Iridium – das seltene Edelmetall im Überblick
Eigenschaften, Förderung, Anwendungen, Wasserstofftechnologie und Preisbildung: Warum Iridium für die Industrie wichtig ist.
Inhaltsverzeichnis
Iridium gehört zu den seltensten und widerstandsfähigsten Metallen der Erde. Das silberweiße Edelmetall mit dem chemischen Symbol Ir und der Ordnungszahl 77 ist vielen Menschen kaum bekannt. Dabei übernimmt es wichtige Aufgaben in der Chemieindustrie, Elektronik, Medizintechnik und modernen Wasserstoffproduktion. Besonders seine außergewöhnliche Korrosionsbeständigkeit, hohe Dichte und Temperaturfestigkeit machen Iridium für Anwendungen interessant, bei denen andere Werkstoffe an ihre Grenzen stoßen.
Während Gold und Silber vor allem als Schmuck-, Anlage- und Industriemetalle bekannt sind, besitzt Iridium eine andere wirtschaftliche Bedeutung. Der Markt ist klein, die Förderung auf wenige Regionen konzentriert und das Angebot lässt sich selbst bei steigender Nachfrage nur begrenzt ausweiten. Mit der Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft gewinnt deshalb eine Frage an Bedeutung: Reicht das verfügbare Iridium langfristig für die industrielle Nachfrage?
Dieser Fachartikel erklärt, was Iridium ist, wo es vorkommt, wie es gewonnen wird, welche Eigenschaften das Metall besitzt, warum es für Wasserstofftechnologien benötigt wird und welche Besonderheiten bei Preisbildung, Recycling und physischem Erwerb zu beachten sind.
Was ist Iridium (Ir)?
Iridium ist ein chemisches Element aus der Gruppe der Platinmetalle. Zu dieser Gruppe gehören neben Iridium auch Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium und Osmium. Alle sechs Elemente sind Edelmetalle und zeichnen sich durch besondere chemische oder physikalische Eigenschaften aus.
Das Metall besitzt eine silberweiße Farbe, eine außergewöhnlich hohe Dichte und einen sehr hohen Schmelzpunkt. Besonders bemerkenswert ist seine Widerstandsfähigkeit gegenüber chemischen Angriffen. Unter gewöhnlichen Bedingungen widersteht kompaktes Iridium zahlreichen aggressiven Substanzen, die andere Metalle angreifen würden.
Gleichzeitig ist Iridium hart und spröde. Diese Kombination erschwert die mechanische Bearbeitung erheblich. Während Gold relativ leicht zu Blechen oder Drähten verarbeitet werden kann, benötigt Iridium häufig spezielle Fertigungsverfahren und hohe Temperaturen.
Der Name Iridium leitet sich vom griechischen Wort „iris“ für Regenbogen ab. Er bezieht sich auf die unterschiedlichen Farben bestimmter Iridiumverbindungen.
Iridium – Eigenschaften und technische Daten in der Tabelle
Die wichtigsten physikalischen und chemischen Eigenschaften von Iridium lassen sich wie folgt zusammenfassen. Die Werte beziehen sich auf das reine Element und können je nach Messverfahren und Referenz geringfügig abweichen.
Quelle der grundlegenden Elementdaten: Royal Society of Chemistry.
Warum ist Iridium so besonders?

Die außergewöhnlichen Eigenschaften des Iridiums beruhen auf seiner atomaren Struktur und seinen starken metallischen Bindungen. Insbesondere die Kombination aus chemischer Stabilität, Temperaturbeständigkeit und hoher Dichte unterscheidet es von zahlreichen anderen Industriemetallen.
Korrosionsbeständigkeit: Iridium zählt zu den korrosionsbeständigsten bekannten Metallen. Kompaktes Iridium widersteht vielen Säuren und chemisch aggressiven Umgebungen. Unter bestimmten Hochtemperaturbedingungen oder in reaktiven Salzschmelzen kann allerdings auch Iridium angegriffen werden. Absolute chemische Unzerstörbarkeit besitzt das Metall nicht.
Hohe Dichte: Mit rund 22,56 Gramm pro Kubikzentimeter ist Iridium deutlich dichter als Gold mit ungefähr 19,3 Gramm pro Kubikzentimeter. Es gehört gemeinsam mit Osmium zu den dichtesten bekannten Elementen.
