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Milliardenstrafe für Bank of America

Wegen schwerer Versäumnisse bei der Geldwäschebekämpfung und verdächtiger Transaktionen mit Verbindungen zu chinesischen Netzwerken verhängen US-Behörden eine Rekordstrafe gegen die zweitgrößte Bank der Vereinigten Staaten.

 

Die Bank of America muss wegen gravierender Verstöße gegen amerikanische Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften mehr als 1,21 Milliarden US-Dollar zahlen. Das US-Finanzministerium gab die Maßnahmen am 13. Oktober 2026 bekannt. Nach Erkenntnissen der Aufsichtsbehörden hatte das Kreditinstitut verdächtige Finanztransaktionen im Umfang von mehr als fünf Milliarden Dollar nicht rechtzeitig und ordnungsgemäß gemeldet. Darunter befanden sich Vorgänge mit möglichen Verbindungen zu chinesischen Geldwäschenetzwerken, organisierter Kriminalität und illegalen Finanzströmen an der amerikanisch-mexikanischen Grenze.

Die Sanktionen gehören zu den höchsten, die das US-Finanzministerium jemals verhängt hat. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass die Bank trotz jahrelanger Hinweise auf erhebliche Schwächen ihrer internen Kontrollsysteme keine ausreichenden Gegenmaßnahmen ergriffen habe. Die Affäre wirft grundlegende Fragen zur Wirksamkeit der Geldwäscheüberwachung international tätiger Großbanken auf.

 

Verdächtige Transaktionen über fünf Milliarden Dollar

 

Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die unzureichende Überwachung umfangreicher Zahlungsströme. Nach Angaben des amerikanischen Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) versäumte die Bank of America die rechtzeitige Meldung verdächtiger Transaktionen im Gesamtwert von mehr als fünf Milliarden Dollar.

Mehr als eine Milliarde Dollar dieser Transaktionen betrafen nach Einschätzung der Behörden besonders sensible Risiken für die nationale Sicherheit oder andere vorrangige Bereiche der Bekämpfung illegaler Finanzgeschäfte.

Zu den untersuchten Vorgängen gehörten Zahlungsbewegungen, die auf chinesische Geldwäschenetzwerke, Betrugsaktivitäten und möglicherweise handelsbasierte Geldwäsche hindeuteten. Auch Verbindungen zu verdächtigen Finanzströmen entlang der südwestlichen US-Grenze spielten eine Rolle.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen verdächtigen und nachweislich illegalen Transaktionen: Die genannten fünf Milliarden Dollar stellen nicht automatisch einen gerichtlich bestätigten Geldwäschebetrag dar. Der zentrale Vorwurf lautet, dass die Bank ihre gesetzlichen Überwachungs-, Prüfungs- und Meldepflichten verletzt hat.

 

Warum chinesische Geldwäschenetzwerke im Fokus stehen

 

Chinesische Geldwäschenetzwerke beschäftigen amerikanische Ermittlungsbehörden seit Jahren. Solche Strukturen können grenzüberschreitende Zahlungsströme, Unternehmen, Zwischenhändler und Handelsgeschäfte nutzen, um die Herkunft und den wirtschaftlichen Zweck von Geldern zu verschleiern.

Im aktuellen Verfahren beanstanden die Behörden insbesondere, dass verdächtige Zahlungseingänge unbekannter Dritter und andere Warnsignale nicht angemessen berücksichtigt wurden. Teilweise bestanden mögliche Verbindungen zu Erlösen aus dem Drogenhandel sowie zu betrügerischen oder handelsbasierten Finanztransaktionen.

Für internationale Banken sind solche Vorgänge besonders schwierig zu kontrollieren, wenn zahlreiche Konten, Unternehmen und Zahlungsdienstleister in unterschiedlichen Ländern beteiligt sind. Gerade deshalb verlangen die Aufsichtsbehörden risikobasierte Prüfverfahren, eine nachvollziehbare Kundenidentifizierung und wirksame Systeme zur Erkennung ungewöhnlicher Transaktionsmuster.

Die amerikanischen Behörden werfen der Bank of America vor, diese Anforderungen über längere Zeit nicht ausreichend erfüllt zu haben.

