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Gallium und Germanium werden strategisch wichtig

Chinas Exportkontrollen zeigen, wie abhängig die europäische Chipindustrie von zwei wenig bekannten Metallen ist. Neue Rohstoffprojekte und Recycling sollen die Versorgung langfristig sichern.

 

In modernen Halbleitern, Glasfasern und Infrarotsystemen stecken Rohstoffe, die außerhalb der Industrie nur wenigen Menschen bekannt sind: Gallium und Germanium. Beide Metalle werden in vergleichsweise kleinen Mengen benötigt, sind für bestimmte technische Anwendungen jedoch schwer zu ersetzen. Gerade diese Kombination macht sie für Europas Industrie zu einem strategischen Thema.

Am 15. Oktober 2026 steht ihre Versorgung erneut im Zusammenhang mit den internationalen Handelskonflikten und dem Ausbau europäischer Rohstoffkapazitäten. China kontrolliert wichtige Teile der Produktion und hat den Export bestimmter Gallium- und Germaniumprodukte bereits 2023 genehmigungspflichtig gemacht. Die im November 2025 beschlossene Aussetzung eines zusätzlichen Exportverbots gegenüber den Vereinigten Staaten hat diese allgemeinen Kontrollen nicht aufgehoben.

Die Europäische Union versucht unterdessen, ihre Rohstoffversorgung breiter aufzustellen. Am 9. Oktober 2026 nahm die EU-Kommission 46 weitere Vorhaben in ihre Liste strategischer Rohstoffprojekte auf. Darunter befinden sich auch Projekte zur Gewinnung und Verarbeitung von Technologiemetallen. Für die Halbleiterindustrie geht es dabei nicht allein um neue Lagerstätten, sondern vor allem um den Zugang zu hochreinen Materialien.

 

Was sind Gallium und Germanium?

 

Gallium ist ein silbrig glänzendes Metall mit dem chemischen Symbol Ga und der Ordnungszahl 31. Eine Besonderheit ist sein niedriger Schmelzpunkt von etwa 29,8 Grad Celsius. Bereits bei Temperaturen knapp oberhalb gewöhnlicher Raumtemperatur kann es flüssig werden.

Für die Elektronikindustrie ist allerdings weniger diese Eigenschaft entscheidend als seine Fähigkeit, mit anderen Elementen leistungsfähige Halbleiterverbindungen zu bilden. Besonders wichtig sind Galliumarsenid (GaAs) und Galliumnitrid (GaN).

Germanium trägt das chemische Symbol Ge und besitzt die Ordnungszahl 32. Es ist ein sprödes, silbrig-graues Halbmetall mit besonderen elektronischen und optischen Eigenschaften. Germaniumverbindungen werden unter anderem in Glasfasern eingesetzt, während hochreines Germanium für bestimmte Halbleiterbauteile, Infrarotoptiken und Spezialdetektoren benötigt wird.

Beide Elemente gehören zu den kritischen Rohstoffen der Europäischen Union. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht aus einer außergewöhnlich großen Verbrauchsmenge, sondern aus ihrer Funktion in spezialisierten industriellen Anwendungen und der konzentrierten internationalen Versorgung.

 

Warum beide Metalle meist als Nebenprodukte entstehen

 

Gallium und Germanium unterscheiden sich von klassischen Bergbaurohstoffen wie Kupfer oder Eisenerz. Sie werden überwiegend nicht in eigenständigen großen Bergwerken gefördert, sondern bei der Gewinnung und Verarbeitung anderer Rohstoffe zurückgewonnen.

Gallium fällt insbesondere bei der Verarbeitung von Bauxit zu Aluminiumoxid an. Während der chemischen Aufbereitung können galliumhaltige Bestandteile aus den Prozesslösungen gewonnen werden. Kleinere Mengen sind auch mit bestimmten Zinklagerstätten verbunden.

Germanium wird vor allem aus germaniumhaltigen Zinkerzen und bestimmten Rückständen der Zinkverarbeitung gewonnen. Historisch spielten außerdem einzelne Kohlevorkommen und damit verbundene Verarbeitungsrückstände eine Rolle.

