Traveller Collection erzielt Rekordpreise bei NAC

Jahrzehntelang vergrabene Münzschätze kommen unter den Hammer: Die spektakulären Versteigerungen von Numismatica Ars Classica im Überblick.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Eine über Jahrzehnte verborgene Münzsammlung, außergewöhnliche Goldraritäten und Auktionsergebnisse in Millionenhöhe: Die Traveller Collection gehört zu den bemerkenswertesten numismatischen Entdeckungen der vergangenen Jahre. Das Schweizer Auktionshaus Numismatica Ars Classica (NAC) versteigert die historische Sammlung in mehreren Etappen. Dabei wechseln Münzen den Besitzer, die teilweise seit Generationen nicht mehr öffentlich angeboten wurden.

Besonders spektakulär verlief die Versteigerung eines böhmischen 100-Dukaten-Stücks von 1629, das im November 2025 einen Verkaufspreis von 2.388.750 Schweizer Franken erzielte. Auch die Auktionen vom 27. Mai 2026 brachten außergewöhnliche Ergebnisse. Ein britischer Proof-Münzsatz von 1826 erreichte 588.000 Schweizer Franken, während eine seltene Silberprobe mit dem berühmten Motiv „Una and the Lion“ für 514.500 Franken verkauft wurde.

Doch die Bedeutung der Traveller Collection reicht weit über ihre millionenschweren Spitzenstücke hinaus. Ihre ungewöhnliche Geschichte, die dokumentierte Herkunft und die Qualität der Münzen machen sie zu einem bedeutenden Ereignis für den internationalen Sammlermarkt.

 

Die Geschichte der Traveller Collection

 

Die Geschichte der Sammlung beginnt lange vor ihren heutigen Auktionserfolgen. Nach Angaben der Zertifizierungsgesellschaft Numismatic Guaranty Company (NGC) wurde sie von einem leidenschaftlichen Münzsammler aufgebaut, der über Jahre hinweg bedeutende europäische Raritäten zusammentrug.

Als sein Heimatland durch die nationalsozialistische Expansion bedroht wurde, entschied sich der Besitzer zu einer außergewöhnlichen Schutzmaßnahme. Er vergrub seine wertvollen Münzen auf einem Feld, um sie vor möglichen Beschlagnahmungen und Kriegsverlusten zu bewahren.

Der Sammler starb kurze Zeit später infolge eines Schlaganfalls. Seine Ehefrau ließ die Münzen dort, wo sie verborgen waren. Rund ein halbes Jahrhundert blieb die Sammlung unangetastet.

Die Geschichte ihrer Wiederentdeckung verleiht den Münzen eine besondere Provenienz. Anders als bei vielen historischen Sammlungen, deren Bestände im Laufe der Jahrzehnte mehrfach aufgeteilt wurden, blieb hier ein außergewöhnlicher Bestand über einen langen Zeitraum zusammen.

Einzelheiten zur Identität des ursprünglichen Besitzers und zum genauen Versteck werden in den öffentlich zugänglichen Darstellungen nicht vollständig offengelegt. Deshalb sollte die überlieferte Geschichte nicht mit unbelegten biografischen Einzelheiten ausgeschmückt werden.

 

Warum Numismatica Ars Classica die Sammlung versteigert

 

Numismatica Ars Classica gehört zu den international bekannten Auktionshäusern für bedeutende historische Münzen. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich ist auf hochwertige numismatische Objekte spezialisiert.

Für die Traveller Collection wurde eine mehrteilige Auktionsreihe organisiert. Statt sämtliche Münzen in einer einzigen Versteigerung anzubieten, werden verschiedene Sammlungsschwerpunkte in gesonderten Katalogen präsentiert.

Diese Aufteilung ermöglicht es, unterschiedliche Sammlergruppen gezielt anzusprechen. Britische Gold- und Silbermünzen besitzen beispielsweise einen anderen spezialisierten Käuferkreis als italienische Prägungen oder mitteleuropäische Mehrfachdukaten.

