Palladiumpreis bis Jahresende 2026
Was aktuelle Prognosen für die verbleibenden Monate erwarten – und warum die Spanne von rund 1.100 bis über 1.600 Dollar reicht.
Wo könnte der Palladiumpreis Ende 2026 stehen? Anfang September lässt sich diese Frage deutlich konkreter beantworten als noch zu Jahresbeginn. Der Spotpreis lag am 2. September bei rund 1.353 US-Dollar je Feinunze. Gleichzeitig liegen inzwischen aktualisierte Einschätzungen von Banken, Edelmetallanalysten und großen Marktteilnehmern vor, die ein wesentlich genaueres Bild der möglichen Entwicklung bis Dezember ermöglichen.
Auffällig ist dabei weniger ein klarer Konsens als die erhebliche Spannweite der Erwartungen. JPMorgan sieht Palladium zum Jahresende ungefähr auf dem aktuellen Niveau. Andere Analysten halten einen Rückgang in Richtung 1.100 bis 1.200 US-Dollar für möglich. Auf der anderen Seite gibt es weiterhin Prognosen, nach denen Palladium bei erneuter physischer Verknappung oder kräftiger Investmentnachfrage deutlich über 1.500 US-Dollar steigen könnte.
Für eine Einschätzung bis Jahresende ist deshalb eine Unterscheidung wichtig: Jahresdurchschnittsprognosen, Jahreshöchst- und Jahrestiefstwerte sowie echte Dezember- beziehungsweise Q4-Ziele sind nicht dasselbe. Gerade bei Palladium werden diese Werte häufig miteinander vermischt.
Aktueller Ausgangspunkt: rund 1.350 US-Dollar
Am 2. September 2026 wurde Palladium am Spotmarkt mit 1.352,74 US-Dollar je Feinunze gehandelt. Damit befindet sich der Markt deutlich unter den Hochs, die Anfang 2026 zeitweise erreicht wurden, aber weiterhin oberhalb der Tiefstände des vergangenen Jahres.
Interessant ist die Nähe zu einer der aktuellsten konkreten Jahresendprognosen. JPMorgan hatte Anfang Juli seine Edelmetallprognosen überarbeitet und für Palladium einen Preis von etwa 1.350 US-Dollar je Feinunze zum Jahresende 2026 genannt. Für 2027 erwartet die Bank anschließend einen leichten Rückgang auf ungefähr 1.300 US-Dollar.
Gemessen am Kurs von Anfang September würde das JPMorgan-Szenario somit keine größere Bewegung mehr voraussetzen. Es entspricht im Kern einer Seitwärtsentwicklung für die verbleibenden vier Monate des Jahres.

JPMorgan erwartet zum Jahresende etwa 1.350 Dollar
Die JPMorgan-Prognose gehört derzeit zu den nützlichsten Orientierungswerten, weil sie nicht lediglich einen Durchschnitt für das Gesamtjahr nennt, sondern ausdrücklich auf das Jahresende abzielt. Rund 1.350 US-Dollar würden bedeuten, dass Palladium seine jüngste Erholung im Wesentlichen behauptet, ohne in eine neue ausgeprägte Aufwärtsbewegung überzugehen.
Dieses Szenario passt zu einem Markt, der fundamental weder eindeutig knapp noch stark überversorgt ist. Sinkende Nachfrage aus klassischen Benzinfahrzeugen und mehr Recycling begrenzen das Aufwärtspotenzial. Gleichzeitig verhindert die schwache Minenproduktion, dass sich ein großer Angebotsüberschuss aufbaut.
Damit unterscheidet sich die Situation deutlich von früheren Palladiumzyklen. Für einen nachhaltigen Preisanstieg reicht heute nicht mehr allein die Erwartung einer knappen Minenversorgung. Es muss zusätzlich genügend Nachfrage aus Automobilindustrie, Investment oder anderen industriellen Bereichen vorhanden sein.
