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China kauft Gold – und der Euroraum?

Während China seine Goldreserven ausbaut, besitzen die Euro-Notenbanken bereits einen gewaltigen Goldschatz. Doch sie verfolgen eine andere Strategie.

 

China kauft weiter Gold. Auch mehrere Schwellenländer haben ihre Reserven in den vergangenen Jahren deutlich aufgestockt. Schnell entsteht dabei der Eindruck, dass vor allem die BRICS-Staaten Gold anhäufen, während Europa zusieht. Doch dieser Vergleich greift zu kurz. Der Euroraum sitzt bereits heute auf einem der größten staatlichen Goldbestände der Welt – und muss deshalb gar nicht im gleichen Umfang zukaufen.

Die aktuellen Zahlen zeigen dennoch einen auffälligen Unterschied: Während die chinesische Zentralbank ihre Bestände 2026 weiter aktiv erhöht, verändert sich die Goldmenge des Eurosystems praktisch nicht. Europas Position wird derzeit vor allem durch den enormen Wert seines bereits vorhandenen Goldes stärker.

 

China setzt seine Goldkäufe fort

 

Bei der chinesischen Zentralbank ist die Richtung eindeutig. Nach Angaben des World Gold Council erhöhte die People's Bank of China ihre offiziell gemeldeten Goldreserven allein im August 2026 um rund 20,2 Tonnen. Damit stieg der Bestand auf etwa 2.387 Tonnen. Es war bereits der 22. Monat in Folge, in dem China eine Erhöhung seiner Goldreserven meldete.

Schon im ersten Halbjahr 2026 hatte China rund 40 Tonnen hinzugekauft. Bemerkenswert ist dabei nicht nur die absolute Menge, sondern die Kontinuität. China baut seinen Goldbestand schrittweise aus und reduziert damit zumindest relativ die Abhängigkeit seiner Reserven von klassischen Fremdwährungsanlagen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche BRICS-Staaten gleichzeitig Gold kaufen. Russland beispielsweise gehörte 2026 zeitweise zu den Nettoverkäufern. Die häufig verwendete Aussage „die BRICS kaufen Gold“ ist daher zu pauschal. Richtig ist vielmehr, dass China sowie verschiedene Schwellenländer seit Jahren eine wichtige Rolle bei den weltweiten Zentralbankkäufen spielen.

Der World Gold Council bezifferte die weltweite Netto-Goldnachfrage der Zentralbanken im zweiten Quartal 2026 auf rund 289 Tonnen. Nach einem schwächeren ersten Quartal zog die Nachfrage damit wieder kräftig an.

Goldreserven von China und den Zentralbanken des Euroraums

 

Und was machen die Euroländer?

 

Hier wird es interessant. Wer nur auf die laufenden Käufe schaut, könnte Europa für zurückhaltend halten. Wer dagegen die vorhandenen Bestände betrachtet, erhält ein völlig anderes Bild.

Das Eurosystem meldete für Ende August 2026 rund 347,468 Millionen Feinunzen Gold. Umgerechnet sind das ungefähr 10.806 Tonnen. Der Marktwert wurde von der Europäischen Zentralbank zu diesem Zeitpunkt mit rund 1,336 Billionen Euro angegeben.

Damit besitzt das Eurosystem zusammengenommen mehr als das Vierfache des offiziell gemeldeten chinesischen Goldbestands. China muss also über Jahre hinweg erhebliche Mengen kaufen, um überhaupt in die Größenordnung der heutigen Goldreserven des Euroraums zu gelangen.

Die aktuellen Daten der Europäischen Zentralbank zeigen gleichzeitig, dass diese riesige Goldposition mengenmäßig nahezu unverändert bleibt. Ende Juni 2026 waren noch 347,472 Millionen Feinunzen ausgewiesen. Ende August waren es 347,468 Millionen. Von einer groß angelegten Gold-Kaufkampagne des Eurosystems kann daher keine Rede sein.

 

Deutschland allein besitzt mehr Gold als China

 

Besonders deutlich wird die Ausgangslage am Beispiel Deutschlands. Die Deutsche Bundesbank verfügte Ende 2025 über rund 3.350 Tonnen Gold. Damit übertraf allein der deutsche Bestand den offiziell gemeldeten chinesischen Goldschatz deutlich.

Die Bundesbank kaufte 2025 allerdings nicht massiv hinzu. Der Bestand sank sogar geringfügig um rund eine Tonne, was mit der Verwendung von Gold für das Münzprägeprogramm zusammenhing. Die deutsche Strategie besteht somit nicht darin, dem chinesischen Kaufkurs hinterherzulaufen, sondern einen historisch sehr großen vorhandenen Bestand zu halten.

Auch Italien und Frankreich gehören seit Jahrzehnten zu den Staaten mit besonders großen Goldreserven. Ein erheblicher Teil des europäischen Goldschatzes stammt aus einer Zeit, in der Gold im internationalen Währungssystem noch eine wesentlich unmittelbarere Rolle spielte.