Eine wichtige Rolle spielt die Zertifizierung durch NGC. Zahlreiche Münzen wurden hinsichtlich ihrer Echtheit und Erhaltung geprüft und in Schutzkapseln mit einem speziellen Herkunftslabel für die Traveller Collection untergebracht.

Dieses Label dokumentiert die Zuordnung zur Sammlung. Es ersetzt allerdings nicht die historische Provenienzforschung oder die Prüfung früherer Eigentumsnachweise.

 

Die wichtigsten Auktionsergebnisse im Vergleich

 

Die bisherigen Versteigerungen zeigen, welche Bedeutung außergewöhnliche Seltenheit, Erhaltung und Herkunft für die Preisbildung besitzen. Besonders bemerkenswert sind die Ergebnisse der NAC-Auktion 162 vom 6. November 2025 und der NAC-Auktion 167 vom 27. Mai 2026.

Münze / Objekt Auktion Verkaufspreis in CHF
Böhmen, 100 Dukaten 1629 162 2.388.750
Tschechoslowakei, 5 Dukaten 1937 162 673.750
Großbritannien, Proof-Satz 1826 167 588.000
Una and the Lion, Silberprobe 1839 167 514.500
Großbritannien, Proof-Satz 1839 167 343.000
Großbritannien, Gold-Probekrone 1837 (1893) 167 318.500

Quelle: Veröffentlichte Auktionsergebnisse von NGC zu den NAC-Auktionen 162 und 167. Die genannten Verkaufspreise enthalten das Käuferaufgeld und sind nicht mit den reinen Hammerpreisen gleichzusetzen.

 

Der böhmische 100-Dukaten-Gigant von 1629

 

Historische europäische Goldmünzen und ein großer Mehrfachdukat als Symbol der Traveller Collection bei NAC

Das bislang herausragende Einzelstück der dokumentierten Versteigerungen ist der böhmische 100-Dukaten-Goldabschlag aus dem Jahr 1629.

Die Münze entstand in Prag unter Ferdinand III., der 1627 zum König von Böhmen gekrönt worden war und 1637 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde.

Mit einem Durchmesser von etwa 74 Millimetern und einem Gewicht von mehr als 330 Gramm unterscheidet sich das Stück erheblich von gewöhnlichen historischen Umlaufmünzen. Solche großformatigen Mehrfachdukaten dienten vor allem der fürstlichen Repräsentation und waren nicht für den alltäglichen Zahlungsverkehr bestimmt.

Nach Angaben des Auktionshauses sind lediglich vier Exemplare bekannt. Zwei davon befinden sich in Museumssammlungen in Wien und Budapest.

Bei der NAC-Auktion 162 wurde das als NGC AU 58 zertifizierte Exemplar unter Losnummer 1008 angeboten. Der Schätzpreis betrug 1.250.000 Schweizer Franken.

Das Ergebnis von 2.388.750 Schweizer Franken einschließlich Aufgeld übertraf diese Erwartung deutlich. Umgerechnet entsprach der Betrag zum damaligen Zeitpunkt ungefähr 2,95 Millionen US-Dollar.

Der Preis macht deutlich, dass bei außergewöhnlichen historischen Goldmünzen nicht allein der Materialwert entscheidend ist. Die Kombination aus extremer Seltenheit, historischer Bedeutung, Erhaltung und dokumentierter Herkunft kann einen wesentlich höheren Sammlerwert begründen.

 

Una and the Lion begeistert britische Münzsammler

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Traveller Collection liegt auf britischen Münzen des 19. Jahrhunderts. Besonders begehrt sind Prägungen mit dem Motiv „Una and the Lion“, das eng mit der frühen Regierungszeit von Königin Victoria verbunden ist.

Der Künstler William Wyon schuf eine der berühmtesten Darstellungen der britischen Münzgeschichte. Das Motiv zeigt eine weibliche Gestalt, die einen Löwen führt. Die Bildsprache geht auf das literarische Werk „The Faerie Queene“ von Edmund Spenser zurück.

Bereits im Mai 2025 hatte ein seltenes Exemplar der goldenen 5-Sovereign-Ausgabe von 1839 aus der Traveller Collection einen Verkaufspreis von 980.000 Schweizer Franken erzielt.

