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Brüssel setzt auf KGHM für Europas Kupferversorgung

Die EU erklärt zwei polnische Kupferprojekte im Wert von mehr als 9,5 Milliarden Złoty zu strategischen Vorhaben. Bergbau und Recycling sollen Europas Rohstoffabhängigkeit verringern.

 

Die Europäische Union treibt den Aufbau einer eigenständigeren Rohstoffversorgung voran. Der polnische Kupfer- und Silberproduzent KGHM Polska Miedź erhält für zwei bedeutende Investitionsprojekte den Status strategischer Vorhaben nach dem europäischen Critical Raw Materials Act. Die Entscheidung der Europäischen Kommission vom 9. Oktober 2026 betrifft die Erschließung der Kupferlagerstätte Retków–Grodziszcze und die Modernisierung der Kupferhütte Legnica zu einer integrierten Recyclinganlage.

Zusammen umfassen die geplanten Investitionen mehr als 9,5 Milliarden polnische Złoty, umgerechnet rund 2,2 Milliarden Euro. Für Brüssel sind die Projekte Teil einer langfristigen Strategie, die Versorgung der europäischen Industrie mit Kupfer und anderen wichtigen Metallen stärker innerhalb Europas abzusichern.

 

Europa will seine Abhängigkeit von Rohstoffimporten reduzieren

 

Kupferproduktion und Kupferrecycling in Polen als Bestandteil der europäischen Rohstoffstrategie

Kupfer zählt zu den strategisch wichtigen Rohstoffen der Europäischen Union. Das Metall wird für Stromnetze, Elektromotoren, Industrieanlagen, Rechenzentren und zahlreiche Anwendungen der Energietechnik benötigt. Mit der Elektrifizierung verschiedener Wirtschaftsbereiche wächst die Bedeutung einer zuverlässigen Versorgung.

Der europäische Critical Raw Materials Act sieht vor, dass bis 2030 mindestens zehn Prozent des jährlichen EU-Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch eigene Förderung gedeckt werden sollen. Für die Verarbeitung gilt ein Richtwert von 40 Prozent, für das Recycling von 25 Prozent.

Am 9. Oktober nahm die Europäische Kommission weitere 46 Projekte aus 16 Mitgliedstaaten in ihre strategische Auswahl auf. Insgesamt sollen diese neuen Vorhaben Investitionen von rund 21,1 Milliarden Euro erfordern. Besonders stark vertreten ist Kupfer, das für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas eine zentrale Rolle spielt.

 

KGHM plant einen der tiefsten Bergbauschächte Polens

 

Das erste strategische Projekt betrifft die Lagerstätte Retków–Grodziszcze im Südwesten Polens. KGHM plant dort einen neuen Bergbauschacht mit einer vorgesehenen Tiefe von rund 1.360 Metern. Er soll den Zugang zu tiefer gelegenen Kupfer- und Silbervorkommen ermöglichen und in die bestehende Bergbauinfrastruktur eingebunden werden.

Nach bisherigen Unternehmensplanungen könnten bis 2055 mehr als 100 Millionen Tonnen polymetallisches Erz gewonnen werden. Darin werden nahezu 1,5 Millionen Tonnen Kupfer und mehr als 5.000 Tonnen Silber erwartet.

Die Dimension verdeutlicht die langfristige Bedeutung des Vorhabens. Allerdings handelt es sich um ein kapitalintensives Bergbauprojekt mit erheblichen technischen Anforderungen. Zwischen Planung, Genehmigung, Schachtbau und wirtschaftlicher Förderung können viele Jahre liegen. Eine kurzfristige Entlastung des europäischen Kupfermarktes ist deshalb nicht zu erwarten.

 

Legnica soll zum wichtigen Recyclingstandort werden

 

Das zweite Vorhaben könnte deutlich früher zur europäischen Rohstoffversorgung beitragen. KGHM will seine bestehende Kupferhütte in Legnica zu einer integrierten Recyclinganlage umbauen.

Bislang produziert der Standort rund 122.000 Tonnen Elektrolytkupfer jährlich. Nach der Modernisierung strebt das Unternehmen eine jährliche Produktion von etwa 135.000 Tonnen Elektrolytkupfer und zusätzlich 250 Tonnen Nickel an.

Künftig sollen dort auch komplexere Recyclingmaterialien verarbeitet werden können, deren Kupfergehalt zwischen 15 und 60 Prozent liegt. Dadurch könnten größere Mengen bereits genutzter Metalle wieder in den industriellen Kreislauf zurückgeführt werden.

