Wie viel Gold steckt im Handy?
Nur wenige Milligramm Gold stecken in einem einzelnen Smartphone – in Millionen Altgeräten wird daraus eine beträchtliche Rohstoffmenge
Ein Smartphone besteht aus Glas, Kunststoffen, Aluminium, Kupfer und zahlreichen weiteren Werkstoffen. Zwischen diesen vergleichsweise großen Materialmengen versteckt sich auch Gold. Sichtbar ist davon normalerweise nichts. Das Edelmetall befindet sich nur in äußerst dünnen Schichten und winzigen Bauteilen im Inneren des Geräts.
Die oft gestellte Frage „Wie viel Gold steckt in einem Handy?“ hat deshalb keine auf jedes Modell passende Antwort. Je nach Baujahr, Konstruktion und Elektronik unterscheiden sich die Mengen. Als Größenordnung geht es nicht um Gramm, sondern um wenige bis einige Dutzend Milligramm.
Erst bei sehr großen Stückzahlen wird daraus eine bemerkenswerte Goldmenge. Genau deshalb sind alte Smartphones für professionelle Recyclingprozesse interessanter als der einzelne ausgediente Apparat in der Schublade.
34 Milligramm Gold pro Handy – eine brauchbare Faustzahl?

Eine häufig zitierte Größenordnung stammt von der US-Umweltbehörde EPA. Nach deren Angaben können aus einer Million recycelter Mobiltelefone etwa 75 Pfund Gold zurückgewonnen werden. Umgerechnet entsprechen 75 Pfund rund 34 Kilogramm und damit rechnerisch ungefähr 0,034 Gramm beziehungsweise 34 Milligramm Gold je Gerät. Die entsprechende Angabe führt die US Environmental Protection Agency zum Elektronikrecycling weiterhin auf ihrer Informationsseite.
Diese Zahl sollte allerdings nicht als garantierter Goldgehalt eines heutigen Smartphones verstanden werden. Untersuchungen einzelner Geräte kommen teilweise auf niedrigere Werte. Eine wissenschaftliche Vergleichsstudie von Mobiltelefonen und Smartphones ermittelte beispielsweise Goldmengen zwischen 2,4 und 20,4 Milligramm je untersuchtem Gerät. Veröffentlicht wurde die Untersuchung in ACS Sustainable Chemistry & Engineering.
Die scheinbare Abweichung ist kein Widerspruch. Smartphones unterscheiden sich erheblich, und auch die Datengrundlagen sind verschieden. Manche Angaben beruhen auf Recyclingmengen großer Gerätebestände, andere auf der detaillierten Zerlegung bestimmter Modelle. Zudem hat sich die Elektronik über die Jahre verändert. Hersteller versuchen kostspielige Materialien möglichst gezielt und sparsam einzusetzen.
Als alltagstaugliche Antwort lässt sich deshalb festhalten: In einem Handy stecken typischerweise nur wenige bis einige Dutzend Milligramm Gold. Die oft genannten rund 30 Milligramm sind eine Größenordnung, keine feste technische Spezifikation.
Wo das Gold im Smartphone sitzt
Im Gerät liegt kein winziger Goldbarren. Gold wird dort eingesetzt, wo sehr zuverlässige elektrische Kontakte benötigt werden. Es besitzt eine gute elektrische Leitfähigkeit und vor allem eine Eigenschaft, die für Elektronik besonders nützlich ist: Gold korrodiert unter normalen Bedingungen nur äußerst schwer.
Winzige goldhaltige Bereiche finden sich deshalb vor allem auf und an elektronischen Baugruppen. Dazu zählen Kontaktflächen auf Leiterplatten, Steckkontakte und bestimmte Verbindungen innerhalb elektronischer Komponenten. Die Goldschichten können ausgesprochen dünn sein. Genau dadurch lässt sich die technische Wirkung des Edelmetalls nutzen, ohne große Mengen einsetzen zu müssen.
Das erklärt auch, warum ein geöffnetes Handy nicht plötzlich sichtbares Gold im Wert größerer Beträge offenbart. Selbst goldfarben erscheinende Kontaktflächen bestehen keineswegs vollständig aus massivem Gold. Häufig handelt es sich um einen Grundwerkstoff, der lediglich mit einer sehr dünnen Goldschicht versehen wurde.