Im Mai 2026 stand erneut das berühmte Motiv im Mittelpunkt. Diesmal handelte es sich um eine Silber-Probekrone von 1839, die mit NGC PF 64 bewertet worden war.

Das unter Losnummer 1610 angebotene Stück erreichte 514.500 Schweizer Franken einschließlich Aufgeld. Der reine Hammerpreis lag bei 420.000 Franken.

Dieser Unterschied ist für die Bewertung von Auktionsergebnissen wichtig. Während Auktionsdatenbanken teilweise den Zuschlag ohne Gebühren nennen, berichten Zertifizierungsgesellschaften häufig über den Gesamtpreis einschließlich Käuferaufgeld.

 

Die Auktionen 167 und 168 im Mai 2026

 

Am 27. Mai 2026 setzte Numismatica Ars Classica die Versteigerungsreihe mit zwei thematisch getrennten Auktionen fort.

Die Auktion 167 konzentrierte sich auf britische Münzen. Im Mittelpunkt standen historische Crown-Prägungen, Proof-Ausgaben und seltene Probestücke. Die parallel durchgeführte Auktion 168 widmete sich italienischen Münzen.

Zu den herausragenden Ergebnissen der britischen Auktion gehörte ein Proof-Satz von 1826 unter König Georg IV. Das Ensemble umfasste elf Münzen, darunter ein goldenes 5-Sovereign-Stück mit der Bewertung NGC PF 66+ Ultra Cameo.

Der gesamte Satz erzielte 588.000 Schweizer Franken. Damit lag sein Verkaufspreis deutlich über der ursprünglichen Schätzung von 200.000 Franken.

Auch weitere britische Probestücke erreichten sechsstellige Beträge. NGC berichtete, dass bei den beiden Mai-Auktionen insgesamt mehr als zwei Dutzend zertifizierte Lose jeweils umgerechnet sechsstellige US-Dollar-Verkaufspreise erzielten.

Diese Resultate unterstreichen die internationale Nachfrage nach seltenen britischen und italienischen Prägungen. Sie belegen jedoch keine allgemeine Preissteigerung sämtlicher historischer Münzen.

Die ausführlichen Beschreibungen ausgewählter Ergebnisse sind in den Veröffentlichungen von NGC zu den Traveller-Auktionen vom Mai 2026 dokumentiert.

 

Warum die Herkunft den Sammlerwert beeinflusst

 

In der Numismatik bezeichnet der Begriff Provenienz die nachvollziehbare Herkunft und Besitzgeschichte eines Sammlungsobjekts.

Bei seltenen Münzen kann diese Information von erheblicher Bedeutung sein. Ein Exemplar, das nachweislich Teil einer bekannten historischen Sammlung war, besitzt eine zusätzliche dokumentarische Qualität.

Die Traveller Collection vereint mehrere Eigenschaften, die für anspruchsvolle Sammler interessant sind:

  • Eine außergewöhnliche und historisch bedeutsame Sammlungsgeschichte.
  • Seltene europäische Gold- und Silberprägungen aus unterschiedlichen Jahrhunderten.
  • Teilweise besonders hohe oder ungewöhnliche Erhaltungsgrade.
  • Dokumentierte Auktionskataloge und individuelle Losbeschreibungen.
  • Eine einheitlich erkennbare Herkunft durch spezielle Zertifizierungslabels.

Allerdings sollte zwischen einem belegten Herkunftsnachweis und einem pauschalen Provenienzaufschlag unterschieden werden. Nicht jede Münze aus einer berühmten Sammlung erzielt automatisch einen höheren Preis als ein vergleichbares Exemplar anderer Herkunft.

Entscheidend bleiben Seltenheit, Nachfrage, Erhaltung, historische Bedeutung und die tatsächliche Wettbewerbssituation während einer Auktion.

 

Was die Traveller Collection über den Münzmarkt zeigt

 

Die außergewöhnlichen Zuschläge verdeutlichen, wie stark sich der Markt für historische Spitzenraritäten vom gewöhnlichen Edelmetallhandel unterscheidet.