Metals Focus sieht weiterhin Risiko bis rund 1.090 Dollar
Deutlich vorsichtiger fällt die Einschätzung von Metals Focus aus, die in der LBMA Precious Metals Forecast Survey 2026 veröffentlicht wurde. Analystin Wilma Swarts nennt für 2026 eine Bandbreite von 1.090 bis 2.000 US-Dollar und einen erwarteten Jahresdurchschnitt von rund 1.490 US-Dollar.
Für die Betrachtung der verbleibenden Monate ist besonders ihre Aussage relevant, dass Palladium im zweiten Halbjahr nachlassen und noch vor Jahresende bis in die Nähe von 1.090 US-Dollar fallen könnte.
Dahinter steht die Erwartung, dass einige der Faktoren, die den Markt zeitweise gestützt haben, an Bedeutung verlieren. Dazu gehören politische Unsicherheit über mögliche Handelsbeschränkungen sowie kurzfristige physische Engpässe. Gleichzeitig bleibt der längerfristige Nachfrageausblick wegen des wachsenden Anteils batterieelektrischer Fahrzeuge belastet.
Ein Kurs um 1.090 US-Dollar wäre von Anfang September aus ein Rückgang um ungefähr 19 Prozent. Dieses Szenario stellt daher einen echten Gegenpol zur weitgehend neutralen JPMorgan-Prognose dar.
UBS erwartet später im Jahr wieder stärkeren Fundamentaldruck
Auch UBS gehört nicht zu den uneingeschränkt optimistischen Stimmen. Die in der LBMA-Umfrage veröffentlichte Prognose nennt für 2026 zwar einen vergleichsweise hohen Durchschnitt von 1.670 US-Dollar und eine Jahresbandbreite von 1.435 bis 2.000 US-Dollar. Diese Zahlen dürfen jedoch nicht als Dezemberziel gelesen werden.
Entscheidender ist die dazugehörige Einschätzung von UBS: Kurzfristig bestehen Aufwärtsrisiken, längerfristig dürfte der Markt jedoch wieder stärker von seinen Fundamentaldaten bestimmt werden. Für den späteren Jahresverlauf erwartet UBS zunehmenden Gegenwind und anschließend wieder eine moderate Abwärtstendenz.
Gerade dieses Beispiel zeigt die Problematik von Jahresdurchschnittswerten. Ein Durchschnitt von 1.670 US-Dollar bedeutet nicht, dass UBS für Dezember einen Palladiumpreis von 1.670 US-Dollar prognostiziert. Hohe Preise zu Jahresbeginn können den Jahresdurchschnitt deutlich anheben, selbst wenn der Markt zum Jahresende niedriger notiert.
StoneX bleibt oberhalb von 1.000 Dollar vergleichsweise konstruktiv
Rhona O'Connell von StoneX nennt in der LBMA-Befragung einen Jahresdurchschnitt von 1.583 US-Dollar und eine Spanne zwischen 1.350 und 1.900 US-Dollar. Ihre qualitative Einschätzung ist für die aktuelle Diskussion besonders interessant: Die Phase von Preisen deutlich unter 1.000 US-Dollar könnte vorerst beendet sein, obwohl Palladium langfristig weiterhin unter strukturellem Druck steht.
Damit entsteht ein eher mittleres Szenario. Nach dieser Sicht wäre die Unterseite des Marktes besser abgesichert als noch 2024 oder Anfang 2025, ohne dass daraus automatisch eine neue Hausse folgt.
Für die letzten Monate 2026 würde eine solche Interpretation eher für Bewegungen um den heutigen Kurs oder leicht darüber sprechen als für einen Einbruch weit unter 1.000 US-Dollar.
Warum ältere Prognosen nur noch begrenzt helfen
Heraeus Precious Metals hatte im Dezember 2025 für das gesamte Jahr 2026 eine sehr breite Palladiumspanne von 950 bis 1.500 US-Dollar prognostiziert. Diese Einschätzung war zu Jahresbeginn nachvollziehbar, beruhte aber teilweise auf Annahmen, die sich inzwischen verändert haben.