Temperaturfestigkeit: Der Schmelzpunkt von rund 2.446 Grad Celsius erlaubt Anwendungen bei Temperaturen, die für viele andere Metalle ungeeignet wären.
Härte und Sprödigkeit: Die hohe Härte ist für verschleißbeanspruchte Bauteile vorteilhaft. Die Sprödigkeit erschwert dagegen die Verarbeitung und kann bei mechanischer Belastung problematisch sein.
Ausführliche chemische und physikalische Referenzdaten stellt die Royal Society of Chemistry zum Element Iridium bereit.
Wo kommt Iridium vor und wie selten ist es?
Iridium kommt in der Erdkruste nur in äußerst geringen Konzentrationen vor. Wirtschaftlich relevante Mengen finden sich überwiegend zusammen mit anderen Platinmetallen in bestimmten magmatischen Lagerstätten sowie in nickel- und kupferhaltigen Erzen.
Anders als bei Gold existieren nur sehr wenige Förderprojekte, bei denen Iridium überhaupt als eigenständiges wirtschaftliches Ziel betrachtet werden könnte. Meist fällt es als Nebenprodukt bei der Gewinnung und Raffination anderer Metalle an.
Das hat weitreichende Folgen: Selbst wenn der Iridiumpreis steigt, können Bergbauunternehmen ihre Förderung nicht ohne Weiteres erhöhen. Entscheidend ist zunächst, wie viel geeignetes Erz mit Platinmetallen gefördert und verarbeitet wird.
Die globale Jahresproduktion bewegt sich nach unterschiedlichen fachlichen Schätzungen lediglich in einer Größenordnung von wenigen Tonnen. Eine 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung arbeitet mit einer jährlichen Menge von ungefähr 7,5 Tonnen. Solche Angaben sind jedoch nicht mit einer vollständig erfassten und amtlich bestätigten Weltproduktion für 2026 gleichzusetzen.
Die genaue Menge hängt unter anderem davon ab, ob Minenproduktion, Raffinerieausstoß oder Sekundärgewinnung betrachtet werden.
In welchen Ländern wird Iridium gefördert?
Die bedeutendsten Vorkommen befinden sich in Regionen mit großen Platinmetalllagerstätten. Besonders Südafrika spielt eine zentrale Rolle. Weitere relevante Förderregionen liegen unter anderem in Simbabwe, Russland und Nordamerika.
Der südafrikanische Bushveld-Komplex gehört zu den wichtigsten geologischen Lagerstätten für Platinmetalle weltweit. Bei der dortigen Förderung können neben Platin und Palladium auch Rhodium, Ruthenium, Osmium und Iridium gewonnen werden.
Die geografische Konzentration schafft Risiken. Stromausfälle, Arbeitskonflikte, technische Schwierigkeiten, Transportprobleme oder Veränderungen der Bergbauproduktion können sich auf die Versorgung mit mehreren Platinmetallen gleichzeitig auswirken.
Für die europäische Industrie ist deshalb nicht nur die weltweite Fördermenge entscheidend. Ebenso wichtig sind funktionierende Raffineriekapazitäten, verlässliche Lieferketten und Möglichkeiten zur Rückgewinnung aus industriellen Reststoffen.
Wie wird Iridium gewonnen und raffiniert?
Die Gewinnung von Iridium ist technisch anspruchsvoll und erfolgt gewöhnlich in mehreren aufeinanderfolgenden Verarbeitungsschritten.
Zunächst werden geeignete Erze abgebaut und angereichert. Anschließend werden die enthaltenen Metalle durch metallurgische und chemische Verfahren voneinander getrennt. Bei der Platinmetallraffination müssen Elemente separiert werden, die teilweise ähnliche chemische Eigenschaften besitzen.
Iridium wird dabei durch spezialisierte chemische Trennverfahren aus komplexen Metallgemischen isoliert. Je nach gewünschtem Endprodukt folgen weitere Reinigungsschritte und die Herstellung von Metallpulver, Schwamm, Legierungen oder industriellen Halbzeugen.
