Goldzähne und Zahnkronen – die Legierungen

Warum Zahngold nicht gleich Zahngold ist, welche Edelmetalle enthalten sein können und wie sich Zusammensetzung und Wert unterscheiden.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Ein alter Goldzahn kann einen hohen Goldanteil enthalten, eine äußerlich ähnliche Zahnkrone dagegen überwiegend aus Palladium, Silber oder unedlen Metallen bestehen. Selbst zwei goldgelbe Kronen müssen nicht dieselbe Zusammensetzung besitzen. Der Grund liegt in den besonderen Anforderungen der Zahnmedizin: Zahnersatz muss über viele Jahre mechanischen Belastungen standhalten, möglichst korrosionsbeständig sein und sich präzise verarbeiten lassen. Der tatsächliche Edelmetallgehalt hängt deshalb von der verwendeten Dentallegierung ab.

Gerade bei älteren Goldzähnen, entfernten Zahnbrücken und geerbtem Zahngold stellt sich häufig die Frage, welche Metalle enthalten sind und warum die Materialwerte so unterschiedlich ausfallen. Entscheidend ist dabei nicht die Farbe, sondern die chemische Zusammensetzung.

 

Warum bestehen Goldzähne nicht aus reinem Gold?

 

Reines Gold mit einem Feingehalt von 999 oder 999,9 Tausendteilen ist vergleichsweise weich. Zwar lässt es sich hervorragend verformen und ist gegenüber vielen chemischen Einflüssen sehr beständig, für zahlreiche gegossene Zahnkronen und Brücken wäre es jedoch ohne zusätzliche Legierungsbestandteile mechanisch nicht ausreichend belastbar.

Beim Kauen entstehen erhebliche Kräfte. Eine Zahnkrone muss deshalb genügend Festigkeit besitzen, darf sich unter Belastung nicht unerwünscht verformen und sollte zugleich den gegenüberliegenden natürlichen Zahn möglichst wenig abnutzen.

Durch die Zugabe anderer Metalle lassen sich Härte, Festigkeit, Elastizität, Schmelzverhalten und Verarbeitbarkeit gezielt verändern. Gold wird beispielsweise mit Silber, Kupfer, Platin oder Palladium kombiniert.

Die Legierung entscheidet somit nicht nur über den Edelmetallwert, sondern auch darüber, für welche zahnmedizinische Anwendung ein Werkstoff geeignet ist.

 

Welche Metalle stecken in einer Dentallegierung?

 

Dentallegierungen können mehrere Edelmetalle und weitere Legierungsbestandteile enthalten. Ihre Funktionen unterscheiden sich erheblich:

  • Gold (Au): Bietet eine hohe Korrosionsbeständigkeit, gute Verarbeitbarkeit und günstige Eigenschaften für zahlreiche gegossene Restaurationen.
  • Platin (Pt): Kann die Festigkeit und Temperaturbeständigkeit goldhaltiger Legierungen beeinflussen.
  • Palladium (Pd): Wird unter anderem zur Erhöhung der Festigkeit und zur Veränderung der Farbe sowie des Schmelzverhaltens eingesetzt.
  • Silber (Ag): Beeinflusst Farbe und mechanische Eigenschaften und kann einen erheblichen Anteil bestimmter Dentallegierungen ausmachen.
  • Kupfer (Cu): Erhöht bei vielen Goldlegierungen die Härte und Festigkeit.
  • Zink (Zn): Kann in geringen Mengen das Gießverhalten beeinflussen.
  • Indium, Zinn oder Gallium: Werden bestimmten Metallkeramiklegierungen zugesetzt, um unter anderem die Verbindung zur keramischen Verblendung zu unterstützen.

Welche Kombination eingesetzt wird, hängt vom jeweiligen Werkstoff und seinem Verwendungszweck ab. Eine Legierung für eine vollständig metallische Krone muss beispielsweise andere Anforderungen erfüllen als das Metallgerüst einer keramisch verblendeten Zahnbrücke.

Die amerikanische Zahnärzteorganisation American Dental Association (ADA) erläutert die Eigenschaften verschiedener metallischer Restaurationswerkstoffe und ihre Einsatzbereiche.

 

Goldzähne und Zahnkronen im Legierungsvergleich

 

Die folgende Übersicht zeigt wichtige Werkstoffgruppen. Die genannten Edelmetallanteile sind Klassifikationsmerkmale oder allgemeine Beschreibungen, keine garantierten Goldgehalte einzelner Zahnkronen. Für eine konkrete Wertbestimmung muss die tatsächliche Zusammensetzung festgestellt werden.

