CATL – Der Mann hinter Deutschlands Autobatterien
Robin Zeng liefert entscheidende Batterietechnik für BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz. Wie abhängig ist Deutschlands Autoindustrie?
Inhaltsverzeichnis
Die deutschen Automobilhersteller haben jahrzehntelang die Maßstäbe für Motoren, Getriebe und Fahrwerke gesetzt. Doch beim Elektroauto verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Einer der einflussreichsten Männer der Branche sitzt nicht in München, Wolfsburg oder Stuttgart, sondern in China. Sein Name ist Robin Zeng. Er gründete den Batteriekonzern CATL, dessen Technologie heute für die Zukunft zahlreicher deutscher Elektrofahrzeuge von erheblicher Bedeutung ist.
CATL liefert nicht einfach ein weiteres Bauteil. Batteriezellen beeinflussen Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Fahrzeuggewicht und Herstellungskosten. Wer sie in großen Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen produzieren kann, besitzt einen strategischen Vorteil. Genau diesen Vorteil hat sich CATL über Jahre erarbeitet.
Die Dimension zeigt eine aktuelle Untersuchung des Marktforschungsunternehmens SNE Research. Von Januar bis August 2026 erreichte CATL bei weltweit in Elektro- und Hybridfahrzeugen eingesetzten Batterien einen Marktanteil von 39,4 Prozent. Damit stammt rechnerisch deutlich mehr als jede dritte weltweit eingesetzte Kilowattstunde Batteriekapazität von diesem einen chinesischen Unternehmen.
Für die deutsche Automobilindustrie stellt sich deshalb eine unbequeme Frage: Wie viel Kontrolle über das eigene Zukunftsprodukt bleibt einem Hersteller, wenn eine seiner wichtigsten Technologien von einem mächtigen Zulieferer stammt?
Robin Zeng – Der Unternehmer hinter CATL

Robin Zeng, auch unter seinem chinesischen Namen Zeng Yuqun bekannt, steht als Gründer und Vorstandschef an der Spitze von Contemporary Amperex Technology, kurz CATL. Das Unternehmen hat sich zu einem weltweit führenden Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien entwickelt.
Während traditionelle Automobilkonzerne ihre industrielle Stärke über viele Jahrzehnte aufgebaut haben, gelang CATL der Aufstieg innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeit. Entscheidende Faktoren waren die industrielle Skalierung, hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie enge Beziehungen zu internationalen Automobilherstellern.
Allein 2025 investierte CATL nach eigenen Geschäftsangaben 22,1 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 423,7 Milliarden Yuan und einen Nettogewinn von 72,2 Milliarden Yuan.
Diese finanzielle Stärke ermöglicht es CATL, gleichzeitig neue Zellchemien, Produktionsverfahren und Energiespeichersysteme zu entwickeln. Die Forschung beschränkt sich längst nicht mehr auf klassische Elektroautobatterien.
BMW setzt bei der Neuen Klasse auf CATL
Besonders deutlich wird die Bedeutung des chinesischen Batterieherstellers bei BMW. Für die neue Elektrofahrzeuggeneration, die sogenannte Neue Klasse, vereinbarte BMW bereits 2022 mit CATL die Lieferung zylindrischer Batteriezellen.
Die Zellen besitzen einen standardisierten Durchmesser von 46 Millimetern und bilden einen wichtigen Bestandteil der sechsten Generation der BMW-eDrive-Technologie. Mit der neuen Batteriegeneration sollen unter anderem Energiedichte, Ladegeschwindigkeit und Reichweite verbessert werden.
BMW hat sich allerdings nicht ausschließlich auf CATL festgelegt. Auch der chinesische Hersteller EVE Energy gehört zu den vorgesehenen Zelllieferanten. Gleichzeitig baut BMW eigenes Entwicklungs- und Fertigungswissen auf, unter anderem in seinem Kompetenzzentrum für Batteriezellfertigung in Parsdorf.
Das ist ein wesentlicher Unterschied: BMW entwickelt Batteriearchitektur, Fahrzeugintegration und Steuerungstechnologie selbst mit, während die industrielle Großserienfertigung der Zellen wesentlich durch externe Partner erfolgt.
Im Februar 2026 vertieften BMW und CATL ihre Zusammenarbeit nochmals. Während des China-Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz vereinbarten beide Unternehmen gemeinsame Projekte zum Batteriepass, zum Datenaustausch und zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Batterien.
Damit reicht die Partnerschaft inzwischen über die reine Lieferung von Batteriezellen hinaus.
Volkswagen – CATL ist längst ein Schlüsselpartner
Auch beim Volkswagen-Konzern hat CATL eine bedeutende Stellung. Der chinesische Hersteller beliefert Volkswagen nach eigenen Angaben bereits seit 2018 mit Batteriezellen für die Elektroplattform MEB.
Im Juli 2026 erklärte CATL, insgesamt mehr als 200 Gigawattstunden Batteriezellen an den Volkswagen-Konzern geliefert zu haben. Diese kommen demnach in 45 Fahrzeugmodellen von acht Konzernmarken zum Einsatz.
