Legierungen bei Goldschmuck richtig verstehen
Warum Gold mit Silber, Kupfer oder Palladium gemischt wird und was 333, 585, 750, Karat und die Farbe eines Schmuckstücks aussagen.
Goldschmuck besteht nur selten aus nahezu reinem Gold. Ringe, Ketten, Armbänder und andere Schmuckstücke werden gewöhnlich aus Goldlegierungen gefertigt, bei denen Gold gezielt mit anderen Metallen kombiniert wird. Dadurch lassen sich Härte, Farbe, Verarbeitbarkeit und Verschleißverhalten wesentlich stärker beeinflussen, als es mit Feingold allein möglich wäre.
Die Zahlen 333, 585 oder 750 beschreiben dabei nicht die Qualität der Verarbeitung und auch nicht unmittelbar die Farbe des Schmuckstücks. Sie geben zunächst ausschließlich an, wie viele Masseanteile von 1.000 aus Gold bestehen. Bei 750er Gold entfallen beispielsweise 750 von 1.000 Gewichtsteilen auf Gold und die verbleibenden 250 Teile auf andere Metalle.
Welche Metalle diese restlichen Anteile bilden, ist nicht einheitlich vorgeschrieben. Zwei Schmuckstücke aus 585er Gold können deshalb denselben Goldgehalt besitzen und trotzdem unterschiedliche Farben, Härten und Verarbeitungseigenschaften aufweisen. Genau darin liegt der eigentliche Zweck einer Legierung.
Warum Feingold für viele Schmuckstücke zu weich ist
Reines beziehungsweise nahezu reines Gold ist außergewöhnlich gut verformbar. Es lässt sich walzen, ziehen und hämmern und eignet sich deshalb hervorragend für die Schmuckherstellung. Dieselbe Eigenschaft ist im täglichen Gebrauch jedoch auch ein Nachteil: Hochreines Gold ist vergleichsweise weich.

Ein Ring aus nahezu reinem 24-karätigem Gold kann sich leichter verformen und erhält schneller Kratzer als ein entsprechend konstruierter Ring aus einer geeigneten niedrigeren Goldlegierung. Bei dünnen Fassungen, Verschlüssen, Kettengliedern oder filigranen Bauteilen spielt die mechanische Festigkeit eine noch größere Rolle.
Durch die Zugabe anderer Metalle verändert der Goldschmied das Werkstoffverhalten. Kupfer kann eine Goldlegierung beispielsweise härter und rötlicher machen. Silber beeinflusst Farbe und Verarbeitung auf andere Weise. Palladium kann zur Aufhellung von Weißgold eingesetzt werden.
Der World Gold Council erläutert Goldgehalte und typische Schmucklegierungen und weist darauf hin, dass Legierungsmetalle sowohl der höheren Gebrauchstauglichkeit als auch der gezielten Farbgestaltung dienen.
Was 333, 585 und 750 tatsächlich bedeuten
Die bei Goldschmuck gebräuchliche Feingehaltsangabe erfolgt in Tausendteilen. 750 bedeutet deshalb 750 Tausendteile Gold beziehungsweise 75 Prozent Gold. Bei 585 sind es 58,5 Prozent und bei 333 entsprechend 33,3 Prozent.
Ein Schmuckstück mit einem Gesamtgewicht von zehn Gramm aus 750er Gold enthält rechnerisch 7,5 Gramm Gold. Die übrigen 2,5 Gramm bestehen aus den verwendeten Legierungsmetallen. Ein zehn Gramm schweres Schmuckstück aus 585er Gold enthält dagegen 5,85 Gramm Gold.
Das Gesamtgewicht eines Schmuckstücks darf deshalb nicht mit seinem Feingoldgewicht verwechselt werden. Für die reine Goldmenge gilt grundsätzlich: Gesamtgewicht multipliziert mit dem Feingehalt als Dezimalzahl ergibt das theoretische Feingoldgewicht.
Bei 585er Gold lautet die Rechnung beispielsweise 10 Gramm × 0,585 = 5,85 Gramm Feingold.
333er Gold entspricht ungefähr 8 Karat
Das ältere Karatsystem teilt eine Goldlegierung in 24 Teile. 24 Karat entsprechen rechnerisch reinem Gold. Zwölf Karat wären entsprechend 50 Prozent Gold.
333 Tausendteile entsprechen knapp acht Karat. Mathematisch ergeben acht von 24 Teilen einen Goldanteil von 33,333 Prozent. 333er Gold wird deshalb im deutschsprachigen Raum üblicherweise als 8-karätiges Gold bezeichnet.