Die Verarbeitung zu massiven Bauteilen ist wegen des hohen Schmelzpunktes und der Sprödigkeit besonders aufwendig. Für manche Anwendungen sind Pulvermetallurgie, spezielle Schmelzverfahren oder Beschichtungstechniken besser geeignet als herkömmliche Umformverfahren.
Diese anspruchsvolle Raffination ist ein zusätzlicher Grund dafür, dass Iridium nicht mit einem gewöhnlichen Industriemetallmarkt vergleichbar ist.
Wofür wird Iridium verwendet?
Iridium besitzt mehrere spezialisierte industrielle Einsatzgebiete. Sein wirtschaftlicher Nutzen ergibt sich weniger aus großen Verbrauchsmengen als aus Funktionen, die unter extremen chemischen oder thermischen Bedingungen zuverlässig erfüllt werden müssen.
Chemische Industrie: Iridiumhaltige Materialien werden in bestimmten Katalysatoren und elektrochemischen Prozessen eingesetzt. Ihre Stabilität kann dort entscheidend für die Lebensdauer und Leistungsfähigkeit technischer Anlagen sein.
Elektrotechnik: Widerstandsfähige Kontakte und spezielle Bauteile profitieren von den Materialeigenschaften des Edelmetalls.
Zündkerzen: Iridium wird für besonders widerstandsfähige Elektroden verwendet. Seine Temperaturbeständigkeit und Verschleißfestigkeit ermöglichen kleine, langlebige Elektrodengeometrien.
Hochtemperaturanwendungen: Bestimmte Tiegel, Spezialkomponenten und Bauteile für anspruchsvolle industrielle Prozesse werden aus Iridium oder iridiumhaltigen Werkstoffen hergestellt.
Medizintechnik: Iridiumhaltige Legierungen und Elektrodenmaterialien können in spezialisierten medizinischen Anwendungen eingesetzt werden. Darüber hinaus wird das radioaktive Isotop Iridium-192 in bestimmten Formen der Brachytherapie und in der industriellen Radiografie verwendet. Radioaktives Iridium-192 ist dabei klar vom gewöhnlichen stabilen Metall zu unterscheiden.
Forschung: Iridiumverbindungen werden in der Katalyse, Materialwissenschaft und Elektrochemie untersucht. Insbesondere ihre katalytischen Eigenschaften eröffnen Anwendungen, die über den klassischen Einsatz als Metall hinausgehen.
Warum ist Iridium für grünen Wasserstoff wichtig?
Eine der technologisch interessantesten Anwendungen von Iridium liegt in der Wasserelektrolyse. Dabei wird Wasser unter Einsatz elektrischer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt.
Bei sogenannten PEM-Elektrolyseuren, die mit einer Protonenaustauschmembran arbeiten, kommen an der Sauerstoffelektrode häufig iridiumbasierte Katalysatoren zum Einsatz. Besonders Iridiumoxid besitzt eine für diese Anwendung wichtige Kombination aus katalytischer Aktivität und Stabilität unter stark oxidierenden Bedingungen.
PEM-Elektrolyseure können vergleichsweise dynamisch betrieben werden und eignen sich daher grundsätzlich für die Kopplung mit schwankender Stromerzeugung aus Wind- und Solaranlagen.
Der Materialbedarf stellt allerdings eine Herausforderung dar. Würde die weltweite PEM-Elektrolysekapazität stark ausgebaut, könnte der Bedarf an Iridium deutlich zunehmen, sofern der Edelmetalleinsatz pro Anlage nicht ausreichend sinkt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Form der Wasserstoffelektrolyse Iridium benötigt. Alkalische Elektrolyseure und andere technische Konzepte arbeiten mit unterschiedlichen Materialien und Katalysatorsystemen.
Die tatsächliche zukünftige Nachfrage hängt daher wesentlich davon ab, welche Elektrolysetechnologien eingesetzt werden und wie stark sich der Iridiumbedarf je Kilowatt Anlagenleistung reduzieren lässt.
Wie viel Iridium benötigen moderne Elektrolyseure?
Der Iridiumeinsatz ist Gegenstand intensiver Forschung. Ein im Jahr 2025 veröffentlichter Bericht des Fraunhofer IPA nennt für einen damaligen technischen Stand einen Bedarf von 0,67 Gramm Iridium je Kilowatt Elektrolyseleistung.