Damals wurde noch mit einer leicht steigenden Primärproduktion gerechnet, unter anderem durch höhere russische Mengen. Die aktuellen Produktionsprognosen gehen dagegen von einer schwächeren Minenförderung aus. Deshalb sollte die alte Heraeus-Spanne heute eher als ursprüngliches Jahresszenario und nicht als aktuelle Prognose für Dezember verstanden werden.
Genau dieser Effekt ist bei Rohstoffprognosen wichtig: Eine im Dezember des Vorjahres veröffentlichte Erwartung kann formal weiterhin gelten, ihre zugrunde liegenden Annahmen können neun Monate später aber bereits erheblich verändert sein.
Johnson Matthey erwartet 2026 einen kleinen Überschuss
Für die Frage, welche der Preisprognosen bis Dezember realistischer wirkt, ist die aktuelle Marktbilanz entscheidend. Johnson Matthey erwartet für Palladium 2026 nach vielen Jahren mit Defiziten erstmals wieder einen kleinen Überschuss.
Die gesamte Palladiumnachfrage soll nach der Prognose um neun Prozent sinken. Hauptgrund ist eine geringere Nachfrage aus der Automobilindustrie, weil weniger reine Benzinfahrzeuge produziert werden. Gleichzeitig soll sich das Recycling gebrauchter Autokatalysatoren kräftig erholen.
Auf den ersten Blick spricht diese Entwicklung klar für niedrigere Preise. Auf der Angebotsseite gibt es jedoch einen wichtigen Gegeneffekt: Johnson Matthey erwartet einen starken Rückgang der Primärproduktion. Die russische Minenförderung soll auf den niedrigsten Stand seit mindestens zwei Jahrzehnten fallen.
Der vollständige Überblick ist im PGM Market Report 2026 von Johnson Matthey zusammengefasst.
Damit handelt es sich nicht um einen klassischen Überschussmarkt mit stark wachsender Produktion. Vielmehr sinken Angebot und Nachfrage gleichzeitig, während stärkeres Recycling den Ausschlag in Richtung eines kleinen Überschusses geben könnte.
Nornickel sieht den Markt praktisch ausgeglichen
Die Juni-Prognose von Nornickel zeichnet ein noch engeres Bild. Der weltweit größte Palladiumproduzent erwartet für 2026 eine Minenproduktion von rund 6,1 Millionen Unzen. Das wären etwa zwei Prozent weniger als im Vorjahr.
Das Recycling soll dagegen um sieben Prozent auf ungefähr 3,2 Millionen Unzen steigen. Insgesamt ergibt sich daraus ein Angebot von etwa 9,4 Millionen Unzen gegenüber einer industriellen Nachfrage von rund 9,1 Millionen Unzen.
Rechnerisch verbleiben damit rund 300.000 Unzen. Nornickel erwartet jedoch, dass etwa dieselbe Menge in Investmentbestände fließt. Unter Einbeziehung dieser Käufe wäre der Palladiummarkt 2026 praktisch ausgeglichen.
Die aktuellen Mengenprognosen sind im Metals Market Review von Nornickel veröffentlicht.
Für den Preis bis Jahresende ist diese Differenz entscheidend. Wenn Investmentkäufe tatsächlich rund 300.000 Unzen absorbieren, fehlt ein größerer physischer Überschuss, der den Preis deutlich nach unten drücken könnte. Bleibt diese Investmentnachfrage dagegen aus oder werden bestehende Bestände verkauft, wäre das bearishe Szenario deutlich wahrscheinlicher.
Die Prognosen haben sich dem aktuellen Preis angenähert
Eine interessante Beobachtung Anfang September ist, dass der aktuelle Palladiumpreis bereits mitten im Bereich verschiedener vorsichtiger Prognosen liegt. Bei rund 1.350 US-Dollar ist das JPMorgan-Jahresendziel praktisch erreicht. Zugleich liegt der Markt nur etwa 100 bis 150 Dollar oberhalb jener Region, die verschiedene skeptische Analysten für die zweite Jahreshälfte als möglich ansehen.