Der überwiegende Anteil einer 333er Legierung besteht nicht aus Gold. Rund zwei Drittel entfallen auf andere Metalle. Dadurch können Farbe und Werkstoffeigenschaften besonders stark von der konkreten Zusammensetzung abhängen.
Auch innerhalb derselben Feingehaltsstufe können deshalb sehr unterschiedliche Legierungsrezepte vorkommen.
375er Gold entspricht 9 Karat
375er Gold enthält 37,5 Prozent Gold. Dieser Feingehalt entspricht exakt 9 Karat, denn neun von 24 Teilen ergeben 37,5 Prozent.
In Deutschland begegnet 375er Schmuck zwar ebenfalls, international ist diese Legierung jedoch insbesondere aus Ländern bekannt, in denen 9 Karat einen etablierten Schmuckstandard darstellen.
Gegenüber 333er Gold erhöht sich der Goldanteil von rund einem Drittel auf etwas mehr als ein Drittel der Gesamtmasse. Trotzdem besteht auch 375er Schmuck noch überwiegend aus Legierungsmetallen.
585er Gold ist die verbreitete 14-Karat-Klasse
585er Gold besteht zu 58,5 Prozent aus Gold und zu 41,5 Prozent aus anderen Metallen. Im Karatsystem wird diese Legierung der 14-Karat-Klasse zugeordnet.
Rechnerisch entsprechen 14 von 24 Teilen allerdings 58,333 Prozent beziehungsweise 583,33 Tausendteilen. Die heute verbreitete Kennzeichnung 585 liegt somit geringfügig darüber.
Der World Gold Council weist darauf hin, dass sich 585 international als verbreiteter Feingehaltswert für 14-karätige Schmucklegierungen etabliert hat. Die kleine Differenz gegenüber dem mathematischen Wert von 583,3 ist deshalb kein Widerspruch, sondern Ergebnis des verwendeten Legierungsstandards.
585er Gold bietet einen relativ hohen Goldanteil und gleichzeitig einen beträchtlichen Spielraum für Legierungsmetalle. Dadurch lassen sich sowohl gelbe als auch rote und weiße Legierungen herstellen.
750er Gold entspricht exakt 18 Karat
Bei 750er Gold besteht die Legierung zu drei Vierteln aus Gold. Die verbleibenden 25 Prozent können beispielsweise aus Silber, Kupfer, Palladium oder anderen für die jeweilige Legierung geeigneten Metallen bestehen.
18 von 24 Teilen ergeben exakt 75 Prozent. 750er Gold entspricht deshalb mathematisch genau 18 Karat.
Der höhere Goldanteil führt typischerweise zu einem deutlich stärker ausgeprägten Goldcharakter als bei 333er oder 585er Legierungen. Trotzdem lässt sich auch 750er Gold in sehr unterschiedlichen Farbtönen herstellen.
Ein 750er Weißgoldring enthält genau denselben prozentualen Goldanteil wie ein 750er Gelbgold- oder Rotgoldring. Die unterschiedliche Farbe entsteht ausschließlich durch die Zusammensetzung der übrigen 25 Prozent und gegebenenfalls durch eine zusätzliche Oberflächenbehandlung.
916er Gold liegt bei ungefähr 22 Karat
22-karätiges Gold besteht rechnerisch zu 91,666 Prozent aus Gold. Als Feingehaltsangaben finden sich deshalb Werte um 916 beziehungsweise 917 Tausendteile.
Solche hochgoldhaltigen Legierungen spielen in vielen Regionen der Welt eine größere Rolle als im mitteleuropäischen Alltagsschmuck. Besonders in Teilen Asiens und des Nahen Ostens besitzt Schmuck mit sehr hohem Goldgehalt traditionell eine große Bedeutung.
Mit zunehmendem Feingoldanteil wird der Spielraum für härtegebende Legierungsbestandteile allerdings geringer. Ein 22-karätiges Schmuckstück besitzt deshalb andere mechanische Eigenschaften als ein vergleichbares Stück aus 585er Gold.
999er und 999,9er Gold sind für Alltagsschmuck nicht zwingend ideal
999 beziehungsweise 999,9 stehen für sehr hochreines Gold. 999,9er Gold enthält nominell 99,99 Prozent Gold und wird umgangssprachlich häufig als 24-karätiges Feingold bezeichnet.
Ein hoher Feingehalt ist bei Anlagegold besonders naheliegend, weil dort der möglichst unmittelbar definierte Goldgehalt im Vordergrund steht. Bei Schmuck kommen dagegen weitere Anforderungen hinzu: Ein Ring soll seine Form halten, eine Fassung einen Edelstein sicher tragen und ein Verschluss viele Öffnungszyklen überstehen.