Für die europäische Kreislaufwirtschaft ist dieser Ansatz bedeutsam. Kupfer lässt sich bei geeigneten Verfahren wiederholt recyceln, ohne dass seine grundlegenden Materialeigenschaften verloren gehen. Die Rückgewinnung kann den Bedarf an neu gefördertem Metall reduzieren und bestehende Rohstoffressourcen effizienter nutzbar machen.

 

Europas Kupferschrott wird zum strategischen Faktor

 

Der Erfolg der Recyclingstrategie hängt jedoch nicht allein von neuen Anlagen ab. Entscheidend ist, ob ausreichende Mengen geeigneten Kupferschrotts innerhalb Europas verfügbar bleiben.

KGHM fordert deshalb Maßnahmen, um den Abfluss wichtiger Recyclingrohstoffe in Drittstaaten zu begrenzen. Hintergrund ist der internationale Wettbewerb um hochwertige Metallschrotte, die für europäische Recyclingunternehmen zunehmend zu einem strategischen Produktionsfaktor werden.

Seit Juli 2025 überwacht die Europäische Kommission die Ein- und Ausfuhren bestimmter Metallabfälle, darunter Kupfer-, Aluminium- und Stahlschrott, mit einem besonderen Zollüberwachungssystem.

Eine stärkere europäische Kreislaufwirtschaft könnte dazu beitragen, die Importabhängigkeit bei raffinierten Metallen zu reduzieren. Gleichzeitig müssen mögliche Handelsbeschränkungen sorgfältig abgewogen werden, da sie bestehende internationale Lieferketten und die Preisbildung beeinflussen können.

 

Strategischer EU-Status bedeutet noch keine Finanzierung

 

Die Anerkennung durch Brüssel verbessert die politischen und administrativen Rahmenbedingungen der KGHM-Projekte. Der Critical Raw Materials Act sieht grundsätzlich beschleunigte Genehmigungsverfahren vor. Für neue Förderprojekte beträgt die vorgesehene Höchstdauer 27 Monate, für Verarbeitungs- und Recyclingvorhaben grundsätzlich 15 Monate. Gesetzliche Ausnahmen und besondere Verfahrensregeln bleiben bestehen.

Der strategische Status bedeutet allerdings weder eine automatische Baugenehmigung noch eine verbindliche Finanzierungszusage. KGHM muss die wirtschaftliche Tragfähigkeit seiner Investitionen weiterhin sicherstellen.

Gerade bei langfristigen Bergbauprojekten bleiben Investitionskosten, Energiepreise, geologische Bedingungen und die Entwicklung der internationalen Metallmärkte entscheidende Einflussfaktoren.

Weitere Informationen veröffentlichen die Europäische Kommission zu strategischen Rohstoffprojekten sowie KGHM in seiner offiziellen Unternehmensmitteilung.

 

Was die Entscheidung für Kupfer und Silber bedeutet

 

Für den europäischen Kupfermarkt ist die Entscheidung ein wichtiges industriepolitisches Signal. Die EU will künftig nicht nur Rohstoffe aus Drittstaaten beziehen, sondern stärker auf eigene Lagerstätten, europäische Verarbeitungskapazitäten und die Wiederverwertung vorhandener Metalle setzen.

Auch Silber spielt bei KGHM eine bedeutende Rolle. Das Unternehmen gehört zu den wichtigen Silberproduzenten weltweit, wobei das Edelmetall überwiegend als Begleitprodukt der Kupferförderung gewonnen wird. Eine langfristige Erweiterung der Erzförderung könnte deshalb auch für die europäische Silberversorgung relevant werden.

Unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Kupfer- und Silberpreise lassen sich aus der EU-Entscheidung jedoch nicht ableiten. Dafür liegen die zusätzlichen Fördermengen zu weit in der Zukunft, während die Recyclingkapazitäten erst modernisiert und wirtschaftlich ausgelastet werden müssen.

Für Europa bleibt die entscheidende Frage, ob aus der politischen Priorisierung tatsächlich wettbewerbsfähige Produktionskapazitäten entstehen. Der strategische Status ist ein erster Schritt. Ob die Projekte ihren Beitrag zur europäischen Rohstoffsicherheit leisten können, entscheidet sich bei Finanzierung, Umsetzung und langfristiger Versorgung mit geeigneten Rohstoffen.

 

13.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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