Bei modernen Anlagemünzen orientiert sich die Preisbildung überwiegend am jeweiligen Edelmetallkurs, ergänzt um Handelsaufschläge und gegebenenfalls Sammlerprämien.

Bei einer jahrhundertealten Goldmünze mit nur wenigen bekannten Exemplaren ist der Metallwert dagegen häufig von untergeordneter Bedeutung.

Das gilt insbesondere für historische Mehrfachdukaten, seltene Probeprägungen und aufwendig hergestellte Proof-Münzen.

Für Sammler ist deshalb eine sorgfältige Unterscheidung zwischen Materialwert, numismatischer Seltenheit und dokumentierten Marktpreisen erforderlich. Eine hohe Bewertung durch ein Grading-Unternehmen kann dabei helfen, den Erhaltungszustand einzuordnen, stellt jedoch keine Garantie für einen bestimmten Verkaufspreis dar.

Auch die sachgerechte Aufbewahrung ist entscheidend, insbesondere bei empfindlichen historischen Oberflächen. Weitere Hinweise bietet unser Fachbeitrag Münzen richtig lagern und langfristig schützen.

 

Wie geht es mit der Traveller Collection weiter?

 

Die Traveller Collection wird nicht als geschlossener Bestand in einer einzigen Auktion veräußert, sondern über mehrere spezialisierte Versteigerungen verteilt.

Die Ergebnisse von 2025 und 2026 haben bereits zahlreiche bedeutende Stücke in neue Sammlungen überführt. Welche weiteren Objekte angeboten werden und welche Termine künftig vorgesehen sind, muss anhand der jeweils veröffentlichten Auktionsprogramme geprüft werden.

Eine verbindliche Aussage über noch ausstehende Versteigerungen lässt sich aus den bereits abgeschlossenen Auktionen allein nicht ableiten.

Interessierte Sammler können die dokumentierten Lose und Informationen über die offizielle Auktionsübersicht der Traveller Collection nachvollziehen.

Schon jetzt zählt die Versteigerungsreihe zu den bemerkenswerten Ereignissen der jüngeren europäischen Numismatik. Sie verbindet eine ungewöhnliche Überlieferungsgeschichte mit seltenen Prägungen und dokumentierten Spitzenpreisen.

Ihr langfristiger Stellenwert dürfte sich jedoch nicht allein an den erzielten Millionenbeträgen bemessen. Ebenso wichtig ist, dass bislang kaum zugängliche Münzen wissenschaftlich beschrieben, fotografisch dokumentiert und für den internationalen Sammlermarkt sichtbar gemacht werden.

Häufige Fragen zur Traveller Collection

Was ist die Traveller Collection?

Die Traveller Collection ist eine historische Sammlung seltener europäischer Münzen, die nach Angaben von NGC während der nationalsozialistischen Bedrohung vergraben wurde und jahrzehntelang verborgen blieb. Numismatica Ars Classica versteigert die Sammlung in mehreren Auktionen.

Welche Münze erzielte den höchsten dokumentierten Preis?

Zu den herausragenden Ergebnissen gehört ein böhmischer 100-Dukaten-Goldabschlag von 1629. Das Stück erzielte am 6. November 2025 bei NAC einen Verkaufspreis von 2.388.750 Schweizer Franken einschließlich Käuferaufgeld.

Warum sind Münzen aus der Traveller Collection so wertvoll?

Mehrere Exemplare verbinden extreme Seltenheit, historische Bedeutung, außergewöhnliche Erhaltung und eine dokumentierte Sammlungsgeschichte. Der tatsächlich erzielbare Preis hängt jedoch stets von der einzelnen Münze und der Nachfrage ab.

Wo kann man die Ergebnisse der NAC-Auktionen einsehen?

Auktionskataloge und Losinformationen sind über die Traveller-Collection-Webseite sowie numismatische Auktionsdatenbanken zugänglich. NGC veröffentlicht zusätzlich ausgewählte Verkaufsergebnisse zertifizierter Münzen.

 

30.10.2026 - Tobias Dalacker -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Traveller-Collection-bei-NAC--Rekordpreise-fuer-seltene-Muenzen-30102026t