Aurubis wird zum Gewinnmotor für Salzgitter

Starker Ergebnisbeitrag des Kupferkonzerns, bessere Stahlgeschäfte und eine erhöhte Jahresprognose: Was hinter den neuen Zahlen steckt.

Von Tobias Dalacker

Inhaltsverzeichnis

Der Kupferproduzent Aurubis gewinnt für den Salzgitter-Konzern zunehmend an Bedeutung. Nach den am 28. Oktober 2026 veröffentlichten vorläufigen Neunmonatszahlen hat der Stahlhersteller seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beteiligung an der Hamburger Aurubis AG: Ihr Ergebnisbeitrag stieg von 83,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 252 Millionen Euro. Gleichzeitig entwickelten sich die Geschäftsbereiche Stahlerzeugung und Handel besser als zuletzt erwartet.

Die Zahlen zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung innerhalb der deutschen Metallindustrie. Während klassische Stahlhersteller weiterhin mit hohen Energiekosten, internationalem Wettbewerb und konjunkturellen Unsicherheiten konfrontiert sind, profitiert Aurubis von seinem Geschäft mit Kupfer, Edelmetallen und dem Recycling komplexer metallhaltiger Rohstoffe.

 

Aurubis-Beteiligung liefert 252 Millionen Euro Ergebnisbeitrag

 

Der Salzgitter-Konzern erzielte in den ersten neun Monaten 2026 nach vorläufigen Berechnungen einen Außenumsatz von 7,3 Milliarden Euro. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 6,9 Milliarden Euro gewesen.

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA VX) erreichte 659 Millionen Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern (EBT VX) belief sich auf 353 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Salzgitter ein EBITDA von 224 Millionen Euro und ein negatives Ergebnis vor Steuern von 72,7 Millionen Euro ausgewiesen.

Besonders auffällig ist der Ergebnisbeitrag der nach der Equity-Methode bilanzierten Aurubis-Beteiligung. Mit 252 Millionen Euro lag er um 168,5 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Das entspricht einem Anstieg von rund 202 Prozent und damit einer Verdreifachung.

Allerdings handelt es sich hierbei um einen bilanziellen Beteiligungsertrag und nicht um eine gleich hohe Barausschüttung von Aurubis an Salzgitter. Auch sind die bereinigten VX-Kennzahlen des Jahres 2026 nicht uneingeschränkt mit den unbereinigten Vorjahreswerten vergleichbar.

Die außergewöhnlich starke Entwicklung der Aurubis-Beteiligung verdeutlicht, welchen Einfluss das Kupfer- und Multimetallgeschäft mittlerweile auf das Konzernergebnis des Stahlherstellers besitzt.

 

Salzgitter erhöht die Jahresprognose deutlich

 

Industrielle Kupferproduktion bei Aurubis als wichtiger Ergebnisfaktor für den Salzgitter-Konzern

Aufgrund der verbesserten Geschäftsentwicklung erwartet Salzgitter für 2026 nun ein EBITDA VX zwischen 800 und 875 Millionen Euro. Zuvor hatte die Prognosespanne bei 725 bis 825 Millionen Euro gelegen.

Auch die Erwartung für das EBT VX wurde angehoben. Der Konzern rechnet jetzt mit 400 bis 475 Millionen Euro, nachdem zuvor 325 bis 425 Millionen Euro prognostiziert worden waren. Die Umsatzerwartung bleibt dagegen unverändert bei rund zehn Milliarden Euro.

In der neuen Prognose sind außerdem erwartete Effekte aus der vollständigen Konsolidierung der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) berücksichtigt. Salzgitter erwartet daraus, vorbehaltlich einmaliger Effekte aus der Kaufpreisallokation, einen zusätzlichen Ergebnisbeitrag im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Die neuen Zielwerte sind dennoch keine Garantie für das Gesamtjahr. Salzgitter verweist ausdrücklich auf geopolitische Risiken und die eingeschränkte Vorhersehbarkeit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung.

