Edelmetall Morgenbericht 05.11.2026

Gold steigt nach den US-Kongresswahlen auf ein Zweiwochenhoch. Ein schwächerer Dollar und sinkende Anleiherenditen stützen auch Silber, Platin und Palladium.

Von Eleonora Bajrami

Inhaltsverzeichnis

Donnerstag, 5. November 2026, 08:42 Uhr MEZ. Der Edelmetallmarkt setzt seine kräftige Erholung am Donnerstagmorgen fort. Gold notiert wieder deutlich oberhalb von 4.100 US-Dollar je Feinunze. Auch Silber, Platin und Palladium verzeichnen Kursgewinne. Auslöser sind vor allem die politischen Veränderungen nach den amerikanischen Zwischenwahlen, ein nachgebender US-Dollar und sinkende Renditen amerikanischer Staatsanleihen.

Nach den erheblichen Kursverlusten der vergangenen Handelstage hat sich die Stimmung damit spürbar verbessert. Besonders bemerkenswert ist die Geschwindigkeit der Erholung: Bereits am Mittwoch legte Gold rund 3,4 Prozent zu und verbuchte damit seinen stärksten Tagesgewinn seit dem 19. August. Am Donnerstagmorgen folgten weitere Gewinne.

Die Marktbewegung steht im Zusammenhang mit den Ergebnissen der US-Kongresswahlen. Die Demokraten konnten Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses gewinnen. Marktteilnehmer erwarten dadurch eine stärkere parlamentarische Begrenzung der Politik von Präsident Donald Trump. Gleichzeitig haben Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahostkonflikt die Ölpreise unter Druck gesetzt.

 

Goldpreis steigt auf mehr als 4.120 US-Dollar

 

Der Goldpreis erreichte am Donnerstagmorgen den höchsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters notierte Gold um 07:09 Uhr MEZ bei 4.123,71 US-Dollar je Feinunze. Gegenüber dem vorherigen Handel entsprach dies einem Anstieg von rund 1,6 Prozent.

Der Dezember-Future auf Gold stieg gleichzeitig um etwa 1,5 Prozent auf 4.133 US-Dollar. Damit hat sich das Edelmetall deutlich von den Tiefständen zu Wochenbeginn entfernt.

Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US-Dollar. Nachdem Gold diese Schwelle zurückerobert hat, beobachten Marktteilnehmer nun, ob sich die Erholung nachhaltig stabilisieren kann.

Der aktuelle Anstieg wird von mehreren Faktoren unterstützt. Der schwächere Dollar erleichtert internationalen Käufern den Erwerb des in US-Dollar gehandelten Edelmetalls. Gleichzeitig verringern sinkende Anleiherenditen die Opportunitätskosten einer Goldanlage, da physisches Gold selbst keine laufenden Zinsen abwirft.

Die jüngste Kursentwicklung unterscheidet sich damit deutlich von der Situation am Dienstag. Damals hatten ein fester Dollar und steigende Renditen den Goldpreis belastet. Die Veränderungen seit den US-Wahlen zeigen, wie empfindlich der Edelmetallmarkt derzeit auf politische und geldpolitische Erwartungen reagiert.

 

Silberpreis erholt sich und überschreitet 52 Dollar

 

Gold- und Silberbarren auf einer dunklen Handelsunterlage als Symbol für die Erholung der Edelmetallpreise am 5. November 2026

Auch Silber profitiert von der verbesserten Marktstimmung. Das Edelmetall notierte am Donnerstagmorgen bei rund 52,61 US-Dollar je Feinunze und gewann damit gegenüber dem vorherigen Handel etwa 0,8 Prozent.

Bereits am Mittwoch hatte Silber eine deutliche Gegenbewegung gezeigt. Nach den vorangegangenen Kursverlusten kehrten Käufer an den Markt zurück. Der Silberpreis reagiert dabei sowohl auf die Entwicklung des Goldmarktes als auch auf Veränderungen der Konjunkturerwartungen.