Zur Einordnung: Würde eine Anlage mit 100 Megawatt Leistung genau diesen spezifischen Materialeinsatz aufweisen, entspräche das rechnerisch 67 Kilogramm Iridium. Es handelt sich um ein Rechenbeispiel und nicht um einen universell gültigen Wert für sämtliche PEM-Anlagen.
Gerade deshalb arbeiten Forschungseinrichtungen an dünneren Katalysatorschichten, verbesserten Trägermaterialien und einer höheren Ausnutzung des eingesetzten Edelmetalls.
Das Fraunhofer IPA und das Leibniz-Institut für Katalyse untersuchten im Projekt IREKA unterschiedliche Ansätze zur Verringerung des Iridiumbedarfs. Dazu gehörten dünne Legierungsschichten, die Herstellung von Iridiumoxid und besonders kleine Katalysatorpartikel.
Weitere Informationen zu den technologischen Ansätzen bietet das Fraunhofer-Forschungsprojekt IREKA zur Reduzierung des Iridiumeinsatzes.
Wie entsteht der Iridiumpreis?
Der Iridiumpreis entsteht in einem wesentlich kleineren und weniger liquiden Markt als die Preise von Gold oder Silber. Der Handel konzentriert sich stärker auf industrielle Abnehmer, spezialisierte Edelmetallunternehmen, Raffinerien und professionelle Marktteilnehmer.
Für Iridium existiert kein mit dem international bekannten Goldpreis vergleichbarer, breit etablierter Referenzmechanismus mit entsprechend hoher Marktliquidität.
Preisindikationen stammen häufig aus spezialisierten Marktberichten, Händlernotierungen und individuellen Handelsgeschäften. Dabei können Reinheit, Lieferform, Menge, Herkunft, Verfügbarkeit und Vertragsbedingungen erhebliche Unterschiede verursachen.
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen die industrielle Nachfrage, die Förderung anderer Platinmetalle, die Versorgungssituation in Südafrika, die Lagerbestände und der Bedarf aus neuen Technologien.
Auch einzelne größere Bestellungen können in einem kleinen Markt erhebliche Auswirkungen haben. Gleichzeitig kann eine rückläufige industrielle Nachfrage deutliche Preiskorrekturen auslösen.
Ein konkreter aktueller Iridiumpreis wird hier bewusst nicht angegeben, weil ohne zeitgleich verifizierte, vergleichbare Marktindikation weder ein belastbarer Tagespreis noch ein seriöser Ankaufspreis genannt werden kann.
Ist Iridium teurer als Gold oder Platin?
Iridium kann zeitweise teurer als Gold oder Platin gehandelt werden. Daraus lässt sich jedoch keine dauerhaft gültige Rangfolge der Edelmetallpreise ableiten.
Die Preise der Platinmetalle reagieren teilweise sehr unterschiedlich auf industrielle Entwicklungen. Rhodium, Palladium, Platin und Iridium besitzen jeweils eigene Nachfrageprofile und Marktstrukturen.
Außerdem muss zwischen dem Rohmetallpreis und dem tatsächlichen Kaufpreis eines physischen Produkts unterschieden werden. Bei kleinen Iridiummengen können Herstellung, Raffination, Zertifizierung und Handelsspannen einen erheblichen Teil des Endpreises ausmachen.
Eine direkte Gegenüberstellung von Börsenpreisen und Einzelhandelspreisen ohne Berücksichtigung dieser Unterschiede kann daher irreführend sein.
Iridium als Wertanlage – Chancen und Risiken
Aufgrund seiner Seltenheit wird Iridium gelegentlich als alternatives physisches Edelmetall betrachtet. Anders als bei Gold oder Silber handelt es sich jedoch nicht um einen etablierten privaten Anlagemarkt mit breiter Produktauswahl und zahlreichen standardisierten Handelsmöglichkeiten.
Physisches Iridium kann beispielsweise in Form spezieller Barren, kleiner Metallstücke oder Pulver angeboten werden. Nicht jede Handelsform eignet sich gleichermaßen für die private Aufbewahrung oder einen späteren Wiederverkauf.
Die wesentlichen Risiken liegen in der geringen Marktliquidität, teilweise großen Unterschieden zwischen An- und Verkaufspreisen, eingeschränkten Rückkaufmöglichkeiten und der schwierigen unabhängigen Materialprüfung.
