Heraeus beendet den Direktverkauf an Privatkunden
Goldstore in Hanau und Online-Shop schließen zum 30. November 2026 – die Herstellung von Heraeus-Barren läuft weiter
Eine bekannte Adresse im deutschen Edelmetallhandel verschwindet: Heraeus stellt seinen direkten Verkauf von Edelmetallprodukten an Privatkunden ein. Betroffen sind sowohl der Heraeus Goldstore in Hanau als auch der Online-Shop heraeus-gold.de. Auch der direkte Ankauf von Edelmetallen von Privatkunden wird beendet. Stichtag für den laufenden Geschäftsbetrieb ist der 30. November 2026.
Für Anleger ist dabei eine Unterscheidung besonders wichtig: Heraeus zieht sich nicht aus der Herstellung von Edelmetallbarren zurück. Das Unternehmen beendet vielmehr seinen eigenen B2C-Vertrieb. Gold- und Silberbarren von Heraeus sollen auch künftig über Banken, Sparkassen und Edelmetallhändler erhältlich sein.
Warum Heraeus den Direktvertrieb einstellt

Heraeus begründet den Schritt mit seiner langfristigen Unternehmensstrategie. Nach Angaben des Unternehmens sollen künftig die Kern- und Wachstumsgeschäfte stärker im Mittelpunkt stehen. Genannt werden insbesondere Geschäftsmodelle mit gewerblichen Kunden, innovative Technologien und weitere Wachstumsfelder.
Dr. Steffen Metzger, Geschäftsführer Precious Metals und Mitglied der Geschäftsführung der Heraeus Gruppe, verweist in der Mitteilung auf die komplexen Prozesse und Strukturen, die für den Betrieb eines stationären Geschäfts und eines Online-Shops erforderlich sind. Diese passten nicht mehr zur strategischen Ausrichtung des Konzerns.
Damit handelt es sich nach der offiziellen Begründung nicht um eine Aufgabe des Edelmetallgeschäfts insgesamt. Eingestellt wird der direkte Vertrieb an private Endkunden. Das Geschäft mit gewerblichen Kunden sowie die Herstellung von Heraeus-Edelmetallprodukten werden fortgeführt.
Die Einzelheiten zur Entscheidung hat Heraeus in seiner Unternehmensmitteilung zur Schließung veröffentlicht.
Goldstore und Online-Shop bleiben zunächst geöffnet
Die Ankündigung bedeutet nicht, dass der Verkauf mit sofortiger Wirkung eingestellt wurde. Nach aktuellem Stand bleiben sowohl der Online-Shop als auch der Goldstore in Hanau bis einschließlich 30. November 2026 geöffnet. Bis zu diesem Termin können Bestellungen im Rahmen des verfügbaren Sortiments und der geltenden Konditionen weiterhin aufgegeben werden.
Heraeus erklärt außerdem, dass sämtliche bis zur Schließung eingegangenen Bestellungen ordnungsgemäß bearbeitet und ausgeliefert werden sollen. Auch Rücksendungen, Reklamationen und andere bestehende Kundenansprüche sollen nach dem Ende des regulären Verkaufs weiter bearbeitet werden.
Die anschließende Abwicklungsphase soll planmäßig bis zum Ende des ersten Quartals 2027 abgeschlossen sein. Für Kunden ist deshalb der 30. November zwar der entscheidende Termin für den regulären Geschäftsbetrieb, aber nicht das unmittelbare Ende sämtlicher Service- und Abwicklungsprozesse.
Auch der Ankauf von Privatkunden endet
Von der Neuausrichtung ist nicht nur der Verkauf betroffen. Heraeus stellt ebenfalls den direkten Ankauf von Edelmetallen von Privatkunden ein. Bis einschließlich 30. November 2026 soll der Ankauf im Goldstore noch angeboten werden.
Damit verschwindet in Hanau eine Möglichkeit, Edelmetalle unmittelbar bei Heraeus zu kaufen beziehungsweise an das Unternehmen zu verkaufen. Für den deutschen Edelmetallmarkt bedeutet das vor allem eine Veränderung der Vertriebsstruktur: Zwischen Hersteller und privatem Käufer werden künftig wieder stärker Banken und Edelmetallhändler stehen.
GoldSparplan und GoldDepot werden ebenfalls beendet
Besonders aufmerksam sollten Kunden sein, die einen Heraeus GoldSparplan beziehungsweise einen dazugehörigen GoldDepot-Vertrag besitzen. Diese Verträge werden nach Angaben von Heraeus zum 30. November 2026 beendet. Eine gesonderte Kündigung durch den Kunden sei nicht erforderlich.
Die letzte Ausführung eines bestehenden GoldSparplans ist für den 15. November 2026 vorgesehen. Bereits erworbenes Gold bleibt selbstverständlich Eigentum des jeweiligen Kunden. Betroffene müssen jedoch entscheiden, was anschließend mit ihrem Bestand geschehen soll.
