verflüssigt. Eine Erhöhung des Feingoldgehalts erfordert geeignete Raffinationsverfahren zur Trennung von Gold und anderen Bestandteilen.
04.11.2026 - Rina Teitscheid - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage
Bewertungen und Kommentare
Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Schmelzpunkt-von-Gold-Silber-Platin-und-Palladium-04112026