Wie entsteht eigentlich der Goldpreis?
Spotpreis, LBMA Gold Price und COMEX-Futures zeigen denselben Goldmarkt aus unterschiedlichen Perspektiven.
Wer nach dem Goldpreis sucht, findet selten überall exakt denselben Wert. Finanzportale zeigen einen Spotpreis, an der COMEX werden Gold-Futures gehandelt, in London wird zweimal täglich der LBMA Gold Price festgestellt und beim Kauf einer Münze oder eines Barrens kommt zusätzlich ein Aufgeld hinzu. Trotzdem beziehen sich all diese Preise auf denselben weltweiten Goldmarkt.
Der Grund für die Abweichungen ist einfach: Es gibt nicht die eine zentrale Goldbörse, an der sämtliches Gold der Welt zu einem einzigen Preis gehandelt wird. Gold wird gleichzeitig außerbörslich zwischen Banken und institutionellen Marktteilnehmern, über Terminbörsen, an regionalen Handelsplätzen und im physischen Einzelhandel gehandelt. Diese Märkte sind eng miteinander verbunden, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen.
Der Spotpreis ist der Preis für kurzfristig lieferbares Gold
Mit „Gold Spot“ ist gewöhnlich der Preis für Gold mit kurzfristiger Abwicklung gemeint. Im internationalen professionellen Edelmetallhandel gilt traditionell eine Standardabwicklung von zwei Geschäftstagen, also T+2.

Dieser Spotpreis ist kein einmal täglich festgelegter offizieller Wert. Er verändert sich fortlaufend, solange in den großen internationalen Handelszentren Kauf- und Verkaufsinteresse vorhanden ist. Unterschiedliche Datenanbieter können deshalb selbst zur gleichen Zeit geringfügig verschiedene Kurse anzeigen.
Der World Gold Council unterscheidet ausdrücklich zwischen dem laufenden Spotpreis und verschiedenen Referenzpreisen. Im Großhandel gehören der Londoner OTC-Markt und die Terminbörsen zu den wichtigsten Bereichen der globalen Preisbildung. Einen Überblick bietet der World Gold Council zum internationalen Goldgroßhandel.
London ist das Zentrum des außerbörslichen Goldhandels
Ein großer Teil des professionellen Goldhandels findet nicht an einer klassischen Börse statt, sondern over the counter, kurz OTC. Dabei handeln Banken, Handelshäuser und andere Marktteilnehmer direkt miteinander.
London besitzt dabei traditionell eine zentrale Stellung. Gehandelt wird häufig sogenanntes „Loco London“-Gold. Die Bezeichnung beschreibt den Lieferort beziehungsweise das Abwicklungssystem des Londoner Marktes und nicht eine bestimmte Goldmine oder Barrensorte für Privatanleger.
Der World Gold Council beziffert das durchschnittliche weltweite Goldhandelsvolumen für 2025 auf rund 361 Milliarden US-Dollar pro Tag. Allein der Londoner OTC-Markt erreichte dabei eine Größenordnung von etwa 180 Milliarden Dollar täglich. Damit bleibt London einer der wichtigsten Orte der weltweiten Goldpreisbildung.
Der LBMA Gold Price ist ein Benchmark, kein permanenter Spotkurs
Der LBMA Gold Price wird häufig mit dem allgemeinen Goldpreis verwechselt. Tatsächlich handelt es sich um einen international anerkannten Referenzpreis, der zu festgelegten Zeiten durch ein elektronisches Auktionsverfahren bestimmt wird.
Die Auktionen beginnen an Londoner Geschäftstagen um 10:30 Uhr und 15:00 Uhr Londoner Zeit. Kauf- und Verkaufsaufträge werden zusammengeführt und der Preis so lange angepasst, bis das verbleibende Ungleichgewicht innerhalb der festgelegten Toleranz liegt.
Der Preis wird in US-Dollar je Feinunze festgestellt. Die Auktion wird unabhängig von ICE Benchmark Administration betrieben, während die Rechte am Benchmark bei der London Bullion Market Association liegen.