Diese Herkunft hat wirtschaftliche Konsequenzen. Die verfügbare Menge hängt nicht ausschließlich vom Bedarf an Gallium oder Germanium ab, sondern auch von der Produktion der jeweiligen Hauptmetalle und davon, ob geeignete Rückgewinnungsanlagen vorhanden sind.

Ein steigender Germaniumpreis führt deshalb nicht automatisch zu einer entsprechend höheren Förderung. Neue Kapazitäten benötigen technische Anlagen, Investitionen und geeignete Ausgangsmaterialien.

Für Europa eröffnet diese Besonderheit zugleich Möglichkeiten. Bestehende Hüttenwerke und metallurgische Betriebe könnten durch zusätzliche Rückgewinnungsverfahren zu wichtigen Lieferanten strategischer Nebenmetalle werden.

 

Gallium ermöglicht leistungsfähige Halbleiter

 

Silbrig glänzende Galliumprobe und dunkelgraues Germanium auf einer schlichten Laborarbeitsfläche als kritische Rohstoffe der HalbleiterindustrieDie meisten gewöhnlichen Computerprozessoren und Speicherchips basieren weiterhin überwiegend auf Silizium. Galliumverbindungen kommen dagegen besonders dort zum Einsatz, wo spezielle elektrische oder optische Eigenschaften benötigt werden.

Galliumnitrid ist ein wichtiger Werkstoff für moderne Leistungselektronik. GaN-basierte Bauteile können bei geeigneter Konstruktion hohe Schaltfrequenzen und eine hohe Leistungsdichte ermöglichen. Anwendungen finden sich beispielsweise in kompakten Netzteilen, bestimmten Stromversorgungssystemen und Hochfrequenzelektronik.

Auch für Teile der Telekommunikationsinfrastruktur und Radartechnik sind Galliumverbindungen von Bedeutung. Galliumarsenid wird unter anderem in Hochfrequenzbauteilen und optoelektronischen Komponenten eingesetzt.

Die Vorteile ergeben sich aus den Materialeigenschaften der jeweiligen Verbindung. Galliumnitrid besitzt beispielsweise eine größere Bandlücke als Silizium. Dadurch eignet es sich für bestimmte Anwendungen mit hohen elektrischen Feldstärken und schnellen Schaltvorgängen.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass Gallium Silizium in der gesamten Chipindustrie ersetzen wird. Beide Materialien bedienen unterschiedliche technische Anforderungen und werden häufig ergänzend eingesetzt.

 

Germanium verbindet Glasfasertechnik und Infrarotoptik

 

Germanium besitzt ein anderes industrielles Anwendungsprofil. Nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) gehören Glasfasertechnik, Infrarotoptik, Halbleiteranwendungen, Solarzellen und Strahlungsdetektoren zu seinen wesentlichen Einsatzgebieten.

Bei der Herstellung bestimmter Glasfasern werden Germaniumverbindungen verwendet, um die optischen Eigenschaften des Glases gezielt einzustellen. Germaniumdioxid kann beispielsweise den Brechungsindex des Glaskerns verändern.

In der Infrarotoptik wird Germanium wegen seiner Durchlässigkeit für bestimmte infrarote Wellenlängen eingesetzt. Daraus entstehen optische Komponenten für Wärmebildsysteme, industrielle Messtechnik und ausgewählte Sicherheitsanwendungen.

Eine weitere Verwendung sind spezielle Mehrfachsolarzellen für die Raumfahrt. Hier kann Germanium als Substrat für leistungsfähige Halbleiterschichten dienen.

Auch hochreine Germaniumdetektoren spielen in der Strahlungsmesstechnik eine Rolle. Sie ermöglichen eine präzise Untersuchung bestimmter radioaktiver Strahlungsquellen.

Damit reicht die industrielle Bedeutung des Metalls weit über klassische Computerchips hinaus. Insbesondere Telekommunikation, optische Messtechnik und Raumfahrt benötigen geeignete Germaniumqualitäten.

 

Chinas Exportkontrollen bleiben ein Versorgungsrisiko

 

China nimmt bei beiden Rohstoffen eine dominante Stellung ein. Nach den Mineral Commodity Summaries 2026 des USGS blieb das Land 2025 der weltweit führende Produzent von primärem Gallium und ein zentraler Hersteller von Germanium.

