Helium wird zum kritischen Rohstoff

Die USA stufen Helium als strategisch wichtig ein. Warum Chipindustrie, Medizintechnik und Forschung auf das Edelgas angewiesen sind.

Von Rina Teitscheid

Inhaltsverzeichnis

Helium ist vor allem als Gas für Luftballons bekannt. Doch seine wirtschaftliche Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Ohne Helium wären zahlreiche Anwendungen in der Halbleiterindustrie, der medizinischen Bildgebung und der wissenschaftlichen Forschung erheblich schwieriger. Gleichzeitig stammt ein Großteil der weltweiten Förderung aus wenigen Ländern.

Die USA haben darauf reagiert. Das amerikanische Energieministerium (Department of Energy, DOE) gab am 23. Oktober 2026 bekannt, Helium in seine Liste kritischer Materialien aufgenommen zu haben. Die Entscheidung wurde am 27. Oktober im Federal Register veröffentlicht. Begründet wird sie mit der Bedeutung für moderne Technologien und den Risiken internationaler Lieferketten.

Die offizielle Entscheidung ist im US-Bundesregister vom 27. Oktober 2026 dokumentiert.

Damit erhält ein Rohstoff zusätzliche politische Aufmerksamkeit, der zwar nicht zu den klassischen Industriemetallen gehört, aber für wichtige Produktionsprozesse kaum zu ersetzen ist.

 

Warum Helium für die Industrie unverzichtbar ist

 

Helium gehört zu den Edelgasen. Es ist chemisch außerordentlich reaktionsträge, nicht brennbar und besitzt besondere physikalische Eigenschaften. Vor allem sein extrem niedriger Siedepunkt macht es für technische Kühlverfahren interessant.

In der Halbleiterproduktion wird Helium unter anderem für kontrollierte Prozessumgebungen, Kühlung und Dichtheitsprüfungen verwendet. Bei bestimmten Fertigungsschritten sind seine Eigenschaften besonders schwer durch andere Gase zu ersetzen.

Ein weiterer bedeutender Einsatzbereich ist die Medizintechnik. Viele Magnetresonanztomografen (MRT) arbeiten mit supraleitenden Magneten, deren Kühlung flüssiges Helium erfordert. Moderne Geräte können den Heliumverbrauch durch geschlossene Kühlkreisläufe deutlich reduzieren. Der Rohstoff bleibt für zahlreiche bestehende Systeme dennoch wichtig.

Auch in Forschungslaboren, bei der Herstellung von Glasfasern, in der Raumfahrt und bei speziellen Schweißverfahren wird Helium eingesetzt.

 

Weltweite Heliumförderung konzentriert sich auf wenige Länder

 

Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) wurden 2025 weltweit schätzungsweise 190 Millionen Kubikmeter Helium produziert. Die Vereinigten Staaten und Katar stellten gemeinsam ungefähr drei Viertel dieser Menge bereit.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Förderländer. Grundlage sind die Schätzungen für 2025 aus den im Februar 2026 veröffentlichten Mineral Commodity Summaries. Die Prozentwerte sind aus den gerundeten Fördermengen berechnet.

Förderland Produktion 2025 (Mio. m³) Weltanteil (ca.)
USA 81 42,6 %
Katar 63 33,2 %
Russland 18 9,5 %
Algerien 11 5,8 %
Übrige Länder 17 8,9 %
Weltweit 190 100 %

Quelle: USGS, Mineral Commodity Summaries 2026, Helium and Rare Gases. Vorläufige beziehungsweise geschätzte Werte für 2025. Die Position „Übrige Länder“ ergibt sich rechnerisch aus der gerundeten Weltproduktion abzüglich der vier einzeln aufgeführten Förderländer.

 

Warum Helium nicht einfach ersetzt werden kann

 

Technische Helium-Druckgasflaschen und Metallleitungen in einer industriellen Gasversorgungsanlage

Helium entsteht in der Erdkruste unter anderem durch den radioaktiven Zerfall bestimmter natürlicher Elemente. Über sehr lange geologische Zeiträume kann es sich in geeigneten unterirdischen Lagerstätten anreichern. Wirtschaftlich wird es vor allem aus heliumhaltigem Erdgas gewonnen.

In der Erdatmosphäre kommt Helium nur in sehr geringer Konzentration vor. Eine großtechnische Gewinnung aus Luft ist deshalb im Vergleich zur Gewinnung aus geeigneten Lagerstätten wirtschaftlich unattraktiv.

Die Förderung ist auf bestimmte geologische Vorkommen und spezialisierte Anlagen angewiesen. Entsprechend kann die Versorgung durch Ausfälle einzelner Produktionsstätten, Transportprobleme oder geopolitische Konflikte beeinträchtigt werden.

Hinzu kommt, dass flüssiges Helium auf extrem niedrige Temperaturen gekühlt werden muss. Transport und Lagerung benötigen deshalb besondere technische Einrichtungen. Neue Förderprojekte allein garantieren noch keine kurzfristig verfügbare Versorgung für industrielle Abnehmer.

Die geologischen Grundlagen, Fördermengen und industriellen Anwendungen erläutert der USGS-Rohstoffbericht zu Helium und Edelgasen 2026.

 

Chipindustrie und Medizintechnik besonders betroffen

 

Die neue amerikanische Einstufung hängt eng mit der Bedeutung moderner Halbleiter zusammen. Der Ausbau von Rechenzentren, künstlicher Intelligenz und elektronischer Infrastruktur erhöht die strategische Bedeutung einer zuverlässigen Chipversorgung.