Anders als Gold besitzt Silber eine ausgeprägte industrielle Nachfrage. Das Metall wird unter anderem in der Elektronik, Elektrotechnik und Solarindustrie eingesetzt. Deshalb können Veränderungen der globalen Wachstumserwartungen den Silberpreis zusätzlich beeinflussen.

Die Erholung über 52 US-Dollar ist kurzfristig ein positives Signal. Allerdings bleibt Silber aufgrund seiner vergleichsweise hohen Schwankungsanfälligkeit besonders empfindlich gegenüber Veränderungen der Zinserwartungen und des US-Dollars.

 

Platin und Palladium ebenfalls im Plus

 

Die positive Entwicklung beschränkt sich nicht auf Gold und Silber. Auch die beiden industriell wichtigen Edelmetalle Platin und Palladium konnten am Donnerstagmorgen zulegen.

Platin verteuerte sich nach Reuters-Angaben um rund 1,5 Prozent auf 1.519,90 US-Dollar je Feinunze. Palladium stieg um etwa 1,3 Prozent auf 1.017,54 US-Dollar.

Beide Metalle werden insbesondere in der Automobilindustrie verwendet. Platin kommt darüber hinaus in chemischen Anwendungen, der Schmuckherstellung und verschiedenen industriellen Verfahren zum Einsatz.

Die Kursentwicklung von Platin und Palladium hängt deshalb nicht ausschließlich von geldpolitischen Entscheidungen ab. Auch die Nachfrage der Automobilhersteller, Produktionsentwicklungen in wichtigen Förderländern und die allgemeine Industriekonjunktur spielen eine wesentliche Rolle.

Die gleichzeitigen Gewinne aller vier großen Edelmetalle deuten darauf hin, dass die aktuelle Erholung von einer breiteren Verbesserung der Marktstimmung getragen wird.

 

US-Wahlergebnis verändert die Erwartungen der Finanzmärkte

 

Ein wesentlicher Auslöser der jüngsten Kursbewegungen sind die amerikanischen Zwischenwahlen vom 3. November. Die Gewinne der Demokraten haben die politischen Mehrheitsverhältnisse im Kongress verändert.

An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die neue politische Konstellation die Durchsetzung bestimmter Vorhaben der Regierung erschweren könnte. Das betrifft unter anderem die Handels- und Haushaltspolitik sowie Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt.

Der Dollarindex gab am Donnerstagmorgen nach Reuters-Angaben um rund 0,22 Prozent auf 101,25 Punkte nach. Der Euro stieg gleichzeitig auf etwa 1,1261 US-Dollar.

Für den europäischen Edelmetallmarkt ist diese Wechselkursentwicklung besonders relevant. Ein steigender Goldpreis in US-Dollar führt nicht automatisch zu einem gleich hohen prozentualen Anstieg des Goldpreises in Euro.

Wenn der Euro gegenüber dem Dollar aufwertet, wird ein Teil der internationalen Goldpreissteigerung bei der Umrechnung in Euro ausgeglichen. Deutsche Käufer und Verkäufer sollten deshalb neben dem internationalen Goldkurs auch den Wechselkurs berücksichtigen.

Wie sich internationale Spotpreise, Referenzpreise und Terminmarktkurse unterscheiden, erläutert unser Hintergrundartikel Wie entsteht eigentlich der Goldpreis?.

 

Sinkende Ölpreise entlasten die Edelmetallmärkte

 

Eine weitere wichtige Entwicklung betrifft den internationalen Energiemarkt. Die Ölpreise standen am Donnerstag bereits den vierten Handelstag in Folge unter Druck.

Hintergrund sind Erwartungen, dass die veränderten politischen Machtverhältnisse in Washington die Wahrscheinlichkeit einer weiteren militärischen Eskalation im Konflikt mit Iran verringern könnten.

Eine tatsächliche diplomatische Entspannung ist damit allerdings noch nicht bestätigt. Die Marktreaktion beruht zunächst auf veränderten Erwartungen.

Für Gold ist die Entwicklung der Energiepreise aus geldpolitischer Sicht bedeutsam. Steigende Ölpreise können die Inflation verstärken und Zentralbanken dazu veranlassen, die Leitzinsen länger auf einem hohen Niveau zu halten oder weiter anzuheben.