Legierungsgruppe Zusammensetzung Typische Verwendung Besonderheit
Hochedle Dentallegierung Mindestens 60 % Edelmetalle und mindestens 40 % Gold nach ADA-Klassifikation Kronen, Brücken, Inlays Hoher Edelmetallanteil, aber variabler Goldgehalt
Edelmetalllegierung Mindestens 25 % klassifikationsrelevante Edelmetalle; Gold nicht zwingend enthalten Kronen, Brücken, Metallkeramik Auch palladiumreiche Varianten möglich
Gold-Silber-Kupfer-Legierung Gold, Silber und Kupfer in unterschiedlichen Anteilen Metallkronen und Inlays Häufig gelbliche Farbe, angepasste Härte
Palladiumbasierte Legierung Palladium mit weiteren Metallen, gegebenenfalls ohne Gold Kronen und Metallkeramik Silbrig-helle Erscheinung möglich
Nichtedelmetalllegierung Häufig Kobalt-Chrom oder Nickel-Chrom Kronen, Brückengerüste In der Regel kein relevanter Goldanteil

Die Einteilung orientiert sich an der ADA-Systematik. Für die Klassifikation werden bestimmte Edelmetalle berücksichtigt; Silber zählt dabei trotz seiner metallurgischen Einordnung als Edelmetall nicht zu den maßgeblichen edlen Bestandteilen dieser speziellen dentalen Klassifikation.

 

Warum sehen manche Goldkronen silbern aus?

 

Goldzähne und Zahnkronen aus unterschiedlichen Dentallegierungen mit gelblichen und silberfarbenen Metalloberflächen

Der sichtbare Farbton einer Zahnkrone erlaubt keine zuverlässige Aussage über ihren Goldgehalt. Während Gold-Kupfer-Silber-Legierungen häufig eine gelbliche Farbe aufweisen, können goldhaltige Legierungen mit höheren Anteilen anderer Metalle deutlich heller erscheinen.

Insbesondere Palladium und Platin können die Farbwirkung verändern. Auch Legierungen mit nennenswertem Goldanteil müssen deshalb nicht goldgelb aussehen.

Umgekehrt ist eine gelbliche Oberfläche kein Beweis für einen hohen Goldgehalt. Beschichtungen, Oberflächenveränderungen und unterschiedliche Legierungsbestandteile können den optischen Eindruck beeinflussen.

Für die Edelmetallbewertung gilt deshalb: Die Farbe ist ein Hinweis auf die Materialart, aber kein verlässliches Prüfverfahren.

 

Warum unterscheiden sich Kronen und Brücken technisch?

 

Eine einzelne Zahnkrone umschließt einen präparierten Zahn oder wird auf einer geeigneten künstlichen Zahnwurzel befestigt. Eine Brücke verbindet dagegen mehrere tragende Elemente und ersetzt zusätzlich einen oder mehrere fehlende Zähne.

Dadurch entstehen unterschiedliche mechanische Anforderungen. Bei einer größeren Brücke spielen insbesondere Biegefestigkeit und Steifigkeit eine wichtige Rolle. Für dünnwandige Konstruktionen werden deshalb häufig Werkstoffe benötigt, die auch bei geringer Materialstärke ausreichend stabil bleiben.

Bei Metallkeramik kommt eine weitere Anforderung hinzu: Die Metalllegierung muss mit der keramischen Verblendung kompatibel sein. Dabei sind unter anderem die thermische Ausdehnung und das Verhalten beim Brennen der Keramik entscheidend.

Bestimmte Legierungsbestandteile fördern die Ausbildung geeigneter Oberflächenoxide, über die eine Verbindung zwischen Metall und Keramik unterstützt wird.

Eine klassische Vollgusskrone aus einer goldreichen Legierung kann deshalb eine ganz andere Zusammensetzung besitzen als das metallische Gerüst einer äußerlich weißen Keramikkrone.

Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) beschreibt entsprechende Edelmetalllegierungen für gegossenen und keramisch verblendeten Zahnersatz.

 

Warum wurde früher häufiger Gold verwendet?

 

Gold besitzt eine lange Tradition in der Zahnmedizin. Seine gute Formbarkeit, hohe Korrosionsbeständigkeit und die Möglichkeit, präzise gegossene Restaurationen herzustellen, machten goldbasierte Werkstoffe über Jahrzehnte zu wichtigen Materialien der restaurativen Zahnheilkunde.