Heraeus nennt dafür insbesondere zwei Möglichkeiten: Der vollständige Goldbestand kann verkauft und der Erlös ausgezahlt werden. Alternativ kann vorhandenes Gold in verfügbare physische Barrengrößen ab einem Gramm umgewandelt und ausgeliefert werden. Nicht vollständig in die gewählte Barrengröße umwandelbare Restbestände werden nach den von Heraeus beschriebenen Bedingungen verkauft und ausgezahlt. Für Umwandlung und versicherten Versand können Kosten entstehen.
Heraeus hat für betroffene Kunden eine Informationsseite mit Terminen und Antworten zur Schließung eingerichtet. Sparplankunden sollten insbesondere die dort genannten Fristen beachten.
Heraeus-Barren verschwinden nicht vom Markt
Die Nachricht über die Schließung kann leicht missverstanden werden. Sie bedeutet ausdrücklich nicht, dass Heraeus künftig keine Gold- oder Silberbarren mehr produziert. Laut den veröffentlichten Informationen werden sowohl die Herstellung der Edelmetallprodukte als auch das Geschäft mit gewerblichen Kunden fortgeführt.
Heraeus weist zudem darauf hin, dass seine Gold- und Silberbarren auch nach dem Ende des eigenen Privatkundenvertriebs erhältlich sein sollen. Der Bezug erfolgt dann beispielsweise über Edelmetallhändler, Banken und Sparkassen.
Für Käufer physischer Edelmetalle verändert sich somit in erster Linie der Vertriebsweg. Ein Heraeus-Barren bleibt ein Produkt des Herstellers Heraeus, auch wenn er nicht mehr direkt im herstellereigenen Online-Shop gekauft wird.
Bemerkenswert kurze Phase des eigenen Webshops
Interessant ist die Entscheidung auch mit Blick auf die jüngere Geschichte des Online-Vertriebs. Heraeus hatte den Betrieb des Webshops erst ab Januar 2025 vom bisherigen Vertriebspartner Ophirum übernommen und den Auftritt anschließend unter eigener Regie weitergeführt. Weniger als zwei Jahre später folgt nun die Entscheidung, den direkten B2C-Vertrieb vollständig einzustellen.
Dass ein international tätiger Edelmetallkonzern trotz einer etablierten Marke auf den eigenen Endkundenvertrieb verzichtet, zeigt zugleich, dass Herstellung und Privatkundenhandel zwei sehr unterschiedliche Geschäftsmodelle sind. Ein Online-Shop für Edelmetalle benötigt neben der eigentlichen Warenversorgung unter anderem Preisstellung in einem ständig schwankenden Markt, Zahlungsabwicklung, Logistik, Versicherung, Kundenservice und regulatorische Prozesse.
Heraeus selbst nennt die Komplexität der für Store und Online-Shop erforderlichen Prozesse und Strukturen als einen Grund dafür, dass dieses Geschäft nicht mehr zur strategischen Ausrichtung passt.
Was Bestandskunden jetzt beachten sollten
Wer lediglich Heraeus-Barren besitzt, muss aufgrund der angekündigten Schließung nichts unternehmen. Die Änderung des Vertriebswegs verändert weder das physische Eigentum noch die Eigenschaften bereits erworbener Barren.
Handlungsbedarf besteht dagegen insbesondere für Kunden mit einem GoldSparplan oder Bestand im GoldDepot. Heraeus fordert diese Kunden auf, bis zum 30. November 2026 über die weitere Behandlung ihres Goldbestands zu entscheiden.
Auch Rechnungen und andere Dokumente aus bestehenden Kundenkonten sollten rechtzeitig gesichert werden. Heraeus weist darauf hin, dass personenbezogene Daten nach der Schließung gelöscht werden, soweit sie nicht mehr benötigt werden. Daten, für die gesetzliche Aufbewahrungspflichten bestehen, werden entsprechend der vorgeschriebenen Fristen weiter vorgehalten.
Wer vor dem Stichtag noch direkt bei Heraeus bestellen möchte, findet den aktuellen Hinweis zur bevorstehenden Schließung weiterhin auf heraeus-gold.de.
Ein Rückzug aus dem Handel, nicht aus dem Edelmetallgeschäft
Die entscheidende Nachricht hinter der Schließung lautet deshalb nicht, dass Heraeus dem Goldmarkt den Rücken kehrt. Das Unternehmen trennt vielmehr deutlicher zwischen seiner Rolle als Hersteller und Anbieter für gewerbliche Kunden auf der einen und dem unmittelbaren Handel mit privaten Endkunden auf der anderen Seite.
Für den deutschen Markt endet damit zum 30. November 2026 ein vergleichsweise sichtbarer direkter Vertriebsweg eines großen Edelmetallherstellers. Heraeus-Produkte selbst bleiben nach Unternehmensangaben jedoch Bestandteil des Marktes. Für private Käufer verlagert sich der Zugang zu den Barren künftig auf die etablierten Vertriebswege über den Fachhandel und Kreditinstitute.
Bis zum Stichtag läuft der Goldstore in Hanau ebenso wie der Online-Shop weiter. Erst danach beginnt die abschließende Abwicklungsphase, die Heraeus bis Ende des ersten Quartals 2027 beenden will.
25.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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