Sinkende Energiepreise können dagegen den Inflationsdruck abschwächen. Dadurch könnten sich mittelfristig günstigere Bedingungen für unverzinste Anlagen wie Gold ergeben.

Der Zusammenhang ist allerdings nicht eindeutig: Eine geopolitische Entspannung kann gleichzeitig die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen reduzieren. Welche Wirkung überwiegt, hängt von der Entwicklung der Zinsen, des Dollars und der allgemeinen Risikobereitschaft ab.

 

US-Arbeitsmarktbericht am Freitag wird zum nächsten Prüfstein

 

Nach der kräftigen Erholung richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger bereits auf den nächsten wichtigen Termin.

Am Freitag, dem 6. November 2026, steht die Veröffentlichung des amerikanischen Arbeitsmarktberichts für Oktober an. Insbesondere die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft dürfte für Bewegung an den Finanzmärkten sorgen.

Die Daten sind wichtig für die weitere Zinspolitik der amerikanischen Notenbank Federal Reserve.

Ein überraschend starker Arbeitsmarkt könnte die Erwartungen zusätzlicher Zinserhöhungen verstärken. Dies würde tendenziell den Dollar und die Anleiherenditen stützen und könnte den Goldpreis erneut belasten.

Schwächere Beschäftigungszahlen könnten dagegen die Erwartungen an eine weniger restriktive Geldpolitik fördern. Für Gold und Silber wäre dies grundsätzlich ein unterstützender Faktor.

Allerdings hängt die tatsächliche Marktreaktion davon ab, wie stark die veröffentlichten Zahlen von den Erwartungen abweichen.

Nach den jüngsten Kursbewegungen dürfte deshalb nicht allein das absolute Niveau der Beschäftigungszahlen entscheidend sein, sondern vor allem die Frage, ob sich die Einschätzung der künftigen US-Zinspolitik verändert.

 

Marktausblick für Donnerstag, den 5. November

 

Der Edelmetallmarkt startet mit einer deutlich verbesserten Ausgangslage in den europäischen Handel. Gold hat die Marke von 4.100 US-Dollar zurückerobert, während Silber oberhalb von 52 Dollar notiert. Auch Platin und Palladium profitieren von der Erholung.

Für den weiteren Tagesverlauf stehen drei Entwicklungen im Mittelpunkt: die Stabilität des US-Dollars, die Renditen amerikanischer Staatsanleihen und die Reaktion der Marktteilnehmer auf die politischen Veränderungen in Washington.

Beim Goldpreis bleibt zunächst entscheidend, ob die jüngsten Gewinne gehalten werden können. Ein erneuter Rückgang unter 4.000 US-Dollar würde die aktuelle Erholung infrage stellen. Oberhalb dieses Niveaus könnte sich die Stabilisierung fortsetzen.

Die bisherigen Bewegungen sind allerdings noch kein Beweis für den Beginn eines längerfristigen Aufwärtstrends. Nach den erheblichen Schwankungen der vergangenen Wochen bleibt das Risiko kurzfristiger Gegenbewegungen hoch.

Zum Vergleich bietet sich unser Edelmetall-Morgenbericht vom 4. November 2026 an. Er dokumentiert den Beginn der kräftigen Erholung nach den amerikanischen Kongresswahlen.

Fazit: Gold, Silber, Platin und Palladium haben sich am Donnerstagmorgen deutlich von ihren jüngsten Schwächephasen erholt. Der schwächere Dollar, rückläufige Anleiherenditen und sinkende Ölpreise schaffen kurzfristig ein günstigeres Umfeld. Ob daraus eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entsteht, dürfte wesentlich von den kommenden amerikanischen Konjunkturdaten und den Erwartungen an die Federal Reserve abhängen.

Marktdaten: Reuters, Stand 5. November 2026, 07:09 Uhr MEZ für die genannten Edelmetallnotierungen. Alle Preise beziehen sich auf US-Dollar je Feinunze. Kursangaben sind Momentaufnahmen und können sich im weiteren Handelsverlauf verändern. Der Bericht dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

 

05.11.2026 - Eleonora Bajrami -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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