Hinzu kommt, dass die Preisentwicklung stark von wenigen industriellen Anwendungen beeinflusst werden kann. Technologische Veränderungen könnten die Nachfrage erhöhen, aber ebenso den Materialbedarf je Anwendung reduzieren.
Iridium ist deshalb nicht einfach ein besonders seltenes Gold. Seine wirtschaftlichen Eigenschaften und Handelsbedingungen unterscheiden sich grundlegend von denen klassischer Anlageedelmetalle.
Wie erkennt man echtes Iridium?
Die Echtheitsprüfung von Iridium erfordert Fachkenntnisse und geeignete Analyseverfahren. Farbe, Gewicht und eine einfache Sichtprüfung reichen für eine zuverlässige Identifizierung nicht aus.
Die hohe Dichte kann zwar einen ersten Hinweis liefern, doch auch andere Metalle besitzen hohe Dichten. Außerdem können Legierungen oder Beschichtungen die Beurteilung erschweren.
Professionelle Verfahren umfassen beispielsweise die Röntgenfluoreszenzanalyse zur Bestimmung der oberflächennahen Elementzusammensetzung. Je nach Produktform und Prüfziel können zusätzliche Verfahren notwendig sein, insbesondere wenn eine Beschichtung oder ein inhomogener Materialaufbau vermutet wird.
Bei industriellen Handelsmengen spielen deshalb nachvollziehbare Herkunftsnachweise, Chargendokumentationen und Analysenzertifikate eine wichtige Rolle.
Wie wichtig ist das Recycling von Iridium?
Das Recycling von Iridium besitzt eine besondere wirtschaftliche und strategische Bedeutung. Wegen der geringen Primärproduktion kann die Rückgewinnung aus industriellen Materialien einen wichtigen Beitrag zur Versorgung leisten.
Geeignete Ausgangsmaterialien sind beispielsweise verbrauchte Katalysatoren, Produktionsreste, iridiumhaltige Legierungen und bestimmte technische Komponenten.
Die Rückgewinnung ist allerdings anspruchsvoll. Das Metall muss häufig aus komplexen Stoffgemischen getrennt und anschließend auf die für industrielle Anwendungen erforderliche Reinheit gebracht werden.
Bei sehr dünnen Beschichtungen kann die Rückgewinnung besonders schwierig sein, wenn nur geringe Metallmengen auf großen oder komplexen Trägermaterialien verteilt sind.
Für die langfristige Versorgung mit Iridium werden deshalb sowohl effizientere Recyclingverfahren als auch materialärmere Produktdesigns benötigt.
Iridium und der Asteroid, der die Dinosaurier auslöschte
Iridium spielt nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Erdgeschichte eine außergewöhnliche Rolle. Weltweite Untersuchungen bestimmter geologischer Schichten ergaben auffällige Iridiumanreicherungen an der Kreide-Paläogen-Grenze vor rund 66 Millionen Jahren.
Da Iridium in der Erdkruste sehr selten vorkommt, in bestimmten außerirdischen Materialien jedoch vergleichsweise stärker vertreten ist, wurde diese Anreicherung zu einem wichtigen Hinweis auf einen großen Asteroideneinschlag.
Die Untersuchungen trugen zur Entwicklung der Einschlaghypothese bei, die heute durch zahlreiche weitere geologische Erkenntnisse gestützt wird. Der Chicxulub-Einschlag im Gebiet des heutigen Mexiko gilt als ein zentraler Auslöser der damaligen globalen Umweltkrise und des Massenaussterbens am Ende der Kreidezeit.
Damit wurde ausgerechnet ein seltenes Edelmetall zu einem wichtigen geochemischen Indikator für eines der bedeutendsten Ereignisse der Erdgeschichte.
Wer entdeckte Iridium?
Die Entdeckung des Iridiums geht auf das Jahr 1803 zurück. Der britische Chemiker Smithson Tennant untersuchte Rückstände, die bei der chemischen Behandlung von Rohplatin zurückblieben.
Aus diesen Rückständen konnte er zwei bis dahin unbekannte Elemente identifizieren: Iridium und Osmium.