Bereits im August 2023 führte China Exportgenehmigungspflichten für bestimmte Gallium- und Germaniumprodukte ein. Die Maßnahmen betrafen unter anderem Rohstoffe und Verbindungen, die in spezialisierten Halbleiteranwendungen verwendet werden.

Im Dezember 2024 verschärfte die chinesische Regierung ihre Beschränkungen gegenüber den Vereinigten Staaten und untersagte dort bestimmte Ausfuhren dieser Materialien.

Am 9. November 2025 wurde dieses zusätzliche Verbot gegenüber den USA bis zum 27. November 2026 ausgesetzt. Die allgemeinen Exportgenehmigungspflichten blieben jedoch bestehen.

Für europäische Unternehmen ist diese Unterscheidung wichtig: Eine Lockerung bilateraler Beschränkungen bedeutet nicht, dass die betreffenden Rohstoffe weltweit wieder ohne Genehmigungsverfahren gehandelt werden können.

Exportkontrollen können Lieferzeiten verlängern, zusätzliche Dokumentationspflichten schaffen und Unternehmen dazu veranlassen, höhere Sicherheitsbestände aufzubauen. Ihre tatsächlichen Auswirkungen unterscheiden sich allerdings nach Produkt, Herkunft, Endverwendung und erteilter Genehmigung.

 

Wie stark die Handelsbeschränkungen den Markt beeinflussen

 

Die Folgen lassen sich besonders beim Germanium beobachten. Laut USGS gingen die gemeldeten chinesischen Ausfuhren von Germaniummetall in den ersten neun Monaten 2025 auf 7.520 Kilogramm zurück. Im entsprechenden Zeitraum 2024 waren es noch 18.787 Kilogramm gewesen.

Gleichzeitig stieg der europäische Preis für Germaniummetall mit einer Reinheit von mindestens 99,999 Prozent zwischen Januar und Oktober 2025 nach USGS-Angaben von rund 3.150 auf 5.380 US-Dollar je Kilogramm.

Diese historischen Werte verdeutlichen die Anspannung des Marktes, sind jedoch keine aktuellen Tagesnotierungen vom Oktober 2026.

Auch die Entwicklung der Importströme zeigt, wie stark politische Entscheidungen die Rohstoffversorgung beeinflussen können. Der USGS schätzte, dass die amerikanischen Importe von Germaniummetall 2025 gegenüber dem Vorjahr um etwa 67 Prozent zurückgingen.

Für industrielle Abnehmer sind dabei nicht nur die Metallpreise relevant. Hochreine Verbindungen, Wafer und andere weiterverarbeitete Produkte besitzen eigene Qualitätsanforderungen und Lieferketten.

Ein Unternehmen kann deshalb auch dann von Engpässen betroffen sein, wenn grundsätzlich noch Rohmaterial auf dem Weltmarkt verfügbar ist.

 

Welche Folgen hat das für Deutschland?

 

Deutschland verfügt über bedeutende Unternehmen in der Chemieindustrie, Elektronik, Optik, Automobilzulieferung und industriellen Messtechnik. Viele dieser Branchen verwenden direkt oder indirekt Spezialmaterialien, die Gallium oder Germanium enthalten.

Für Hersteller von Leistungselektronik ist beispielsweise die zuverlässige Versorgung mit geeigneten GaN-Materialien wichtig. Unternehmen aus der optischen Industrie benötigen dagegen unter anderem hochwertige Germaniumkomponenten oder germaniumhaltige Ausgangsstoffe.

Die wirtschaftlichen Folgen eines Lieferengpasses hängen stark davon ab, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette er auftritt. Ein Ausfall kleiner Mengen eines hochspezialisierten Materials kann unter Umständen größere Produktionsprozesse verzögern.

Gleichzeitig ist nicht jeder deutsche Halbleiterhersteller in gleichem Maße betroffen. Zahlreiche Standardbauteile basieren auf Silizium und benötigen weder Gallium noch Germanium als zentralen Ausgangsrohstoff.