 

750 Millionen Dollar allein von der Bankenaufsicht

 

Bank of America im Fokus amerikanischer Bankenaufsicht nach Milliardenstrafe wegen Geldwäschekontrollen

Die Sanktionen setzen sich aus mehreren aufsichtsrechtlichen Maßnahmen zusammen. FinCEN verhängte eine Geldbuße von 1,2 Milliarden Dollar. Darin werden 750 Millionen Dollar berücksichtigt, die das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) als eigene Strafe festgesetzt hat. Die beiden Beträge dürfen deshalb nicht einfach addiert werden.

Die OCC-Strafe ist nach Angaben der Behörde die höchste ihrer Geschichte. Hinzu kommt ein Vergleich über rund 11,6 Millionen Dollar mit dem Office of Foreign Assets Control (OFAC), der mutmaßliche Verstöße gegen verschiedene amerikanische Sanktionsprogramme betrifft.

Die gesamten finanziellen Sanktionen belaufen sich damit auf mehr als 1,21 Milliarden Dollar.

Nach Darstellung des US-Finanzministeriums handelt es sich um die drittgrößte Strafmaßnahme dieser Art in seiner Geschichte. Die Höhe verdeutlicht, welche Bedeutung die amerikanischen Behörden der Bekämpfung illegaler Finanzströme inzwischen beimessen.

 

Warnungen bereits seit Jahren bekannt

 

Besonders belastend für das Kreditinstitut ist die Vorgeschichte. Bereits im Dezember 2024 hatte die amerikanische Bankenaufsicht Maßnahmen zur Verbesserung des Geldwäschekontrollsystems angeordnet.

Die jetzt veröffentlichten Untersuchungsergebnisse zeigen jedoch, dass wesentliche Mängel auch danach fortbestanden. Verdächtige Aktivitäten wurden teilweise nicht an zuständige Ermittler innerhalb der Bank weitergeleitet. Andere Vorgänge blieben über längere Zeit unbearbeitet oder wurden erst verspätet gemeldet.

Nach Einschätzung der OCC fehlten wichtigen Mitarbeitern außerdem ausreichende Fachkenntnisse und Schulungen. Auch interne Prüfverfahren hätten bestehende Probleme nicht zuverlässig erkannt.

Die Behörden kritisieren zudem, dass sich die Bank bei der Entdeckung verdächtiger Transaktionen teilweise zu stark auf Hinweise anderer Finanzinstitute oder staatlicher Ermittlungsstellen verlassen habe, anstatt ihre eigenen Überwachungssysteme wirksam einzusetzen.

Das US-Finanzministerium stellt ausdrücklich fest, dass die Bank trotz bekannter Kontrollprobleme wirtschaftliche Interessen und die Schonung interner Ressourcen gegenüber notwendigen Verbesserungen bevorzugt habe.

 

Auch Russland und Iran spielen eine Rolle

 

Neben den Versäumnissen bei der Geldwäschebekämpfung umfasst das Verfahren mögliche Verstöße gegen amerikanische Wirtschaftssanktionen.

Das OFAC vereinbarte mit der Bank einen Vergleich über rund 11,6 Millionen Dollar. Betroffen waren unter anderem Sanktionsprogramme im Zusammenhang mit Russland, Iran, Drogenkriminalität und internationalem Terrorismus.

Damit reicht der Fall über die Verbindungen zu chinesischen Geldwäschenetzwerken hinaus. Er betrifft grundlegende Schwächen bei der Kontrolle internationaler Finanzgeschäfte und der Einhaltung amerikanischer Vorschriften.

Für weltweit tätige Banken ist die Einhaltung solcher Regeln besonders anspruchsvoll, weil Zahlungsströme häufig mehrere Staaten und unterschiedliche regulatorische Systeme berühren. Die gesetzlichen Verpflichtungen zur Prüfung und Überwachung bleiben dennoch bestehen.

 

Milliardenstrafe belastet die Geschäftszahlen

 

Die finanziellen Folgen treffen die Bank of America unmittelbar. Nach Angaben des Instituts dürfte die Strafzahlung den Gewinn je Aktie im dritten Quartal 2026 um ungefähr 17 US-Cent verringern.

Die Ankündigung erfolgte unmittelbar vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen und belastete zunächst auch die Stimmung am Aktienmarkt. Im nachbörslichen Handel gerieten die Papiere zeitweise unter Verkaufsdruck.

