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Rhodium 2026: Der Markt verändert sich

Sinkende Nachfrage aus der Automobilindustrie und steigendes Recycling könnten den Rhodiummarkt erstmals seit Jahren wieder in einen Angebotsüberschuss führen.

 

Rhodium gehört zu den seltensten und teuersten industriell genutzten Edelmetallen der Welt. Das silberweiß glänzende Metall ist vor allem für die Automobilindustrie unverzichtbar. Doch 2026 zeichnet sich eine Veränderung ab: Während die Nachfrage aus der Fahrzeugproduktion nachlässt, gelangt zunehmend Rhodium aus dem Recycling gebrauchter Katalysatoren zurück auf den Markt.

Nach der im Mai veröffentlichten Marktanalyse des Edelmetallspezialisten Johnson Matthey könnte der weltweite Rhodiummarkt 2026 einen kleinen Angebotsüberschuss erreichen. Für ein Metall, dessen Preis in der Vergangenheit extreme Schwankungen erlebt hat, ist diese Entwicklung besonders bemerkenswert.

 

Warum Rhodium so wertvoll ist

 

Rhodium trägt das chemische Symbol Rh und die Ordnungszahl 45. Es gehört gemeinsam mit Platin, Palladium, Ruthenium, Iridium und Osmium zur Gruppe der Platinmetalle. Das Edelmetall zeichnet sich durch hohe Korrosionsbeständigkeit, einen hohen Schmelzpunkt und hervorragende katalytische Eigenschaften aus.

Seine wichtigste Verwendung findet Rhodium in Fahrzeugkatalysatoren. Dort unterstützt es insbesondere die Umwandlung gesundheitsschädlicher Stickoxide in weniger schädliche Bestandteile des Abgases. Gerade bei Benzinfahrzeugen mit modernen Abgasreinigungssystemen spielt Rhodium deshalb eine wichtige Rolle.

Anders als Gold wird Rhodium kaum gezielt als eigenständiges Hauptprodukt gefördert. Es entsteht überwiegend als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Platinmetalle. Dadurch lässt sich die Fördermenge selbst bei steigenden Preisen nicht kurzfristig beliebig erhöhen.

 

Rhodium 2026: Nachfrage könnte um sechs Prozent sinken

 

Rhodium als seltenes silberweißes Edelmetall mit metallisch glänzender Oberfläche

Die aktuelle Marktprognose von Johnson Matthey erwartet für 2026 einen Rückgang der weltweiten Rhodiumnachfrage um rund sechs Prozent. Ausschlaggebend ist insbesondere die erwartete geringere Produktion von Fahrzeugen mit Benzinmotor.

Gleichzeitig könnte die Rückgewinnung von Rhodium aus gebrauchten Autokatalysatoren den höchsten Stand seit vier Jahren erreichen. Die zusätzliche Recyclingmenge würde einen Teil der rückläufigen Minenlieferungen ausgleichen.

Auch Heraeus erwartet in seiner Edelmetallprognose für 2026 einen Wechsel von einem leichten Angebotsdefizit zu einem kleinen Überschuss. Beide Analysen weisen damit in dieselbe Richtung, unterscheiden sich jedoch in einzelnen Annahmen zur industriellen Nachfrage.

Ein Überschuss bedeutet allerdings nicht automatisch einen dauerhaft sinkenden Rhodiumpreis. Der vergleichsweise kleine Markt reagiert empfindlich auf Veränderungen der Lagerbestände, industrielle Kaufentscheidungen und Störungen der Rohstoffversorgung.

 

Südafrika bleibt entscheidend für die Versorgung

 

Ein erheblicher Teil der weltweiten Rhodiumförderung stammt aus Südafrika. Besonders bedeutend ist der Bushveld-Komplex, eine der weltweit wichtigsten Lagerstätten für Platinmetalle. Weitere Förderregionen befinden sich unter anderem in Russland und Simbabwe.

Die starke geografische Konzentration macht die Lieferketten anfällig. Energieprobleme, steigende Produktionskosten, Arbeitskonflikte oder technische Schwierigkeiten im Bergbau können das verfügbare Angebot beeinflussen.

Hinzu kommt, dass die Gewinnung von Rhodium eng mit der Förderung von Platin und Palladium verbunden ist. Veränderungen der Wirtschaftlichkeit dieser Metalle wirken sich deshalb indirekt auch auf das Rhodiumangebot aus.

 

Elektromobilität verändert den Rhodiummarkt

 

Der langfristige Wandel der Automobilindustrie stellt den Rhodiummarkt vor neue Herausforderungen. Reine Elektroautos benötigen keinen klassischen Abgaskatalysator. Mit zunehmender Verbreitung batterieelektrischer Fahrzeuge könnte daher ein wichtiger Teil der bisherigen Rhodiumnachfrage entfallen.

Allerdings verläuft dieser Wandel regional unterschiedlich. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und zahlreiche Hybridmodelle benötigen weiterhin Abgasreinigungssysteme. Strengere Schadstoffgrenzwerte können zudem den Edelmetallbedarf einzelner Katalysatorsysteme beeinflussen.

Abseits der Automobilindustrie wird Rhodium unter anderem in chemischen Prozessen, speziellen Legierungen und der Glasindustrie eingesetzt. Diese Anwendungen schaffen zusätzliche Nachfrage, können den großen Einfluss des Automobilsektors bislang jedoch nicht vollständig ersetzen.

 

Rhodium als Anlageedelmetall: Chancen und Risiken

 

Im Gegensatz zu Gold und Silber ist der Markt für physisches Rhodium deutlich kleiner. Zwar existieren Rhodiumbarren und andere Anlageprodukte, doch Handel, Preisstellung und Wiederverkauf unterscheiden sich teilweise erheblich von etablierten Edelmetallmärkten.

Besonders zu beachten sind die teils großen Unterschiede zwischen Ankaufs- und Verkaufspreisen sowie die eingeschränkte Marktliquidität. Auch die sichere Lagerung und die spätere Veräußerbarkeit spielen eine wichtige Rolle.

Die außergewöhnlichen Preisschwankungen der vergangenen Jahre verdeutlichen, wie stark Rhodium von industriellen Entwicklungen beeinflusst wird. Seine Seltenheit allein ist keine Garantie für steigende Preise.

 

Ausblick: Recycling gewinnt weiter an Bedeutung

 

Für die weitere Entwicklung des Rhodiummarktes werden vor allem drei Faktoren entscheidend sein: die weltweite Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, die Förderentwicklung in Südafrika und die Verfügbarkeit von recyceltem Material.

Sollte sich der prognostizierte Angebotsüberschuss 2026 bestätigen, könnte dies den Markt nach mehreren Jahren angespannter Versorgung stabilisieren. Unerwartete Produktionsausfälle oder eine stärkere Nachfrage nach Hybridfahrzeugen könnten diese Entwicklung jedoch verändern.

Rhodium bleibt damit ein außergewöhnliches Edelmetall, dessen wirtschaftliche Bedeutung weit über seine geringe Bekanntheit in der Öffentlichkeit hinausgeht. Gerade der Strukturwandel in der Automobilindustrie macht den Rohstoffmarkt langfristig besonders interessant.

Weiterführende Informationen bieten der PGM-Marktbericht 2026 von Johnson Matthey, die Edelmetallprognose 2026 von Heraeus sowie die Rohstoffinformationen des US Geological Survey.

 

12.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 








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