Polnischer Billig-Sprit lockt deutsche Autofahrer
Polen senkt die Kraftstoffsteuern und begrenzt die Preise. Trotz Grenzkontrollen sparen deutsche Autofahrer beim Tanken deutlich.
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Während Autofahrer in Deutschland weiterhin hohe Preise für Benzin und Diesel bezahlen, entwickelt sich die deutsch-polnische Grenze erneut zu einer wirtschaftlichen Trennlinie. Auf der polnischen Seite kostet Kraftstoff erheblich weniger. Trotz Grenzkontrollen in beiden Richtungen fahren deshalb zahlreiche Deutsche zum Tanken ins Nachbarland. Die Ursache liegt nicht allein an unterschiedlichen Marktpreisen, sondern vor allem an politischen Entscheidungen in Berlin und Warschau.
Seit dem 3. Oktober 2026 gelten in Polen erneut umfangreiche Steuererleichterungen für Kraftstoffe. Die Regierung in Warschau hat die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent gesenkt, die Verbrauchsteuer reduziert und staatliche Preisobergrenzen eingeführt. Deutschland hat ebenfalls die Energiesteuer gesenkt, allerdings fällt die Entlastung geringer aus. Das Ergebnis ist ein erheblicher Preisunterschied, der insbesondere in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen den Tanktourismus antreibt.
Bis zu 30 Euro Ersparnis bei einer Tankfüllung

Wie groß der Preisunterschied inzwischen ist, zeigen die Kraftstoffpreise Ende Oktober. Nach Angaben des ADAC kostete ein Liter Super E10 in Deutschland am 27. Oktober durchschnittlich 2,084 Euro. Für Diesel wurden 2,289 Euro verlangt. In Polen lag der staatlich festgelegte Höchstpreis am 29. Oktober umgerechnet bei etwa 1,48 Euro für Benzin und 1,86 Euro für Diesel.
Bei Benzin ergibt sich damit eine rechnerische Differenz von rund 60 Cent je Liter. Wer 50 Liter tankt, kann ungefähr 30 Euro sparen. Bei Diesel beträgt der Preisvorteil etwa 43 Cent pro Liter, entsprechend gut 21 Euro bei derselben Tankmenge. Die tatsächliche Ersparnis hängt vom örtlichen Tankstellenpreis, dem Wechselkurs und den zusätzlichen Fahrtkosten ab.
Besonders deutlich wird die Entwicklung in grenznahen Ortschaften wie Lubieszyn bei Stettin, Hohenwutzen an der Oder oder Zgorzelec gegenüber Görlitz. Dort sind deutsche Kunden für viele Tankstellen ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Teilweise befinden sich mehrere Tankstellen in unmittelbarer Nähe kleiner Grenzübergänge.
Der Tanktourismus ist dabei kein neues Phänomen. Bereits 2022 hatte Polen mit vorübergehenden Steuersenkungen zahlreiche deutsche Autofahrer angelockt. Damals berichteten Tankstellenbetreiber auf deutscher Seite von erheblichen Umsatzeinbußen.
Warschau senkt die Steuern stärker als Berlin
Hinter den unterschiedlichen Kraftstoffpreisen stehen zwei nationale Entlastungsprogramme. Beide Regierungen reagieren auf die wirtschaftlichen Folgen hoher Energiepreise und die Belastungen durch den Konflikt im Nahen Osten.
Polen setzt auf sein Programm „Ceny Paliw Niżej“, kurz CPN. Die Mehrwertsteuer auf bestimmte Kraftstoffe wurde für den Zeitraum vom 3. Oktober bis zum 31. Dezember 2026 auf 8 Prozent reduziert. Gleichzeitig senkte Warschau die Verbrauchsteuer auf das europarechtlich zulässige Mindestniveau. Bei Benzin beträgt die Senkung 29 Groszy je Liter, bei Diesel 28 Groszy.
Die Maßnahmen sind durch das polnische Finanzministerium bestätigt worden. Zusätzlich werden die maximal zulässigen Verkaufspreise an den Tankstellen staatlich festgelegt.