Feingoldschmuck existiert durchaus. Dass Schmuck einen niedrigeren Feingehalt besitzt, ist jedoch nicht automatisch ein Nachteil oder Zeichen schlechterer Herstellung. Die Legierung kann bewusst gewählt worden sein, um bestimmte mechanische oder ästhetische Eigenschaften zu erzielen.
Gelbgold ist ebenfalls eine Legierung
Der Ausdruck Gelbgold wird gelegentlich so verstanden, als handle es sich um unbehandeltes reines Gold. Tatsächlich ist klassischer Gelbgoldschmuck meist ebenfalls legiert.
Typische Gelbgoldlegierungen kombinieren Gold vor allem mit Silber und Kupfer. Das Verhältnis dieser beiden Metalle beeinflusst sowohl den Farbton als auch die mechanischen Eigenschaften.
Mehr Silber kann den Farbton heller beziehungsweise etwas grüner erscheinen lassen. Ein größerer Kupferanteil verschiebt ihn stärker in eine warme oder rötliche Richtung.
Für 18-karätiges Gelbgold nennt der World Gold Council als ein mögliches Beispiel 75 Prozent Gold, 15 Prozent Silber und 10 Prozent Kupfer. Das ist jedoch nur eine typische Rezeptur und keine verbindliche Zusammensetzung für jedes 750er Gelbgold.
Hersteller können die verbleibenden 25 Prozent unterschiedlich zusammensetzen und dadurch Nuancen von kräftigem Gelb bis zu wärmeren Goldtönen erzeugen.
Rotgold erhält seine Farbe vor allem durch Kupfer
Rotgold beziehungsweise Roségold entsteht durch einen erhöhten Kupferanteil. Kupfer besitzt selbst eine intensiv rötliche Farbe und verändert deshalb den Farbton einer Goldlegierung bereits deutlich.
Je größer der Kupferanteil bei gleichem Goldgehalt ist, desto kräftiger kann die Rotfärbung ausfallen. Silber wird häufig ergänzend eingesetzt, um Farbton und Materialeigenschaften gezielt einzustellen.
Bei einem 750er Rotgold bleiben immer 75 Prozent der Masse Gold. Die Farbgestaltung findet im verbleibenden Viertel statt. Eine mögliche 18-Karat-Roségold-Rezeptur kann beispielsweise 75 Prozent Gold, rund 22 Prozent Kupfer und einen kleineren Silberanteil enthalten.
Andere Hersteller verwenden andere Mischungsverhältnisse. Deshalb sind Bezeichnungen wie Roségold, Rotgold oder Rosé nicht automatisch mit einer exakt definierten Zusammensetzung gleichzusetzen.
Mehr Kupfer verändert nicht nur die Farbe
Kupfer beeinflusst neben dem Farbton auch das mechanische Verhalten der Legierung. Gegenüber Feingold kann eine geeignete Gold-Kupfer-Legierung deutlich härter und widerstandsfähiger sein.
Das ist beispielsweise bei Ringen oder stärker beanspruchten Schmuckteilen von Vorteil. Gleichzeitig verändert sich das Verhalten beim Walzen, Ziehen, Löten und Polieren.
Eine Legierung wird deshalb nicht nur danach ausgewählt, welche Farbe der fertige Ring haben soll. Für einen Goldschmied sind auch Härte, Elastizität, Gießverhalten, Schmelzbereich und spätere Bearbeitungsmöglichkeiten entscheidend.
Weißgold ist kein natürlich weißes Gold
Weißgold entsteht durch die Legierung von Gold mit Metallen, die seine gelbe Eigenfarbe deutlich aufhellen. Je nach Rezeptur kommen beispielsweise Palladium, Silber, Kupfer, Zink und bei bestimmten Legierungssystemen auch Nickel in Betracht.
Das Resultat ist nicht zwingend ein vollkommen neutralweißes Metall. Unbeschichtetes Weißgold kann abhängig von seiner Zusammensetzung einen leicht gelblichen, grauen oder warmen Farbton besitzen.
Viele Weißgold-Schmuckstücke erhalten deshalb zusätzlich eine dünne Rhodiumschicht. Rhodium gehört zu den Platinmetallen und besitzt eine sehr helle, weiß-metallische Erscheinung.
Die Beschichtung erzeugt den charakteristischen hellen Glanz vieler Weißgoldringe. Sie ändert jedoch nicht den eigentlichen Feingehalt der darunterliegenden Goldlegierung.
Rhodiniertes Weißgold kann mit der Zeit seinen Farbton verändern
Eine Rhodiumschicht ist eine Oberflächenbeschichtung. Bei regelmäßig getragenen Ringen ist sie mechanischem Verschleiß ausgesetzt und kann mit der Zeit dünner werden.
