Wohnen, Strom, Wasser – alles in öffentlicher Hand?

Linken-Chef Luigi Pantisano fordert weitreichende Veränderungen bei Eigentum und Grundversorgung. Was steckt hinter seinen Plänen?

Von Tobias Dalacker

Der Vorsitzende der Linkspartei, Luigi Pantisano, hat eine weitreichende Vergesellschaftung zentraler Lebensbereiche gefordert. Energieversorgung, öffentlicher Verkehr, Wohnraum und Wasser sollen nach seinen Vorstellungen stärker in gemeinschaftliche Verantwortung überführt werden. Damit geht die politische Forderung deutlich über die bisherige Debatte um große Wohnungskonzerne hinaus.

Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk erklärte Pantisano: „Wir wollen, dass alle Dinge des Gemeinwohls – Energie, Mobilität, Wohnen, Wasser, alle Grundbedürfnisse, die die Menschen in diesem Land haben – vergesellschaftet sind.“

 

Vergesellschaftung statt privater Gewinne

 

Politische Debatte über die Vergesellschaftung von Wohnraum, Stromversorgung und Wasser durch die Linkspartei

Besonders beim Wohnungsmarkt kritisiert Pantisano die Gewinnerzielung großer Immobilienunternehmen. Mieteinnahmen sollten seiner Ansicht nach vorrangig für Instandhaltung und die Schaffung zusätzlichen Wohnraums eingesetzt werden.

In Berlin haben sich Linke, SPD und Grüne bei Sondierungen mit der möglichen Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne mit mindestens 10.000 Wohnungen beschäftigt. Pantisano möchte den Gedanken auf weitere Bereiche der Daseinsvorsorge ausweiten.

Vergesellschaftung bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass sämtliche Betriebe unmittelbar von staatlichen Behörden geführt werden. Auch öffentlich-rechtliche oder genossenschaftliche Organisationsformen kommen grundsätzlich infrage.

 

Was würde das für Bürger und Wirtschaft bedeuten?

 

Die Forderungen berühren grundlegende Fragen der Wirtschaftsordnung. Befürworter versprechen sich eine stärkere Orientierung am Gemeinwohl, bezahlbare Grundversorgung und geringeren Einfluss privater Renditeinteressen.

Kritiker verweisen dagegen auf mögliche Entschädigungskosten, Investitionsrisiken und die Frage, ob öffentliche Unternehmen tatsächlich effizienter wirtschaften. Auch die Finanzierung von Infrastruktur, Wohnungsneubau und Modernisierungen müsste geklärt werden.

Artikel 15 des Grundgesetzes eröffnet grundsätzlich die Möglichkeit, bestimmte Eigentumsformen durch Gesetz gegen Entschädigung in Gemeineigentum oder andere Formen der Gemeinwirtschaft zu überführen. Die rechtliche und praktische Umsetzung wäre jedoch komplex.

Entscheidend bleibt: Pantisanos Aussagen sind politische Forderungen, keine bereits beschlossenen bundesweiten Verstaatlichungen. Konkrete Gesetze, Finanzierungskonzepte und die jeweiligen Eigentumsmodelle müssten erst ausgearbeitet werden.

Über die Aussagen berichteten am 24. Oktober 2026 unter anderem der Deutschlandfunk und NIUS.

 

24.10.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






Weitere Artikel aus Politik & Welt

Ölpreis-Schock – Trump sucht verzweifelt Schuldige
23.10.2026

Ölpreis-Schock – Trump sucht verzweifelt Schuldige

Erst die Ukraine, jetzt der Iran: Kurz vor den US-Zwischenwahlen steigen die Ölpreise wieder kräftig. Trumps wechselnde Schuldzuweisungen offenbaren die Schwächen seiner Energiepolitik.

Deutschland Kompakt – 15. Oktober 2026
15.10.2026

Deutschland Kompakt – 15. Oktober 2026

Politik und Wirtschaft heute: Berlin, die 16 Bundesländer und Folgen aktueller Entscheidungen für Unternehmen und Verbraucher.

Deutschland Kompakt – 13. Oktober 2026
13.10.2026

Deutschland Kompakt – 13. Oktober 2026

Politik und Wirtschaft heute: Aktuelle Entscheidungen aus Berlin, Nachrichten aus allen 16 Bundesländern und ihre wirtschaftlichen Folgen.

Stromsteuer sorgt für Streit in Berlin
12.10.2026

Stromsteuer sorgt für Streit in Berlin

Bundeskanzler Merz will Bürger und Unternehmen stärker entlasten. Finanzminister Klingbeil sieht Finanzierungsprobleme. Was bedeutet das für Deutschlands Wirtschaft?

Weltweiter Hunger bleibt eine ernste Krise
16.10.2026

Weltweiter Hunger bleibt eine ernste Krise

Kriege, Klimafolgen und sinkende Hilfsgelder erschweren die Versorgung von Millionen Menschen. Das UN-Ziel einer Welt ohne Hunger bis 2030 gerät zunehmend außer Reichweite.

Welt Kompakt – 13. Oktober 2026
13.10.2026

Welt Kompakt – 13. Oktober 2026

Die Welt verstehen. Jeden Abend. Nachrichten aus USA, China, Russland und weiteren Staaten – mit Folgen für Politik und Weltwirtschaft.




Ihre Bewertung, Ihr Kommentar oder Ihre Frage

 

Bewertungen und Kommentare

 

 

 

0 Leser haben diesen Artikel von blog.muenzkauf.de auf einer Skala von 1 bis 5 mit durchschnittlich 0 Punkten bewertet.

 

 

Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Linken-Chef-Pantisano-will-Grundversorgung-vergesellschaften-24102026t