Die LBMA erläutert den Ablauf des LBMA Gold Price und der elektronischen Auktion. Der Benchmark wird unter anderem für Verträge, Bewertungen und die Abrechnung größerer Goldgeschäfte verwendet.
Der alte Begriff London Gold Fix ist überholt
Historisch wurde der Londoner Referenzpreis als „Gold Fix“ beziehungsweise „London Gold Fixing“ bezeichnet. Die Geschichte des Londoner Goldbenchmarks reicht bis 1919 zurück.
Seit dem 20. März 2015 lautet die offizielle Bezeichnung jedoch LBMA Gold Price. Gleichzeitig wurde das Verfahren in die heutige elektronisch administrierte Auktionsstruktur überführt.
Wer heute von einem aktuellen „London Fix“ spricht, meint meistens den LBMA Gold Price AM oder PM. Fachlich sauberer ist es jedoch, die aktuelle Bezeichnung zu verwenden.
COMEX-Futures handeln Gold für einen zukünftigen Termin
Parallel zum Londoner OTC-Markt spielt die amerikanische COMEX eine zentrale Rolle. Dort werden standardisierte Gold-Futures gehandelt.
Der klassische Gold-Future mit dem Kürzel GC repräsentiert 100 Feinunzen Gold. Sein Preis wird ebenfalls in US-Dollar je Feinunze angegeben. Käufer und Verkäufer handeln jedoch einen Vertrag für einen bestimmten zukünftigen Liefermonat und nicht denselben Spotkontrakt wie im Londoner Kassamarkt.
Die CME Group bezeichnet ihren GC-Kontrakt als ihren größten und liquidesten Gold-Future. Er wird nahezu rund um die Uhr gehandelt und dient weltweit zur Preisfindung und Absicherung.
Die aktuellen Vertragsmerkmale veröffentlicht die CME Group zu den COMEX Gold Futures.
Warum Future und Spotpreis nicht exakt gleich sein müssen
Ein Gold-Future mit Lieferung in einigen Monaten kann über oder unter dem aktuellen Spotpreis notieren. Dafür gibt es wirtschaftliche Gründe.
Wer physisches Gold heute kauft und bis zu einem späteren Termin hält, muss Kapital finanzieren und gegebenenfalls Lager- und Versicherungskosten tragen. Gleichzeitig können Zinsen und die Marktnachfrage nach kurzfristig verfügbarem Metall die Differenz zwischen Kassamarkt und Terminmarkt beeinflussen.
Liegt der Terminpreis über dem Spotpreis, spricht man allgemein von Contango. Liegt er darunter, wird die Marktstruktur als Backwardation bezeichnet.
Solche Unterschiede bedeuten deshalb nicht automatisch, dass einer der beiden Preise „falsch“ ist. Die Kontrakte beziehen sich auf unterschiedliche Lieferzeitpunkte.
Trotzdem können Spot und Futures nicht beliebig auseinanderlaufen
Die großen Goldmärkte sind durch Arbitrage eng miteinander verbunden. Entsteht zwischen Londoner Spotgold und einem COMEX-Future eine ungewöhnlich große Preisdifferenz, können professionelle Marktteilnehmer Positionen auf beiden Märkten eingehen und versuchen, diese Differenz wirtschaftlich zu nutzen.
Dadurch wirken solche Geschäfte normalerweise wieder preisstabilisierend. Spotmarkt und Terminmarkt bewegen sich deshalb langfristig eng miteinander, obwohl kurzfristige Abweichungen möglich sind.
In außergewöhnlichen Situationen können diese Spreads deutlich größer werden. Transportprobleme, unterschiedliche Barrenformate, Lagerverfügbarkeit oder die Erwartung von Zöllen können beispielsweise dazu führen, dass Gold an einem Ort vorübergehend höher bewertet wird als an einem anderen.