Die Kooperation wurde 2026 auf die Serienproduktion der sogenannten Einheitszelle von Volkswagen ausgeweitet. Das ist strategisch bemerkenswert, weil Volkswagen mit seiner Batteriesparte PowerCo gleichzeitig versucht, eigene Kompetenzen in der Zellproduktion aufzubauen.
Der Konzern verfolgt damit zwei Ziele: Einerseits muss er sich kurzfristig zuverlässige und wettbewerbsfähige Batterielieferungen sichern. Andererseits möchte er langfristig größere Teile der Wertschöpfung selbst kontrollieren.
Die Herausforderung besteht darin, dass eine eigene Batteriefabrik allein noch keinen technologischen Vorsprung garantiert. Entscheidend sind Produktionsausbeute, Qualität, Zellchemie, Kosten und die Fähigkeit, neue Batteriegenerationen schnell in die Großserie zu bringen.
Mercedes-Benz braucht die chinesische Batterietechnik
Mercedes-Benz arbeitet ebenfalls seit Jahren mit CATL zusammen. Bereits 2022 kündigte der Stuttgarter Automobilhersteller eine Ausweitung seiner Batteriebeschaffung an. Batteriezellen aus dem CATL-Werk im ungarischen Debrecen sollen europäische Mercedes-Benz-Produktionsstandorte versorgen.
Das Beispiel verdeutlicht eine Besonderheit der industriellen Globalisierung: Eine Batterie kann in Europa hergestellt werden, während Technologie, Produktionsverfahren und wesentliche Unternehmensentscheidungen von einem chinesischen Konzern geprägt werden.
Eine europäische Fabrik verringert Transportwege und kann die regionale Versorgungssicherheit verbessern. Sie bedeutet aber nicht automatisch, dass Europa auch die vollständige technologische Kontrolle besitzt.
Mercedes-Benz entwickelt zugleich eigene Batterietechnologien und arbeitet mit mehreren Partnern. Eine vollständige Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten wäre deshalb eine unzutreffende Vereinfachung. Die Bedeutung von CATL innerhalb der europäischen Batterielieferkette bleibt dennoch erheblich.
Warum CATL eine solche wirtschaftliche Macht besitzt
Die Stärke des chinesischen Konzerns beruht nicht allein auf seinem Marktanteil. Sie entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren.
Erstens: Skaleneffekte. Wer enorme Mengen Batteriezellen produziert, kann seine Produktionsanlagen besser auslasten, Beschaffungskosten verteilen und Entwicklungsaufwendungen auf größere Stückzahlen umlegen.
Zweitens: Technologische Vielfalt. CATL entwickelt unterschiedliche Batteriechemien, darunter Lithium-Eisenphosphat-Batterien und nickelbasierte Systeme. Hinzu kommen Entwicklungen bei Natrium-Ionen-Batterien und stationären Energiespeichern.
Drittens: Industrialisierung. Zwischen einem erfolgreichen Batteriemuster im Labor und einer wirtschaftlichen Großserienfertigung liegen erhebliche technische Herausforderungen. Gerade die Fähigkeit zur zuverlässigen Massenproduktion ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Viertens: Globale Kundenbeziehungen. CATL beliefert zahlreiche internationale Hersteller. Dadurch kann das Unternehmen Entwicklungen und Erfahrungen aus unterschiedlichen Fahrzeugplattformen und Märkten zusammenführen.
Der Erfolg ist messbar: Nach Angaben von SNE Research lag der weltweite Marktanteil von CATL in den ersten acht Monaten 2026 bei 39,4 Prozent. Der zweitgrößte Anbieter BYD erreichte 15,1 Prozent.
Diese Zahlen verdeutlichen den Abstand zwischen dem Marktführer und seinem nächsten Wettbewerber.
Die Risiken für Deutschlands Automobilindustrie
Eine enge Zusammenarbeit mit CATL bietet deutschen Herstellern erhebliche Vorteile. Sie erhalten Zugang zu industriell erprobter Technologie, großen Produktionskapazitäten und einem breiten Angebot unterschiedlicher Batteriezellen.
Gleichzeitig entstehen strategische Risiken.
Lieferketten: Handelsbeschränkungen, geopolitische Spannungen oder Unterbrechungen bei Vorprodukten können die Versorgung beeinflussen.
Preise: Ein großer Anbieter besitzt grundsätzlich eine starke Verhandlungsposition. Allerdings hängen konkrete Preise auch von langfristigen Verträgen, Wettbewerb und Rohstoffkosten ab.
Technologischer Wandel: Wenn ein Zulieferer neue Batterietechnologien schneller industrialisiert als seine Kunden oder Wettbewerber, kann sich die Verteilung technologischer Kompetenzen weiter verschieben.
Wertschöpfung: Ein erheblicher Teil der industriellen Wertschöpfung eines Elektroautos entsteht in der Batterie. Je größer der extern bezogene Anteil, desto wichtiger werden die Beziehungen zu den Zellherstellern.
