UBS: Bankverband warnt vor Verlust von 12.000 Jobs

Strengere Kapitalvorschriften könnten die Schweizer Großbank zu einem Standortwechsel bewegen. Arbeitnehmervertreter befürchten massive Folgen.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Der Streit um strengere Bankenregeln in der Schweiz entwickelt sich zunehmend zu einer Standort- und Beschäftigungsfrage. Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) warnt davor, dass bei der Großbank UBS zwischen 10.000 und 12.000 Arbeitsplätze verloren gehen könnten, sollte das Institut seinen Hauptsitz ins Ausland verlegen, verkauft werden oder mit einer anderen Bank fusionieren.

Die Warnung geht aus einem Schreiben an Schweizer Parlamentarier hervor, über das die „NZZ am Sonntag“ am 25. Oktober 2026 berichtete. Auch der Nachrichtenagentur Reuters lag das Schreiben vor. Betroffen wäre im äußersten Fall mehr als ein Drittel der rund 34.000 UBS-Arbeitsplätze in der Schweiz.

Allerdings handelt es sich ausdrücklich um ein Risikoszenario des Arbeitnehmerverbandes. Eine Entscheidung zur Verlegung der Konzernzentrale oder ein Stellenabbau in dieser Größenordnung wurde von der UBS nicht angekündigt.

 

Neue Kapitalregeln setzen UBS unter Druck

 

Auslöser der Auseinandersetzung sind geplante Verschärfungen der Schweizer Bankenregulierung. Nach dem Zusammenbruch der Credit Suisse im Jahr 2023 und deren anschließender Übernahme durch die UBS will die Schweizer Politik verhindern, dass eine erneute Bankenkrise die gesamte Volkswirtschaft gefährdet.

Besonders umstritten ist die Frage, mit wie viel hartem Kernkapital die UBS ihre ausländischen Tochtergesellschaften absichern muss. Der Schweizer Ständerat schlug im September vor, hierfür eine Kapitalunterlegung von 90 Prozent vorzuschreiben.

Die UBS betrachtet diese Anforderungen als übermäßig belastend. Sie argumentiert, dass zusätzliche Kapitalbindungen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit schwächen und die Geschäftstätigkeit gegenüber Banken aus anderen Ländern verteuern könnten.

Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hatte bereits darauf hingewiesen, dass die Bank ihre langfristige Zukunft am Standort Schweiz überprüfen müsse, falls die gesetzlichen Anforderungen zu streng ausfallen.

 

Ein Wegzug hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen

 

Schweizer Großbank UBS und die Sorge um Tausende Arbeitsplätze am Finanzplatz Schweiz

Die UBS gehört zu den wichtigsten Unternehmen des Schweizer Finanzplatzes. Ein möglicher Wegzug der Konzernzentrale könnte deshalb Auswirkungen haben, die weit über die unmittelbar betroffenen Bankangestellten hinausreichen.

Neben hochqualifizierten Beschäftigten im Finanzsektor wären möglicherweise auch externe Dienstleister, IT-Unternehmen, Unternehmensberatungen und weitere Zulieferer betroffen. Besonders für Zürich als international bedeutenden Bankenstandort könnte eine Verlagerung zentraler Unternehmensfunktionen wirtschaftliche Nachteile mit sich bringen.

Nach Informationen von Reuters beschäftigen sich Verantwortliche der UBS bereits mit möglichen Notfallplänen. Dazu sollen unter anderem eine Verlegung des Hauptsitzes und eine Fusion mit einem anderen Finanzinstitut gehören. Eine entsprechende Entscheidung ist jedoch nicht bekannt.

Der Bankpersonalverband fordert deshalb einen tragfähigen politischen Kompromiss. Gleichzeitig erwartet er von der UBS ein klares Bekenntnis zum Schweizer Standort.

 

Weitere 3.000 Stellen durch Credit-Suisse-Integration betroffen

 

Unabhängig von der aktuellen Debatte über die Kapitalvorschriften befindet sich die UBS weiterhin mitten in der Integration der übernommenen Credit Suisse.

Im Zuge dieses Zusammenschlusses rechnet das Unternehmen in der Schweiz mit rund 3.000 Entlassungen über mehrere Jahre. Nach Angaben der Bank sollen die personellen Einschnitte möglichst gering gehalten werden. Dazu setzt das Institut unter anderem auf natürliche Fluktuation, Frühpensionierungen und die Rückverlagerung bislang ausgelagerter Tätigkeiten.

Die vom Arbeitnehmerverband befürchteten zusätzlichen 10.000 bis 12.000 Arbeitsplatzverluste wären somit nicht mit dem bereits geplanten Personalabbau gleichzusetzen.

Die UBS hat die Schätzung des Verbandes bislang nicht bestätigt.

 

Schweizer Politik steht vor schwieriger Entscheidung

 

Für die Schweizer Regierung und das Parlament entsteht ein wirtschaftspolitischer Zielkonflikt. Einerseits sollen höhere Kapitalanforderungen die Stabilität des Bankensystems verbessern und die Risiken für den Staat im Krisenfall begrenzen. Andererseits könnte eine besonders strenge Regulierung die Attraktivität der Schweiz als Standort internationaler Großbanken beeinträchtigen.

In der kommenden Woche soll sich eine Kommission des Schweizer Nationalrats mit den künftigen Eigenkapitalvorschriften beschäftigen. Die endgültige Ausgestaltung der Regeln steht noch aus.

Für den Schweizer Finanzplatz geht es dabei nicht allein um die Zahl möglicherweise gefährdeter Arbeitsplätze. Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die künftigen Steuereinnahmen und die Rolle der Schweiz als bedeutender Standort für Vermögensverwaltung und Bankdienstleistungen stehen zur Diskussion.

Die Warnung des Bankpersonalverbandes erhöht den politischen Druck. Ob die UBS tatsächlich einen Standortwechsel erwägt und welche Konsequenzen daraus entstehen könnten, bleibt offen.

Fest steht: Die Folgen der Credit-Suisse-Krise beschäftigen die Schweiz auch mehr als drei Jahre nach der Übernahme weiter. Die Entscheidung über die Kapitalregeln könnte die langfristige Struktur des Schweizer Bankensektors wesentlich beeinflussen.

 

Quellen: Reuters – Arbeitnehmerverband warnt vor UBS-Stellenverlusten, 25.10.2026; Reuters – Streit über die Schweizer UBS-Kapitalregeln, 19.10.2026.

 

25.10.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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