 

Auch Aurubis selbst meldet deutlich höhere Gewinne

 

Die operative Entwicklung des Hamburger Kupferkonzerns bestätigt das positive Bild. In den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2025/26, das am 30. Juni 2026 endete, steigerte Aurubis das operative Ergebnis vor Steuern um 31 Prozent auf 374 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 286 Millionen Euro gewesen.

Das operative EBITDA verbesserte sich von 462 auf 570 Millionen Euro. Besonders dynamisch entwickelte sich das dritte Geschäftsquartal von April bis Juni 2026: Das operative Ergebnis vor Steuern erreichte 149 Millionen Euro nach lediglich 57 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahresquartal.

Zu den wichtigsten Ursachen gehörten höhere Metallpreise, insbesondere bei Edelmetallen, verbesserte Erlöse aus dem Schwefelsäuregeschäft, höhere Einnahmen aus Kupferprodukten und zusätzliche Beiträge aus der Verarbeitung von Recyclingmaterial.

Hinzu kommt ein Basiseffekt: Im Vorjahreszeitraum hatte ein umfangreicher geplanter Wartungsstillstand am bulgarischen Produktionsstandort das Ergebnis belastet.

Die Zahlen stammen aus dem Neunmonatsbericht von Aurubis vom 6. August 2026.

 

Kupfer, Edelmetalle und Recycling stärken das Geschäftsmodell

 

Aurubis ist weit mehr als ein klassischer Kupferproduzent. Das Unternehmen verarbeitet Kupferkonzentrate und unterschiedliche Recyclingrohstoffe und gewinnt daraus neben Kupfer auch Gold, Silber und weitere Metalle zurück.

Gerade diese breite Rohstoffbasis ist wirtschaftlich bedeutsam. Die Profitabilität hängt nicht ausschließlich vom Kupferpreis ab, sondern unter anderem auch von Schmelz- und Raffinierlöhnen, dem Metallausbringen, Recyclingmargen, Produktprämien und Nebenprodukterlösen.

Steigende Metallpreise können das Ergebnis positiv beeinflussen, wenn sie beispielsweise zu höheren Erlösen aus zusätzlich gewonnenen Metallen führen. Gleichzeitig können schwächere Schmelzlöhne, steigende Energiepreise oder geringere Materialverfügbarkeit die Margen belasten.

Der strukturelle Kupferbedarf wird unter anderem durch den Ausbau von Stromnetzen, erneuerbaren Energien, Elektromobilität und Rechenzentren beeinflusst. Für Aurubis entsteht daraus ein langfristig relevantes industrielles Umfeld. Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch eine kontinuierliche Gewinnsteigerung ableiten.

 

Neue Recyclinganlagen sollen zusätzliche Erträge bringen

 

Aurubis investiert erheblich in die Weiterentwicklung seiner Produktions- und Recyclingkapazitäten. Nach Unternehmensangaben waren bis Ende Juni 2026 rund 90 Prozent des strategischen Investitionsprogramms im Umfang von etwa 1,7 Milliarden Euro umgesetzt.

Zu den wichtigsten Projekten zählt die neue Recyclinganlage Complex Recycling Hamburg, deren Inbetriebnahme im Juli 2026 erfolgte. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 190 Millionen Euro. Die Anlage soll Materialströme am Hamburger Standort effizienter verarbeiten und nach vollständigem Hochlauf zusätzliche Ergebnisbeiträge ermöglichen.

Weitere Projekte betreffen den Standort Richmond in den USA und den Ausbau der Kupferelektrolyse in Bulgarien. Beide Vorhaben sind für die künftige Produktionskapazität relevant, befinden sich jedoch noch in unterschiedlichen Phasen des Hochlaufs beziehungsweise der Inbetriebnahme.

Die Investitionen können langfristig die Wettbewerbsposition verbessern. Kurzfristig sind damit allerdings auch Anlaufkosten, zusätzlicher Kapitalbedarf und operative Risiken verbunden.