 

EU ist nicht gleich Euroraum

 

Eine Besonderheit sorgt bei aktuellen Meldungen immer wieder für Verwirrung: Einige der aktivsten europäischen Goldkäufer gehören zur Europäischen Union, aber nicht zum Euroraum.

Das wichtigste Beispiel ist Polen. Die polnische Zentralbank war 2025 mit einem Zukauf von rund 102 Tonnen der größte offiziell gemeldete staatliche Goldkäufer der Welt. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere rund 82 Tonnen hinzu. Ende Juni hielt Polen nach Angaben des World Gold Council bereits etwa 632 Tonnen Gold.

Polen ist EU-Mitglied, verwendet aber nicht den Euro. Seine spektakulären Käufe dürfen deshalb nicht einfach den Goldkäufen des Eurosystems zugerechnet werden.

Ähnliches gilt für Tschechien. Die tschechische Zentralbank erhöhte ihre Reserven 2025 um rund 20 Tonnen und setzte ihre Käufe 2026 fort. Auch Tschechien ist Mitglied der Europäischen Union, gehört aber nicht zum Euroraum.

 

Der Goldpreis macht Europas Reserven automatisch wertvoller

 

Für die europäischen Zentralbanken hatte der Goldboom noch einen anderen Effekt. Sie mussten keine einzige zusätzliche Tonne kaufen, damit ihre Goldposition bilanziell massiv an Wert gewann.

Bei der EZB selbst erhöhte sich der Euro-Wert der gehaltenen Goldbestände im Jahr 2025 um 18,9 Milliarden Euro auf 59,8 Milliarden Euro. Ursache war laut EZB der gestiegene Goldpreis und nicht ein entsprechender physischer Zukauf.

Bei der Bundesbank ist der Effekt noch eindrucksvoller. Der Marktwert ihrer Goldbestände stieg laut Jahresabschluss von rund 270,6 Milliarden Euro Ende 2024 auf rund 395,2 Milliarden Euro Ende 2025 – bei praktisch unveränderter Goldmenge.

Das zeigt einen entscheidenden Unterschied zwischen Tonnen und Wert: Eine Zentralbank kann ihre Goldposition erheblich ausbauen, ohne physisches Gold zu kaufen, wenn der Marktpreis des vorhandenen Bestands steigt.

 

Gold gewinnt im internationalen Reservesystem an Gewicht

 

Die Entwicklung reicht inzwischen weit über China hinaus. Nach einer Analyse der EZB erreichte Gold Ende 2025 zu aktuellen Marktpreisen rund 27 Prozent der betrachteten weltweiten offiziellen Reserven. Damit lag Gold in dieser Betrachtung sogar vor dem Euro und vor US-Staatsanleihen.

Die EZB weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass ein großer Teil dieses Anstiegs auf den stark gestiegenen Goldpreis zurückzuführen ist. Bereinigt man den Vergleich um diesen Preiseffekt, fällt die Verschiebung wesentlich kleiner aus.

Trotzdem hat sich die Haltung vieler Zentralbanken gegenüber Gold verändert. In der Zentralbankumfrage 2026 des World Gold Council erwarteten 89 Prozent der befragten Notenbanken steigende weltweite Goldreserven innerhalb der folgenden zwölf Monate. Als Gründe werden unter anderem Diversifikation, Krisenfestigkeit, Inflationsschutz und geopolitische Risiken genannt.

 

China kauft auf – der Euroraum besitzt bereits

 

Genau darin liegt der Kern des Vergleichs. China verfolgt derzeit eine aktive Akkumulationsstrategie. Der offiziell gemeldete Bestand von rund 2.387 Tonnen wächst weiter. Im Euroraum ist dagegen derzeit keine vergleichbare Kaufwelle erkennbar.

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Gold für die Eurostaaten unwichtig wäre. Im Gegenteil: Mit rund 10.800 Tonnen verfügt das Eurosystem bereits über einen außergewöhnlich großen Bestand. Deutschland allein hält mehr Gold als China offiziell ausweist.

Interessanterweise findet die aggressivere europäische Goldakkumulation momentan eher außerhalb des Euroraums statt. Polen ist dafür das auffälligste Beispiel. Während viele große Euro-Notenbanken ihre historischen Bestände weitgehend halten, versuchen einige mittel- und osteuropäische Zentralbanken ihre Reserven erst noch deutlich auszubauen.

Die treffendere Gegenüberstellung lautet deshalb nicht „China und BRICS kaufen, Europa nicht“. Sie lautet: Einige Schwellenländer bauen ihre Goldreserven aktiv aus, während die großen Notenbanken des Euroraums bereits auf einem historisch gewachsenen Goldbestand von mehr als 10.000 Tonnen sitzen.

Und gerade der starke Goldpreisanstieg der vergangenen Jahre hat gezeigt, welche Größenordnung dieser vermeintlich ruhende Schatz inzwischen wieder erreicht hat.

 

26.09.2026 - Tobias Dalacker - info@muenzkauf.de

 

 

 






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