Die entscheidende Gefahr ist deshalb nicht, dass CATL von heute auf morgen die Belieferung deutscher Automobilhersteller einstellt. Das wäre auch für den chinesischen Konzern wirtschaftlich nachteilig. Problematischer ist eine langfristige Verschiebung von Know-how, Produktionskompetenz und Verhandlungsmacht.
CATL produziert längst mitten in Europa
Die Vorstellung, CATL sei ausschließlich ein chinesischer Exporteur, greift inzwischen zu kurz. In Thüringen betreibt der Konzern seit Ende 2022 eine Batteriezell- und Modulfertigung. Nach Unternehmensangaben wurden dort rund 1,8 Milliarden Euro investiert und etwa 1.700 Arbeitsplätze geschaffen.
In Ungarn wurde im September 2026 der Probebetrieb in einem neuen Zellproduktionsgebäude am Standort Debrecen aufgenommen.
Damit baut CATL seine Präsenz unmittelbar innerhalb der europäischen Automobilindustrie aus. Für die betroffenen Regionen bedeutet dies Investitionen, Arbeitsplätze und zusätzliche industrielle Kapazitäten.
Aus europäischer Sicht bleibt jedoch die Frage, wie viel eigenes technologisches Wissen durch diese Investitionen entsteht. Eine Fabrik auf europäischem Boden ist ein wichtiger Schritt zur regionalen Produktion, ersetzt aber nicht automatisch eigene Forschung, Patente und industrielle Entscheidungsfreiheit.
Kann Deutschland die Batterieabhängigkeit verringern?
Eine vollständige Abkopplung von chinesischen Batterieherstellern wäre kurzfristig weder realistisch noch zwangsläufig wirtschaftlich sinnvoll. China besitzt eine starke Stellung bei Batteriezellen, wichtigen Vorprodukten und verschiedenen Verarbeitungsschritten der Rohstofflieferkette.
Für Deutschland und Europa kommt es deshalb auf eine ausgewogene Strategie an. Dazu gehören mehrere voneinander unabhängige Lieferanten, eigene Zellforschung, wettbewerbsfähige Produktionskapazitäten und der Aufbau von Recyclingkreisläufen.
Auch die Rohstoffversorgung spielt eine zentrale Rolle. Lithium, Nickel, Graphit und weitere Materialien müssen verarbeitet und in geeigneter Qualität verfügbar gemacht werden. Je nach Batterietechnologie unterscheiden sich die benötigten Rohstoffe erheblich.
Das Problem lässt sich deshalb nicht allein durch den Bau neuer Fabriken lösen. Eine wettbewerbsfähige europäische Batterieindustrie benötigt eine funktionierende Wertschöpfungskette von der Materialverarbeitung bis zur fertigen Zelle.
Für die Automobilhersteller stellt sich zusätzlich die Frage, welche Technologien sie selbst beherrschen müssen und welche sie langfristig von spezialisierten Zulieferern beziehen können.
Ein neuer Machtfaktor verändert die Autoindustrie
Robin Zeng ist kein Automobilhersteller im klassischen Sinn. CATL entwickelt keine vollständigen Fahrzeugplattformen für BMW, Volkswagen oder Mercedes-Benz und entscheidet auch nicht allein über die Eigenschaften ihrer Elektroautos.
Doch sein Unternehmen kontrolliert einen wesentlichen Teil jener industriellen Technologie, ohne die moderne Elektrofahrzeuge nicht wirtschaftlich in großen Stückzahlen produziert werden können.
Damit hat sich die Machtverteilung in der Automobilindustrie verändert. Früher gehörten Motoren und Getriebe zu den entscheidenden Kernkompetenzen deutscher Hersteller. Heute müssen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit zunehmend auch über Batterietechnologie, Software, Elektronik und Produktionskosten sichern.
Die eigentliche Herausforderung für BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz besteht nicht darin, dass CATL ein erfolgreicher chinesischer Zulieferer ist. Sie besteht darin, selbst genügend technologische Kompetenz und wirtschaftliche Alternativen aufzubauen, um dauerhaft auf Augenhöhe verhandeln zu können.
Der Erfolg von Robin Zeng zeigt, dass sich industrielle Führungspositionen im Zeitalter der Elektromobilität neu verteilen. Wer künftig die größten Gewinne erzielt und die wichtigsten technischen Standards prägt, hängt nicht mehr allein davon ab, wer das beste Auto baut. Entscheidend ist zunehmend auch, wer seine zentralen Komponenten entwickelt und wirtschaftlich produzieren kann.
Quellen und weiterführende Informationen:
SNE Research – Weltweiter Batteriemarkt Januar bis August 2026
CATL – Zusammenarbeit mit Volkswagen im Jahr 2026
CATL – Erweiterte Zusammenarbeit mit BMW im Februar 2026
25.10.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/CATL-und-Robin-Zeng--Chinas-Macht-ueber-deutsche-Autobauer-25102026t