Rohstoffe weltweit: Minen und Recycler im Fokus
16. Oktober 2026: Neue Milliardenpläne, Kupferreserven, Batterierecycling und der Wettlauf um kritische Metalle verändern die internationale Rohstoffindustrie.
Die internationale Rohstoffwirtschaft erlebt eine Phase weitreichender Veränderungen. Während die Weltbank Milliarden für kritische Mineralien mobilisieren will, bauen die USA strategische Kupferreserven auf. Gleichzeitig melden Recyclingunternehmen neue Industrieaufträge, und afrikanische Bergbauprojekte rücken stärker in den Mittelpunkt internationaler Investitionen. Der Rohstoffüberblick vom 16. Oktober 2026 zeigt, welche Unternehmen und Projekte derzeit besonders relevant sind.
Weltbank will 19 Milliarden Dollar für kritische Rohstoffe mobilisieren
Die Weltbank plant eine erhebliche Ausweitung ihrer Finanzierung für kritische Mineralien. Präsident Ajay Banga kündigte am 16. Oktober an, das Finanzierungsvolumen innerhalb von fünf Jahren auf insgesamt 19 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Im vorherigen Fünfjahreszeitraum waren es rund 3,6 Milliarden US-Dollar.
Die Initiative soll nicht nur neue Bergbauprojekte unterstützen. Auch Aufbereitungsanlagen, industrielle Verarbeitung und regionale Wertschöpfung sollen stärker gefördert werden. Die Weltbank hat dafür 20 mögliche Partnerländer identifiziert.
Für Bergbaugesellschaften und Metallproduzenten könnte dies den Zugang zu langfristigen Finanzierungen verbessern. Besonders interessant sind Projekte, die neben der Rohstoffgewinnung auch eigene Verarbeitungsstrukturen aufbauen.
Quelle: Reuters, 16. Oktober 2026
Mercuria liefert 12.000 Tonnen Kupfer für US-Rohstoffreserve

Der internationale Rohstoffhändler Mercuria hat 12.000 Tonnen Kupfer aus der Demokratischen Republik Kongo für die amerikanische Rohstoffreserve Project Vault bereitgestellt. Damit nimmt das staatlich unterstützte Programm zur Sicherung kritischer Industriemetalle konkrete Formen an.
Project Vault ist als strategische Reserve für die zivile Industrie konzipiert. Das Gesamtprogramm hat einen vorgesehenen Umfang von zwölf Milliarden US-Dollar. Mercuria gehört neben Glencore zu den wichtigen Partnern.
Die Entwicklung verdeutlicht die zunehmende Bedeutung von Kupfer. Elektrische Netze, Rechenzentren, Industrieanlagen und die Energiewende benötigen große Mengen des Metalls. Gleichzeitig können Störungen im Bergbau die Versorgung erheblich beeinträchtigen.
Für Kupferproduzenten entstehen dadurch neue Absatzmöglichkeiten. Allerdings können staatliche Lagerprogramme auch zusätzliche Schwankungen bei Handelsströmen und Preisen verursachen.
Afrika plant neue Investitionen in Eisenerz und Uran
Die Africa Finance Corporation (AFC) prüft zusätzliche Investitionen in afrikanische Eisenerz- und Uranprojekte. Die Finanzierungsgesellschaft ist bereits in verschiedenen Rohstoffbereichen aktiv, darunter Gold, Kupfer, Bauxit und Mangan.
Besonders Westafrika besitzt erhebliche Eisenerzvorkommen. Guinea, Liberia, Mauretanien und Sierra Leone könnten nach Einschätzung der AFC innerhalb des kommenden Jahrzehnts zu einer der weltweit bedeutendsten Förderregionen aufsteigen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Transportinfrastruktur. Der Lobito-Korridor soll Bergbaugebiete in Sambia und der Demokratischen Republik Kongo besser mit dem Atlantikhafen Lobito in Angola verbinden.
Konkrete neue Investitionsentscheidungen erwartet die AFC nach eigenen Angaben innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate. Noch handelt es sich daher überwiegend um Finanzierungsperspektiven und nicht um bereits beschlossene Minenerweiterungen.
Recyclus gewinnt Großauftrag für Batterierecycling
Das britische Recyclingunternehmen Recyclus Group hat am 15. Oktober einen bedeutenden Vertrag mit einem internationalen Automobilhersteller bekannt gegeben. Die Vereinbarung umfasst das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien über einen Zeitraum von drei Jahren.
Die Batterien sollen in der industriellen Recyclinganlage in Wolverhampton verarbeitet werden. Dabei entstehen unter anderem wiederverwertbare Metallfraktionen und sogenannte Black Mass, ein Zwischenprodukt mit wertvollen Batterierohstoffen.
Nach Unternehmensangaben könnte der Auftrag die verarbeiteten Mengen nahezu verdoppeln. Zusammen mit dem bestehenden Geschäft soll die Anlage dadurch näher an ihre Kapazitätsgrenze gelangen.
Für die europäische Rohstoffwirtschaft ist diese Entwicklung relevant, weil Recyclingunternehmen zunehmend langfristige Lieferverträge direkt mit Automobilproduzenten abschließen. Dadurch können sekundäre Rohstoffe besser planbar bereitgestellt werden.
Die wirtschaftlichen Erwartungen beruhen allerdings auf Unternehmensprognosen und sind noch keine bestätigten Geschäftsergebnisse.