Das bedeutet: Für eine Prognose bis Dezember muss heute nicht zwingend eine große neue Trendbewegung angenommen werden. Eine Seitwärtsphase zwischen ungefähr 1.250 und 1.450 US-Dollar wäre mit mehreren aktuellen Einschätzungen vereinbar.
Die wirklich großen Unterschiede entstehen erst an den Rändern. Metals Focus hält zeitweise etwa 1.090 US-Dollar für möglich. Bullischere Analysten sehen dagegen bei physischer Verknappung und stärkeren Investmentzuflüssen weiterhin Potenzial oberhalb von 1.500 oder sogar 1.600 US-Dollar.
Basisszenario bis Dezember: etwa 1.250 bis 1.450 Dollar
Aus den aktuell verfügbaren Prognosen und den seit Mai aktualisierten Fundamentaldaten ergibt sich für die Redaktion ein Basisszenario von ungefähr 1.250 bis 1.450 US-Dollar je Feinunze bis zum Jahresende.
Das ist keine veröffentlichte Einzelprognose eines bestimmten Instituts, sondern eine analytische Einordnung der derzeitigen Erwartungen. Sie berücksichtigt insbesondere das JPMorgan-Ziel von rund 1.350 US-Dollar, den kleinen Überschuss bei Johnson Matthey, die nahezu ausgeglichene Bilanz von Nornickel sowie den später im Jahr erwarteten Fundamentaldruck bei UBS und Metals Focus.
Innerhalb dieses Basisszenarios wäre eine Jahresendnotierung um 1.300 bis 1.400 US-Dollar derzeit plausibler als ein neuer nachhaltiger Anstieg Richtung 2.000 US-Dollar.
Damit würde Palladium 2026 nicht mit einem spektakulären Schlussquartal enden, sondern mit einer Konsolidierung nach den erheblichen Schwankungen des bisherigen Jahres.
Negatives Szenario: etwa 1.050 bis 1.200 Dollar
Ein Rückgang in den Bereich von etwa 1.050 bis 1.200 US-Dollar bleibt bis Dezember durchaus möglich. Dafür müssten nicht einmal außergewöhnliche Ereignisse eintreten.
Ausreichen könnte eine Kombination aus schwacher Automobilproduktion, schneller steigendem Recycling und sinkender Investmentnachfrage. Der von Metals Focus genannte mögliche Tiefpunkt von 1.090 US-Dollar zeigt, dass ein solches Szenario auch bei professionellen Marktanalysten keineswegs außerhalb der erwartbaren Bandbreite liegt.
Zusätzlicher Gegenwind könnte von höheren US-Zinsen und einem stärkeren Dollar kommen. Anfang September preisten die Finanzmärkte bereits eine erhebliche Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen der US-Notenbank ein. Für Palladium ist der Zinseffekt zwar weniger dominant als für Gold, höhere Finanzierungskosten können aber die Lagerhaltung und spekulative Nachfrage belasten.
Für einen nachhaltigen Fall deutlich unter 1.000 US-Dollar wären aus heutiger Sicht dagegen wahrscheinlich stärkere negative Faktoren erforderlich, etwa eine unerwartet tiefe globale Autorezession oder erheblich höhere Recyclingmengen.
Positives Szenario: 1.500 bis etwa 1.700 Dollar
Auch ein Anstieg in den Bereich von 1.500 bis etwa 1.700 US-Dollar kann bis Jahresende nicht ausgeschlossen werden. Dieses Szenario hängt allerdings stärker von Überraschungen ab als das Basisszenario.
Der wichtigste Auslöser wäre eine erneute Verknappung auf der Angebotsseite. Die russische Produktion ist bereits schwächer als zu Jahresbeginn erwartet. Zusätzliche Produktionsprobleme in Russland oder Südafrika könnten die aktuell ohnehin knappe Marktbilanz schnell verändern.