 

Warum die Aurubis-Aktie anders zu bewerten ist als Salzgitter

 

Für Anleger ist die Unterscheidung zwischen den beiden börsennotierten Unternehmen entscheidend. Wer die Aurubis-Aktie betrachtet, bewertet unmittelbar das Geschäftsmodell eines Kupfer- und Multimetallproduzenten mit eigenen Produktionsanlagen, Investitionsprojekten und industriellen Risiken.

Die Salzgitter-Aktie bildet dagegen ein breiteres Geschäft ab. Neben der Aurubis-Beteiligung beeinflussen insbesondere die Stahlproduktion, der Stahlhandel, die Verarbeitung sowie die Entwicklung der weiteren Konzerngesellschaften das Ergebnis.

Die Beteiligung an Aurubis kann deshalb die Gewinnentwicklung von Salzgitter deutlich verbessern, ohne dass sämtliche operativen Herausforderungen im Stahlgeschäft bereits gelöst wären.

Für die Bewertung beider Aktien sind neben den ausgewiesenen Gewinnen insbesondere Cashflow, Verschuldung, Investitionsbedarf und die Nachhaltigkeit der operativen Erträge wichtig.

 

Die Risiken bleiben trotz höherer Prognosen bestehen

 

Die starke Ergebnisentwicklung verdeckt nicht die bestehenden Herausforderungen. Aurubis ist weiterhin von der Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe, den internationalen Metallmärkten und der Auslastung seiner Anlagen abhängig.

Ein zusätzlicher Punkt ist die Liquiditätsentwicklung. Nach den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2025/26 meldete Aurubis einen Netto-Cashflow von minus 28 Millionen Euro gegenüber plus 357 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen begründete die Entwicklung unter anderem mit vorübergehend höheren Beständen an Zwischenprodukten im Zusammenhang mit der erweiterten Kupferelektrolyse in Bulgarien.

Damit zeigt sich, dass höhere operative Gewinne nicht zwangsläufig sofort zu einem entsprechend höheren Mittelzufluss führen.

Für Salzgitter kommen die Risiken des europäischen Stahlmarktes hinzu. Energiepreise, Importwettbewerb, Nachfrage aus der Automobilindustrie und hohe Investitionen in die Transformation der Stahlproduktion bleiben wichtige Einflussgrößen.

Auch die Bewertung der im Oktober 2025 platzierten Umtauschanleihe kann zu erheblichen bilanziellen Ergebnisschwankungen führen. Deshalb verwendet Salzgitter seit 2026 für seine Prognose bereinigte VX-Kennzahlen, bei denen diese Bewertungseffekte herausgerechnet werden.

 

Ausblick auf die nächsten Geschäftszahlen

 

Mit den vorläufigen Neunmonatszahlen hat Salzgitter ein deutlich stärkeres Ergebnisbild vorgelegt als noch zu Jahresbeginn erwartet. Die Aurubis-Beteiligung ist dabei ein wesentlicher Faktor, aber nicht der einzige Grund für die angehobene Prognose.

Die vollständigen Neunmonatsergebnisse will Salzgitter am 12. November 2026 veröffentlichen. Dann dürften insbesondere die Entwicklung der einzelnen Geschäftsbereiche, die Auswirkungen der HKM-Konsolidierung und die weitere Ergebnisqualität im Mittelpunkt stehen.

Für Aurubis wird entscheidend sein, ob das Unternehmen die verbesserte operative Entwicklung in einen nachhaltig höheren Cashflow überführen und die neuen Recyclingkapazitäten wirtschaftlich erfolgreich hochfahren kann.

Der Zusammenhang zwischen beiden Konzernen zeigt zugleich, wie stark Kupfer, Edelmetalle und industrielle Kreislaufwirtschaft inzwischen auf die Ertragslage eines traditionellen deutschen Stahlkonzerns wirken.

Grundlage der Salzgitter-Angaben ist die Ad-hoc-Mitteilung vom 28. Oktober 2026.

 

31.10.2026 - Tobias Dalacker -  edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de

 

 

 






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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Aurubis-treibt-Salzgitter-Gewinn-2026---Prognose-erhoeht-31102026t