Deutscher Recycler cylib erhält strategischen EU-Status
Das Aachener Unternehmen cylib meldete am 14. Oktober, dass sein Batterierecyclingprojekt von der Europäischen Kommission als strategisches Projekt im Rahmen des Critical Raw Materials Act ausgewählt wurde.
Im Mittelpunkt steht eine neue Recyclinganlage in Dormagen. Diese wird für die Verarbeitung von bis zu 140.000 Elektrofahrzeugbatterien pro Jahr ausgelegt. Die Anlage befindet sich noch im Aufbau.
Das Unternehmen setzt auf ein hydrometallurgisches Verfahren zur Rückgewinnung wichtiger Batteriematerialien. Nach eigenen Angaben lassen sich damit Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan mit hohen Rückgewinnungsraten aufbereiten.
Die strategische Einstufung unterstreicht das Ziel der Europäischen Union, die Versorgung mit kritischen Rohstoffen stärker innerhalb Europas abzusichern. Eine solche Anerkennung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sämtliche Investitionen bereits finanziert oder Produktionsziele garantiert sind.
Quelle: cylib, Unternehmensmitteilung vom 14. Oktober 2026
Anglo American berichtet über Interesse großer Technologiekonzerne
Die internationale Bergbaugesellschaft Anglo American beobachtet ein wachsendes Interesse großer Technologieunternehmen an direkten Beteiligungen an Rohstoffproduzenten.
Vorstandschef Duncan Wanblad erklärte auf einer internationalen Bergbaukonferenz, dass Gespräche über mögliche Beteiligungen und langfristige Liefervereinbarungen geführt würden. Abgeschlossene Beteiligungsgeschäfte wurden in diesem Zusammenhang jedoch nicht bekannt gegeben.
Hintergrund ist der steigende Metallbedarf moderner Rechenzentren, Stromversorgungssysteme und elektronischer Geräte. Kupfer, Aluminium und verschiedene Spezialmetalle gewinnen dadurch auch für Unternehmen an Bedeutung, die bislang kaum direkt im Bergbau aktiv waren.
Die Gespräche zeigen, dass sich Rohstoffsicherung zunehmend von klassischen Lieferverträgen hin zu strategischen Industriepartnerschaften entwickeln könnte.
Nickelproduktion in Indonesien gerät unter Umweltkritik
Eine am 16. Oktober veröffentlichte Untersuchung des Guardian wirft neue Fragen zur ökologischen Verantwortung internationaler Batterielieferketten auf.
Im Mittelpunkt stehen Nickelminen auf der indonesischen Insel Sulawesi. Die Untersuchung beschreibt Entwaldung in Gebieten, aus denen Nickel über mehrere Verarbeitungsstufen in internationale Batterie- und Automobillieferketten gelangt.
Genannt werden unter anderem die Minen Cahaya und Hengjaya sowie Verarbeitungsstrukturen des chinesischen Konzerns Zhejiang Huayou Cobalt.
Die Untersuchung stellt mögliche indirekte Verbindungen zu Lieferketten großer Automobilhersteller her. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jeder genannte Hersteller Nickel aus einer bestimmten Mine in seinen Fahrzeugen verwendet.
Für die Nickelindustrie wächst damit der Druck, Herkunftsnachweise, Umweltstandards und die Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen zu verbessern. Gleichzeitig gewinnt das Recycling von Nickel aus gebrauchten Batterien an strategischer Bedeutung.
Chile: Antofagasta steigert Kupferproduktion
Auch aus Südamerika kommen wichtige Nachrichten. Der chilenische Bergbaukonzern Antofagasta meldete am 15. Oktober einen Anstieg seiner Kupferproduktion um sieben Prozent und bestätigte seine Produktionsprognose.
Chile gehört zu den wichtigsten Kupferförderländern der Welt. Produktionsentwicklungen großer chilenischer Minengesellschaften sind deshalb für internationale Metallmärkte besonders relevant.
Die Meldung von Antofagasta steht im Kontrast zu den Sorgen über mögliche Förderausfälle in anderen Regionen. Sie zeigt, dass die Versorgungslage nicht ausschließlich von neuen Minen abhängt, sondern auch von der Leistung bereits bestehender Anlagen.
Ausblick: Rohstoffsicherung wird zur Industriepolitik
Die internationalen Meldungen vom 16. Oktober zeigen drei zentrale Entwicklungen: Staaten investieren stärker in Rohstoffreserven und Infrastruktur, Bergbauunternehmen suchen neue industrielle Partner, und Recyclingbetriebe werden zunehmend zu eigenständigen Rohstofflieferanten.
Besonders Kupfer, Nickel, Lithium, Graphit und strategisch wichtige Spezialmetalle stehen im Mittelpunkt dieser Veränderungen. Dabei reicht die bloße Verfügbarkeit einer Lagerstätte nicht aus. Entscheidend sind zunehmend Finanzierung, Aufbereitungskapazitäten, Transportwege und langfristige Abnahmeverträge.
Für die kommenden Monate dürfte deshalb vor allem interessant werden, welche angekündigten Projekte tatsächlich in Produktion gehen und welche Recyclingunternehmen ihre geplanten Kapazitäten wirtschaftlich auslasten können.
Der internationale Rohstoffsektor bleibt damit nicht nur ein Thema für Bergbauunternehmen, sondern entwickelt sich immer stärker zu einem zentralen Bestandteil globaler Industrie- und Versorgungspolitik.
16.10.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de
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