Dann wird die Eigenfarbe der darunterliegenden Weißgoldlegierung zunehmend sichtbar. Ein Ring kann dadurch etwas wärmer oder gelblicher erscheinen, ohne dass sich seine Goldlegierung verändert hätte.
Das ist kein Verlust des Feingoldgehalts. Lediglich die oberste Beschichtung ist teilweise abgetragen.
Eine erneute Rhodinierung kann die helle Oberfläche wiederherstellen. Ob dies sinnvoll ist, hängt vom Schmuckstück und dem gewünschten Erscheinungsbild ab.
Palladium-Weißgold und Nickel-Weißgold sind nicht dasselbe
Bei Weißgold ist die Bezeichnung allein keine vollständige Materialangabe. Unterschiedliche Legierungssysteme können optisch ähnlich aussehen, sich aber technisch deutlich unterscheiden.
Palladium kann als aufhellendes Legierungsmetall eingesetzt werden und gehört selbst zu den Edelmetallen. Palladiumhaltige Weißgoldlegierungen können deshalb erheblich andere Material- und Kostenstrukturen besitzen als Weißgoldlegierungen, die mit unedleren Metallen aufgehellt werden.
Nickel kann Gold ebenfalls stark entfärben und wurde historisch für Weißgoldlegierungen verwendet. Für Schmuck mit längerem Hautkontakt gelten in der Europäischen Union jedoch strenge Anforderungen an die Nickelfreisetzung, weil Nickel bei sensibilisierten Personen allergische Reaktionen auslösen kann.
Die Farbe „Weißgold“ allein verrät deshalb weder, welches Weißmetall verwendet wurde, noch ob die Oberfläche rhodiniert ist.
Für Nickel gelten in der EU Freisetzungsgrenzen
Die europäischen Vorgaben beziehen sich bei Schmuck mit direktem und längerem Hautkontakt nicht einfach darauf, ob überhaupt Nickel im Material vorhanden ist. Entscheidend ist insbesondere, wie viel Nickel aus dem Gegenstand freigesetzt wird.
Nach Anhang XVII der europäischen REACH-Verordnung gilt für Gegenstände mit direktem und längerem Hautkontakt grundsätzlich eine maximale Nickelfreisetzung von 0,5 Mikrogramm pro Quadratzentimeter und Woche.
Das betrifft unter anderem Ringe, Halsketten, Armbänder, Uhrengehäuse und vergleichbare Produkte. Ein nickelhaltiger Werkstoff muss deshalb im fertigen Gegenstand die einschlägigen gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
Auch Cadmium ist bei Schmuck streng begrenzt
Neben Nickel ist Cadmium regulatorisch relevant. Für Metallteile von Schmuck und Modeschmuck enthält REACH eine sehr niedrige Konzentrationsgrenze.
Cadmium und seine Verbindungen dürfen in den erfassten Metallteilen grundsätzlich nicht in Konzentrationen von 0,01 Gewichtsprozent oder mehr verwendet beziehungsweise in Verkehr gebracht werden. Die Regelung umfasst unter anderem Armbänder, Halsketten, Ringe, Piercingschmuck, Uhrenbestandteile, Broschen und Manschettenknöpfe.
Damit sind historische Legierungs- oder Lotrezepturen nicht automatisch auf heutige Schmuckproduktion übertragbar. Werkstoffe und Hilfsmaterialien müssen den heutigen Anforderungen entsprechen.
Grünliches Gold entsteht vor allem durch Silber
Goldlegierungen können auch einen leicht grünlichen Farbton besitzen. Häufig wird dafür der Begriff Grüngold verwendet.
Eine solche Erscheinung lässt sich insbesondere durch einen relativ hohen Silberanteil erreichen. Je geringer gleichzeitig der Kupferanteil ist, desto weniger rötliche Farbe wird in die Legierung eingebracht.
Das Ergebnis sollte allerdings nicht mit einem kräftig grünen Lack- oder Emaillefarbton verwechselt werden. Metallisches Grüngold zeigt üblicherweise eher eine subtile gelblich-grüne beziehungsweise grünliche Nuance.
Bereits natürlich vorkommende Gold-Silber-Legierungen sind historisch unter der Bezeichnung Elektron beziehungsweise Electrum bekannt. Moderne Schmucklegierungen werden dagegen gezielt auf einen gewünschten Feingehalt und Farbton eingestellt.
Die gleiche Punze kann unterschiedliche Farben tragen
Eine Punze „585“ sagt ausschließlich etwas über den nominellen Goldanteil aus. Sie bedeutet nicht automatisch Gelbgold.