Ein zweiter Faktor wäre eine enttäuschende Entwicklung beim Recycling. Sowohl Johnson Matthey als auch Nornickel rechnen mit einer deutlichen Erholung der Rückgewinnung aus alten Autokatalysatoren. Bleiben diese Mengen hinter den Erwartungen zurück, fällt ein zentraler Baustein der Überschussprognose weg.
Drittens könnte Investmentnachfrage den Markt enger machen. Bei Nornickels Berechnung reichen bereits rund 300.000 Unzen zusätzliche Bestandskäufe aus, um den rechnerischen industriellen Überschuss vollständig aufzunehmen.
Ein solcher Markt ist anfällig für schnelle Aufwärtsbewegungen. Palladium besitzt im Vergleich zu Gold einen kleinen und weniger liquiden Markt. Schon relativ geringe Veränderungen der physischen Verfügbarkeit oder Positionierung können deshalb überproportionale Kursbewegungen auslösen.
2.000 Dollar erscheinen bis Dezember derzeit nicht als Basisszenario
Mehrere Prognosen aus der LBMA-Befragung enthalten Jahreshochs von 2.000 US-Dollar oder darüber. Diese Werte sollten Anfang September jedoch nicht als aktuelle Jahresendziele interpretiert werden.
Zum einen beziehen sich die genannten Bandbreiten auf das gesamte Kalenderjahr 2026. Zum anderen wurden viele dieser Einschätzungen zu einem Zeitpunkt erstellt, als politische Handelsrisiken und physische Engpässe stärker im Mittelpunkt standen.
Für einen erneuten nachhaltigen Anstieg über 2.000 US-Dollar müsste sich das fundamentale Bild deutlich verschärfen. Denkbar wären größere russische Lieferausfälle, neue Handelsbeschränkungen, ungewöhnlich starke Investmentkäufe oder eine Kombination mehrerer solcher Faktoren.
Ohne einen solchen Auslöser sprechen die aktuellsten konkreten Prognosen eher für einen Jahresendpreis deutlich darunter.
Der wichtigste Unsicherheitsfaktor ist das Recycling
Bei der laufenden Prognose für 2026 fällt auf, wie stark das erwartete Marktgleichgewicht vom Recycling abhängt. Die Primärproduktion soll sinken. Trotzdem rechnen Johnson Matthey und Nornickel nicht mit einem größeren Defizit, weil mehr Palladium aus alten Autokatalysatoren zurückgewonnen werden soll.
Genau diese Annahme ist keineswegs sicher. Fahrzeughalter nutzen Autos länger, Sammel- und Recyclingketten benötigen bei hohen Metallwerten mehr Finanzierungskapital und Material kann über längere Zeiträume in Zwischenlagern verbleiben.
Wenn die prognostizierten Recyclingmengen tatsächlich auf den Markt gelangen, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit einer Seitwärts- oder Abwärtsbewegung bis Dezember. Fallen sie deutlich geringer aus, dürfte sich der Preis eher am oberen Ende der Prognosespanne bewegen.
Hybride verlangsamen den strukturellen Nachfragerückgang
Die langfristige Belastung durch batterieelektrische Fahrzeuge bleibt bestehen. Ein reines Elektroauto benötigt keinen Abgaskatalysator und damit kein Palladium für diesen Einsatzzweck.
Für die Prognose bis Ende 2026 ist allerdings wichtiger, dass der Übergang nicht ausschließlich von Benzinfahrzeugen zu reinen Elektrofahrzeugen verläuft. Hybridmodelle besitzen weiterhin einen Verbrennungsmotor und benötigen eine Abgasnachbehandlung. Ihre Marktanteile haben sich in mehreren Regionen robuster entwickelt als noch vor einigen Jahren erwartet.
Das schützt Palladium kurzfristig vor einem abrupten Nachfrageeinbruch. Es ändert jedoch nicht den langfristigen strukturellen Trend. Deshalb können Palladiumpreise bis Dezember stabil bleiben oder zeitweise steigen, obwohl Analysten für die kommenden Jahre weiterhin wachsende Überschussrisiken sehen.