Mit der Entwicklung leistungsfähiger Nichtedelmetalllegierungen und keramischer Werkstoffe veränderte sich die Materialauswahl. Neben technischen Fortschritten spielten auch die Kosten der Edelmetalle und der Wunsch nach zahnfarbenem Zahnersatz eine Rolle.

Heute stehen unter anderem Vollkeramik, Zirkonoxid, metallkeramische Konstruktionen und verschiedene Metalllegierungen zur Verfügung. Welche Versorgung medizinisch geeignet ist, hängt vom individuellen Befund ab.

Älteres Zahngold ist daher keineswegs automatisch goldreicher als moderner Zahnersatz. Auch früher existierten zahlreiche Legierungen mit unterschiedlichen Edelmetallgehalten.

 

Wie wird der Goldgehalt einer Zahnkrone bestimmt?

 

Bei Schmuckstücken geben Punzen wie 585 oder 750 häufig einen Hinweis auf den Feingoldgehalt. Zahnkronen besitzen dagegen normalerweise keine vergleichbare, von außen erkennbare Feingehaltskennzeichnung.

Zur Bestimmung der Legierung kommen deshalb andere Informationsquellen und Prüfverfahren infrage.

Materialunterlagen: Bei vorhandenem Legierungsnachweis oder einer entsprechenden Dokumentation des Dentallabors lässt sich die ursprünglich verwendete Legierung häufig identifizieren.

Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA): Dieses weitgehend zerstörungsfreie Verfahren kann die elementare Zusammensetzung der untersuchten Oberfläche bestimmen. Bei Beschichtungen, Verunreinigungen, Lötstellen oder mehrschichtigen Konstruktionen muss das Ergebnis sorgfältig interpretiert werden.

Laboranalytische Verfahren: Bei geeigneter Probenvorbereitung kann eine chemische Analyse den Edelmetallgehalt präziser bestimmen. Je nach Verfahren ist dafür eine Materialprobe erforderlich.

Ein einfacher Magnettest oder die Beurteilung anhand von Gewicht und Farbe reicht für eine zuverlässige Bestimmung nicht aus.

 

Wie berechnet sich der Materialwert von Zahngold?

 

Für die Bewertung zählt nicht allein das Gesamtgewicht einer entfernten Krone. Entscheidend sind die tatsächlich enthaltenen und wirtschaftlich rückgewinnbaren Edelmetalle.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt den Unterschied:

Eine gereinigte Metallkrone wiegt 3 Gramm und besteht laut Analyse zu 70 Prozent aus Gold. Der rechnerische Feingoldanteil beträgt damit:

3 Gramm × 0,70 = 2,1 Gramm Feingold.

Bei einer anderen Krone mit demselben Gewicht, aber nur 40 Prozent Goldanteil, wären es dagegen 1,2 Gramm Feingold.

Der Unterschied beträgt 0,9 Gramm Gold, obwohl beide Kronen gleich schwer sind.

Enthält die Legierung zusätzlich Platin oder Palladium, können diese Bestandteile ebenfalls zum Materialwert beitragen. Silber kann je nach Menge und Abrechnungsbedingungen ebenfalls berücksichtigt werden.

Der tatsächliche Auszahlungsbetrag ergibt sich jedoch nicht allein aus der Multiplikation von Feingoldgewicht und Börsenkurs. Analyse, Scheidung, Verarbeitung, Materialverluste und die jeweiligen Abrechnungsbedingungen können den Erlös beeinflussen.

Keramikreste, Zement und andere nichtmetallische Bestandteile erhöhen zwar das Gesamtgewicht, besitzen aber keinen entsprechenden Edelmetallwert.

 

Was passiert bei der Scheidung von Zahngold?

 

Beim Edelmetallrecycling werden die wertvollen Metallbestandteile aus geeigneten Dentallegierungen zurückgewonnen. Dazu muss das Material zunächst erfasst, gegebenenfalls von Fremdbestandteilen getrennt und analysiert werden.

In spezialisierten Scheidebetrieben kommen chemische und metallurgische Verfahren zum Einsatz, mit denen Gold, Platin, Palladium und gegebenenfalls Silber voneinander getrennt und weiter raffiniert werden können.