Ein 585er Ring kann gelb, rosé oder weiß erscheinen. In jedem Fall sollen 585 von 1.000 Masseanteilen der entsprechenden Goldlegierung aus Gold bestehen. Die restlichen 415 Tausendteile bestimmen einen erheblichen Teil des optischen und mechanischen Charakters.
Dasselbe gilt für 750er Schmuck. Ein 750er Gelbgoldring und ein 750er Weißgoldring enthalten pro Gramm Legierung jeweils nominell 0,75 Gramm Gold, obwohl sie auf den ersten Blick völlig unterschiedlich aussehen können.
Eine dunklere Goldfarbe bedeutet nicht automatisch mehr Gold
Die Farbe eines Schmuckstücks eignet sich nicht zur zuverlässigen Bestimmung des Feingehalts. Ein kräftig gelbes Schmuckstück muss nicht zwingend einen höheren Goldanteil besitzen als ein helleres Stück.
Legierungsrezeptur, Oberflächenbearbeitung, Politur und Beschichtung können das Erscheinungsbild stark verändern. Auch Lichtfarbe und Umgebung beeinflussen die optische Wahrnehmung.
Ein 750er Weißgoldring sieht beispielsweise weniger „golden“ aus als ein 333er Gelbgoldring, enthält pro Gramm aber mehr als doppelt so viel Gold.
Zur Bestimmung des Goldgehalts sind deshalb Punzen und insbesondere eine fachgerechte Materialprüfung aussagekräftiger als die Farbe.
In Deutschland darf Goldschmuck unterschiedliche Feingehalte besitzen
Eine Besonderheit des deutschen Rechts wird häufig falsch dargestellt. Es gibt bei Schmuck nicht einfach die Regel, dass ein Gegenstand erst ab 333 oder 585 Tausendteilen als Goldschmuck hergestellt werden dürfte.
Das deutsche Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren unterscheidet unter anderem zwischen Schmucksachen und goldenen Geräten. Nach § 1 dürfen Gold- und Silberwaren grundsätzlich zu jedem Feingehalt angefertigt und angeboten werden. Für die zulässige Feingehaltsangabe gelten anschließend spezielle Vorschriften.
Für Schmucksachen bestimmt § 5 ausdrücklich, dass sie in jedem Feingehalt gestempelt werden dürfen. Wird ein Feingehalt angegeben, hat dies in Tausendteilen zu erfolgen.
Der aktuelle Gesetzestext ist beim Bundesministerium der Justiz im Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren abrufbar.
Die 585-Grenze des Gesetzes gilt nicht allgemein für Schmuck
Gelegentlich wird § 2 des Feingehaltsgesetzes als Beleg dafür angeführt, Gold dürfe in Deutschland erst ab 585 Tausendteilen entsprechend bezeichnet werden. Das greift für Schmuck zu kurz.
§ 2 bezieht sich ausdrücklich auf goldene Geräte. Dort darf eine Feingehaltsangabe nur bei 585 oder mehr Tausendteilen erfolgen.
Für Schmucksachen gilt dagegen die spezielle Regel des § 5: Sie dürfen in jedem Feingehalt gestempelt werden, wobei der Feingehalt in Tausendteilen angegeben werden muss.
Deshalb sind beispielsweise Punzen wie 333, 375, 585 oder 750 bei Goldschmuck grundsätzlich erklärbar, obwohl für goldene Geräte andere Vorgaben gelten.
Bei gestempeltem Schmuck gilt eine gesetzliche Fehlergrenze
Die eingeprägte Zahl ist dennoch keine unverbindliche Dekoration. Das Feingehaltsgesetz enthält für gestempelte Gold- und Silberschmucksachen eine Fehlergrenze.
Nach § 5 darf die Abweichung bei der Prüfung des vollständig eingeschmolzenen Gegenstands zehn Tausendteile nicht überschreiten. Das Gesetz betrachtet dabei also den Gegenstand als Ganzes.
Für die Richtigkeit eines angegebenen Feingehalts haftet nach § 7 grundsätzlich der Verkäufer. Bei einer im Inland erfolgten Stempelung kann zusätzlich der Inhaber des betreffenden Geschäfts haften.
Gerade deshalb sollte eine Feingehaltszahl nicht ohne entsprechende Materialkenntnis auf einen Gegenstand aufgebracht werden.
Punzen können mehr als nur den Goldgehalt zeigen
Neben Zahlen wie 585 oder 750 finden sich auf Schmuck häufig weitere Zeichen. Dazu können Herstellerzeichen, Verantwortlichkeitsmarken, Importkennzeichnungen, Punzen aus ausländischen Prüfsystemen oder Symbole eines Prüf- beziehungsweise Beschauamtes gehören.