Helium ist dabei nur einer von mehreren spezialisierten Rohstoffen. Auch Gallium und Germanium spielen für bestimmte elektronische und optische Bauteile eine wichtige Rolle. Warum internationale Lieferketten bei diesen Metallen besonders empfindlich sind, zeigt der Beitrag Gallium und Germanium werden strategisch wichtig.

Ein Engpass bei Helium könnte je nach Anwendung zu höheren Beschaffungskosten, längeren Lieferzeiten oder Produktionsanpassungen führen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jede kurzfristige Störung automatisch zum Stillstand einer Chipfabrik führt. Unternehmen können teilweise Lagerbestände nutzen, Lieferanten wechseln oder geeignete Verfahren anpassen.

Auch Krankenhäuser sind nicht in gleichem Maße betroffen. Der tatsächliche Heliumbedarf eines MRT-Geräts hängt unter anderem von seiner Bauweise und seinem Kühlsystem ab. Geschlossene Systeme können Verdampfungsverluste erheblich verringern.

 

Recycling und neue Förderprojekte sollen Risiken verringern

 

Eine Möglichkeit zur Entlastung des Marktes besteht darin, verbrauchtes Helium technisch zurückzugewinnen. Besonders in Forschungseinrichtungen und bei Anwendungen mit hohen Verbrauchsmengen können Rückgewinnungsanlagen sinnvoll sein.

Allerdings lässt sich nicht jede Anwendung wirtschaftlich mit einem geschlossenen Kreislauf betreiben. Das USGS stellte für 2025 fest, dass großvolumige Anwendungen in den Vereinigten Staaten nur selten durch Recycling versorgt wurden. Geschlossene Rückgewinnungssysteme gewannen jedoch an Bedeutung.

Gleichzeitig entstehen neue Projekte zur Heliumgewinnung. Nach USGS-Angaben nahmen 2025 in den Vereinigten Staaten sechs zusätzliche Förderbetriebe die Produktion auf. Weitere Projekte wurden unter anderem in Kanada und Südafrika vorangetrieben.

Ob diese Kapazitäten die langfristige Nachfrage zuverlässig decken können, hängt unter anderem von ihrer tatsächlichen Förderleistung, der Aufbereitung, der Transportinfrastruktur und der Entwicklung des Verbrauchs ab.

 

Was die neue Einstufung für den Rohstoffmarkt bedeutet

 

Die Entscheidung des US-Energieministeriums bedeutet nicht automatisch, dass weltweit akuter Heliummangel herrscht. Sie ist vielmehr eine politische und wirtschaftliche Bewertung der strategischen Bedeutung und möglicher Versorgungsrisiken.

Helium wird damit stärker als Bestandteil kritischer industrieller Lieferketten betrachtet. Die Einstufung könnte die Aufmerksamkeit für neue Förderkapazitäten, bessere Aufbereitung und technische Rückgewinnung erhöhen. Sie ist jedoch keine belastbare Prognose für zukünftige Marktpreise.

Im Gegensatz zu Gold oder Silber existiert für Helium kein vergleichbar transparenter, weltweit maßgeblicher Börsenreferenzpreis. Die Preisbildung hängt erheblich von Reinheit, Abnahmemenge, Lieferbedingungen, Transportkosten und vertraglicher Bindung ab.

Für industrielle Verbraucher zählt deshalb nicht nur der Preis pro Kubikmeter. Entscheidend ist vor allem, ob die benötigte Qualität zuverlässig und zum richtigen Zeitpunkt verfügbar ist.

Helium zeigt damit beispielhaft, dass die strategische Bedeutung eines Rohstoffs nicht von seiner Bekanntheit abhängt. Ein farb- und geruchloses Edelgas kann für moderne Technologien ebenso unverzichtbar sein wie Kupfer, Lithium oder Seltene Erden.

Häufige Fragen zu Helium als Rohstoff

Warum gilt Helium seit Oktober 2026 in den USA als kritischer Rohstoff?

Das US-Energieministerium hat Helium wegen seiner Bedeutung für Halbleiter, Energieanwendungen und weitere Schlüsseltechnologien sowie wegen möglicher Lieferkettenrisiken auf seine Liste kritischer Materialien gesetzt. Die entsprechende Bekanntmachung erschien am 27. Oktober 2026.

Kann Helium künstlich hergestellt werden?

Helium kann bei bestimmten Kernreaktionen entstehen, aber nicht in wirtschaftlich relevanten Industriemengen erzeugt werden. Die kommerzielle Versorgung erfolgt überwiegend durch die Gewinnung aus natürlichen Lagerstätten.

Warum benötigen MRT-Geräte Helium?

Viele Magnetresonanztomografen nutzen flüssiges Helium zur Kühlung supraleitender Magnete. Neuere Kühlsysteme können den Verbrauch deutlich reduzieren, sodass nicht alle Geräte dieselben Mengen benötigen.

Kann Helium recycelt werden?

Ja. Geeignete Anlagen können Helium auffangen, reinigen und erneut bereitstellen. Besonders in Forschungseinrichtungen und technischen Anwendungen mit geschlossenen Systemen ist eine Rückgewinnung möglich, allerdings nicht in jedem Verfahren wirtschaftlich sinnvoll.

 

05.11.2026 - Rina Teitscheid -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Helium-2026-Kritischer-Rohstoff-fuer-Chips-und-Medizin-05112026