Edelmetall Abendbericht 02.10.2026
Gold, Silber, Platin und Palladium geben nach – schwache US-Arbeitsmarktdaten reichen gegen hohe Renditen nicht aus
Der Freitag brachte den Edelmetallen zum Wochenschluss erneut Gegenwind. Obwohl überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve im Oktober deutlich reduzierten, konnten Gold, Silber, Platin und Palladium ihre anfänglichen Gewinne nicht halten. Hohe langfristige US-Renditen und ein weiterhin starker Dollar bestimmten am Abend wieder das Bild.
Gold notierte im späteren US-Handel bei rund 4.140 US-Dollar je Feinunze und damit etwa 0,9 Prozent niedriger. Silber verlor rund 0,8 Prozent auf 60,36 US-Dollar, Platin gab etwa 2 Prozent auf 1.693 US-Dollar nach und Palladium lag mit rund 1.166 US-Dollar ungefähr 0,5 Prozent im Minus. Damit steuern alle vier Edelmetalle auf Wochenverluste zu.
Schwacher Arbeitsmarkt hilft Gold nur vorübergehend
Die wichtigste Nachricht des Tages kam aus den USA. Im September entstanden außerhalb der Landwirtschaft lediglich 29.000 neue Stellen. Erwartet worden waren rund 90.000. Gleichzeitig stieg die Arbeitslosenquote auf 4,2 Prozent und frühere Beschäftigungszahlen wurden nach unten korrigiert.

Gold reagierte zunächst mit einem Anstieg von mehr als einem Prozent. Im weiteren Handel drehte der Preis jedoch wieder ins Minus. Nach Angaben von Reuters lag Gold am Abend rund 3,4 Prozent unter dem Niveau vom Beginn der Handelswoche.
Der Arbeitsmarktbericht hat dennoch die kurzfristigen Zinserwartungen verändert. Am Terminmarkt wurde eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve im Oktober am Abend nur noch mit ungefähr 22 Prozent eingepreist. Vor wenigen Tagen war diese Wahrscheinlichkeit noch deutlich höher. Einen aktuellen Überblick über die Markterwartungen bietet das CME FedWatch Tool.
US-Renditen bleiben der entscheidende Belastungsfaktor
Warum Gold trotz schwacher Arbeitsmarktdaten wieder fiel, zeigt vor allem der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank unmittelbar nach Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts zunächst, drehte anschließend jedoch wieder nach oben und erreichte im späteren Handel etwa 5,29 Prozent. Am Vortag war mit rund 5,34 Prozent zeitweise der höchste Stand seit 2002 erreicht worden.
Für Gold ist diese Entwicklung besonders wichtig. Hohe Renditen erhöhen die Opportunitätskosten einer unverzinsten Goldposition. Solange langfristige Staatsanleihen Renditen oberhalb von fünf Prozent bieten, benötigt Gold entsprechend starke Gegenimpulse durch fallende Realzinsen, einen schwächeren Dollar oder eine zunehmende Nachfrage nach sicheren Anlagen.
Euro bleibt schwach gegenüber dem Dollar
Auch der Devisenmarkt bleibt für europäische Edelmetallkäufer relevant. Der offizielle Referenzkurs der Europäischen Zentralbank lag am 2. Oktober bei 1,1225 US-Dollar je Euro. Einen Tag zuvor waren es noch 1,1298 US-Dollar gewesen.
Im späteren US-Handel konnte sich der Euro etwas auf rund 1,126 Dollar erholen. Auf Wochensicht blieb der Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung dennoch deutlich stärker. Für Anleger im Euroraum mildert ein schwächerer Euro Kursverluste von Gold in US-Dollar teilweise ab. Der Euro-Goldpreis kann sich deshalb anders entwickeln als die international beobachtete Dollar-Notierung.
Silber, Platin und Palladium unter Verkaufsdruck
Silber konnte die Marke von 60 US-Dollar bislang verteidigen, zeigte mit rund 60,36 US-Dollar jedoch ebenfalls Schwäche. Technisch bleibt diese runde Marke kurzfristig wichtig. Oberhalb von 60 US-Dollar ist eine Stabilisierung möglich; darunter würde sich der Blick zunächst wieder auf die darunterliegenden Unterstützungsbereiche richten. Für eine deutlichere Erholung müsste Silber den Bereich um 62 US-Dollar zurückerobern.
