Gold gegen Silber 2026: Wer liegt seit Januar vorn?
Nach dem Januar-Rausch liegt Gold seit Jahresbeginn fast unverändert, Silber dagegen rund elf Prozent im Minus.
Gold und Silber haben 2026 eine außergewöhnlich volatile Entwicklung hinter sich. Beide Edelmetalle starteten stark ins Jahr und erreichten bereits Ende Januar neue Rekordstände. Danach trennten sich ihre Wege jedoch deutlich. Während Gold seine Verluste im weiteren Jahresverlauf weitgehend auffangen konnte, liegt Silber Mitte September klar unter seinem Niveau vom ersten Handelstag.
Für einen sauberen Vergleich verwenden wir zwei Reuters-Marktstände: Am 2. Januar 2026 notierte Spotgold bei rund 4.372 US-Dollar je Feinunze und Silber bei etwa 73,79 Dollar. Am 17. September lag Gold bei rund 4.360 Dollar und Silber bei 65,60 Dollar. Je nach Tageszeit und Datenanbieter können die Werte leicht abweichen, an der grundsätzlichen Entwicklung ändert das jedoch nichts.
Gold steht seit Jahresbeginn praktisch auf der Stelle

Ausgehend von den Reuters-Kursen ergibt sich für Gold seit Anfang Januar ein Minus von lediglich rund 0,3 Prozent. Trotz der enormen Schwankungen befindet sich der Preis damit nahezu wieder dort, wo er zu Jahresbeginn stand.
Silber entwickelte sich schwächer. Von rund 73,79 Dollar am 2. Januar fiel der Spotpreis bis zum 17. September auf 65,60 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von ungefähr 11,1 Prozent.
Der aktuelle Marktstand stammt aus dem Reuters-Edelmetallbericht vom 17. September 2026. Reuters hatte zum ersten Handelstag des Jahres Gold bei 4.372,35 Dollar und Silber bei 73,79 Dollar gemeldet.
Im Januar sah Silber noch wie der klare Gewinner aus
Der bisherige Jahresverlauf zeigt allerdings, wie wenig ein Vergleich von Start- und Endpunkt über die zwischenzeitlichen Bewegungen verrät. Ende Januar explodierten die Preise beider Metalle regelrecht.
Gold erreichte am 29. Januar ein Rekordhoch von rund 5.594,82 Dollar je Feinunze. Gegenüber dem Jahresauftakt bedeutete dies zeitweise einen Anstieg von knapp 28 Prozent.
Silber bewegte sich noch extremer. Am 29. Januar wurden bis zu 121,60 Dollar je Feinunze erreicht. Gegenüber dem Kurs vom 2. Januar entsprach dies zeitweise einem Plus von fast 65 Prozent.
Damit war Silber zunächst eindeutig der dynamischere Markt. Die anschließende Korrektur fiel jedoch ebenfalls erheblich stärker aus.
Silber hat fast die Hälfte seines Januar-Hochs abgegeben
Vom Rekordhoch bei 121,60 Dollar bis zum aktuellen Kurs von 65,60 Dollar verlor Silber rund 46 Prozent. Gold steht mit etwa 4.360 Dollar derzeit rund 22 Prozent unter seinem Januarrekord.
Die höhere Schwankungsbreite von Silber ist typisch. Der Markt ist kleiner und weniger liquide als der Goldmarkt. Gleichzeitig beeinflussen neben Investmentströmen auch industrielle Nachfrage und Konjunkturerwartungen den Preis.
Bei starken Aufwärtsbewegungen kann Silber deshalb erheblich schneller steigen als Gold. In einer Korrektur funktioniert derselbe Hebel jedoch in die andere Richtung.
Die Gold-Silber-Ratio ist wieder gestiegen
Die unterschiedliche Entwicklung lässt sich auch an der Gold-Silber-Ratio erkennen. Sie gibt an, wie viele Feinunzen Silber rechnerisch dem Preis einer Feinunze Gold entsprechen.
Auf Basis der Reuters-Kurse vom 2. Januar lag das Verhältnis bei ungefähr 59,3. Am 17. September beträgt es rund 66,5.
Die Ratio ist damit seit Jahresbeginn um gut zwölf Prozent gestiegen. Anders ausgedrückt: Gold hat sich im bisherigen Jahresverlauf relativ zu Silber deutlich besser gehalten.