Die Herausforderung besteht deshalb vor allem darin, besonders kritische Anwendungen zu identifizieren und deren Versorgung durch alternative Lieferanten, geeignete Lagerhaltung und langfristige Beschaffungsverträge abzusichern.

 

EU baut strategische Rohstoffprojekte aus

 

Die Europäische Union versucht, ihre Abhängigkeit von einzelnen Rohstofflieferanten durch den Critical Raw Materials Act zu reduzieren. Die Verordnung trat 2024 in Kraft und definiert unter anderem Ziele für europäische Förder-, Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten bis 2030.

Gallium und Germanium gehören zu den strategischen Rohstoffen, deren Versorgung die EU gezielt stärken möchte.

Mit der am 9. Oktober 2026 beschlossenen zweiten Auswahl wurden 46 weitere strategische Projekte innerhalb der Europäischen Union anerkannt. Insgesamt umfasst die europäische Liste einschließlich der zuvor ausgewählten Vorhaben nun 106 Projekte innerhalb und außerhalb der EU.

Zu den neuen Initiativen gehört auch ein Galliumvorhaben in Griechenland. Der Ansatz ist für Europa besonders interessant, weil Gallium bei der Aluminiumoxidproduktion als Nebenprodukt gewonnen werden kann.

Eine solche Rückgewinnung könnte vorhandene industrielle Prozesse nutzen, anstatt ausschließlich auf die Erschließung eigenständiger Lagerstätten zu setzen.

Die Anerkennung als strategisches Projekt erleichtert bestimmte Genehmigungs- und Finanzierungsprozesse. Sie bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Anlagen bereits produzieren oder automatisch eine direkte EU-Finanzierung erhalten.

Für Germanium ist neben neuen Rückgewinnungsanlagen auch die Nutzung bestehender metallurgischer Infrastruktur relevant. Dazu gehören Zinkverarbeitung, geeignete industrielle Rückstände und hochspezialisierte Raffinationsverfahren.

 

Recycling könnte die Versorgung ergänzen

 

Gallium und Germanium lassen sich grundsätzlich zurückgewinnen. Besonders interessant sind dabei Produktionsreste, Ausschussmaterialien und bestimmte industrielle Altprodukte.

Bei Gallium können Rückstände aus der Halbleiterfertigung, beispielsweise aus der Verarbeitung galliumhaltiger Verbindungshalbleiter, geeignete Ausgangsmaterialien darstellen.

Germanium lässt sich unter anderem aus bestimmten optischen Komponenten, Produktionsresten und industriellen Rückständen zurückgewinnen.

Die Wirtschaftlichkeit hängt allerdings stark von der Konzentration des jeweiligen Metalls ab. In vielen Endprodukten sind Gallium und Germanium nur in kleinen Mengen enthalten oder fest mit anderen Materialien verbunden.

Dadurch wird die Trennung aufwendig. Bei hochreinen Produktionsabfällen ist Recycling häufig leichter umzusetzen als bei gemischten Elektroaltgeräten.

Ein zusätzlicher Vorteil besteht darin, dass die Rückgewinnung vorhandener Materialien den Bedarf an neu gewonnenen Rohstoffen reduzieren kann. Recycling ersetzt jedoch nicht automatisch den Aufbau neuer Produktions- und Raffinationskapazitäten.

Die Versorgungssicherheit hängt letztlich davon ab, ob ausreichend geeignete Altmaterialien verfügbar sind und die zurückgewonnenen Stoffe wieder die erforderlichen Qualitätsstandards erreichen.

 

Welche Alternativen gibt es zu Gallium und Germanium?

 

Für bestimmte Anwendungen können andere Materialien eingesetzt werden. Eine universelle Alternative für sämtliche Einsatzgebiete existiert jedoch nicht.

In der Leistungselektronik konkurrieren Galliumnitrid, Silizium und Siliziumkarbid in unterschiedlichen Anwendungsbereichen. Siliziumkarbid eignet sich beispielsweise für zahlreiche Hochspannungs- und Hochleistungsanwendungen. Galliumnitrid bietet dagegen bei bestimmten Schaltungen Vorteile durch hohe Schaltfrequenzen und kompakte Bauformen.