Platin entwickelte sich mit einem Tagesverlust von rund zwei Prozent am schwächsten. Mit knapp 1.693 US-Dollar fiel der Preis wieder unter die Marke von 1.700 US-Dollar. Technisch wäre eine Rückkehr über 1.700 und anschließend 1.750 US-Dollar notwendig, um das kurzfristige Bild wieder aufzuhellen.
Palladium notierte bei rund 1.166 US-Dollar. Damit bleibt die Zone um 1.150 bis 1.200 US-Dollar bestimmend. Ein erneuter Anstieg über 1.200 US-Dollar würde das kurzfristige Bild stabilisieren, während ein klarer Bruch von 1.150 US-Dollar weiteren technischen Verkaufsdruck auslösen könnte.
Gold verteidigt bislang den Bereich um 4.100 Dollar
Technisch bleibt Gold nach dem deutlichen September-Rückgang angeschlagen. Der heutige Fehlausbruch nach oben zeigt, dass Erholungsbewegungen weiterhin auf Verkaufsbereitschaft treffen. Der Bereich um 4.100 US-Dollar bildet kurzfristig die wichtigste Unterstützung. Darunter würde die psychologisch bedeutende Marke von 4.000 US-Dollar stärker in den Mittelpunkt rücken.
Auf der Oberseite bleibt zunächst der Bereich um 4.200 US-Dollar entscheidend. Erst eine nachhaltige Rückkehr darüber würde den Verkaufsdruck reduzieren. Nach dem Wochenverlust von rund 3,4 Prozent bleibt die kurzfristige technische Lage damit eher von Konsolidierung und hoher Volatilität geprägt.
Politik und Energiepreise bleiben im Hintergrund präsent
Die geopolitische Lage im Nahen Osten beeinflusst die Edelmetallmärkte weiterhin vor allem über Energiepreise und Inflationserwartungen. Die Auseinandersetzung mit Iran und die angespannte Versorgung mit Ölprodukten hatten die Energiepreise zuletzt deutlich steigen lassen. Am Freitag entspannte sich der Ölmarkt etwas, nachdem europäische Staaten Maßnahmen zur Freigabe von Dieselreserven vereinbart hatten.
Für Gold ergibt sich daraus ein widersprüchlicher Einfluss. Geopolitische Unsicherheit kann die Nachfrage nach sicheren Anlagen erhöhen. Steigende Energiepreise können gleichzeitig die Inflation länger hoch halten und damit höhere Zinsen und Anleiherenditen begünstigen. Genau dieser zweite Effekt hat Gold in den vergangenen Wochen deutlich belastet.
Auch die europäischen Anleihemärkte bleiben ein Risikofaktor. Fiskalische und politische Unsicherheit insbesondere in Frankreich hat die Renditeabstände gegenüber deutschen Bundesanleihen deutlich ausgeweitet. Gleichzeitig setzt die Kombination aus höheren Energiepreisen und steigenden Kapitalmarktzinsen den Euro unter Druck.
Abendfazit: Arbeitsmarktdaten ändern das Gesamtbild noch nicht
Der 2. Oktober zeigt deutlich, dass schwächere US-Konjunkturdaten allein derzeit nicht ausreichen, um eine nachhaltige Edelmetallrally auszulösen. Zwar ist eine Zinserhöhung der Federal Reserve im Oktober nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht erheblich unwahrscheinlicher geworden. Gleichzeitig bleiben die langfristigen US-Renditen außergewöhnlich hoch und der Dollar stark.
Gold hält sich bislang oberhalb von 4.100 US-Dollar, während Silber die wichtige 60-Dollar-Marke verteidigt. Platin und Palladium bleiben technisch anfälliger. Für die kommende Woche dürfte entscheidend sein, ob sich der amerikanische Anleihemarkt beruhigt oder die Renditen erneut in Richtung der jüngsten Mehrjahreshochs steigen. Solange hier keine nachhaltige Entspannung eintritt, bleibt der Gegenwind für die Edelmetalle bestehen.
02.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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