Tellur – Seltenes Metall für die Solarindustrie
China kontrolliert wichtige Tellur-Exporte. Warum das Metall für Dünnschicht-Solarzellen benötigt wird und welche Versorgungsrisiken bestehen.
Tellur gehört zu den weniger bekannten Rohstoffen der Energiewende. Das seltene Halbmetall wird für bestimmte Solarzellen, elektronische Bauteile und Speziallegierungen benötigt. Besonders wichtig ist seine Verwendung in Cadmiumtellurid-Solarzellen (CdTe). Doch die industrielle Versorgung hängt stark von der Kupferverarbeitung ab und wird zusätzlich durch chinesische Exportkontrollen beeinflusst.
Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) entfielen 2025 schätzungsweise 70 Prozent des weltweiten Tellurverbrauchs auf Solarzellen. Damit hat sich die Photovoltaik zu einem wesentlichen Absatzmarkt für das Element entwickelt.
Warum Tellur für Solarzellen wichtig ist
Tellur besitzt das chemische Symbol Te und die Ordnungszahl 52. Es wird überwiegend als Nebenprodukt bei der elektrolytischen Raffination von Kupfer gewonnen. Dabei reichert sich das Element in Rückständen der Kupferanoden an und kann anschließend zurückgewonnen werden.
In Verbindung mit Cadmium entsteht Cadmiumtellurid, ein Halbleitermaterial für Dünnschicht-Solarmodule. Im Unterschied zu herkömmlichen kristallinen Siliziumzellen wird die aktive Halbleiterschicht bei dieser Technologie auf ein Trägermaterial aufgebracht.
Neben der Solarindustrie wird Tellur unter anderem in thermoelektrischen Bauteilen und speziellen Metalllegierungen eingesetzt.
Die folgende Tabelle zeigt die geschätzte weltweite Verwendung im Jahr 2025.
Quelle: U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2026, Abschnitt Tellurium. Die Anteile sind Schätzwerte für den weltweiten Tellurverbrauch 2025.
Chinas Exportkontrollen belasten den Tellurmarkt

China führte am 4. Februar 2025 Exportkontrollen für bestimmte Tellurprodukte und tellurhaltige Materialien ein. Für betroffene Ausfuhren sind behördliche Genehmigungen erforderlich.
Die Auswirkungen waren im Jahr 2025 deutlich am europäischen Markt zu erkennen. Laut USGS stieg der durchschnittliche Tellurpreis in Europa um rund 84 Prozent von 81,54 auf geschätzte 150 US-Dollar je Kilogramm.
Diese Werte sind historische Jahresdurchschnitte und keine aktuellen Handelspreise vom Oktober 2026.
Die Entwicklung zeigt, wie empfindlich kleinere Rohstoffmärkte auf Einschränkungen internationaler Lieferketten reagieren können. Die Daten und Hintergründe dokumentieren die Mineral Commodity Summaries 2026 des USGS.
Kann Recycling die Versorgung langfristig sichern?
Die Tellurproduktion lässt sich nicht beliebig unabhängig vom Kupfermarkt erhöhen. Da das Element überwiegend als Nebenprodukt anfällt, bestimmen die eingesetzten Raffinationsverfahren und die verfügbaren Rückstände wesentlich das mögliche Angebot.
Eine bessere Rückgewinnung aus Kupferanodenrückständen und das Recycling ausgedienter Cadmiumtellurid-Solarmodule könnten zusätzliche Rohstoffmengen erschließen.
Das US-Energieministerium weist allerdings darauf hin, dass die weltweite Tellurversorgung nicht vollständig transparent erfasst wird und eine begrenzte Verfügbarkeit das Wachstum der CdTe-Technologie langfristig einschränken könnte. Näheres erläutert das US-Energieministerium in seiner Analyse zur Cadmiumtellurid-Photovoltaik.
Die Verbindung zwischen industrieller Rohstoffgewinnung und Wiederverwertung spielt auch bei anderen Metallen eine wichtige Rolle. Unser Beitrag zum Kupferrecycling und seinen wirtschaftlichen Grenzen vertieft diese Zusammenhänge.
Tellur bleibt damit ein spezialisierter, aber bedeutender Industrirohstoff. Für die langfristige Versorgung sind vor allem effiziente Raffinationsverfahren, verlässliche Handelsbeziehungen und der Ausbau geeigneter Recyclingkapazitäten entscheidend.
Häufige Fragen zu Tellur
Warum wird Tellur für Solarzellen benötigt?
Tellur bildet zusammen mit Cadmium das Halbleitermaterial Cadmiumtellurid. Dieses wird als dünne aktive Schicht in bestimmten Photovoltaikmodulen eingesetzt, um Sonnenlicht in elektrische Energie umzuwandeln. Nicht alle Solarmodule benötigen Tellur.
Woher stammt das industriell verwendete Tellur?
Tellur wird überwiegend als Nebenprodukt bei der elektrolytischen Raffination von Kupfer gewonnen. Das Element reichert sich in Rückständen der Kupferanoden an und kann daraus durch weitere Verarbeitung zurückgewonnen werden.
Warum ist die Versorgung mit Tellur gefährdet?
Die Tellurgewinnung hängt stark von der Kupferraffination ab. Zusätzlich können Exportkontrollen und begrenzte Verarbeitungskapazitäten die internationale Verfügbarkeit einschränken. Neue Rückgewinnungsverfahren und Recycling können helfen, diese Risiken zu reduzieren.
29.10.2026 - Rina Teitscheid - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage
Bewertungen und Kommentare
Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Tellur-2026-Solarzellen-Preis-und-Chinas-Exportkontrollen-29102026