Solche Zeichen sind international nicht einheitlich. Ein britisches Hallmark-System funktioniert beispielsweise anders als die deutsche Feingehaltskennzeichnung.
Ausländische Schmuckstücke können deshalb mehrere kleine Stempel nebeneinander tragen. Für eine seriöse Interpretation sollte zunächst festgestellt werden, aus welchem Land und aus welcher Zeit das Stück stammt.
Ein einzelnes Symbol ohne diesen Kontext lässt sich häufig nicht zuverlässig bestimmen.
Eine Punze allein beweist keine Echtheit
Eine eingeprägte Zahl ist ein wichtiger Hinweis, aber kein physikalischer Echtheitsnachweis. Auch eine falsche oder nachträglich angebrachte „750“-Punze lässt sich technisch herstellen.
Bei wertvollen oder unbekannten Schmuckstücken kann deshalb eine Materialprüfung sinnvoll sein. Goldschmiede, Scheideanstalten und spezialisierte Prüfer verfügen dafür über unterschiedliche Verfahren.
Welche Methode geeignet ist, hängt davon ab, ob das Schmuckstück erhalten bleiben muss, ob nur die Oberfläche oder das gesamte Material untersucht werden soll und wie genau das Ergebnis benötigt wird.
Röntgenfluoreszenz prüft weitgehend zerstörungsfrei
Ein häufig verwendetes modernes Prüfverfahren ist die Röntgenfluoreszenzanalyse, kurz RFA beziehungsweise XRF. Dabei wird die charakteristische Röntgenstrahlung der im untersuchten Bereich vorhandenen Elemente ausgewertet.
Das Verfahren kann innerhalb kurzer Zeit Hinweise auf Gold, Silber, Kupfer, Palladium, Nickel und andere Bestandteile liefern und beschädigt den Gegenstand bei sachgemäßer Anwendung nicht.
Eine wichtige Einschränkung bleibt jedoch: Das Verfahren untersucht vor allem oberflächennahe Bereiche. Eine starke Beschichtung oder ein materialfremder Kern kann deshalb zusätzliche Prüfungen erforderlich machen.
Bei komplexem Schmuck ist es ohnehin möglich, dass unterschiedliche Bauteile verschiedene Legierungen besitzen.
Säuretests sind älter, aber noch immer gebräuchlich
Bei klassischen Prüfmethoden wird häufig mit einem Prüfstein und Prüfsäuren gearbeitet. Dabei wird ein Abrieb des Schmuckstücks mit Referenzreaktionen verglichen.
Ein erfahrener Anwender kann damit schnell einschätzen, in welchem Feingehaltsbereich sich eine Goldlegierung befindet. Das Verfahren ist vergleichsweise einfach, besitzt jedoch ebenfalls Grenzen.
Beschichtungen, ungewöhnliche Legierungen oder sehr kleine Proben können die Interpretation erschweren. Zudem entsteht zumindest ein minimaler Abrieb am geprüften Gegenstand.
Für besonders genaue Analysen kommen daher andere beziehungsweise ergänzende Verfahren in Betracht.
Die Feuerprobe bestimmt Gold sehr genau, ist aber zerstörend
Eine klassische hochpräzise Methode zur Goldbestimmung ist die Feuerprobe beziehungsweise Cupellation in Verbindung mit den erforderlichen analytischen Arbeitsschritten.
Im Gegensatz zu oberflächlichen Prüfmethoden wird dabei tatsächlich Probenmaterial benötigt. Das Verfahren ist deshalb für ein vollständig zu erhaltendes Schmuckstück nicht ohne Weiteres geeignet.
Bei Edelmetallrecycling und professioneller Analyse spielt die genaue Bestimmung des enthaltenen Goldes jedoch eine zentrale Rolle. Besonders bei größeren Materialmengen kann eine repräsentative Probe aussagekräftiger sein als eine einzelne Oberflächenmessung.
Lötstellen können sich vom Grundmaterial unterscheiden
Ein Schmuckstück muss nicht an jeder mikroskopisch kleinen Stelle exakt dieselbe Zusammensetzung besitzen. Ketten, Fassungen oder mehrteilige Ringe werden häufig durch Löt- beziehungsweise Fügeverfahren hergestellt.
Das verwendete Lot muss bei geeigneter Temperatur schmelzen und sich zuverlässig mit dem Grundmaterial verbinden. Seine Zusammensetzung kann deshalb vom eigentlichen Schmuckgold abweichen.
Auch Verschlüsse, Federn oder andere funktionale Bauteile können konstruktiv besondere Anforderungen besitzen. Bei einer punktuellen Materialanalyse ist deshalb entscheidend, wo genau gemessen wird.