Die Entdeckung war ein wichtiger Schritt bei der wissenschaftlichen Erforschung der Platinmetalle. Sie zeigte, dass Rohplatin nicht nur ein einzelnes Edelmetall, sondern mehrere chemisch unterschiedliche Elemente enthalten kann.
Historisch wurde Iridium unter anderem für besonders beständige Legierungen eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel ist das frühere internationale Meterprototyp aus einer Platin-Iridium-Legierung. Diese Materialwahl sollte eine möglichst hohe Beständigkeit und Maßstabilität gewährleisten.
Welche Bedeutung hat Iridium für die Zukunft?
Die zukünftige wirtschaftliche Bedeutung von Iridium wird wesentlich davon abhängen, wie sich industrielle Technologien entwickeln. Besonders die Wasserstoffwirtschaft könnte zusätzliche Nachfrage schaffen.
Eine 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung zum globalen Ausbau der PEM-Elektrolyse zeigt, dass Iridium unter bestimmten Ausbau- und Technologieszenarien zu einem Engpass werden könnte. Die Studie betont zugleich die Bedeutung einer besseren Katalysatorausnutzung und effizienter Materialkreisläufe.
Solche Ergebnisse sind Szenariorechnungen und keine gesicherten Prognosen über einen bevorstehenden Rohstoffmangel. Technologische Fortschritte, alternative Elektrolyseverfahren und veränderte Ausbaugeschwindigkeiten können den tatsächlichen Bedarf erheblich beeinflussen.
Für Unternehmen und Forschungseinrichtungen steht deshalb nicht allein die Frage nach zusätzlichen Fördermengen im Mittelpunkt. Ebenso wichtig ist, mit möglichst wenig Iridium eine hohe technische Leistung und lange Lebensdauer zu erreichen.
Der Rohstoff verdeutlicht damit ein grundlegendes Problem moderner Hochtechnologie: Ein Material kann in sehr kleinen Mengen benötigt werden und dennoch für ganze industrielle Wertschöpfungsketten entscheidend sein.
Häufige Fragen zu Iridium (FAQ)
Ist Iridium seltener als Gold?
Ja. Iridium kommt in der Erdkruste wesentlich seltener vor als Gold. Auch seine jährliche Primärproduktion liegt weit unter der weltweiten Goldförderung. Die Seltenheit allein bestimmt jedoch nicht den Marktpreis.
Kann man Iridium als Privatperson kaufen?
Grundsätzlich ja. Physisches Iridium wird über spezialisierte Anbieter gehandelt. Käufer sollten besonders auf Reinheit, Echtheitsnachweise, Handelsaufschläge und mögliche Rückkaufbedingungen achten.
Ist Iridium magnetisch?
Reines Iridium ist unter gewöhnlichen Bedingungen nicht ferromagnetisch wie Eisen. Ein einfacher Magnettest reicht deshalb nicht aus, um die Echtheit oder Reinheit von Iridium zuverlässig festzustellen.
Warum braucht man Iridium für Wasserstoff?
Iridiumbasierte Katalysatoren werden in vielen PEM-Elektrolyseuren an der Sauerstoffelektrode eingesetzt. Sie ermöglichen dort die Sauerstoffentwicklung unter chemisch anspruchsvollen Bedingungen. Andere Elektrolysetechnologien können ohne Iridium arbeiten.
Fazit: Iridium ist eines der außergewöhnlichsten Edelmetalle. Seine Seltenheit, hohe Dichte, Korrosionsbeständigkeit und Temperaturfestigkeit machen es für zahlreiche Spezialanwendungen interessant. Besonders bei PEM-Elektrolyseuren zeigt sich seine strategische Bedeutung für moderne Technologien. Ob die Nachfrage langfristig steigt, hängt jedoch nicht allein vom Ausbau der Wasserstoffwirtschaft ab, sondern ebenso von Materialeinsparungen, Recycling und konkurrierenden technischen Verfahren. Iridium bleibt damit vor allem ein hochspezialisierter Industrierohstoff mit einem kleinen und anspruchsvollen Markt.
31.10.2026 - Tobias Dalacker - edelmetalle-aktuell@muenzkauf.de
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Quelle: https://blog.muenzkauf.de/Iridium-Ir---Eigenschaften--Vorkommen-Verwendung-und-Wert-des-seltenen-Edelmetalls-31102026t