Gold profitiert weiter von struktureller Investmentnachfrage
Ein Grund für die relative Stabilität von Gold liegt in seiner breiteren Investment- und Reservenachfrage. Nach Angaben des World Gold Council erreichte die weltweite Goldnachfrage einschließlich OTC-Handel im ersten Quartal 2026 rund 1.231 Tonnen.
Besonders stark war der Markt für Barren und Münzen. Die Nachfrage stieg im ersten Quartal um 42 Prozent auf 474 Tonnen. Zentralbanken kauften netto weitere 244 Tonnen Gold.
Auch für den weiteren Jahresverlauf erwartet der World Gold Council, dass Investmentnachfrage und Zentralbankkäufe wichtige Stützen bleiben. Die Organisation weist allerdings zugleich darauf hin, dass ETF-Ströme empfindlich auf Realzinsen, Geldpolitik und den US-Dollar reagieren können.
Die aktuellen Nachfragezahlen veröffentlicht der World Gold Council in den Gold Demand Trends 2026.
Silber bleibt fundamental knapp – aber nicht jeder Faktor hilft
Die schwächere Kursentwicklung bedeutet nicht, dass der Silbermarkt fundamental ohne Unterstützung wäre. Das Silver Institute erwartet für 2026 bereits das sechste Jahr in Folge ein strukturelles Marktdefizit.
Die physische Investmentnachfrage soll nach der Prognose um rund 20 Prozent auf etwa 227 Millionen Feinunzen steigen. Gleichzeitig dürfte die industrielle Silbernachfrage jedoch um ungefähr zwei Prozent auf rund 650 Millionen Feinunzen zurückgehen.
Ein wichtiger Grund ist die Photovoltaikindustrie. Weltweit werden zwar weiterhin mehr Solaranlagen installiert, gleichzeitig sinkt aber die pro Modul benötigte Silbermenge. Hersteller sparen Silber ein oder ersetzen es teilweise durch andere Materialien.
Das Silver Institute erwartet dennoch auch 2026 ein deutliches Angebotsdefizit.
Die Fed hat den Edelmetallen zuletzt zusätzlichen Gegenwind gebracht
Seit dem Frühjahr hat sich das Zinsumfeld gegenüber den Erwartungen zu Jahresbeginn deutlich verändert. Am 16. September erhöhte die Federal Reserve ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Zielspanne von 3,75 bis 4,00 Prozent und signalisierte, dass weitere Schritte möglich sind.
Höhere Zinsen sind grundsätzlich Gegenwind für Gold und Silber, weil beide Metalle keine laufenden Zinserträge bieten. Gleichzeitig stützen geopolitische Risiken, hohe Staatsschulden und Inflationssorgen weiterhin die Nachfrage nach Edelmetallen.
Genau dieses Spannungsfeld erklärt einen Teil der starken Schwankungen des bisherigen Jahres.
Gold liegt 2026 bisher klar vor Silber
Der Vergleich seit Jahresbeginn fällt derzeit eindeutig aus. Gold notiert gegenüber dem ersten Handelstag nahezu unverändert und liegt nur etwa 0,3 Prozent im Minus. Silber hat dagegen rund elf Prozent verloren.
Noch deutlicher wird der Unterschied beim Blick auf die Januarrekorde. Gold steht aktuell etwa 22 Prozent unter seinem bisherigen Jahreshoch, Silber rund 46 Prozent darunter.
Silber bleibt damit das volatilere Metall. Der Markt besitzt weiterhin Unterstützung durch ein strukturelles Angebotsdefizit und hohe Investmentnachfrage, reagiert aber stärker auf Konjunkturerwartungen, industrielle Trends und spekulative Positionierung.
Gold zeigt bislang die größere relative Stabilität. Zentralbankkäufe, Barren- und Münznachfrage sowie seine Rolle als Reserve- und Krisenmetall haben den Preis trotz zwischenzeitlich heftiger Korrekturen in die Nähe seines Jahresanfangsniveaus zurückgeführt.
Für den restlichen Jahresverlauf dürfte deshalb weniger entscheidend sein, welches Metall im Januar die spektakulärere Rally gezeigt hat. Wichtiger werden die weitere Zinspolitik, der US-Dollar, geopolitische Entwicklungen und bei Silber zusätzlich die tatsächliche Industrienachfrage. Der Beitrag dient der Marktbeobachtung und stellt keine Anlageberatung dar.
17.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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