Warum Gold in Euro anders läuft als Gold in Dollar
International wird Gold überwiegend in US-Dollar je Feinunze betrachtet. Für einen Käufer in Deutschland ist jedoch der Goldpreis in Euro mindestens ebenso wichtig.
Er ergibt sich vereinfacht aus dem Dollar-Goldpreis und dem Wechselkurs zwischen Euro und US-Dollar. Steigt Gold in Dollar, während gleichzeitig der Euro gegenüber dem Dollar stärker wird, kann der Anstieg in Euro deutlich geringer ausfallen.
Umgekehrt kann Gold in Dollar fallen und in Euro wesentlich stabiler bleiben, wenn der Euro gleichzeitig gegenüber dem Dollar verliert.
Deshalb können zwei Anleger dieselbe Goldmarktbewegung unterschiedlich wahrnehmen, obwohl beide auf denselben internationalen Metallpreis schauen.
Der Börsenpreis ist nicht der Preis einer Goldmünze
Der Spotpreis beschreibt zunächst den Wert des Metalls im professionellen Großhandel. Eine einzelne Goldmünze oder ein kleiner Goldbarren ist dagegen ein fertiges physisches Produkt.
Zwischen Rohgoldmarkt und Endprodukt entstehen Kosten für Raffination, Prägung oder Guss, Qualitätskontrolle, Verpackung, Transport, Versicherung, Finanzierung und Handel. Hinzu kommen Angebot und Nachfrage für das konkrete Produkt.
Deshalb kostet eine 1-oz-Goldmünze üblicherweise mehr als eine Feinunze zum gleichzeitig angezeigten Spotpreis. Diese Differenz wird häufig als Aufgeld oder Premium bezeichnet.
Bei kleinen Stückelungen fällt das Aufgeld pro Gramm normalerweise höher aus, weil viele Produktions- und Vertriebskosten unabhängig davon entstehen, ob ein Barren ein Gramm oder eine ganze Feinunze enthält.
Auch zwischen physischen Produkten entstehen Preisunterschiede
Eine Feinunze Gold ist metallisch immer dieselbe Masse. Trotzdem können zwei 1-oz-Produkte zu unterschiedlichen Preisen angeboten werden.
Eine sehr verbreitete Bullionmünze kann ein anderes Aufgeld besitzen als eine kleine Auflage oder eine Proof-Ausgabe. Ein Prägebarren im aufwendigen Blister kann teurer sein als ein einfacher Gussbarren mit identischem Feingoldgewicht.
Diese Preisunterschiede entstehen nicht durch einen anderen internationalen Goldkurs, sondern auf der Produktebene nach der eigentlichen Preisbildung des Goldes.
Es gibt also nicht nur einen einzigen Goldpreis
Wenn Finanznachrichten vom „Goldpreis“ sprechen, handelt es sich meist um einen international beobachteten Spotkurs oder einen stark gehandelten Futures-Kontrakt. Beide reagieren nahezu unmittelbar auf Zinsen, Dollarbewegungen, Wirtschaftsdaten, geopolitische Ereignisse und große Kauf- oder Verkaufsaufträge.
Der LBMA Gold Price erfüllt dagegen eine andere Aufgabe: Er stellt zweimal täglich einen transparent ermittelten Referenzpreis bereit, zu dem Kauf- und Verkaufsinteresse in einer Auktion zusammengeführt wird.
COMEX-Futures wiederum ermöglichen den Handel standardisierter Terminkontrakte und spielen eine bedeutende Rolle bei Preisfindung und Absicherung. Der physische Einzelhandel baut anschließend auf diesen internationalen Marktpreisen auf und ergänzt produktspezifische Kosten und Margen.
Die Frage „Wer macht den Goldpreis?“ lässt sich deshalb nicht mit einer einzelnen Börse beantworten. Londoner OTC-Handel, LBMA-Benchmark, COMEX und weitere internationale Handelsplätze beeinflussen sich gegenseitig. Aus diesem permanenten Zusammenspiel entsteht der Goldpreis, den Anleger schließlich auf ihrem Bildschirm sehen.
14.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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