Über den einmaligen finanziellen Effekt hinaus könnten zusätzliche Ausgaben für Kontrollsysteme, Personal, externe Prüfungen und regulatorische Anforderungen entstehen.

Die Bank erklärte, sie arbeite an der Beseitigung der beanstandeten Mängel und habe bereits erhebliche Mittel in die Bekämpfung von Finanzkriminalität investiert.

 

Unabhängige Prüfer sollen weitere Vorgänge untersuchen

 

Mit der Zahlung allein ist das Verfahren für die Bank nicht abgeschlossen. Die Aufsichtsbehörden verlangen zusätzliche organisatorische und technische Verbesserungen.

Ein unabhängiger Dritter soll bislang nicht ausreichend erkannte verdächtige Transaktionen rückwirkend untersuchen. Außerdem sind externe Überprüfungen der Transaktionsüberwachung, der Kundenkontrollen und der Sorgfaltspflichten im internationalen Korrespondenzbankgeschäft vorgesehen.

Auch die Qualität und Verfügbarkeit der Daten, auf denen die Geldwäschekontrollen beruhen, werden untersucht.

Die Auflagen sollen sicherstellen, dass verdächtige Vorgänge künftig frühzeitig erkannt, nachvollziehbar geprüft und fristgerecht an die zuständigen Behörden gemeldet werden.

 

Welche Bedeutung hat der Fall für internationale Banken?

 

Die Milliardenstrafe zeigt, dass die amerikanischen Aufsichtsbehörden nicht nur nachgewiesene illegale Finanzgeschäfte verfolgen, sondern auch erhebliche organisatorische Versäumnisse bei deren Erkennung und Meldung sanktionieren.

Besonders relevant ist dies für große internationale Kreditinstitute, die täglich enorme Zahlungsvolumina abwickeln. Selbst leistungsfähige technische Überwachungssysteme können ihre Aufgabe verfehlen, wenn Warnmeldungen nicht konsequent bearbeitet, Risiken falsch eingeschätzt oder interne Prüfungen unzureichend durchgeführt werden.

Für europäische Banken ist der Fall ebenfalls von Bedeutung. Auch in der Europäischen Union werden die Vorschriften zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung weiter vereinheitlicht und die grenzüberschreitende Aufsicht gestärkt.

Die neue europäische Anti-Geldwäschebehörde AMLA mit Sitz in Frankfurt soll dabei eine zentrale Rolle übernehmen. Der Fall Bank of America unterstreicht, warum Aufsichtsbehörden zunehmend auf die tatsächliche Wirksamkeit interner Kontrollsysteme achten und sich nicht allein mit deren formaler Existenz zufriedengeben.

 

Ein schwerer Reputationsschaden für die US-Großbank

 

Die Bank of America gehört zu den wichtigsten Finanzinstituten der Welt. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit, die das Verfahren international hervorruft.

Die Kombination aus Milliardenstrafe, jahrelang bekannten Kontrollmängeln und möglichen Verbindungen zu internationalen Geldwäschenetzwerken stellt eine erhebliche Belastung für das Vertrauen in die internen Kontrollstrukturen des Instituts dar.

Entscheidend wird nun sein, ob die Bank die angeordneten Verbesserungen nachhaltig umsetzt und unabhängige Prüfungen eine deutliche Verringerung der festgestellten Risiken bestätigen.

Der Fall verdeutlicht zugleich ein grundlegendes Problem des internationalen Finanzsystems: Die enorme Geschwindigkeit und Komplexität globaler Zahlungsströme verlangt Kontrollmechanismen, die nicht nur technisch vorhanden sind, sondern auch im täglichen Geschäft zuverlässig funktionieren.

Für die Bank of America endet die Angelegenheit deshalb nicht mit der Zahlung von 1,21 Milliarden Dollar. Die Wiederherstellung wirksamer Kontrollstrukturen dürfte das Institut noch längere Zeit beschäftigen.

 

Quellen: US-Finanzministerium – Maßnahmen gegen Bank of America vom 13. Oktober 2026; OCC – Aufsichtsrechtliche Strafmaßnahme; Reuters – Berichterstattung zur Milliardenstrafe.

 

14.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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