Deutschland hat die Energiesteuer auf Benzin und Diesel zum 1. Oktober ebenfalls befristet gesenkt. Die unmittelbare Steuerreduzierung beträgt rund 14 Cent pro Liter. Unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer ergibt sich nach Angaben der Bundesregierung eine rechnerische Entlastung von etwa 17 Cent je Liter. Auch diese Maßnahme gilt zunächst bis zum 31. Dezember 2026.
Das Bundesfinanzministerium erläutert die befristete Energiesteuersenkung und ihre Auswirkungen auf Benzin- und Dieselpreise.
Die Gegenüberstellung zeigt, dass beide Staaten unterschiedliche Instrumente nutzen. Während Deutschland vor allem über die Energiesteuer entlastet, kombiniert Polen mehrere Steuersenkungen mit einer direkten Begrenzung der Kraftstoffpreise.
Grenzkontrollen halten den Tanktourismus nicht auf
Eine Besonderheit ist die Situation an der deutsch-polnischen Grenze. Deutschland kontrolliert dort seit Oktober 2023. Die Maßnahmen wurden inzwischen bis zum 15. März 2027 verlängert. Polen führte seinerseits im Juli 2025 Kontrollen ein, die nach dem aktuellen Stand bis zum 30. März 2027 vorgesehen sind.
Damit können Autofahrer sowohl bei der Einreise nach Polen als auch auf dem Rückweg nach Deutschland kontrolliert werden. Trotzdem bleibt der finanzielle Anreiz für viele Grenzbewohner erheblich.
Die Auswirkungen unterscheiden sich allerdings von Grenzübergang zu Grenzübergang. An kleineren Übergängen berichten Reisende von vergleichsweise geringen Verzögerungen. Auf stark befahrenen Strecken, insbesondere der Autobahn A12 bei Frankfurt (Oder), können Kontrollen, Baustellen und das hohe Verkehrsaufkommen dagegen zu Staus führen.
Belastbare bundesweite Statistiken über die Wartezeiten liegen nicht vor. Ebenso wenig ist genau bekannt, wie viele deutsche Autofahrer ausschließlich wegen der niedrigeren Kraftstoffpreise nach Polen fahren.
Diese fehlenden Daten erschweren eine verlässliche Bewertung der wirtschaftlichen Folgen.
Deutsche Tankstellen verlieren potenzielle Kundschaft
Für Tankstellen auf deutscher Seite entsteht durch die Preisunterschiede ein Wettbewerbsnachteil. Besonders betroffen sind Betriebe, die nur wenige Kilometer von einem polnischen Grenzübergang entfernt liegen.
Wer regelmäßig größere Mengen Kraftstoff benötigt und in Grenznähe wohnt, kann durch einen kurzen Abstecher nach Polen spürbar Geld sparen. Deutsche Tankstellen können diese Unterschiede häufig nicht durch eigene Preisnachlässe ausgleichen, weil ein erheblicher Teil des Preisabstands steuerlich bedingt ist.
Die Folgen reichen über den reinen Kraftstoffverkauf hinaus. Tankstellen erzielen zusätzliche Umsätze mit Getränken, Lebensmitteln, Autowäsche und anderen Dienstleistungen. Wandert der Tankkunde ab, können auch diese Einnahmen verloren gehen.
Gleichzeitig profitieren polnische Tankstellen und angrenzende Einzelhandelsgeschäfte von der zusätzlichen Nachfrage. Der Preisunterschied verschiebt damit Kaufkraft über die Grenze.
Wie stark die deutschen Tankstellen aktuell tatsächlich betroffen sind, lässt sich ohne belastbare Umsatzdaten jedoch nicht beziffern.
Grenzkontrollen belasten auch Pendler und Logistik
Während Tanktouristen ihre Fahrt meist freiwillig unternehmen, sind viele Berufspendler und Transportunternehmen auf funktionierende Grenzübergänge angewiesen.
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg können Wartezeiten erhebliche Folgen für Lieferketten haben. Verzögert sich ein Lastwagen an der Grenze, kann dies weitere Transportabschnitte und vereinbarte Liefertermine beeinflussen.
Hinzu kommen Belastungen für Beschäftigte, die regelmäßig zwischen Polen und Deutschland pendeln. Lange oder unberechenbare Wartezeiten können den Arbeitsweg erschweren und die Attraktivität grenzüberschreitender Beschäftigung beeinträchtigen.