Ob eine Substitution möglich ist, hängt von Spannungsbereich, Temperatur, Wirkungsgrad, Kosten und der Konstruktion des jeweiligen Bauteils ab.

Bei Infrarotoptiken können je nach Wellenlängenbereich und Einsatzgebiet Materialien wie Zinkselenid oder spezielle optische Gläser eine Alternative zu Germanium darstellen.

Auch in der Glasfasertechnik existieren unterschiedliche Materialzusammensetzungen. Allerdings können veränderte Herstellungsverfahren zusätzliche Entwicklungs- und Qualifizierungskosten verursachen.

Eine technische Alternative ist deshalb nicht automatisch wirtschaftlich oder kurzfristig verfügbar. Besonders in sicherheitskritischen und hochspezialisierten Anwendungen sind umfangreiche Prüfungen erforderlich.

 

Häufige Fragen zu Gallium und Germanium

 

Warum sind Gallium und Germanium kritische Rohstoffe?

Beide Metalle werden für spezialisierte industrielle Anwendungen benötigt. Ihre Produktion ist international stark konzentriert, während die kurzfristige Ausweitung des Angebots durch die Gewinnung als Nebenprodukte erschwert wird.

Wird Gallium in allen Computerchips verwendet?

Nein. Die meisten herkömmlichen Prozessoren und Speicherchips basieren überwiegend auf Silizium. Galliumverbindungen werden besonders für bestimmte Hochfrequenz-, Leistungs- und optoelektronische Anwendungen benötigt.

Warum ist Germanium für Glasfasern wichtig?

Germaniumverbindungen können bei der Glasfaserherstellung verwendet werden, um optische Eigenschaften wie den Brechungsindex gezielt zu beeinflussen.

Hat China den Export von Gallium und Germanium vollständig verboten?

Nein. Für bestimmte Produkte gelten Exportgenehmigungspflichten. Ein zusätzliches Exportverbot gegenüber den USA wurde im November 2025 vorübergehend ausgesetzt. Die allgemeinen Kontrollen bestehen weiterhin.

Kann Deutschland Gallium und Germanium selbst herstellen?

Die Rückgewinnung und Raffination sind technisch grundsätzlich möglich. Entscheidend sind geeignete Ausgangsmaterialien, industrielle Anlagen, wirtschaftliche Produktionsbedingungen und ausreichende Verarbeitungskapazitäten.

 

Ausblick: Europas Chipindustrie braucht mehr als neue Bergwerke

 

Gallium und Germanium zeigen, wie eng moderne Hochtechnologie mit der Versorgung durch spezialisierte Rohstoffmärkte verbunden ist. Schon geringe Materialmengen können für die Herstellung leistungsfähiger elektronischer und optischer Komponenten entscheidend sein.

Die chinesischen Exportkontrollen haben deutlich gemacht, dass internationale Lieferketten nicht ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren. Handelsrechtliche Entscheidungen können die Verfügbarkeit einzelner Materialien erheblich beeinflussen.

Europa reagiert mit neuen Rohstoffprojekten, industriellen Partnerschaften und dem Ausbau eigener Verarbeitungskapazitäten. Besonders die Rückgewinnung aus bestehenden Aluminium- und Zinkprozessen könnte zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.

Die größte Herausforderung liegt dabei nicht allein in der Verfügbarkeit geologischer Vorkommen. Hochreine Gallium- und Germaniumprodukte erfordern spezialisierte Verfahren, technisches Wissen und zuverlässige industrielle Abnehmer.

Für Deutschland und Europa wird deshalb entscheidend sein, ob neue Projekte wirtschaftlich tragfähige Lieferketten schaffen. Recycling, alternative Materialien und eine breitere internationale Beschaffung können diese Entwicklung unterstützen.

Gallium und Germanium bleiben damit zwei kleine, aber strategisch bedeutende Bausteine der europäischen Technologie- und Rohstoffversorgung.

Weiterführende Informationen bieten die Mineral Commodity Summaries 2026 des USGS, die strategischen Rohstoffprojekte der EU-Kommission und die Reuters-Berichterstattung zu Chinas Exportkontrollen.

 

15.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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