Palladium ist gegenüber Platin wieder günstiger
Zusätzliche Unterstützung liefert derzeit das Preisverhältnis zu Platin. Anfang September lag Platin deutlich über Palladium. Dadurch hat sich die wirtschaftliche Logik gegenüber den Jahren umgekehrt, in denen Palladium erheblich teurer war.
Für Hersteller kann es dadurch wieder interessant werden, in bestimmten Katalysatorsystemen mehr Palladium und weniger Platin einzusetzen. Dieser Prozess wird als Rücksubstitution bezeichnet.
Für die wenigen Monate bis Dezember sollte der Effekt jedoch nicht überschätzt werden. Änderungen an Katalysatorsystemen benötigen Entwicklungs-, Test- und Zulassungszeiten. Für die mittelfristige Nachfrage ist der Preisvorteil von Palladium trotzdem ein wichtiger Stabilisierungsfaktor.
Was die Prognose bis Jahresende verändern würde
Bis Dezember sind vor allem vier Entwicklungen zu beobachten. Erstens die tatsächliche Minenproduktion in Russland. Weitere Abwärtsrevisionen würden die bullische Seite stärken. Zweitens das Recycling von Autokatalysatoren. Übertrifft es die Erwartungen, dürfte der Preisdruck zunehmen.
Drittens ist die globale Produktion von Benzin- und Hybridfahrzeugen entscheidend. Ein konjunkturell schwacher Herbst würde den größten Nachfragebereich von Palladium unmittelbar treffen. Viertens können Veränderungen der Investmentbestände einen kleinen Überschuss entweder vollständig aufnehmen oder zusätzliches Metall auf den Markt bringen.
Gerade weil die Marktbilanz nach aktuellen Schätzungen nur um wenige hunderttausend Unzen von Überschuss zu Gleichgewicht schwankt, können vergleichsweise kleine Prognosefehler eine große Wirkung haben.
Unser Fazit für den Palladiumpreis Ende 2026
Die aktuellsten Prognosen sprechen Anfang September nicht für eine eindeutige neue Palladiumrallye. Ebenso wenig lässt sich ein kräftiger Preisverfall als wahrscheinlichster Verlauf ableiten.
JPMorgan erwartet zum Jahresende rund 1.350 US-Dollar und damit praktisch das derzeitige Kursniveau. Metals Focus hält im weiteren Jahresverlauf einen Rückgang bis etwa 1.090 US-Dollar für möglich. UBS erwartet später im Jahr wieder stärkeren fundamentalen Gegenwind. Gleichzeitig zeigen Johnson Matthey und Nornickel, dass der erwartete Überschuss klein beziehungsweise nach Einbeziehung der Investmentnachfrage nahezu vollständig verschwunden sein könnte.
Daraus ergibt sich aktuell ein plausibler Schwerpunkt von etwa 1.250 bis 1.450 US-Dollar je Feinunze bis Ende Dezember 2026. Rund 1.350 US-Dollar bildet dabei einen sinnvollen Mittelwert der derzeitigen Situation und liegt zugleich nahe an der konkreten JPMorgan-Jahresendprognose.
Ein Rückgang auf etwa 1.050 bis 1.200 US-Dollar wäre vor allem bei stärkerem Recycling, schwacher Autonachfrage und nachlassendem Anlegerinteresse denkbar. Kurse von 1.500 bis 1.700 US-Dollar würden dagegen eher eine zusätzliche Angebotsverknappung oder neue Investmentkäufe voraussetzen.
Entscheidend ist damit weniger die Frage, ob Palladium grundsätzlich knapp oder überschüssig ist. Entscheidend wird bis Jahresende sein, auf welcher Seite einer sehr kleinen Marktbilanz die tatsächlichen Mengen landen. Genau deshalb bleibt die Prognosespanne trotz des relativ klaren aktuellen Ausgangsniveaus ungewöhnlich breit.
Die genannten Preisbereiche dienen der analytischen Einordnung verschiedener Marktszenarien und stellen keine Anlageberatung oder Zusage einer zukünftigen Preisentwicklung dar.
03.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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