Besonders bei kleinen Mengen ist die Wirtschaftlichkeit der Aufarbeitung zu berücksichtigen. Eine einzelne Krone kann zwar einen messbaren Edelmetallwert besitzen, doch müssen Analyse- und Verarbeitungskosten in einem angemessenen Verhältnis zum Materialwert stehen.

Aus diesem Grund können sich die Abrechnungsbedingungen für einzelne Zahnkronen und größere Mengen dentaler Edelmetallreste unterscheiden.

 

Welche Rolle spielen Korrosion und Verträglichkeit?

 

Im Mund sind Dentalwerkstoffe dauerhaft Speichel, Temperaturschwankungen, unterschiedlichen pH-Werten und mechanischen Belastungen ausgesetzt. Korrosionsbeständigkeit ist deshalb eine zentrale Anforderung.

Goldreiche Edelmetalllegierungen besitzen häufig eine hohe chemische Beständigkeit. Bei Nichtedelmetalllegierungen wie Kobalt-Chrom beruht der Korrosionsschutz dagegen wesentlich auf einer schützenden Oxidschicht.

Die Verträglichkeit hängt jedoch nicht ausschließlich vom Goldanteil ab. Auch einzelne Legierungsbestandteile, die Oberflächenbeschaffenheit, die Verarbeitung und individuelle Empfindlichkeiten spielen eine Rolle.

Nickel kann beispielsweise bei entsprechend sensibilisierten Personen allergische Reaktionen auslösen. Auch gegenüber anderen Metallen sind Unverträglichkeitsreaktionen möglich.

Eine ausführliche wissenschaftliche Darstellung zu Korrosion und Oberflächenveränderungen dentaler Legierungen bietet das National Institute of Standards and Technology (NIST).

Ob eine vorhandene Zahnkrone medizinisch geeignet ist oder ausgetauscht werden sollte, lässt sich nicht anhand ihres Edelmetallwerts entscheiden. Hierfür ist eine zahnärztliche Beurteilung erforderlich.

 

Warum kann altes Zahngold wertvoll sein?

 

Goldzähne und Zahnkronen sind ein Beispiel dafür, wie sich medizinischer Gebrauchswert und Edelmetallwert voneinander unterscheiden. Eine Krone, die nicht mehr als Zahnersatz verwendet werden kann, enthält möglicherweise weiterhin verwertbare Edelmetalle.

Allerdings ist der Begriff Zahngold keine Garantie für einen bestimmten Feingehalt. Unter dieser Bezeichnung werden im Alltag sowohl goldreiche Legierungen als auch andere edelmetallhaltige Dentalwerkstoffe zusammengefasst.

Für eine sachgerechte Bewertung sind daher drei Angaben besonders wichtig: das Gewicht des tatsächlichen Metallanteils, die analytisch bestimmte Legierungszusammensetzung und die jeweiligen Bedingungen der Edelmetallrückgewinnung.

Erst diese Informationen ermöglichen eine belastbare Einschätzung des Materialwerts. Die äußerliche Ähnlichkeit zweier Goldzähne sagt darüber wenig aus.

Häufige Fragen zu Goldzähnen und Zahnkronen

Wie viel Gold steckt in einem Goldzahn?

Der Goldanteil hängt von der verwendeten Dentallegierung ab und kann erheblich variieren. Manche Legierungen enthalten einen hohen Goldanteil, andere überwiegend Palladium, Silber oder weitere Metalle. Eine zuverlässige Bestimmung ist durch Materialunterlagen oder eine fachgerechte Analyse möglich.

Ist eine silberfarbene Zahnkrone weniger wert als eine goldgelbe?

Nicht unbedingt. Auch silberfarbene Dentallegierungen können wertvolle Edelmetalle wie Palladium, Platin oder Gold enthalten. Die Farbe allein erlaubt keine verlässliche Aussage über den Materialwert.

Kann man Zahngold mit Keramikresten bewerten lassen?

Ja. Allerdings müssen die nichtmetallischen Bestandteile bei der Bewertung berücksichtigt werden. Für den Edelmetallwert zählt die tatsächlich enthaltene und rückgewinnbare Metallmenge.

Warum haben zwei gleich schwere Goldkronen unterschiedliche Werte?

Weil ihre Legierungen verschiedene Anteile an Gold, Platin, Palladium und anderen Metallen enthalten können. Zusätzlich beeinflussen nichtmetallische Bestandteile und die Kosten der Edelmetallrückgewinnung den möglichen Erlös.

 

23.10.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Goldzaehne-und-Zahnkronen---Legierungen-und-Goldgehalt-24102026t