Diese Rohstoffe könnten 2027 im Überangebot sein
Nickel, Kupfer und Erdöl stehen im Fokus: Neue Produktionskapazitäten könnten 2027 für Überschüsse sorgen. Doch die Risiken unterscheiden sich erheblich.
Auf mehreren Rohstoffmärkten zeichnet sich für 2027 ein mögliches Überangebot ab. Neue Förderprojekte, zusätzliche Raffineriekapazitäten und eine teilweise schwächere Nachfrage könnten dazu führen, dass mehr Rohstoffe produziert als verbraucht werden. Besonders interessant sind die Entwicklungen bei Nickel, Kupfer und Erdöl. Allerdings bedeutet ein rechnerischer Angebotsüberschuss nicht automatisch fallende Preise.
Nickel – wachsender Überschuss erwartet
Für Nickel erwartet die International Nickel Study Group (INSG) im Jahr 2027 einen weltweiten Angebotsüberschuss von rund 70.000 Tonnen. Für 2026 prognostiziert die Organisation lediglich 19.000 Tonnen. Die weltweite Nickelproduktion könnte 2027 auf 4,07 Millionen Tonnen steigen, während die Nachfrage voraussichtlich etwa 4 Millionen Tonnen erreicht.
Ein wesentlicher Faktor bleibt Indonesien mit seinen großen Förder- und Verarbeitungskapazitäten. Gleichzeitig begrenzt der zunehmende Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien den Nickelbedarf bestimmter Elektrofahrzeuge. Produktionsbeschränkungen in Indonesien könnten den erwarteten Überschuss allerdings verringern.
Kupfer – überraschender Überschuss trotz Energiewende

Auch bei raffiniertem Kupfer könnte 2027 mehr Material verfügbar sein als benötigt wird. Die International Copper Study Group (ICSG) rechnet mit einem Überschuss von rund 368.000 Tonnen, nachdem für 2026 etwa 104.000 Tonnen erwartet werden.
Neue und erweiterte Schmelz- und Raffineriekapazitäten, insbesondere in Indonesien, Indien und der Europäischen Union, sollen das Angebot erhöhen. Die Nachfrage aus Stromnetzen, Elektromobilität und Rechenzentren wächst zwar weiter, könnte den zusätzlichen Ausstoß jedoch nicht vollständig aufnehmen.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen raffiniertem Kupfer und Kupferkonzentrat: Ein Überschuss an raffiniertem Metall bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch ausreichend Minenmaterial vorhanden ist.
Erdöl – ein möglicher Überschuss mit großen Unsicherheiten
Beim Erdöl hängt die Entwicklung 2027 besonders stark von der geopolitischen Lage ab. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte bereits im Sommer eine deutliche Erholung der weltweiten Förderung für 2027 erwartet.
Im Oktoberbericht weist die IEA allerdings weiterhin auf knappe Lagerbestände und erhebliche Versorgungsrisiken hin. Ein Angebotsüberschuss könnte erst im Verlauf des Jahres 2027 entstehen, sofern sich Fördermengen und Transportwege normalisieren. Insbesondere bei Diesel und anderen Mitteldestillaten könnten Engpässe länger bestehen bleiben.
Lithium und Kobalt – mögliche Risiken, aber keine sichere Prognose
Bei Lithium und Kobalt besteht ebenfalls das Risiko regionaler oder produktspezifischer Überschüsse. Beide Märkte werden durch den Ausbau der Batterieproduktion, Veränderungen der Zellchemie und neue Förderkapazitäten beeinflusst.
Für Lithium ist die Lage jedoch weniger eindeutig geworden, nachdem Produktionskürzungen und eine anziehende Nachfrage die zuvor bestehenden Überschüsse teilweise reduziert haben. Auch bei Kobalt hängt die Marktbilanz stark von Förderentscheidungen und Exportregelungen wichtiger Produzenten ab. Eine belastbare Aussage über einen weltweiten Überschuss im Jahr 2027 lässt sich daraus derzeit nicht ableiten.
Ausblick – mehr Angebot bedeutet nicht automatisch niedrigere Preise
Unter den betrachteten Rohstoffen verfügen Nickel und raffiniertes Kupfer derzeit über besonders konkrete Überschussprognosen für 2027. Beim Erdöl ist ein späterer Angebotsüberhang möglich, bleibt jedoch stark von geopolitischen Entwicklungen abhängig.
Entscheidend werden die tatsächliche Inbetriebnahme neuer Anlagen, die industrielle Nachfrage und mögliche Produktionskürzungen sein. Schon kleinere Veränderungen dieser Faktoren können aus einem erwarteten Überschuss wieder einen ausgeglichenen Markt machen.
Die Prognosen beruhen auf dem Informationsstand vom 21. Oktober 2026 und sind keine Garantie für die tatsächliche Marktentwicklung.
Quellen: International Nickel Study Group (INSG), International Copper Study Group (ICSG) und IEA Oil Market Report Oktober 2026.
21.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage
Bewertungen und Kommentare