Eine einzelne XRF-Messung auf einer Lötstelle muss nicht repräsentativ für die gesamte Goldlegierung des Schmuckstücks sein.
Schmuck kann aus mehreren Goldlegierungen bestehen
Mehrfarbiger Goldschmuck macht diese Tatsache besonders sichtbar. Ein Ring kann beispielsweise Elemente aus Gelbgold, Rotgold und Weißgold miteinander verbinden.
Dabei müssen die verschiedenen Farben nicht zwingend unterschiedliche Feingehalte besitzen. Alle drei Komponenten können beispielsweise aus 750er Gold bestehen und sich nur in der Zusammensetzung der verbleibenden 25 Prozent unterscheiden.
Technisch stellt dies hohe Anforderungen an den Goldschmied, weil sich die beteiligten Legierungen beim Löten, Gießen, Polieren und bei Wärmebehandlungen unterschiedlich verhalten können.
Goldplattierung ist keine Goldlegierung
Ein grundsätzlich anderes Produkt ist vergoldeter Schmuck. Dort besteht der Gegenstand nicht durchgehend aus einer Goldlegierung des angegebenen Typs. Stattdessen befindet sich lediglich eine Goldschicht auf einem anderen Grundmaterial.
Ein vergoldeter Silberring kann beispielsweise im Inneren aus Silber bestehen und außen eine dünne Goldschicht tragen. Ein anderer Gegenstand kann Messing oder einen sonstigen Werkstoff als Kern besitzen.
Die Begriffe „585er Gold“ und „585er vergoldet“ sind deshalb materiell völlig unterschiedlich. Im ersten Fall beschreibt 585 üblicherweise die Goldlegierung des Schmuckmaterials. Im zweiten Fall kann sich eine Feingehaltsangabe auf das Beschichtungsmaterial beziehen, während der überwiegende Teil des Gegenstands nicht aus Gold besteht.
Für die Beurteilung eines Schmuckstücks muss deshalb immer geklärt werden, ob es massiv aus einer Goldlegierung gefertigt oder lediglich beschichtet wurde.
Auch Doublé und moderne Beschichtungen müssen unterschieden werden
Historischer Schmuck kann mit Bezeichnungen wie Gold-Doublé versehen sein. Dabei wird eine Goldauflage mechanisch beziehungsweise metallurgisch dauerhaft mit einem unedleren Trägermaterial verbunden.
Moderne galvanische Vergoldungen können dagegen sehr dünne Schichten erzeugen. Beide Verfahren unterscheiden sich von massivem Goldschmuck.
Bei stärkerem Abrieb kann das darunterliegende Metall sichtbar werden. Das bedeutet nicht, dass sich die Zusammensetzung einer massiven Goldlegierung verändert, sondern dass die Goldauflage lokal verschwunden ist.
Der Feingehalt bestimmt nicht allein die Haltbarkeit
Es wäre ebenfalls zu einfach, aus einer niedrigeren Feingehaltszahl automatisch auf ein robusteres Schmuckstück zu schließen. Zwar lässt sich hochreines Gold durch Legieren erheblich härten, doch die tatsächliche Haltbarkeit hängt von wesentlich mehr Faktoren ab.
Entscheidend sind die konkrete Legierungszusammensetzung, Wärmebehandlung, Materialdicke, Konstruktion, Gussqualität und spätere Bearbeitung. Ein sehr dünner Ring aus einer harten Legierung kann mechanisch weniger belastbar sein als ein wesentlich massiverer Ring aus höherkarätigem Gold.
Auch Hartlöten, Schweißen, Kaltverformung und Glühen verändern lokale beziehungsweise gesamte Werkstoffeigenschaften.
Die Punze allein erlaubt deshalb keine vollständige Aussage über die Qualität eines Schmuckstücks.
Mehr Gold bedeutet auch nicht automatisch bessere Verarbeitung
750er Gold enthält mehr Feingold als 585er Gold. Das ist eine klare Materialaussage. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jedes 750er Schmuckstück handwerklich besser ausgeführt sein muss als jedes 585er Stück.
Die Qualität der Verarbeitung hängt beispielsweise von Entwurf, Guss, Lötstellen, Fassungen, Oberflächenfinish und Materialstärken ab. Ein hochwertig gefertigter Ring aus 585er Gold kann technisch aufwendiger und langlebiger sein als ein schlecht konstruierter Ring aus 750er Gold.
Feingehalt und handwerkliche Qualität sollten deshalb getrennt beurteilt werden.