Neben Gold enthält ein Smartphone noch weitere wirtschaftlich interessante Metalle. Dazu gehören unter anderem Kupfer, Silber und in kleinen Mengen Palladium. Auch Kobalt, Lithium, Nickel, Zinn und verschiedene andere Rohstoffe können abhängig von Gerätegeneration und Komponenten vorhanden sein. Beim professionellen Elektronikrecycling wird deshalb nicht nur ein einzelnes Metall betrachtet.
Warum sich ein einzelnes Handy trotzdem nicht zur Goldgewinnung eignet
Nimmt man die EPA-Größenordnung von rund 34 Milligramm je Mobiltelefon rein rechnerisch als Beispiel, wären knapp 30 Geräte nötig, um auf einen Goldgehalt von einem Gramm zu kommen. Bei Smartphones mit geringerem Goldanteil wären es entsprechend deutlich mehr.
Selbst diese Rechnung beschreibt lediglich den enthaltenen beziehungsweise aus großen Recyclingmengen ableitbaren Metallgehalt. Sie bedeutet nicht, dass sich das Gold aus 30 alten Geräten zu Hause verlustfrei in Form eines Gramms Feingold gewinnen ließe.
Die Rückgewinnung aus Elektronik ist ein industrieller Prozess. Leiterplatten enthalten viele verschiedene Metalle eng miteinander verbunden. Kunststoffe, Lote, Beschichtungen und elektronische Bauelemente müssen getrennt und behandelt werden. Je nach Verfahren folgen mechanische Aufbereitung sowie metallurgische und chemische Schritte. Dabei entstehen zwangsläufig Prozessverluste und Kosten.
Von eigenen Versuchen mit Säuren oder anderen Chemikalien ist abzuraten. Die für eine Metalltrennung verwendbaren Stoffe und Reaktionen können erhebliche Gesundheits- und Umweltgefahren verursachen. Hinzu kommt der Lithium-Ionen-Akku eines Smartphones, der beim falschen Öffnen, Beschädigen oder Erhitzen ein Brandrisiko darstellen kann.
Die Menge macht aus Milligramm einen Rohstoff
Bei einem einzigen Telefon erscheint der Goldgehalt nahezu bedeutungslos. Bei einer Million Geräten verändert sich die Perspektive. Aus 34 Milligramm würden rechnerisch 34 Kilogramm Gold. Selbst bei deutlich niedrigeren durchschnittlichen Gehalten entstehen aus großen Mengen von Elektronikschrott relevante Edelmetallmengen.
Darin liegt das Prinzip der sogenannten urbanen Rohstofflager. Rohstoffe befinden sich nicht nur in natürlichen Lagerstätten, sondern auch in bereits produzierten Geräten, Gebäuden, Fahrzeugen und Maschinen. Werden diese Produkte am Ende ihres Lebenszyklus gesammelt und fachgerecht aufbereitet, können zumindest Teile der enthaltenen Metalle erneut genutzt werden.
Das weltweite Volumen macht diese Aufgabe erheblich. Der Global E-waste Monitor 2024 beziffert die Menge des im Jahr 2022 entstandenen Elektroschrotts auf 62 Millionen Tonnen. Nur 22,3 Prozent davon wurden nachweislich formal gesammelt und umweltgerecht recycelt. Smartphones bilden dabei lediglich einen kleinen Ausschnitt des gesamten Stroms aus Elektro- und Elektronikaltgeräten.
Ein altes Mobiltelefon ist deshalb kein kleines Golddepot, bei dem sich eine private Metallgewinnung lohnt. Interessant wird sein Inhalt durch die Summe vieler Geräte und durch industrielle Verfahren, die unterschiedliche Rohstoffe gemeinsam zurückgewinnen können.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage bleibt damit überraschend klein: Im einzelnen Handy stecken lediglich Milligramm Gold. Gerade diese winzige Menge zeigt aber eindrucksvoll, warum Edelmetalle für moderne Elektronik geeignet sind. Eine hauchdünne Schicht genügt an vielen Stellen, um ihre besonderen Materialeigenschaften zu nutzen – und aus Milliarden solcher kleinen Mengen entsteht weltweit ein beachtliches Rohstoffpotenzial.
14.08.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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