Die Bundespolizei verweist bei Verkehrsproblemen auch auf Baustellen, Infrastrukturengpässe und bestehende Verkehrsregelungen. Wirtschaftsvertreter sehen dagegen in den Kontrollen selbst einen zusätzlichen Belastungsfaktor.
Die unterschiedlichen Einschätzungen zeigen den Zielkonflikt zwischen staatlichen Sicherheitsmaßnahmen und möglichst reibungslosem Personen- und Warenverkehr innerhalb Europas.
Was Autofahrer beim Kraftstofftransport beachten müssen
Wer in Polen tankt, darf den Kraftstoff im regulären Fahrzeugtank grundsätzlich nach Deutschland mitbringen. Für privat mitgeführten Kraftstoff in einem geeigneten Reservebehälter gelten zusätzliche steuerrechtliche und sicherheitsbezogene Vorgaben.
Für Kraftstoff aus einem anderen EU-Mitgliedstaat wird bei privater Beförderung im Reservebehälter regelmäßig eine Menge von bis zu 20 Litern als steuerlich begünstigt behandelt. Entscheidend sind dabei die konkreten Voraussetzungen der privaten Verwendung und Beförderung.
Autofahrer sollten geeignete, dicht verschließbare und für Kraftstoff zugelassene Behälter verwenden. Größere Mengen können zusätzliche steuerrechtliche und gefahrgutrechtliche Fragen aufwerfen.
Bei der Fahrt nach Polen müssen außerdem die gültigen Ausweisdokumente mitgeführt werden. Wegen der beiderseitigen Grenzkontrollen ist insbesondere an stark frequentierten Übergängen zusätzliche Reisezeit einzuplanen.
Was passiert nach dem Ende der Steuererleichterungen?
Sowohl das deutsche als auch das polnische Entlastungsprogramm ist nach gegenwärtigem Stand bis zum 31. Dezember 2026 befristet. Sollte es keine Verlängerung oder Anschlussregelung geben, könnten die Kraftstoffpreise zu Beginn des kommenden Jahres erneut steigen.
Wie groß der Preisanstieg tatsächlich ausfällt, hängt allerdings nicht nur von den Steuersätzen ab. Auch Rohölpreise, Raffineriekosten, Wechselkurse und Wettbewerb zwischen den Tankstellen beeinflussen die Endpreise.
In Deutschland wird bereits über weitergehende Instrumente zur Begrenzung hoher Kraftstoffpreise diskutiert. Die Bundesregierung hat Gespräche über einen möglichen Preisdeckel nach europäischen Vorbildern angekündigt. Eine konkrete künftige Preisentwicklung lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Die wirtschaftliche Bedeutung hoher Energiepreise reicht zudem über die Tankstellen hinaus. Transportkosten, Produktionsausgaben und Verbraucherpreise werden davon beeinflusst. Wie die befristeten Entlastungen und die weitere Inflationsentwicklung zusammenhängen, erläutert auch unser Beitrag „Inflation sinkt – doch die nächste Belastung droht“.
Auch für die Edelmetallmärkte sind solche Entwicklungen mittelbar relevant. Anhaltend hohe Energiepreise können den Inflationsdruck verstärken und damit die Erwartungen an Zinsen und Geldpolitik verändern. Gold reagiert allerdings auf mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig, darunter Realzinsen, Wechselkurse und geopolitische Risiken. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem polnischen Tanktourismus und dem Goldpreis lässt sich nicht ableiten.
Für die deutsch-polnische Grenzregion bleibt vorerst eine widersprüchliche Situation bestehen: Beide Staaten versuchen, ihre Bürger bei den Energiekosten zu entlasten. Gleichzeitig erschweren Grenzkontrollen den grenzüberschreitenden Verkehr. Solange der Kraftstoff in Polen deutlich günstiger bleibt, dürfte der Preisunterschied für zahlreiche Autofahrer ein wichtiger Anreiz für die Fahrt über die Grenze sein.
01.11.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Tanktourismus-nach-Polen--Billiger-Sprit-trotz-Grenzkontrollen-01112026t