Für den reinen Goldwert zählt das Feingoldgewicht
Beim Vergleich des enthaltenen Goldes ist die Farbe der Legierung nebensächlich. Maßgeblich sind Gewicht und Feingehalt.
Ein 20 Gramm schweres Armband aus 585er Gold enthält theoretisch 11,70 Gramm Gold. Ein zehn Gramm schwerer Ring aus 750er Gold enthält dagegen 7,50 Gramm Gold.
Ob das 585er Armband gelb, rot oder weiß erscheint, ändert nichts an dieser rechnerischen Goldmenge.
In der Praxis können Steine, Federn, nichtgoldene Verschlussteile, Füllungen und andere Materialien das auf einer Waage festgestellte Gesamtgewicht beeinflussen. Bei der professionellen Bewertung eines Schmuckstücks kann deshalb nicht immer einfach das komplette Objektgewicht mit der Punze multipliziert werden.
Bei steinbesetztem Schmuck wird die Rechnung komplizierter
Ein Ring mit Diamanten oder anderen Edelsteinen besteht selbstverständlich nicht vollständig aus der gestempelten Goldlegierung. Dasselbe gilt für Perlen, Emaille, Keramik oder sonstige dekorative Materialien.
Das Gesamtgewicht des Schmuckstücks enthält dann auch diese Bestandteile. Für eine exakte Berechnung des Goldgewichts müsste deren Masse abgezogen werden.
Bei kleinen Steinen lässt sich das häufig abschätzen, bei komplexen Schmuckstücken kann eine genaue Bestimmung jedoch aufwendig sein.
Auch hohle Schmuckteile können äußerlich massiv wirken, obwohl ein erheblicher Teil ihres Volumens aus Luft besteht. Das Volumen ist deshalb ebenso wenig ein direkter Maßstab für die Goldmenge wie die Farbe.
Alte Goldlegierungen können von heutigen Rezepturen abweichen
Historischer Schmuck wurde unter anderen technischen und regulatorischen Bedingungen hergestellt. Die verwendeten Legierungen, Lote und Oberflächenbehandlungen können deshalb von moderner Produktion abweichen.
Auch regionale Traditionen spielten eine Rolle. Manche Goldschmiedezentren bevorzugten bestimmte Farbtöne oder Feingehalte, während in anderen Ländern andere Standards üblich waren.
Bei antikem Schmuck sollte deshalb nicht automatisch von heutigen typischen Legierungsrezepturen auf die tatsächliche Zusammensetzung geschlossen werden. Eine „750“-Punze gibt zwar einen Feingehalt an, sagt aber noch nicht, welche Metalle den verbleibenden Anteil bilden.
Goldlegierungen sind ein gezielt konstruierter Werkstoff
Goldschmuck lässt sich am besten verstehen, wenn man eine Legierung nicht als „verdünntes Gold“, sondern als eigenständigen Werkstoff betrachtet. Der Goldgehalt ist nur eine seiner Eigenschaften.
333, 375, 585, 750 oder 916 beschreiben den Masseanteil des Goldes. Die übrigen Bestandteile entscheiden mit über Farbe, Härte, Schmelzbereich, Verformbarkeit, Gießbarkeit und Polierverhalten.
Gelbgold entsteht häufig durch ein abgestimmtes Verhältnis von Silber und Kupfer. Rotgold erhält seine charakteristische Farbe vor allem durch Kupfer. Weißgold wird durch aufhellende Metalle wie Palladium oder andere geeignete Legierungsbestandteile erzeugt und häufig zusätzlich rhodiniert.
Aus der Farbe lässt sich der Feingehalt deshalb nicht zuverlässig ablesen. Ebenso wenig beweist eine Punze allein die Echtheit. Für eine fundierte Beurteilung müssen Kennzeichnung, Materialzusammensetzung, Verarbeitung und gegebenenfalls analytische Prüfungen zusammen betrachtet werden.
Für Deutschland ist außerdem wichtig, die gesetzlichen Regeln korrekt einzuordnen: Schmucksachen dürfen nach dem Feingehaltsgesetz in jedem Feingehalt gestempelt werden, sofern die Angabe in Tausendteilen erfolgt und die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Die häufig genannte 585-Grenze betrifft goldene Geräte und darf nicht pauschal auf Goldschmuck übertragen werden.
Damit erklärt sich auch, warum ein 585er Weißgoldring, ein 750er Rotgoldring und ein 999,9er Feingoldgegenstand trotz desselben Grundmetalls völlig unterschiedliche Werkstoffe darstellen. Bei Goldschmuck ist die Legierung kein Nebeneffekt – sie ist ein wesentlicher Teil seiner Konstruktion.
10.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage
Bewertungen und Kommentare